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Shoot Out auf der Kennedyallee


Natürlich lieferten wir uns mit der IGFM nur ein Verbalgefecht. Heinz lief mit seinem schnurlosen Mikro zu großer Form auf. Wenn er nicht Cubas Meriten im Gesundheits- oder Bildungswesen referierte und die den Event betreuenden 6 bis 8 Polizisten über einen gewissen Skandalprozess von fünf Gefangenen ins Bild setzte, skandierte er "Cuba si, Contra no", "el pueblo unido jamas sera vencido" oder ähnlich Erbauliches. Er gewährte sich nur kurze Pausen und seine Stimme war mehr als einmal an dem Punkt zu kippen, sodass einige schon anfingen ihm besorgte Blicke zuwarfen. Er winkte jedes Mal schmunzelnd ab: "Alles noch im grünen Bereich!"
Solidaritätskundgebung mit Kuba, Bonn 26. Juni 2012 IGfM-Gegenkundkebung, Bonn 26. Juni 2012 IGfM-Gegendemonstration, Bonn 26. Juni 2012
Wir, die Cuba-Soli, waren der übliche heterogene Haufen, der sich wieder mal seinem Durchschnittsalter unangemessen benahm und viel blauweißrotes Tuch schwenkte. Wie viel anders und durchweg ästhetisch ansprechender präsentierte sich doch unsere Gegenpartei: kein Anzug unter 800 Euro, keine Krawatte unter 50, die Frauen in geschmackvollen Kostümen. Zwei Quotenfarbige 1 Chinese und 1 Schwarzer im gleichen vorgestanzten Outfit die anscheinend das "I" in IGFM verkörpern sollten. Selbst das glatte, verbindliche Lächeln, wenn jemand von ihnen dann und wann an uns vorbeilief, schien von der Stange zu kommen. Werden diese Leute eigentlich maschinell hergestellt?

Wie wir später erfuhren, fiel die in Berlin vor der richtigen Botschaft geplante Parallelveranstaltung aus. Sie wurde nicht vertagt, sondern ersatzlos gestrichen. Wie es hieß, wollte die IGFM ihre Kräfte in Bonn bündeln (wo außerdem ein zweitägiger Kongress des Vereins stattfand). Die "gebündelten" Kräfte ergaben zirka 10 Personen. Wir waren unser etwa 25. Ich habe das alles auch schon mal in Berlin miterlebt bei einem Kräfteverhältnis von 15 zu 70 und sagte mir seinerzeit: Die "Gusanera" hierzulande schafft es einfach nicht, ihre Klientel zu bewegen, den Hintern hochzukriegen. Inzwischen bin ich nicht mehr überzeugt, dass sie das überhaupt will. Wahrscheinlich fühlen sich IGFM-Aktivisten nur unter ihresgleichen wohl. Wenn gewährleistet ist, dass sie alle mindestens der gehobenen Mittelschicht angehören und dies natürlich auch durch ihr Äußeres dokumentieren, so ergibt das im Endeffekt einen augenfälliger Kontrast zu den ungekämmten Krawallos, als die sie uns zweifellos ansehen. Der Kontrast ist gewollt, da er ihnen wie sie meinen vor einem bürgerlichen Publikum uns gegenüber Vorteile verschafft.

Das Pavillonzelt der IGFM ein Traum von einem Pavillonzelt, schneeweiß, technisch "state of the art" stand ursprünglich unmittelbar vor der Botschaft, will sagen: 2 Zentimeter von den Gitterstäben entfernt, die extraterritoriales cubanisches Hoheitsgebiet vor der Furie des Imperialismus schützen. Unsere Gruppe befand sich (nur durch den Polizeikeil von der andren getrennt) wenige Meter neben der diplomatischen Vertretung. Dass Cubafeinde besser platziert werden als Cubafreunde, liegt in der Natur der Sache. Die "Menschenrechtler" melden ihre Demo an und wir können mit der Anmeldung unserer Gegendemo immer nur hinterher dackeln. Wer zuerst kommt, malt zuerst. Was allerdings etliche von uns überraschte, war die bedrängende Nähe zum Gebäude. Wieso waren sie und wir nicht wie 2008 auf der anderen Straßenseite? Antwort: Weil sich die Polizei nicht an die Absprache hielt! Die gegenüberliegende Seite war mit der Botschaft vereinbart gewesen. Vivian, die Vertreterin der Bonner Nebenstelle, intervenierte (ohne dass wir es ahnten) während der Veranstaltung unermüdlich per Telefon bei dem Einsatzleiter. Das Äußerste, worauf der sich einließ, war eine Verlegung des Pavillonzeltes mit dem Poster der "Damen in Weiß" weg vom Bürgersteig auf die vordere Straßenhälfte, was ca. anderthalb Stunden lang zwei der Ordnungshüter zum Regeln des Straßenverkehrs band. Wir nahmen die Veränderung zur Kenntnis, ohne zu wissen, dass sie Ergebnis harter Verhandlungen war.

Als wir uns nach dem "acto" (wie in solchen Fällen üblich) noch für eine halbe Stunde in der Sala Lam trafen, war Vivian eine Mischung aus Empörung und Traurigkeit über das Vorgefallene noch sichtlich anzumerken. Sie hat sich mit der Berliner Hauptstelle der Botschaft unverzüglich in Verbindung gesetzt. Es wird abzuwarten bleiben, ob die skandalöse Eigenmächtigkeit der Polizei noch ein diplomatisches Nachspiel hat.

Ulrich Fausten