Rund 650 Teilnehmende aus 33 Ländern erreichen Havanna. Lebensmittel, Medikamente und Technik erreichen Kuba trotz Blockade der USA.
Havanna. Am Wochenende sind in Kuba Aktivist:innen mehrerer Solidaritätsnetzwerke mit Spenden aus verschiedenen Ländern eingetroffen. Sie bildeten den Konvoi Nuestra America, der von der Organisation International Progressives (IP) und dem Peoples Forum aus den USA initiiert worden ist. Die Aktion traf auf eine wachsende Bereitschaft in vielen Ländern, Kuba gegen die Politik der USA zu unterstützen. Der Konvoi wird von hunderten Organisationen und Persönlichkeiten unterstützt, darunter Jeremy Corbyn und Greta Thunberg. Der Ankunftstag in Kuba am 21. März wurde zum Tag der internationalen Solidarität mit Kuba ausgerufen.
Mit Schiffen und Flugzeugen erreichten die Delegationen aus verschiedenen Ländern planmäßig Kuba. Insgesamt kamen etwa 650 Teilnehmende aus 33 Ländern mit verschiedenen Teilkonvois nach Kuba. Sie starteten aus Mexiko mit großer Unterstützung der mexikanischen Regierung, die den Konvoi sogar mit einem Schiff der Marine begleiten ließ. Andere Gruppen starteten in den USA und in Italien per Flugzeug.
David Adler, der US-amerikanische Generalkoordinator von IP und Organisator dieses großen Solidaritätsprojekts, bekräftigte in Havanna, dass eines der Ziele dieser Karawane darin bestehe, die Stimmen von Millionen Menschen weltweit zu vereinen und die Politik der US-Regierung zu verurteilen. Als US-Bürger betonte er, dass er die Verantwortung trage, gegen die kriminellen Handlungen der Regierung von Donald Trump weltweit anzugehen. Und er wolle damit die Absicht des Weißen Hauses bekämpfen, die Monroe-Doktrin umzusetzen. Diese Doktrin will US-Dominanz über die gesamte Region erreichen. Daher, so Adler, sei der Kampf für Kuba heute ein Kampf für die Menschheit.
Auch die französische Europaabgeordnete Emma Fourreau verurteilte die US-Politik gegen Kuba als menschenverachtend. Sie prangerte Washingtons Versuche an, Kubas Beispiel zu blockieren und das von ihm verkörperte Projekt sozialer Gerechtigkeit, Unabhängigkeit und Souveränität zu zerstören. Die brasilianische Studentensprecherin Bianca Borges sagte: „Kuba ruft uns auf, eine Sache zu verteidigen, die größer ist als wir selbst: den Kampf gegen den Imperialismus und für ein Lateinamerika, das sich weigert, irgendjemandes Kolonie zu sein.“
In Havanna fand ein offizieller Empfang im Haus der Freundschaft des Kubanischen Instituts für Völkerfreundschaft (ICAP) statt. Zudem gab es ein großes Treffen im Konferenzzentrum der Hauptstadt. Dort dankte der kubanische Präsident Miguel Díaz-Canel den internationalen Aktivist:innen und Organisationen und würdigte diese internationale Aktion als Ausdruck weltweiter Solidarität mit dem sozialistischen Inselstaat. Ähnlich dankbar äußerte sich der Präsident des ICAP, Fernando González Llort, und versprach, dass sich Kuba unter allen Umständen basierend auf seinen Werten und Prinzipien auch weiterhin verteidigen werde.
Der Konvoi brachte neben der starken symbolischen Unterstützung auch wichtige humanitäre Hilfsgüter wie Lebensmittel, Medikamente und Ausrüstung zur Energieversorgung.
In den Ansprachen und Statements der Gäste wurde hervorgehoben, wie intensiv die Solidarität mit Kuba in der jetzigen dramatischen Lage angestiegen sei, wie stark die Unterstützung vonseiten der Zivilgesellschaft in vielen Ländern noch weiter anwachse, während aber fast alle westlichen Regierungen den aus ihrer Sicht US-Terror ohne Kritik weiterhin tolerieren würden. Mit dem europäischen Teil des Solidaritätskonvois für Kuba, koordiniert von der italienischen Agentur für kulturellen und wirtschaftlichen Austausch mit Kuba, kamen rund hundert Vertreter:innen verschiedener europäischer Länder sowie Marokkos und Algeriens in Kuba an.
Zeitgleich fanden am Wochenende weltweit in zahlreichen Städten unterstützende Kundgebungen statt. In Deutschland fanden solche Kundgebungen unter anderem in Berlin, Bremen, Frankfurt/Main und Frankfurt/Oder statt, teilweise mit mehreren hundert Teilnehmenden. Dabei gab es eine breite Beteiligung von Repräsentant:innen ganz unterschiedlicher Gruppen und Organisationen. In den Reden in Berlin wurde die Wichtigkeit der Einheit der verschiedenen Kämpfe betont. Zudem wurden die Angriffe auf Venezuela, Iran und die Blockade gegen Kuba in Verbindung gebracht.
Die Vorsitzende der Freundschaftsgesellschaft Berlin – Kuba, Jutta Kausch-Henken, hob hervor: „Wir wollen, dass Kuba seinen 1959 mit dem Sieg der Revolution eingeschlagenen Weg selbstbestimmt gehen kann, ohne die brutale Repression und die Verbrechen der USA. Verbrechen, die sie in Komplizenschaft der Regierungen vieler Länder begehen, die zwar scheinheilig jedes Jahr die Blockade verurteilen, aber sie dennoch de facto unterstützen, weil sie sich den Erpressungen der USA unterwerfen.“
Tuk Wünsche vom Bloque Latinoamericano Berlin machte darauf aufmerksam, dass in diesem Jahr noch wichtige Wahlen in Peru, Kolumbien, Haiti und Brasilien stattfinden, in die sich Trump sicherlich einmischen werde. Aber „heutzutage hat Trumps USA viele Gegner:innen. Wir sind die Mehrheit und immer mehr Menschen lehnen die imperialen Aggressionen ab.“ Wichtig sei daher zusammenzuarbeiten und daran zu glauben, dass gemeinsam etwas verändert werden könne.
In einem Interview mit der jungen Welt hat der Intellektuelle Ignacio Ramonet zuvor darauf verwiesen, „Verhandlungen mit den USA an sich wären schon ein Sieg für Kuba, da das Land sie lange angestrebt hatte.“
Unterdessen wurde das Ergebnis einer aktuellen Meinungsumfrage aus den USA bekanntgemacht. Demnach lehnen die 46 Prozent der US-Amerikaner:innen die Ölblockade gegen Kuba ab, 28 Prozent befürworten sie und 27 Prozent sind unentschlossen. Und obwohl die Trump-Regierung behauptet, Kuba stelle eine Bedrohung für die nationale Sicherheit der USA dar, glauben zwei Drittel der Befragten, dass von Kuba nur eine geringe oder gar keine Bedrohung ausgeht
