Irland bittet Kuba um Hilfe

Das britische Gesundheitssystem NHS (National Health Service) ist in der Krise. Im nordirischen Enniskillen, Grafschaft Fermanagh, ist die Situation besonders schlimm. Der Betrieb des lokalen Krankenhauses kann nicht mehr aufrechterhalten werden, da geeignetes Personal fehlt. Die Notaufnahme musste eingeschränkt werden, die Notfallchirurgie sogar gänzlich geschlossen werden.Immer mehr Ärztinnen und Ärzte wandern aus den ländlichen Regionen aufgrund der Wohnungsnot und Teuerungskrise ab. Im Vereinigten Königreich kämpfen Jungärztinnen und -ärzte seit Monaten für bessere Löhne. Mitte Mai 2023 gab es abermals Streiks, da sie endlich eine reale Lohnerhöhung bekommen wollen.

Der Gemeinderat hat daher im Dezember 2022 beschlossen, die kubanische Botschaft in London um Hilfe zu bitten. Die Gespräche verliefen erfolgreich und in den nächsten Monaten werden vier Chirurgen aus Kuba im Krankenhaus Enniskillen ihre Arbeit beginnen.

Thomas Pringle und Ana Teresita González Fraga

Thomas Pringle und Ana Teresita González Fraga, Stellvertretende Außenministerin Kubas
Foto: privat




Cuba Libre sprach mit dem unabhängigen Gemeinderat Eamon Keenan, der im Dezember den Antrag eingebracht hat, und mit dem Abgeordneten zum irischen Parlament in Dublin, Thomas Pringle TD, über die Solidarität in Irland mit Kuba und über die gemeinsame Geschichte und den antikolonialen Kampf, der die beiden Inseln verbindet. Pringle ist im irischen Parlament, Dáil Éireann, Vorsitzender der Cuba Ireland Parliamentary Friendship Group, einer überparteilichen Interessensvertretung kubasolidarischer Parlamentarier.

Das Gespräch führte Dieter Reinisch, Belfast





Cuba Libre: Eamon, du hast im Dezember 2022 den Antrag im Gemeinderat eingebracht, um Unterstützung von kubanischen Ärztinnen und Ärzten zu bekommen. Wieso hast du das getan?

Eamon Keenan: Letzten Herbst wurde die Notaufnahme im Krankenhaus South West Acute Hospital in Enniskillen geschlossen. Ich selbst verfolge die Arbeit der kubanischen Medizinerinnen und Mediziner schon seit vielen Jahren und sie leisten außergewöhnliche Arbeit überall auf der Welt. Ich habe daher in der Sitzung des Gemeinderats von Fermanagh, dem Fermanagh and Omagh District Council, einen Antrag eingebracht, dass wir um Hilfe von der Henry-Reeves-Brigade ersuchen. Wir haben dafür eine überwältigende Mehrheit bekommen. Das lag sicherlich an der prekären Situation hier.

Wir haben die kubanische Botschaft in London angeschrieben und ein Antwortschreiben von Marta Castillo González erhalten. Darin bat sie um ein Gespräch mit uns und um weitere Informationen von uns. Alle voran natürlich, was der genaue Umfang unserer Bitte war. Es gab dann Treffen mit den Krankenhausbetreibern Western Trust, in denen die wichtigsten Punkte geklärt wurden. Marta informierte uns dann, dass für unsere Situation nicht die Henry-Reeves-Brigade, sondern das Cuban International Medical Service Team, der beste Ansprechpartner sei. Die arbeiten nun mit dem Personalbüro von Western Trust zusammen, um alles für ein kubanisches Ärzteteam vorzubereiten.

CL: Wie ist die Situation im Gesundheitssystem? Warum habt ihr diesen Schritt gesetzt?

EK: Der NHS in der Grafschaft Fermanagh ist in einer schweren Krise. Die Situation mit praktischen Ärztinnen und Ärzten ist besonders schlimm. Sehr viele Praxen mussten in der letzten Zeit schließen, weil Ärztinnen und Ärzte in Pension gehen und es kommen keine jungen Ärztinnen und Ärzte nach. Immer mehr arbeiten auch in Privatpraxen. Als das Krankenhaus vor zwölf Jahren errichtet wurde, war es ein sehr modernes Krankenhaus, aber es gibt nicht genug Personal.

Die Eigentümer sagen, dass Menschen nicht in diese ländliche Gegend ziehen wollen, aber ich glaube das nicht. Das ist nur ein vorgeschobenes Argument. In Wahrheit sind die Probleme die Sparmaßnahmen und die Privatisierungen des Gesundheitswesens. Die Eigentümer sagen, sie können niemanden rekrutieren. Sie hätten auch international versucht, Ärztinnen, Ärzte und medizinisches Personal anzuwerben. Sie haben es offensichtlich nicht in Kuba versucht, denn sofort, als die Bitte vom Gemeinderat kam, gab es eine positive Rückmeldung aus Kuba.

CL: Wie ist der aktuelle Stand der Gespräche mit der kubanischen Botschaft in London?

EK: Die kubanische Botschaft hat direkten Kontakt zwischen den Krankenhausbetreibern und dem Gesundheitsministerium in Kuba hergestellt und nun arbeiten sie an den Formalitäten. Das kann ein paar Monate dauern, aber ich habe die Betreiberfirma gebeten, monatlich dem zuständigen Komitee des Gemeinderats Bericht zu erstatten. Wir wollen wissen, dass alles problemlos vonstatten geht und es auf keiner Seite irgendwelche Probleme gibt. Und um Druck auszuüben, dass etwas weitergeht. Denn natürlich ist nicht jeder mit der Unterstützung, die wir von Kuba bekommen, glücklich. Es gibt unterschiedliche politische Positionen. Aber mir ist das egal, denn gleich welcher politischen Überzeugung du bist, irgendwann brauchst du auch einmal einen Arzt.

CL: In welchem Umfang braucht ihr Unterstützung? Wieviele Ärzte und in welchem Zeitraum?

Belfast

Belfast
Foto: gemeinfrei


EK: Um die Notfallchirurgie wieder öffnen zu können brauchen wir vier Chirurgen. Das ist, was wir nun vorrangig brauchen und die Krankenhausbetreiber und Kuba sind sehr zuversichtlich, dass dies funktioniert.

CL: Thomas, du hast im irischen Parlament einen ähnlichen Antrag wie Eamon im Gemeinderat im Norden, eingebracht. Wie ist die Situation in der südlichen Republik?

Thomas Pringle: In der Republik Irland ist die Situation ein wenig anders, da wir hier nicht die privaten Trusts haben, die Eigentümer von Krankenhäusern und medizinischen Einrichtungen sind. Das Gesundheitswesen ist zentralisiert und das Gesundheitsministerium ist zuständig und delegiert die Zuständigkeiten. Aber genauso wie Eamon die Situation in Fermanagh beschrieben hat, haben wir sehr große Probleme im medizinischen Bereich. Ich bin Abgeordneter für die Grafschaft Donegal, das ist im äußersten Nordwesten der Insel. Für die ganze Grafschaft haben wir zwei Krankenhäuser in Letterkenny und Sligo. Letterkenny hat sehr ähnliche Probleme im Anwerben von Ärztinnen und Ärzten. Auch hier gibt es eine ganze Bandbreite an Problemen.

Das Hauptproblem hier ist, dass alle Ressourcen von den kleineren Krankenhäusern abgezogen werden und in großen Krankenhäusern zentralisiert werden. Das größere, zentrale Krankenhaus für Donegal ist in der Stadt Galway. Von dort ist es viereinhalb Stunden Fahrzeit für die Leute aus Malin Head oder Inishowen im Norden von Donegal. Es ist sehr weit weg und sehr mühsam für die dort lebenden Menschen, die medizinischen Angebote dort in Anspruch zu nehmen. Donegal liegt in der Republik und wir haben auch versucht zwischen Letterkenny und Derry über die Grenze hinweg mit Nordirland ein medizinisches Angebot aufzubauen. Derry hat ein Krankenhaus und liegt in Nordirland. Das hat auch gut funktioniert, aber es immer nur einseitig: Derry hat Donegal geholfen und zurück kam nichts, daher kann das auf Dauer nicht funktionieren.

Dann gibt es auch noch das Problem mit den praktischen Ärztinnen und Ärzten, wie es auch Eamon angesprochen hat. Aber wiederum ist es in der Republik etwas anders, weil in der Republik alle praktischen Ärztinnen und Ärzte selbstständige private Anbieter sind. Sie haben Verträge mit dem Gesundheitssystem HSE, für Patientinnen und Patienten des HSE und daneben dann natürlich eine große Anzahl an Privatpatienten ohne HSE-Vertrag. Daher gibt es ein großes Problem ausreichend Ärztinnen und Ärzte in der gesamten südlichen Republik zu halten und neue zu finden.

Das Grundproblem ist die Ausbildung. Durch die Sparprogramme werben die Universitäten vor allem ausländische Studierende an, die viel höhere Studiengebühren zahlen. Damit machen die Universitäten mehr Geld, aber somit gibt es immer weniger Medizinstudenten, die nach der Ausbildung eine Beziehung zur Insel haben und hier arbeiten wollen. Daneben gehen dann noch viele irische Ärztinnen und Ärzte weg. Sie wandern in die USA, nach Kanada oder Australien aus, wo die Arbeitsbedingungen besser sind und sie mehr verdienen.

Ich habe das Problem der Ärzterekrutierung im irischen Parlament Dáil im vergangenen Jahr mit dem Regierungschef (Taoiseach), dem Gesundheitsminister und der gesamten Regierung angesprochen, Anträge formuliert und es in Fragestunden angeschnitten, aber bisher noch von niemanden eine Antwort erhalten. Wir haben im Parlament viel weniger Möglichkeiten etwas voranzubringen als Eamon im Gemeinderat, wo alles schneller beschlossen und umgesetzt werden kann. Im Parlament gibt es die ganzen Komitees und Ausschüsse und ich habe natürlich versucht, auch Druck durch den Gesundheitsausschuss auszuüben.

Derry – Bogside

Derry – Bogside
Foto: Will Baker


Ich bin der Vorsitzende des Irisch-Kubanischen Freundschaftsausschusses im Parlament. Ich habe mit der kubanischen Botschaft und dem Botschafter in Irland regelmäßigen Kontakt. Der kubanische Botschafter hat mir auch immer wieder versichert, dass sein Land mehr als gewillt ist, Irland zu helfen. Das Problem ist einfach, dass das Ansuchen offiziell von Irland an Kuba gestellt werden muss. Und hier liegt das Problem: Wir laufen beim Gesundheitsministerium gegen eine Wand. Niemand will dort etwas unternehmen. Es ist sogar schwer jemanden zu finden, der auch nur im Entferntesten ein Interesse an dieser Angelegenheit zeigt. Das ist verrückt. Vielleicht gibt es politische Probleme oder der Medizinerverband ist dagegen. Wir wissen es nicht, weil wir gar keine Antwort bekommen. An der Qualifikation der kubanischen Ärzte kann es nicht liegen, denn es gab immer wieder kubanische Ärztinnen und Ärzte, die sehr gute Arbeit in Portugal, Italien oder Schweden machen.



Es gibt europäische Standards und somit ist es klar, wenn kubanische Ärztinnen und Ärzte in Italien arbeiten können, dann sollten sie das auch in Irland können. Das ist nur eine Frage von ein paar Verwaltungsschritten. Ich hoffe, dass es noch dazu kommt und es als eine Überbrückungsmaßnahme angewendet wird für ein paar Jahre. Es gibt Pläne der Regierung, die Medizinausbildung auszubauen, aber es wird eine Lücke geben, die für ein paar Jahre gefüllt werden muss.

CL: Du hast das Irisch-Kubanische Freundschaftskomitee im Parlament erwähnt. Was ist das?

TP: Das Parlament in Dublin hat freundschaftliche Beziehungen zu anderen Parlamenten auf der ganzen Welt. Die Irland-Kuba-Gruppe ist eine der ältesten dieser Komitees. Alle Parlamentarier, egal aus welcher Fraktion sie kommen, können Mitglied sein. Letztes Jahr gab es ein Treffen zwischen uns und dem kubanischen Parlament über Zoom. Wir haben uns gegenseitig über unsere Arbeit informiert und wir sprachen darüber, wie wir uns gegenseitig helfen und unterstützen können. Etwa was wir gegen die US-amerikanische Blockade machen können und wie wir gemeinsam bei den Vereinten Nationen auftreten können.

Belfast – Falls Road
Belfast – Falls Road, Foto: Rossographer

Wir sprechen als Komitee auch direkt mit dem irischen Außenminister und dem Ministerium über die Situation in Kuba und versuchen auf diesem Weg zusätzlich etwas für Kuba zu machen. Dann gibt es immer wieder Treffen und direkten Austausch, wenn eine Gruppe von Parlamentariern nach Kuba oder eine Gruppe kubanischer Parlamentarier von unserem Komitee nach Irland eingeladen wird. Es hängt ganz von den tagespolitischen Entwicklungen ab, wieviel Arbeit das Komitee macht, aber es hilft auch der kubanischen Botschaft zu sehen, welche Parlamentarier gewillt sind, Solidarität mit Kuba zu zeigen.

CL: Wer sind die Abgeordneten, die Teil des Komitees sind?

TP: Die Mehrheit sind Unabhängige und Parlamentarier der republikanischen Partei Sinn Féin. Es gibt dann auch ein, zwei Abgeordneten von den Regierungsparteien, der konservativen Fianna Fail und den Grünen, die immer wieder mal vorbeischauen.

CL: Eamon, du hast auch vorhin gemeint, dass nicht jeder im Gemeinderat deine Initiative unterstützt hätte. Wer sind deine politischen Verbündeten?

EK: Diejenigen, die die Initiative zum Laufen gebracht haben, waren auch hier die unabhängigen Abgeordneten. Ich bin auch ein Unabhängiger. Wir sind nur gegenüber unseren Wählerinnen und Wählern Rechenschaft pflichtig und nicht irgendwelchen Parteien. Kaum verwundert waren die probritischen Unionisten sehr reserviert gegenüber unserer Idee. Aber aufgrund der großen Unterstützung der Bevölkerung mussten sie schließlich auch zustimmen. Denn innerhalb von drei Wochen haben 30.000 Menschen hier in Enniskillen eine Petition unterzeichnet, die gefordert hat, die Notfallchirurgie wieder zu öffnen. Die Unionisten sind darüber nicht glücklich, aber nach außen hin mussten sie die Initiative unterstützen.

Thomas hat über die praktischen Ärztinnen und Ärzte im Süden in der Republik gesprochen. Ich merke das auch im Norden. Ich war die letzten Wochen, im März und April, viel auf der Straße und habe mit Leuten geredet. Im Frühjahr war Wahlkampf in Nordirland. Sehr viele Leute haben zu mir gesagt: "Warum können Kubanerinnen und Kubaner nicht auch als praktische Ärzte bei uns arbeiten?" Das wird der nächste Schritt sein, den ich umsetzen möchte.

Ich werde dabei auch mit Thomas zusammenarbeiten und eine gesamtirische Initiative starten. Denn es zeigt sich, wieviel Solidarität es von kubanischer Seite her gibt, während das Gesundheitssystem auf beiden Seiten der irischen Grenze nur von Profitgier angetrieben wird und nicht von medizinischer Hilfe oder Unterstützung von Menschen mit gesundheitlichen Bedürfnissen, wie es eigentlich sein sollte.

CL: Du hast die Solidarität der Bevölkerung mit Kuba erwähnt. Planst du auch weitere Aktionen abseits des NHS?

EK: Ich habe begonnen Spenden für die medizinische Versorgung in Kuba zu sammeln und möchte mehr Bewusstsein in der Bevölkerung für die Situation in Kuba schaffen. Es sollte alles eine gegenseitige Unterstützung sein. Wenn Kuba es schafft, medizinisches Personal in ein angeblich so reiches Land zu senden, dann sollten wir in der Lage sein, alles zu tun, was uns möglich ist, um Kuba gegen die US-Blockade zu unterstützen. Was Thomas im Parlament macht, um auf die Blockade aufmerksam zu machen, ist wunderbar, aber wir müssen das noch ausweiten.

CL: Thomas, ich habe dieselbe Frage an dich: Was sind deine weiteren Pläne, sowohl im Parlament als auch außerhalb?

TP: Primär gilt es, das Irland-Kuba-Komitee am Leben zu halten und unsere Arbeit weiterhin mit der kubanischen Botschaft zu koordinieren, denn die wissen am besten, was Kuba braucht und in welche Richtung wir unser Lobbyarbeit konzentrieren sollten. Derzeit versucht Kuba den Tourismus- und Landwirtschaftssektor zu entwickeln und da gibt es bestehenden Austausch zwischen Irland und Kuba, den wir weiter verstärken wollen. Zuallererst sehen wir unsere Aufgabe darin, alle anderen Parlamentarier über die Situation zu informieren. Aber dann gibt es auch die politische Arbeit außerhalb des Parlaments, die dazu dient, die Menschen über diese Entwicklungen zu informieren. In diesem Zusammenhang wird es sehr wichtig sein, dass die kubanischen Ärztinnen und Ärzte schließlich kommen. Die Menschen werden Kuba dankbar sein und es wird die Verbindungen zwischen Irland und Kuba noch weiter vertiefen.

CL: Ihr habt beide schon mehrmals die Kuba-Solidarität erwähnt. Es scheint, als würde es mehr Unterstützung für Kuba in Irland geben als in anderen europäischen Ländern. Wieso ist das der Fall?

EK: Ich glaube das ist so, weil beide Ländern unter dem Imperialismus gelitten haben: Britischer Imperialismus hier, US-amerikanischer Imperialismus da. Wir verstehen es, wie es ist, so nahe an einer brutalen, imperialistischen Macht zu leben. Kuba leidet seit langem unter der Blockade und Irland hat 800 Jahre unter dem britischen Imperialismus gelitten.

TP: Zusätzlich zu den historischen Erfahrungen mit dem Imperialismus hat Irland immer eine enge Beziehung mit Ländern wie Kuba und anderen Ländern auf der Welt, die den Kolonialismus und Imperialismus überwinden wollen. Irland hat immer diese Länder unterstützt, die sich vom Kolonialismus zu emanzipieren versuchten. Das Problem heute ist, dass wir uns im Schnellschritt hin zu einem neuen europäischen Imperialismus entwickeln. Leider will auch die irische Regierung uns näher an Frankreich, Deutschland und andere imperialistische Mächte binden. Die irische Bevölkerung will das nicht, aber die Regierung macht dennoch alles in ihrer Macht stehende, um das Land auf diesen Weg zu bringen. Dadurch werden auch die Verbindungen und die Unterstützung der irischen Regierung mit Kuba schwächer. Genauso wurden in den letzten Jahren die Beziehungen mit Palästina schlechter. Es gibt immer weniger Unterstützung von der Regierung mit der palästinensischen Sache, da sie eine eigenständige Außenpolitik aufgibt und sich der EU unterstellt.

CL: Was ist derzeit die offizielle Politik Irlands gegenüber Kuba?

TP: Das würde ich gerne selbst wissen. Kuba versucht Verbindungen mit der EU zu stärken und Handelsabkommen zu schließen und von irischer Seite wird das in Brüssel sehr unterstützt. Es gibt jetzt keine offizielle Linie, aber bisher war noch jeder Außenminister im Großen und Ganzen solidarisch mit Kuba und erkannte die Probleme und Bedürfnisse Kubas an. Auch in meinen Gesprächen mit dem kubanischen Botschafter kann ich erkennen, dass Kuba recht zufrieden mit der Position Irlands in Brüssel ist.

CL: Eamon, wie ist die Solidarität mit Kuba in der nordirischen Bevölkerung?

EK: Ein Teil der Bevölkerung hatte immer eine positive Beziehung zu Kuba aufgrund des gemeinsamen Kampfes. Und aufgrund des Kampfes hier in den 1970ern, 80ern und 90ern war das umgekehrt genauso. Menschen aus dieser Generation und mit irischrepublikanischer Überzeugung üben eine ganz klare Solidarität mit und haben Verständnis für Kuba. Die Menschen auf der entgegengesetzten Seite des politischen Spektrums sehen Kuba als einen Freund ihres Feindes. Dass nun aber Kuba medizinische Hilfe schickt, hat Zäune niedergerissen und ich hoffe wir können darauf aufbauen.

CL: Herzlichen Dank für das Gespräch und viel Erfolg für eure Solidaritätsarbeit mit Kuba.

CUBA LIBRE


CUBA LIBRE 3-2023