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Kuba: Die Bomben des Raul Ernesto Cruz

von Leo Burghardt, Havanna (ND)

Von April 1994 bis Anfang 1997 hat die kubanische Abwehr 30 Terrorcoups aufgedeckt bzw. im Ansatz verhindert. Jetzt ging ihr der salvadorianische Bürger Raul Ernesto Cruz León ins Netz.

Er ist erst 26 Jahre alt, aber schon ein ausgemachter Profi. Kühl, gleichmütig und technisch versiert rekonstruierte Cruz am Montagabend in einer Sondersendung des kubanischen Fernsehens, wie er die Einzelteile für die Bomben, die er während zweier Aufenthalte in fünf Hotels und einem Restaurant Havannas legte, eingeschleust hat. Bei seiner ersten Einreise (9. Juli) war der Sprengstoff C-4 in den Sohlen seiner Schuhe verborgen, bei der zweiten (31. August) in einem Fernsehgerät. Die Zünder waren in einem Radiowecker eingebaut. Über den Mechanismus für den Weckruf von Mini-Taschenrechnern der Marke Casio stellte er die Zeitspannen für die Explosionen ein. Im Hotel Copacabana, wo ein italienischer Gast tödlich verletzt wurde, im Chateau und im Tritón - sie liegen nahe beieinander - sollten "die Detonationen möglichst simultan ausgelöst werden, um die Touristen in Panik zu versetzen". In der Bodeguita del Medio hatte er am 4. September die Zeit auf 23 Uhr eingestellt. Und obgleich Cruz um 17.30 Uhr verhaftet wurde, ließ er auch diesen Sprengsatz explodieren.

Oberst Rabeiro, der leitende Vernehmungsoffizier der kubanischen Abwehr, legte in der Fernsehsendung Dutzende Beweise vor, die den geständigen Cruz zweifelsfrei als Urheber der Anschläge belasten. Für jedes gelungene Atteritat waren ihm 4500 Dollar zugesagt. Auf einer Liste standen insgesamt zwölf touristische Objekte. Man sei im Besitz stichhaltiger Indizien, daß Cruz "zu einem Netz von Terroristen und Drogenhändlern gehört, das von El Salvador aus operiert und von der Nationalen KubanischAmerikanischen Stiftung (FNCA) in Miami bezahlt wird".

1981 hatte der Nationale Sicherheitsrat der USA Jorge Mas Canosa und zwei weitere kubanische Millionäre aus Miami eingeladen, um eine Organisation zu gründen, die die Lateinamerika-Politik von Präsident Reagan popularisieren sollte. Es entstand die FNCA. Ihr Oberhaupt ist Mas Canosa, der die Stiftung schon bald zum mächtigsten Instrument der kubanischen Konterrevolution ausbaute - mit einer einflußreichen Lobby im Kongreß, Steuerfreiheit, staatlichen Subventionen und privaten Zuwendungen.

"Mas - unser Mann in Miami, mafios und größenwahnsinnig, ein Meister der psychologischen Kriegführung", urteilte im Oktober 1994 "The New Republic". Ein Schweinebucht-Veteran mit Ansprüchen auf die kubanische Präsidentschaft "nach Castro". Der spanische "Cambio 16": "Für einen wie ihn gibt es nur eine Möglichkeit, die Macht in Kuba zu ergreifen: Den totalen Kollaps der Insel herbeizuführen oder einen Bürgerkrieg zu provozieren, der die Nordamerikaner zu einer Intervention veranlassen könnte. Das ist die bekannte Denkungsart der CIA aus den 50er Jahren." Inzwischen hat der 200 fache Millionär seine Machtstellung ausgebaut: Die konterrevolutionären Organisationen gehorchen ihm aufs Wort, die radikalsten Rundfunkstationen Miamis haben sich ihm ausgeliefert, im Regiernngssender Radio Marti hat er seine Leute in führenden Stellungen.

Überall, wo es Schmutzarbeit für die USA und gegen Kuba zu erledigen galt, trieben sich kubanische Konterrevolutionäre herum, meist ehemalige Angehörige der Brigade 2506, die im April 1961 mit ihrem Landeunternehmen in der kubanischen Schweinebucht scheiterte. Die Brigade hat sich seit 1965 in Miami neben Comando L und Alpha 66 als bekennende Terrororganisation etabliert. Die stellen die Leute, die FNCA regelt die Finanzen. Einer der berüchtigtsten Brigadisten ist Luis Posada Carriles. Er und Orlando Bosch waren die Organisatoren des Bornbenattentats, das im Oktober 1976 eine kubanische Maschine mit 73 Menschen in den Tod riß. Heute befindet sich Posada in El Salvador. Eine Spur?

Ende vergangenen Jahres hatte Posada in einem der Fernsehsender von Miami eine Serie von Attentaten gegen touristische Ziele auf Kuba angekündigt. Die Schwester des Bombenlegers Cruz Leon, Yanira Cruz Leon, sagt zwar, sie habe den Namen Posada Carriles nie gehört. nach den Anschlägen vom September aber habe sich ein kubanischer Touristenführer mit dem Namen Ramon Medina bei der Familie gemeldet. Genau diesen Namen hatte Posada Carriles schon bei früheren Gelegenheiten als Pseudonym verwendet!

Alle vor Cruz in Kuba Verhafteten waren Mitglieder ultrarechter konterrevolutionärer Gruppen und Kubano-Amerikaner. "Diese Strecke wurde ihnen offenkundig zu heiß", stellte Oberst Rabeiro jetzt fest. "Deswegen entschlossen sie sich wohl, als Touristen getarnte Söldner einer anderen Nationalität anzuwerben."