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Visionär und Warner: Fidel Castro über die Zerstörung der natürlichen Umwelt durch den Menschen

Rund 30 Jahre bevor der Weltklimarat am vergangenen Montag in seinem aktuellen Bericht weitere schwere Naturkatastrophen prognostizierte und UN-Generalsekretär António Guterres daraufhin die »Alarmstufe Rot« ausrief, hatte Fidel Castro im Juni 1992 auf einer UN-Konferenz für Umwelt und Ernährung in Rio de Janeiro vor den Folgen der ökologischen Zerstörung des Planeten gewarnt und zugleich einige Ursachen dafür benannt, zu deren Beseitigung er aufrief.

»Eine bedeutende biologische Gattung ist aufgrund der schnellen und progressiven Beseitigung ihrer natürlichen Lebensgrundlagen vom Aussterben bedroht: der Mensch«, sagte Castro. Er hielt den Konsumgesellschaften vor, drei Viertel der Energie zu verbrauchen, die auf der Welt erzeugt wird, obwohl nur 20 Prozent der Weltbevölkerung in ihnen leben. »Sie haben die Meere und Flüsse vergiftet, die Luft verschmutzt, die Ozonschicht geschwächt (…), haben die Atmosphäre mit Gasen angereichert, die die klimatischen Bedingungen beeinträchtigen, was Auswirkungen hat, die wir schon zu spüren beginnen«, erklärte er. Der kubanische Staatschef forderte, Luxus und Verschwendung in einigen wenigen Ländern einzuschränken, »damit weniger Armut und weniger Elend in großen Teilen der Erde herrscht«. Es sollten Hunger und Umweltzerstörung verschwinden »und nicht der Mensch«, schloss er an seinen Ausgangssatz an. Außerdem forderte er, die Mittel für Militärausgaben dafür einzusetzen, »die Gefahr der ökologischen Zerstörung des Planeten zu bekämpfen«. Denn »morgen wird es zu spät sein für das, was wir schon lange gemacht haben müssten«, beendete er seine Rede.

Wenig später wurden mit Gründung der Welthandelsorganisation WTO im Jahr 1995 Regeln für die Weltwirtschaft vereinbart, die im direkten Gegensatz zu den Rio-Beschlüssen für nachhaltige Entwicklung standen. Auf einer Konferenz der Vereinten Nationen erklärte Castro daraufhin im September 2003 in Havanna, das der Welt von der WTO »aufgezwungene Wirtschaftssystem der erbarmungslosen neoliberalen Globalisierung« führe dazu, dass »die Menschheit verblendet, unerbittlich und beschleunigt der Vernichtung ihrer natürlichen Lebensgrundlagen« entgegengehe. Immer wieder warnte Castro seitdem in Reden und Aufsätzen vor einem möglichen Untergang der Menschheit. Am 8. Mai 2015 schrieb er in einer seiner letzten »Reflexionen«: »Vor 23 Jahren sagte ich in einer Konferenz der Vereinten Nationen über Umwelt und Entwicklung, dass eine wichtige biologische Gattung wegen der schnellen und fortschreitenden Beseitigung ihrer natürlichen Lebensbedingungen in Gefahr ist zu verschwinden: der Mensch. Ich wusste damals jedoch nicht, wie nah wir bereits diesem Punkt gekommen waren.« Doch Fidel Castro hatte es nicht bei Warnungen belassen. Als Ergebnis der von ihm initiierten »Revolución Energética« war Kuba innerhalb weniger Jahre in punkto Nachhaltigkeit zu einem der führenden Länder der Welt geworden, wie der World Wide Fund For Nature (WWF) im Jahr 2006 attestierte.

Freundschaftsgesellschaft BRD-Kuba

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Volker Hermsdorf

junge Welt, 16.08.2020