Dokumente aus Kuba
Dokumente, Regierungserklärungen, Reden und Reflektionen, Erklärungen des kubanischen Außenministeriums, Veröffentlichungen der Nationalversammlung, Berichte der kubanischen Regierung sowie Beiträge Kubas vor den Vereinten Nationen.
"Wie die Riemen, die in der Mitte des Schildes verknotet sind, ist die Einheit die mächtigste Waffe der Revolution"
Vor einer riesigen Menschenmenge, die am heutigen Marsch teilnahm, bekräftigte der Erste Sekretär des Zentralkomitees der Kommunistischen Partei Kubas und Präsident der Republik, Miguel Díaz-Canel Bermúdez, die Unwiderruflichkeit unserer Prinzipien.
Liebe Familienangehörige, Waffenbrüder und Freunde unserer Kämpfer, liebe Landsleute.
Am 3. Januar 2026, in der dunkelsten Stunde des frühen Morgens, während sein edles Volk schlief, wurde Venezuela auf Befehl von US-Präsident Donald Trump angegriffen.
Wieder einmal, diesmal in seiner Heimat, bestätigte sich Bolívars visionäre Aussage: "Die Vereinigten Staaten scheinen von der Vorsehung dazu bestimmt zu sein, Amerika im Namen der Freiheit mit Elend heimzusuchen." Und Ernesto Che Guevaras Warnung: "Dem Imperialismus kann man nicht das Geringste trauen, überhaupt nicht."
Bomben und Entführungen waren die Antwort der Vereinigten Staaten auf die Aussagen des venezolanischen Präsidenten, der Stunden zuvor seine Bereitschaft zum Gespräch über alle Angelegenheiten bekundet hatte. Es war ein schwieriger Morgen für Kuba, als uns die ersten Nachrichten über den heimtückischen Angriff auf mehrere Bundesstaaten des Bruderlandes, in dem Hunderte kubanischer Mitarbeiter ihren Dienst leisten, erreichten.
Qualvolle Stunden vergingen, erfüllt von Empörung und Hilflosigkeit, nachdem wir erfahren hatten, dass Präsident Nicolás Maduro Moros und seine Frau Cilia Flores entführt worden waren.
Wir, die wir diese mutigen Mitglieder unseres Personenschutzes als Teil unserer Familie betrachten und um ihren unerschütterlichen Einsatz für die Verteidigung der ihnen Anvertrauten wissen, wussten schon vor der Bestätigung der Nachricht, dass sie bis zum letzten Atemzug in ihrer letzten Schlacht kämpfen würden.
"Nur über meine Leiche werden sie den Präsidenten gefangen nehmen oder töten", erklärte mehr als einmal Oberst Humberto Alfonso Roca, der Anführer der kleinen Gruppe Kubaner, die an jenem Morgen das Präsidentenpaar unter Einsatz ihres Lebens beschützt hatten.
Sie und die Kämpfer der Revolutionären Streitkräfte, die ebenfalls unter dem Beschuss der Angreifer fielen, verkörpern in ihren bewundernswerten Taten all jene Eigenschaften, die Helden, kubanische Helden, auszeichnen.
So überschritten sie nationale Grenzen und wurden zu Vorbildern im Kampf für ein vereintes Amerika, einem Traum Bolívars und Martís, der bis heute Gestalt annimmt.
Die sterblichen Überreste unserer 32 Landsleute kehrten gestern in die Heimat zurück, als ewige Soldaten der Integration, die wir uns selbst schulden.
Sie sind der einzige Beweis für den Mut und den Charakter der Kubaner, die einer seit Bolívars Zeiten geschmiedeten, von Martí gepriesenen und durch die enge Beziehung zwischen Fidel und Chávez, den Führern der regionalen Integration, die innerhalb weniger Jahre Millionen von Venezolanern und anderen Bewohnern Lateinamerikas und der Karibik Alphabetisierung, Augenlicht und medizinische Versorgung ermöglichten, bereits legendären Ruf genießen.
Die Drahtzieher des Angriffs und der Entführung von Präsident Maduro und seiner Frau, die zu den abscheulichsten Methoden des Faschismus griffen, spannen einen dichten Schleier aus Lügen und Verleumdungen über die bolivarischen Führer, bevor sie feige ihren Angriff auf Venezuela starteten und dabei die Grenzen des Völkerrechts, das bis dahin ein Mindestmaß an zivilisiertem Zusammenleben der Nationen garantiert hatte, offen missachteten.
Die gegenwärtige US-Regierung hat die Tür zu einer Ära der Barbarei, der Plünderung und des Neofaschismus geöffnet, ungeachtet der möglichen Folgen für Krieg, Zerstörung und Tod.
Die Nachricht von der Aggression hat uns schwer getroffen. Seit über 25 Jahren teilen Kuba und Venezuela Ideale und Bestrebungen für eine bessere Welt, um Gerechtigkeit durch Sozialismus zu erreichen – doch jedes Land mit seinen eigenen Methoden und unterschiedlichen Realitäten.
Nur wer den Wert von Freundschaft, Solidarität und Zusammenarbeit zwischen Völkern nicht erkennt, kann die Beziehung zwischen Kubanern und Venezolanern fälschlicherweise für ein bloßes Geschäft oder einen oberflächlichen Waren- und Dienstleistungsaustausch halten. In erster Linie sind Kubaner und Venezolaner Brüder.
Das eigene Blut und sogar das eigene Leben für ein Brudervolk zu geben, mag manche überraschen, nicht aber die Kubaner.
US-Beamte haben mit Erstaunen, aber auch mit unverhohlener Bewunderung den Mut dieser wenigen Männer anerkannt, die trotz deutlicher zahlenmäßiger und feuertechnischer Unterlegenheit den Entführern erbitterten Widerstand leisteten, dabei sogar mehrere eigene Leute verwundeten und, soweit wir heute wissen, eines ihrer Fahrzeuge teilweise außer Gefecht setzten.
So sehr sie auch ihre mit Helmen und kugelsicheren Westen, Nachtsichtgeräten und Flugzeugen, Hubschraubern und Luftabwehrsystemen trotz absichtlicher Verdunkelung getarnten Soldaten loben mögen – der Angriff der Delta-Terroristen war kein Spaziergang im Park, wie sie ihn der Welt präsentiert haben.
Eines Tages werden wir die ganze Wahrheit erfahren, doch nicht einmal Trump konnte leugnen, dass mehrere Angreifer verwundet wurden. Unsere tapferen Kämpfer kämpften mit konventionellen Waffen und nichts als ihrer Moral und ihrer Treue zu ihrer Mission bis zum Tod und fügten ihren Gegnern Schaden zu.
Keiner von ihnen war ein Übermensch. Sie waren ehrenhafte Soldaten, geprägt von der Ethik Fidels und Raúls, durchdrungen von Patriotismus, Antiimperialismus und dem Gedanken der Einheit. Erben der Ideale Antonio Maceos, der Baraguá mit seiner entschlossenen Weigerung, einen Frieden ohne Freiheit auszuhandeln, unsterblich machte.
Und von Juan Almeida, der inmitten eines abgelegenen Zuckerrohrfeldes unter Kugelhagel rief: "Hier ergibt sich niemand!"
Der derzeitige Imperator im Weißen Haus und sein berüchtigter Außenminister haben nicht aufgehört, uns zu bedrohen. "Ich glaube nicht, dass man noch viel mehr Druck ausüben kann", sagte Trump und räumte damit stillschweigend ein, dass die seit über sechs Jahrzehnten bestehende Blockade gegen Kuba mittlerweile extrem eskaliert ist. "Einmarschieren und das Land zerstören" – so sieht es das imperialistisches Konzept vor, das ihnen nocht bleibt, um uns zu unterwerfen. . Damit können sie uns nur noch unterwerfen.
Diese groteske Aussage, die beim kubanischen Volk tiefe Empörung ausgelöst hat, kann nur als Aufruf zu einem Massaker ohne Rücksicht auf die Folgen interpretiert werden – gegen ein Land, das niemals Hass gegen andere geschürt hat. Kubanischer Patriotismus wurde schon früh von Martí in seinem Werk Abdala zum Ausdruck gebracht.
"Mütterliche Liebe zum Vaterland ist nicht die oberflächliche Liebe zum Boden und zum Gras unter unseren Füßen. Sie ist der unbezwingbare Hass auf diejenigen, die es unterdrücken. Sie ist der ewige Groll gegen diejenigen, die es angreifen."
.Kuba ist nicht einfach so antiimperialistisch. Der Imperialismus hat uns zu Antiimperialisten gemacht. Doch nicht nur Kuba, sondern die ganze Welt wird infolge dieses Angriffs auf alle internationalen Normen zunehmend antiimperialistischer werden. Dieser Affront gegen Intelligenz und Menschenwürde, dieser Akt krimineller Arroganz, mit dem ein souveräner Staat von einem Imperium angegriffen wird, das alle anderen Nationen verachtet.
Alle Siege des kubanischen Volkes sind mit der Stärke seiner Einheit verbunden. Jedes Mal, wenn die patriotischen Kräfte gespalten waren, haben wir verloren. Jedes Mal, wenn sie sich vereinten, haben wir gesiegt. Die Feinde der Nation wissen das genau, und deshalb setzen sie alles daran, diese Einheit zu brechen. Ihre aktuellen Drohungen erinnern an jene fast jeder US-Regierung, die von sogenannten kriegstreiberischen Falken kontrolliert wurde.
Werden die heutigen Kriegstreiber wissen, dass die revolutionäre Verteidigungsstrategie, bekannt als Krieg des gesamten Volkes, als Reaktion auf die schlimmsten Bedrohungen anderer Kriegstreiber entstand? Werden sie wissen, wie viel ihre kriegstreiberischen Vorgänger in diese sogenannte Ära investierten, nachdem alle Versuche, eine unzerstörbare Führung zu stürzen, gescheitert waren?
In den letzten Tagen verbreitete sich in den sozialen Medien unter jungen Kubanern die Anekdote über den Barrakuda, die Fidel selbst erlebt und erzählt hatte. Er berichtet, wie er beim Schwimmen unter Wasser einen Barrakuda auf sich zukommen sah und zunächst zurückweichen wollte. Doch dann besann er sich und warf sich gegen den aggressiven Fisch, der daraufhin verschwand.
"So müssen wir gegen ein Imperium vorgehen, das aus Barrakuda, Piranha, Hai und Ungeziefer besteht."
Aber ich beharre darauf und wiederhole eine Tatsache: Es waren junge Kubaner, die dieses Video in den sozialen Medien viral werden ließen. Wir sind hier, nicht Einzelne, sondern Tausende, die das Werk von Fidel, Raúl und ihrer heldenhaften Generation fortführen.
Sie müssten Millionen entführen oder uns von der Landkarte tilgen, und selbst dann würde sie der Geist dieses kleinen Archipels, den sie zermalmen mussten, weil sie ihn nicht unterwerfen konnten, für immer verfolgen. Nein, ihr Herren Imperialisten, wir haben absolut keinen Angst vor euch. Und wie Fidel sagte: Wir lassen uns nicht gern bedrohen. Ihr werdet uns nicht einschüchtern.
Wie die Riemen, die in der Mitte des Schildes verknotet sind, ist die Einheit die mächtigste Waffe unserer Revolution. Liebe Landsleute, mehrere Compañeros , die an der Front waren, sind nun wieder zu Hause, ihre Körper von Granatsplittern durchsiebt wie Tapferkeitsmedaillen.
Einer von ihnen, Oberstleutnant Jorge Márquez, war es, der einen Hubschrauber traf und wer weiß, wie viele seiner Besatzungsmitglieder. Er tat dies, indem er seine Flugabwehrkanone abfeuerte, obwohl er verwundet war und stark aus dem Bein blutete.
Mut ist das Wort, mit dem alle die Konfrontation mit den Angreifern beschreiben, und sie erwähnen Oberst Lázaro Evangelio Rodríguez Rodríguez, der den Rettungsversuch für die ersten gefallenen Soldaten leitete, bis ihn eine feindliche Drohne traf. "Sie haben mich verwundet, es lebe Kuba!", waren seine letzten Worte.
Als es schien, als begrabe die Welt selbst ihre letzte Utopie, als stünden Geld und Technologie über allen menschlichen Träumen, als sei die Menschheit müde, opferten in diesem Moment 32 tapfere Kubaner ihr Leben und stellten sich der Herausforderung in einem erbitterten Kampf bis zur letzten Kugel, bis zu ihrem letzten Atemzug.
Kein Feind ist in der Lage einen solchen Heldenmut einschüchtern. Die vielversprechende Jugend der meisten Gefallenen erinnert an Martís Verse an die acht Medizinstudenten, die 1871 von der spanischen Kolonialmacht ermordet wurden.
"Geliebte Tote, die ihr einst von meiner Heimat träumtet." Alles, was wir über ihre persönlichen Geschichten wissen, über die Liebe und den Mut, die ihr Handeln auszeichneten, über die Hingabe, den Einsatz und die Selbstlosigkeit, mit denen sie in den Kampf zogen, macht den Schmerz umso tiefer. Ein Schmerz, der den Patriotismus und die Großzügigkeit des kubanischen Volkes nicht schmälert, sondern sie vielmehr noch verstärkt.
Heute gibt es 32 neue Gesichter, 32 neue Geschichten, die unübertroffene Definition Martís: "Heimat ist Menschheit." Sie verteidigten nicht nur die Souveränität Venezuelas, Präsident Nicolás Maduro und seine Frau Cilia Flores. Sie verteidigten die Menschenwürde, den Frieden, die Ehre Kubas und unseres Amerikas.
Sie waren Schwert und Schild unserer Völker gegen den Vormarsch des Faschismus. Und sie werden für immer ein Symbol sein, der Beweis dafür, dass keine Nation unbedeutend ist, wenn ihre Würde so unerschütterlich ist. Danke für euren Mut und euer Vorbild, Compañeros.
Heute sind unsere Gedanken bei ihre Angehörigen: Müttern, Vätern, Ehefrauen, Kindern, Enkelkindern, Geschwistern, Großeltern, ihren Seelenverwandten und Freunden. "Schmerz teilt man nicht", sagte der Comandante en Jefe bei der Trauerfeier für die Märtyrer von Barbados. "Schmerz vermehrt sich, und wenn ein tapferes und kraftvolles Volk weint, erzittert die Ungerechtigkeit."
Wie Silvio damals sang: "Möge die Ungerechtigkeit erzittern, wenn Fidels tapferes Volk weint." Kuba droht nicht und fordert nicht heraus. Kuba ist ein Land des Friedens. Hier in Havanna, auf kubanische Initiative hin, wurde vor zwölf Jahren während des zweiten CELAC-Gipfels Lateinamerika und die Karibik zur Friedenszone erklärt.
Ein Ziel, das durch den faschistischen Angriff in Venezuela brutal zunichtegemacht wurde. Dieses Bekenntnis zum Frieden schmälerte jedoch in keiner Weise die Bereitschaft, Souveränität und territoriale Integrität zu verteidigen.
Sollten wir angegriffen werden, würden wir mit derselben Entschlossenheit kämpfen, die uns Generationen tapferer kubanischer Kämpfer überliefert haben – vom Unabhängigkeitskrieg im 19. Jahrhundert über die Sierra Maestra, den Untergrundwiderstand und Afrika im 20. Jahrhundert bis hin zu Caracas im 21. Jahrhundert.
Eine Kapitulation oder ein Nachgeben sind ausgeschlossen, ebenso wie jegliche Art von Vereinbarung, die auf Zwang oder Einschüchterung beruht. Kuba darf keine politischen Zugeständnisse machen, und dies wird niemals Gegenstand von Verhandlungen zwischen Kuba und den Vereinigten Staaten sein. Es ist wichtig, dass dies verstanden wird.
Wir werden stets offen für einen Dialog und eine Verbesserung der Beziehungen zwischen unseren beiden Ländern sein, jedoch auf Augenhöhe und basierend auf gegenseitigem Respekt. Die Geschichte wird sich auch jetzt nicht ändern. Dem Imperium, das uns bedroht, sagen wir: Kuba, wir sind Millionen. Wir sind ein Volk, das bereit ist, im Falle eines Angriffs mit derselben Einheit und Entschlossenheit zu kämpfen wie die 32 Kubaner, die am 3. Januar gefallen sind.
Landleute, lasst uns vereint marschieren und angesichts der Erinnerung an ihr heroisches Beispiel schwören wir: Patria o muerte! Venceremos! Patria o muerte!, Venceremos! Patria o muerte!, Venceremos! Hasta la victoria siempre!
Miguel Díaz-Canel Bermúdez
Havanna, 16. Januar 2026











