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Tania la Guerrillera

Die Begeisterung für die Revolution führte sie einst nach Kuba: Vor 40 Jahren wurde die Deutsch-Argentinierin Tamara Bunke in Bolivien getötet.

Tania la Guerrillera

Tamara (dritte von links) und Che Guevara (zweiter von rechts) 1961
Foto: Source/Ocean Press

Am heutigen Freitag vor 40 Jahren erreichten Tamara Bunke, genannt »Tania la Guerrillera«, mit acht weiteren Partisanen den Rio Grande nahe der Ortschaft Vado de Puerto Mauricio in Bolivien. Sie bilden die Nachhut der Guerilla von Ernesto »Che« Guevara. Sie sind erschöpft von einem mehrtägigen Gewaltmarsch, verfolgt von Hubschraubern der hochgerüsteten Armee Boliviens. »Sie haben absolut nichts zu essen. Die Mehrzahl von ihnen ist barfuß oder trägt Schuhe, die mit Schnüren und Lappen zusammengehalten werden«, berichtete später die kubanische Zeitung Granma. Bei der Überquerung des Flusses geraten sie in einen Hinterhalt. Von einem Bauern verraten, sterben sie allesamt im Kugelhagel. Tanias Leichnam wird flußabwärts getrieben und kann erst Tage später geborgen werden. Der Revolutionär Guevara wird sechs Wochen danach gefangengenommen und im bolivianischen La Higuera am 9. Oktober 1967 im Auftrag der CIA hingerichtet.

Tamara Haydée Bunke Bíder wurde am 19. November 1937 als Tochter kommunistischer Emigranten in Argentinien geboren. Von 1952 bis 1960 lebte sie in der DDR, war dort engagiertes Mitglied der Freien Deutschen Jugend (FDJ). Nachdem sie als Dolmetscherin die Bekanntschaft von Ernesto Guevara macht, geht sie nach Kuba. Sie willigt ein, sich für die revolutionäre Untergrundarbeit ausbilden zu lassen. In Bolivien wird sie später mit der Gründung eines Netzwerkes zur Unterstützung der von Che gegründeten Guerilla »Nationales Befreiungsheer« (ELN) betraut. Als sie nach zwei Jahren enttarnt wird, bleiben ihr zwei Optionen: Rückzug aus der Arbeit oder die Teilnahme am bewaffneten Kampf. Tania entschließlich sich für den zweiten Weg.

Doch Ches Hoffnung auf eine starke Guerilla in Bolivien erfüllt sich nicht. Die indigenen Bergbauern der Region sympathisieren zwar mit den internationalen Kämpfern, bleiben aber auf Distanz. Als sich das Scheitern des revolutionären Experiments abzeichnet, kommt es zu Desertion und Verrat. Am Ende steht die Zerschlagung der Guerilla.

In der DDR wurde die gefallene Guerillera schnell zur Legende. Schulen, Kindergärten, Arbeitskollektive und Grundorganisationen der FDJ waren nach ihr benannt. Auch wenn nach 1989 die Schulen umbenannt, die Kindergärten geschlossen und die Kollektive aufgelöst wurden, ist der Name Tamara Bunkes bis heute nicht aus dem Bewußtsein getilgt. Auch in Kuba ist »Tania« hochgeehrt. Ebenso wie in Bolivien - obwohl Che dort scheiterte. Der Kampf der Guerilla fand dort seine späte Fortsetzung schließlich in der Protestbewegung, die Ende 2005 den Sozialisten Evo Morales an die Regierung brachte.

Nach 1989 führte Tamaras Mutter Nadja Bunke einen langen Kampf um das Ansehen ihrer ermordeten Tochter. Sie trat allen Verleumdungen entgegen, die ihre Tochter nachträglich als Agentin mehrerer Geheimdienste darstellten. Unterstützt wurde sie von Ulisses Estrada - Tamaras Ausbilder und Verlobter in ihrer Zeit auf Kuba. In seinem in diesem Jahr erschienenen Buch räumt er mit zahlreichen Legenden auf.

Am 19. September 1998 wurde von einer kubanischen Expertengruppe Tamara Bunkes Leichnam in Bolivien aufgespürt. Auf Wunsch ihrer Mutter ruht Tania heute in Santa Clara auf Kuba, der sozialistischen Karibikinsel: ihrer dritten Heimat nach Argentinien und der DDR.

Gerda Kruss
junge Welt, 31.08.2007