Beisetzung gefallener Internationalisten

Rede anlässlich der zentralen Veranstaltung zur feierlichen Beisetzung unserer in Erfüllung ehrenvoller militärischer und ziviler Missionen Gefallener Internationalisten in Cacahual am 7. Dezember 1989.


Genosse Präsident José Eduardo Dos Santos,
werte Gäste,
Angehörige der Gefallenen,
Kämpfer,
Landsleute!

Für alle Kubaner ist der 7. Dezember, der denkwürdige Tag, an dem der hervorragendste unserer Soldaten, Antonio Maceo zusammen mit seinem jungen Adjutanten fiel, immer von herausragender Bedeutung gewesen. Seine sterblichen Reste ruhen hier, an diesem geweihten Ort.

Dadurch, daß wir diesen Tag gewählt haben, um die sterblichen Reste unserer heldenhaften Internationalisten, die in verschiedenen Teilen der Welt, vor allem aber in Afrika, wo die Vorfahren Maceos und ein beträchtlicher Teil unserer Vorfahren her stammen, gefallen sind, feierlich beizusetzen, wird der 7. Dezember ein. Gedenktag für alle Kubaner werden, nicht nur für die, die ihr Leben für die Verteidigung ihres Vaterlandes gaben, sondern auch für die Verteidigung der gesamten Menschheit. Auf diese Weise werden sich der Patriotismus und der Internationalismus, zwei der großartigsten Werte, die die Menschheit zu schaffen fähig war, für immer in der Geschichte Kubas vereinen.

Vielleicht wird sich, nicht weit von dieser Stelle, eines Tages ein Denkmal zur Erinnerung an sie alle erheben.

Zu dieser Stunde werden gleichzeitig in ganz Kuba, an allen Orten, aus denen sie stammten, die sterblichen Reste der Internationalisten, die in Erfüllung ihrer edlen und ruhmreichen Mission starben, zu Grabe getragen.

Der imperialistische Feind glaubte, wir würden die Verluste in Angola, der längsten und schwierigsten Mission, die schon über 14 Jahre dauerte, verbergen, als wären sie eine Schande oder ein Schmutzfleck für die Revolution. Sie träumten lange Zeit davon, daß das Blut dort umsonst vergossen worden sei, als ob man sinnlos sterben würde, wenn man für eine gerechte Sache stirbt. Und wenn allein der Sieg der angemessene Maßstab wäre, um den Wert des Opfers, das Menschen in ihren gerechten Kämpfen bringen, zu messen, so kehrten sie außerdem siegreich zurück.

Die Spartaner sagten: Mit dem Schild oder auf dem Schild. Unsere glorreichen Truppen kehrten mit dem Schild zurück.

Aber es ist in diesem feierlichen Augenblick nicht unsere Absicht, uns mit unseren Erfolgen zu brüsten ‘oder jemanden zu erniedrigen, auch nicht diejenigen, die unsere Gegner waren. Unser Land sucht weder Ruhm noch militärisches Ansehen. Immer wurde das Prinzip, die Ziele mit möglichst geringen Opfern an Menschenleben zu erreichen, aufs strengste befolgt; dafür mußte man stark sein, mit einem Höchstmaß an Kaltblütigkeit handeln und stets zu allem bereit sein, wie wir es immer waren.

Jeder Kämpfer wußte, daß hinter ihm das ganze Volk stand; er wußte auch, daß das Leben und die Gesundheit jedes einzelnen von ihnen eine ständige Sorge aller war.

Als ‚Politik und Diplomatie für die Erreichung der Endziele mögliche Faktoren wurden, zögerte man keinen Augenblick, die politischen und diplomatischen Kanäle zu benutzen, und obwohl man immer mit der notwendigen Festigkeit handelte, vernahm man von uns während des gesamten Verhandlungsprozesses kein Wort der Arroganz, Selbstüberschätzung oder Prahlerei. Wir verstanden es, flexibel zu sein, als Flexibilität angemessen und richtig war.

Die letzte Etappe des Krieges in Angola war die schwierigste. Sie erforderte alle Entschlossenheit, alles Durchhaltevermögen und allen Kampfgeist unseres Landes, um unsere angolanischen Brüder zu unterstützen.

Fidel Castro anlässlich der Beisetzung gefallener Internationalisten
In Erfüllung dieser Verpflichtung zur Solidarität, nicht nur gegenüber Angola, sondern auch gegenüber unseren eigenen Kämpfern, die dort unter schwierigen Bedingungen kämpften, zögerte die Revolution nicht, alles auf eine Karte zu setzen. Auch als die imperialistischen Drohungen gegen unser eigenes Land sehr heftig waren, zögerten wir nicht, einen Großteil unseres modernsten und besten Kriegsmaterials an die Südfront der. Angolanischen Volksrepublik zu schicken. Mehr als 50.000 kubanische Kämpfer befanden sich damals in jenem Bruderland, eine wirklich beeindruckende Zahl, wenn man die Entfernung, die zu überwinden war, die Größe und die Möglichkeiten unseres Landes in Betracht zieht. Es war eine wirkliche Heldentat unserer Revolutionären Streitkräfte und unseres Volkes. Nur wenige Seiten im Buch der Geschichte enthalten solche hervorragende Beispiele der Selbstlosigkeit und internationaler Solidarität.



Deshalb wissen wir die Anwesenheit von José Eduardo Dos Santos auf dieser Veranstaltung außerordentlich zu schätzen. Es war eine völlig spontane Geste: "Ich möchte in diesem Augenblick bei Euch sein", sagte er uns. Auf genau so spontane Art wollten Äthiopien, die SWAPO und andere Länder und revolutionäre Organisationen bei uns sein, nachdem sie die Nachricht erhielten - es ist nur wenige Tage her -, daß wir in unserem Land heute die Internationalisten, die in Afrika und anderen Ländern der Welt gefallen sind, zu Grabe tragen werden.

Es gibt historische Ereignisse, die nichts und niemand auslöschen kann. Es gibt revolutionäre Beispiele, die die besten Männer und Frauen der kommenden Generationen nicht vergessen werden können. Das ist ein solcher Augenblick, aber es kommt nicht uns zu, ihn zu bewerten, dafür wird die Geschichte sorgen.

Wir dürfen keine Minute vergessen, daß unsere Waffengefährten die heldenhaften Kämpfer der Angolanischen Streitkräfte waren. Sie opferten das Leben von Zehntausenden der besten Söhne dieses außerordentlichen Volkes. Die große Einheit und die enge Zusammenarbeit zwischen ihnen und uns machten den Sieg möglich.

Wir hatten auch die Ehre, zusammen mit den mutigen Söhnen Namibias zu kämpfen, den Patrioten von Guinea Bissau und den unvergleichlichen äthiopischen Soldaten. Jahre vorher, während der schwierigen Tage Algeriens, das gerade seine Unabhängigkeit erkämpft hatte, befanden sich unsere Internationalisten an seiner Seite, genauso wie sie es später in Syrien, einem anderen arabischen Bruderland, das Opfer einer ausländischen Aggression war und das um unsere Kooperation bat, waren.

Es gab in Afrika keine gerechte Sache, die nicht auf die Unterstützung unseres Volkes zählen konnte. Che Guevara kämpfte zusammen mit einer großen Gruppe kubanischer Revolutionäre im Osten des heutigen Zaire gegen weiße Söldner, und heute leisten. Ärzte und Lehrer in der Sahaurischen Republik diesem Volk, das um seine Freiheit kämpft, ihre großzügigen und selbstlosen Dienste.

Alle erwähnten Länder waren schon oder sind heute unabhängig, und die, die es noch nicht sind, werden es früher oder später sein.

In wenigen Jahren wurde ein beispielhaftes Kapitel der Solidarität im Buch der Geschichte geschrieben, auf das unser Volk stolz ist. Auch während unserer Unabhängigkeitskriege kämpften Männer aus verschiedenen Ländern an unserer Seite. Der Herausragendste von allen, Máximo Gómez, geboren in Santo Domingo, wurde aufgrund seiner außerordentlichen Verdienste Kommandeur unseres Befreiungsheeres.. In den Jahren vor unserer Revolution kämpften Tausende Kubaner in Spanien für die Verteidigung der Republik. Sie schrieben unvergeßliche Seiten des Heldentums im Buch der Geschichte, die die Feder von Pablo de la Torriente Brau für die Geschichte festhielt, bis der Tod im Kampf das Leben dieses hervorragenden revolutionären Journalisten auslöschte.

So wurde unser großartiger internationalistischer Geist geschmiedet, der mit der sozialistischen Revolution seine höchsten Gipfel erreichte.

überall, wo sich kubanische Internationalisten aufhielten, lieferten sie Beispiele von Respekt gegenüber der Würde und der Souveränität eines jeden Landes. Das Vertrauen, das sie im Herzen dieser Völker erwarben, entstand nicht zufällig, es war die Frucht eines musterhaften Verhaltens. Deshalb blieb überall die Erinnerung an unsere Selbstlosigkeit und unseren Altruismus erhalten.

Ein wichtiger afrikanischer Politiker a eines Tages während eines Treffens von führenden Persönlichkeiten der Region: "Die ‚kubanischen Kämpfer sind bereit, ihr Leben für die Befreiung unserer Länder zu geben, und das einzige was sie im Tausch für diese Hilfe für unsere Freiheit und für unseren Fortschritt mitnehmen werden, sind ihre Kämpfer, die für die Freiheit fielen". Ein Kontinent, der Jahrhunderte voller Ausbeutung und Ausplünderung erlebt hatte, wußte die Selbstlosigkeit unserer internationalistischen Taten in seiner ganzen Größe zu schätzen.

Heute kehren unsere kampferprobten Truppen siegreich zurück. Fröhliche, glückliche, stolze Gesichter von Müttern, Ehefrauen, Geschwistern, Kindern und dem ganzen Volk empfangen sie mit Wärme und Herzlichkeit. Man erreichte einen ehrenvollen Frieden, und sie ernteten doppelt und dreifach die Früchte ihres Opfers und ihrer Anstrengung. Heute stört die ständige Sorge um das Schicksal unserer Männer, die sich tausende Meilen von ihrem Land entfernt im Kampf befinden, unsere Träume nicht mehr.

Der Feind glaubte, die Rückkehr unserer Kämpfer würde wegen der Unmöglichkeit, Arbeit für sie zu finden, soziale Probleme schaffen. Ein Großteil dieser Männer, wie auch die militärischen Kader, hatten vorher in ihrer Heimat einen Arbeitsplatz, und an ihn kehren sie zurück oder an andere, bessere. Nicht ein einziger ist dem Vergessen anheim gefallen; oft wußten sie schon vor ihrer Rückkehr in die Heimat, welches dort ihre Arbeit sein würde.

Von den jungen Wehrpflichtigen, die gleich nach Abschluß der Sekundarschule freiwillig die Ehre beantragten, in Angola eine internationalistische Mission zu erfüllen, mußte kein einziger darauf warten, einen würdigen Platz an den Hochschulen oder in den Reihen unseres werktätigen Volkes zu finden.

Unser Vaterland hat intensiv an anspruchsvollen wirtschaftlichen und sozialen Entwicklungsplänen gearbeitet, es läßt sich dabei nicht von.den irrationalen Gesetzen des Kapitalismus leiten, und es hat für jeden Sohn des Landes einen Platz im Studium, in der Produktion, oder im Dienstleistungsbereich.

Kein naher Angehöriger derer, die in Erfüllung ihrer Mission fielen, oder die schwere Verletzungen erlitten, fiel dem Vergessen anheim. Sie erhielten, erhalten und werden auch weiterhin all die Zuwendung und Rücksichtnahme erhalten, auf die sie dank des edlen Opfers ihrer Lieben und dank ihrer eignen aufopferungsvollen, selbstlosen und vortrefflichen Haltung, die ebenfalls an Heroismus grenzt, einen Anspruch erworben haben.

Hunderttausende von Kubanern, die militärische oder zivile internationalistische Missionen erfüllt haben, werden immer auf die Hochachtung der gegenwärtigen und der künftigen Generationen zählen können. Sie vervielfältigen tausendfach die glorreichen kämpferischen und internationalistischen Traditionen unseres Volkes.

Die Heimat, die sie bei ihrer Heimkehr vorfinden, befindet sich in einem gigantischen Kampf um ihre Entwicklung und begegnet gleichzeitig weiterhin mit beispielhafter Würde der kriminellen Blockade seitens des Imperialismus, zu der sich jetzt noch die Krise, die in den sozialistischen Ländern entstanden ist und von der wir nur negative Auswirkungen auf die Wirtschaft unseres Landes er-warten können, hinzugesellt.

Es sind nicht gerade der antiimperialistische Kampf und die Prinzipien des Internationalismus, über die man heute in den meisten dieser Länder spricht. Man erwähnt diese Worte nicht einmal in ihrer Presse. Solche Vorstellungen sind dort stillschweigend aus dem politischen Vokabular entfernt worden. Im Austausch dafür gewinnen die Werte des Kapitalismus in diesen Gesellschaften außerordentlich an Kraft.

Kapitalismus bedeutet ungleichen Tausch mit den Ländern der Dritten Welt, Anreiz des individuellen Egoismus und des nationalen Chauvinismus, die Herrschaft der Irrationalität und der Anarchie bei Investitionen und in der Produktion, unbarmherzige Opfer der Völker für blinde ökonomische Gesetze, die Herrschaft des Stärksten, die Ausbeutung des Menschen durch den Menschen, das "Rette sich, wer kann". Der Kapitalismus bringt im sozialen Bereich noch viele andere Dinge mit sich: Prostitution, Rauschgift, Glücksspiele, Bettlerei, Arbeitslosigkeit, abgrundtiefe Ungleichheit zwischen den Bürgern, Erschöpfung der natürlichen Ressourcen, Vergiftung der Atmosphäre, der Meere, der Flüsse, der Wälder und, in besonderem Maße, die Ausplünderung der unterentwickelten Nationen durch die kapitalistischen Industrieländer. In der Vergangenheit bedeutete dies Kolonialismus und in der Gegenwart Neokolonialisierung von Milliarden von Menschen durch ausgeklügeltere aber auch billigere, effektivere und unbarmherzigere wirtschaftliche und politischen Methoden.

Der Kapitalismus, seine Marktwirtschaft, seine Werte, seine Kategorien und seine Methoden können niemals die Instrumente sein, die dazu dienen können, dem Sozialismus aus seinen gegenwärtigen Schwierigkeiten herauszuhelfen und die Fehler, die begangen worden sein mögen, zu berichtigen. Ein Großteil dieser Schwierigkeiten resultiert nicht nur aus Irrtümern, sondern auch aus der harten Blockade und der Isolierung, denen die sozialistischen Länder seitens des Imperialismus und der kapitalistischen Großmächte ausgesetzt waren, die durch die Ausplünderung der Kolonien, die Ausbeutung ihrer Arbeiterklasse und den massiven Raub von geistigen Kapazitäten aus Ländern, die dabei waren, sich zu entwickeln, fast alle Reichtümer und die fortgeschrittensten Technologien der Welt monopolisiert haben.

Verheerende Kriege, die Millionen Menschenleben kosteten und durch die die überwältigende Mehrheit der akkumulierten Produktionsmittel zerstört wurde, wurden gegen den ersten sozialistischen Staat geführt. Wie der Vogel Phönix mußte er sich mehrere Male aus der Asche erheben, und er leistete der Menschheit so wichtige Dienste, wie die Zerstörung des Faschismus und die entschiedene Förderung der Befreiungsbewegungen in den noch kolonialisierten Völkern. Alles das will man heute vergessen.

Es ist verabscheuungswürdig, wie sich viele Menschen heute, darunter auch in der Sowjetunion selbst, der Verleugnung und der Zerstörung der historischen Heldentaten und der außerordentlichen Verdienste dieses heroischen Volkes widmen. Das ist kein Weg, um die zweifellos begangenen Fehler einer Revolution, die in einem riesigen, rückständigen und armen Land im.Inneren des autoritären zaristischen Staates entstand, zu berichtigen und zu überwinden. Es ist unmöglich, zu versuchen, Lenin jetzt den Preis dafür zahlen zu lassen, daß er die größte Revolution der Geschichte im alten Rußland der Zaren durchgeführt hat.

Deshalb haben wir nicht gezögert, die Verbreitung bestimmter sowjetischer Publikationen, die von Gift gegen die UdSSR und gegen den Sozialismus strotzen, zu verbieten. Es ist zu vermuten, daß dahinter die Hand des Imperialismus, der Reaktion und der Konterrevolution steckt. Einige dieser Publikationen haben damit begonnen, das Ende der gleichberechtigten und gerechten Handelsbeziehungen, die zwischen der UdSSR und Kuba im Verlauf des revolutionären kubanischen Prozesses aufgebaut worden sind, zu fordern. Sie fordern mit anderen Worten, daß die UdSSR beginnen solle, mit Kuba ungleichen Tausch einzugehen, ihre Produkte immer teurer zu verkaufen und unsere Agrarprodukte und Rohstoffe immer billiger zu kaufen, genauso wie es die Vereinigten Staaten mit den Ländern der Dritten Welt machen, d. h. daß sich die UdSSR der US-Blockade gegen Kuba anschließen soll.

Die systematische Zerstörung der Werte des Sozialismus und die Untergrabung, die durch den Imperialismus betrieben wird, haben im Verein mit den begangenen Fehlern den Prozeß der Destabilisierung der sozialistischen Länder Osteuropas beschleunigt. Die differenzierte Politik gegenüber den einzelnen Ländern und die Unterminierung des Sozialismus von innen heraus, war eine Strategie, die von langer Hand durch die Vereinigten Staaten vorbereitet und angewandt wurde.

Der Imperialismus und die kapitalistischen Mächte können ihre Euphorie angesichts der Ereignisse nicht verbergen. Sie sind überzeugt, und das nicht ohne Grund, daß zu dieser Stunde das sozialistische Lager eigentlich nicht mehr besteht. In einigen Ländern Osteuropas befinden sich gegenwärtig ganze Mannschaften von Nordamerikanern, einschließlich Beratern des Präsidenten der Vereinigten Staaten, die die kapitalistische Entwicklung planen. Erst jüngst brachte ein Telex die Nachricht, daß sie von dieser aufregenden Erfahrung fasziniert seien. Einer von ihnen, natürlich ein Funktionär der nordamerikanischen Regierung, erwies sich als Anhänger der Idee, in Polen einen dem "New Deal" ähnlichen Plan, mit dem Roosevelt seinerzeit die große Krise des Kapitalismus zu lindern suchte, einzuführen, um den 600.000 polnischen Arbeitern, die 1990 ohne Arbeit sein werden, und der Hälfte der 17,8 Millionen Werktätigen des Landes, die sich in Konsequenz der Entwicklung einer Marktwirtschaft umqualifizieren und eine neue Arbeit suchen müssen, zu helfen.

Der Imperialismus und die kapitalistischen Mächte der NATO sind überzeugt, und das nicht ohne Grund, daß auch der Warschauer Pakt zu dieser Stunde nicht mehr besteht und daß er nicht mehr als eine Fiktion ist; daß innerlich verrottete und unterminierte Gesellschaften nicht in der Lage sein werden, Widerstand zu leisten.

Man hat erklärt, daß der Sozialismus perfektioniert werden müßte. Niemand kann sich diesem Prinzip, das jedem Werk der Menschheit inhärent ist und ständig angewandt wird, entgegenstellen. Aber kann man etwa den Sozialismus vervollkommnen, indem man die elementarsten Prinzipien des Marxismus-Leninismus aufgibt. Warum müssen die sogenannten Reformen unbedingt in kapitalistische Richtung gehen? Wenn diese Ideen, wie einige vorgeben, einen revolutionären Charakter hätten, warum erhalten sie dann die einstimmige und überschwängliche Unterstützung der führenden Köpfe des Imperialismus?

Der Präsident der Vereinigten Staaten nannte sich selbst in einer ungewöhnlichen Erklärung den Verteidiger Nummer Eins der Doktrinen, die gegenwärtig in vielen Ländern des sozialistischen Lagers Anwendung finden.

Noch nie in der Geschichte ist eine wirklich revolutionäre Idee so enthusiastisch vom Staatsoberhaupt des mächtigsten, aggressivsten und unersättlichsten Imperiums, das die Menschheit je gekannt hat, unterstützt worden.

Beim Besuch des Genossen Gorbatschow in Kuba, im April dieses Jahres, aus dessen Anlaß wir erschöpfend und offen unsere Ansichten austauschten, haben wir in aller Öffentlichkeit vor der Nationalversammlung unserer Ansicht Ausdruck verliehen, daß der Wunsch eines jeden sozialistischen Landes, das den Kapitalismus aufbauen möchte, respektiert werden müsse; ebenso verlangen wir aber auch absoluten Respekt gegenüber der Entscheidung eines kapitalistischen Landes, den Sozialismus aufzubauen.

Wir sind der Ansicht, daß man die Revolution weder importieren noch exportieren kann; ein sozialistischer Staat kann nicht durch künstliche Befruchtung oder Einpflanzung von Embryonen gegründet werden. Eine Revolution braucht dafür die geeigneten Bedingungen im Schoße ihrer eigenen Gesellschaft, und nur das jeweilige Volk selbst kann diese schaffen. Diese Ideen sprechen nicht gegen die Solidarität, die sich Revolutionäre untereinander leisten können und sollen. Ebenso ist die Revolution ein Prozeß, in dem man vorankommen oder zurückgeworfen werden kann, und er kann sogar scheitern. Aber ein Kommunist muß vor allem mutig und revolutionär sein. Es ist die Pflicht eines jeden Kommunisten unter allen Umständen, wie widrig sie auch seien mögen, zu kämpfen. Die Anhänger der Pariser Kommune wußten für die Verteidigung ihrer Ideale zu kämpfen und zu sterben. Die Fahnen der Revolution und des Sozialismus werden nicht kampflos übergeben. Aufzugeben ist Sache von Feiglingen und demoralisierten Elementen, nicht aber von Kommunisten und Revolutionären.

Der Imperialismus lädt heutzutage die sozialistischen Länder Europas ein, Empfänger seines überschüssigen Kapitals zu werden, den Kapitalismus weiterzuentwickeln und an der Ausplünderung der Länder der Dritten Welt teilzunehmen.

Es ist bekannt, daß ein großer Teil der Reichtümer der kapitalistischen Welt aus dem ungleichen Tausch mit diesen Ländern stammt. Jahrhundertelang wurden sie als Kolonien einfach ausgeplündert, Hunderte von Millionen ihrer Söhne und Töchter wurden versklavt, und in vielen Fällen wurden die Ressourcen an Gold, Silber und anderen Mineralien völlig erschöpft, man beutete sie erbarmungslos aus und zwang ihnen die Unterentwicklung auf. Das war die direkteste und offensichtlichste Folge des Kolonialismus. Heute werden sie durch die Zinsen für eine unendlich hohe und unbezahlbare Verschuldung weiter ausgesaugt; man nötig ihnen ihre Hauptprodukte zu miserablen Preisen ab, sie exportieren ihre Industrieprodukte zu immer höheren Preisen, man entzieht ihnen beständig ihre finanziellen und menschlichen Ressourcen durch die Flucht von Kapital und geistigen Kapazitäten, man blockiert ihren Außenhandel durch Dumping, Zölle, Importquoten, synthetische Ersatzprodukte, die Ergebnis der entwickelten kapitalistischen Technologie sind, und subventioniert sogar die Preise der eignen Produkte, wenn diese nicht konkurrenzfähig sind.

Nun möchte der Imperialismus, daß sich die sozialistischen Länder Europas dieser kolossalen Ausplünderung anschließen, und es scheint, daß dies den kapitalistischen Reformtheoretikern nicht im geringsten mißfällt. Daher spricht in vielen dieser Länder niemand von der Tragödie der Dritten Welt, und die unzufriedenen Massen werden auf den Kapitalismus und den Antikommunismus hin orientiert; in einem dieser Länder sogar auf den Pan-Germanismus. Diese Entwicklung der Ereignisse kann durchaus zu faschistischen Tendenzen führen. Der Preis, den der Imperialismus ihnen verspricht, ist ein Anteil an der Ausplünderung unserer Völker – der einzige Weg, um eine kapitalistische Konsumgesellschaft zu errichten.

Jetzt ist den Vereinigten Staaten und den kapitalistischen Mächten sehr viel mehr daran gelegen, in Osteuropa einzugreifen als in irgendeiner anderen Gegend des Planeten. Welche Hilfe kann die Dritte Welt, in der Milliarden von Menschen unter menschenunwürdigen Bedingungen leben, von einer solchen Entwicklung der Ereignisse erwarten?

Man spricht von Frieden. Aber, um was für einen Frieden handelt es sich? Um den Frieden zwischen den Großmächten, während sich der Imperialismus das Recht vorbehält, offen einzugreifen und die Länder der Dritten Welt anzugreifen? Beispiele gibt es mehr als genug.

Die imperialistische Regierung der Vereinigten Staaten verlangt, daß niemand den salvadorianischen Revolutionären hilft, und sie versucht, die UdSSR zu erpressen, indem sie nichts geringeres verlangt, als die Einstellung aller wirtschaftlichen und militärischen Hilfeleistungen gegenüber Nikaragua und-Kuba, weil wir mit den salvadorianischen Revolutionären solidarisch sind, obwohl wir unsere Verpflichtungen bezüglich der Waffen, die die UdSSR uns liefert, in Übereinstimmung mit den unterzeichneten Abkommen zwischen unseren souveränen Nationen strikt einhalten. Auf der anderen Seite hilft eben diese imperialistische Regierung, die die Einstellung aller Solidarität mit den salvadorianischen Revolutionären fordert, der völkermörderischen Regierung und schickt Spezialkampfeinheiten nach EI Salvador, unterstützt die Konterrevolution in Nikaragua, organisiert Staatsstreiche in Panama und die Ermordung von führenden Persönlichkeiten dieses Landes, leistet trotz der erfolgreichen Friedensabkommen in Südwestafrika der UNITA in Angola militärische Hilfe und schickt den Aufständischen in Afghanistan weiterhin große Waffenlieferungen, ohne im geringsten den Rückzug der sowjetischen Truppen und die Genfer Abkommen zu beachten.

Vor ein paar Tagen erst mischten sich Kampfflugzeuge der Vereinigten Staaten unverschämterweise in den internen Konflikt auf den Philippinen ein. Unabhängig von den gerechtfertigten oder ungerechtfertigten Motiven der Aufständischen, deren Beurteilung nicht uns zukommt, erlangt die Einmischung der Vereinigten Staaten ein außerordentliches Gewicht und sie ist eine getreue Widerspiegelung der gegenwärtigen Weltlage.

Dies ist die Rolle des Weltgendarmen, die sich die Vereinigten Staaten nicht nur mehr allein für Lateinamerika, das sie schon immer als ihren Hinterhof betrachteten, sondern auch für jedes beliebige andere Land der Dritten Welt herausnehmen. Die Absegnung des Prinzips der weltweiten Einmischung einer Großmacht ist das Ende der Unabhängigkeit und der Souveränität auf der Welt. Welcher Frieden und welche Sicherheit erwartet unsere Völker, wenn es nicht der Frieden und die Sicherheit sind, die wir mit unserem Heroismus selbst aufzubauen in der Lage sind?

Es ist wunderbar, wenn die Nuklearwaffen verschwinden. Wenn dies nicht nur eine Utopie wäre und das eines Tages erreicht werden würde, wäre das von unumstrittenen Nutzen und würde die Sicherheit erhöhen, aber.nur für einen Teil der Menschheit. Den Ländern der Dritten, Welt würde das weder Frieden, noch Sicherheit, noch Hoffnung bringen.

Der Imperialismus braucht keine Nuklearwaffen, um unsere Völker anzugreifen. Seine großen Flottenverbände, die in der ganzen Welt verteilt sind, seine allgegenwärtigen Militärstützpunkte und die konventionellen Waffen, die von Mal zu Mal ausgeklügelter und todbringender werden, sind ausreichend, um seine Rolle als Herr und Gendarm der Welt durchzusetzen.

Außerdem sterben in unser Welt täglich 40.000 Kinder, die gerettet werden könnten, die aufgrund der Unterentwicklung und der Armut jedoch nicht gerettet werden. Wie wir schon bei anderen Gelegenheiten zum Ausdruck gebracht haben - und es ist nicht überflüssig, es heute hier zu wiederholen -, bedeutet das das gleiche, als wenn alle drei Tage eine Bombe, ähnlich der von Hiroshima und Nagasaki, auf die armen Kinder der Welt fallen würde.

Wenn die Ereignisse sich in der gegenwärtigen Richtung weiterentwickeln, wenn man die Vereinigten Staaten nicht auffordert, von diesen Konzeptionen abzulassen, von welchem neuen Gedankengut kann man dann sprechen? Auf diesem Wege verwandelt sich die zweipolige Welt, die wir aus der Nachkriegszeit kennen, unweigerlich in eine einpolige Welt unter der Vorherrschaft der Vereinigten Staaten.

In Kuba führen wir unseren Prozeß der Berichtigung begangener Fehler fort. Ohne eine starke, disziplinierte und angesehene, Partei ist es unmöglich, eine Revolution oder eine wirklich sozialistische Berichtigung voranzutreiben. Es ist unmöglich, einen solchen Prozeß durchzuführen, indem man den Sozialismus verleumdet, seine Werte zerstört, dem Prestige der Partei schadet, die Avantgarde demoralisiert, seine Führungsrolle aufgibt, die gesellschaftliche Disziplin abschafft, und überall Chaos und Anarchie sät. So kann man einer Konterrevolution den Weg bereiten, nicht aber revolutionären Veränderungen.

Der US-Imperialismus denkt, daß Kuba nicht standhalten wird, und daß die neue Situation im sozialistischen Lager ihm erlaubt, unsere Revolution unerbittlich zu unterwerfen.

Kuba gehört nicht zu den Ländern, in denen der Sozialismus mit den siegreichen Truppen der Roten Armee Einzug hielt. In Kuba haben wir Kubaner selbst in einem authentischen und heroischen Kampf den Sozialismus geschmiedet. Dreißig Jahre, des Widerstands gegen das mächtigste Imperium der Erde, das unsere Revolution zerstören wollte, geben Zeugnis unserer politischen und moralischen Stärke.

Wir, die wir der Regierung des Landes angehören, sind keine Gruppe von unerfahrenen Emporkömmlingen, die gerade erst zu verantwortungsvollen Posten gekommen sind. Wir stammen aus den Reihen der alten antiimperialistischen Kämpfer der Schule Mellas und Guiteras, aus den Reihen der Kämpfer der Moncada-Kaserne und der »Granma«, der Sierra Maestra und des Untergrundkampfes, von Playa Girón und der Oktoberkrise”, aus den Reihen derer, die 30 Jahre heldenhaft. der imperialistischen Aggression standhielten, die viele großartige Leistungen bei der Arbeit zeigten und glorreiche internationalistische Missionen erfüllten. Männer und Frauen aus drei kubanischen Generationen schließen sich zusammen und-übernehmen die Verantwortungen in unserer kampferprobten Partei, in der Organisation unserer beispielhaften jugendliche Avantgarde, in unseren einflußreichen Massenorganisationen, in unseren glorreichen Revolutionären Streitkräften und in unserem Ministerium des Innern.

In Kuba gehören Revolution, Sozialismus und nationale Unabhängigkeit unlösbar zusammen.

Der Revolution und dem Sozialismus verdanken wir heute alles, was wir sind. Wenn Kuba irgendwann zum Kapitalismus zurückkehren sollte, würden.unsere Unabhängigkeit und unsere Souveränität für immer verschwinden, würden wir uns in eine Verlängerung Miamis verwandeln, in ein einfaches Anhängsel des US-Imperiums. Das wäre die Erfüllung jener verabscheuungswürdigen Prophezeiung eines Präsidenten der Vereinigten Staaten im vergangenen Jahrhundert, als man unsere Insel an die USA angliedern wollte, der sagte, daß Kuba seinem Land wie eine reife Frucht in den Schoß fallen würde. Um dies heute, morgen und für alle Zeit zu verhindern, steht ein ganzes Volk bereit, das auch den Tod nicht scheut: Hier und heute, vor dem Grabmal Maceos, kann man seine unsterblichen Worte wiederholen: "Wer versucht, sich Kuba anzueignen, wird den Staub seines Bodens blutdurchtränkt vorfinden, wenn er nicht vorher im Kampf stirbt".

Wir kubanische Kommunisten und die Millionen von revolutionären Kämpfern, aus den Reihen unseres heroischen und kämpferischen Volkes, werden die Rolle zu erfüllen wissen, die uns die Geschichte nicht nur als erster sozialistischer Staat in der westlichen Hemisphäre, sondern auch als unnachgiebige, in vorderster Front stehenden Verteidiger der edlen Sache der Erniedrigten und Ausgebeuteten auf dieser Welt zuschreibt.

Wir haben niemals danach gestrebt, daß man die glorreichen Fahnen und die Prinzipien, die die revolutionäre Bewegung im Laufe ihrer langen heroischen und schönen Geschichte zu verteidigen wußte, unserer Obhut übergibt; aber wenn uns das Schicksal die Rolle zuschreibt, eines Tages zu den letzten Verteidigern des Sozialismus zu gehören, in einer Welt in der es dem US-Imperium gelingt, die Träume Hitlers, die Welt zu beherrschen, Wirklichkeit werden zu lassen, werden wir bis zum letzten Blutstropfen diese Bastei zu verteidigen wissen.

Diese Männer und Frauen, die wir heute mit allen Ehren in der warmen Erde, auf der sie geboren wurden, zur letzten Ruhe betten, gaben ihr Leben für die heiligsten Werte unserer Geschichte und unserer Revolution.

Sie starben im Kampf gegen den Kolonialismus und den Neokolonialismus.
Sie starben im Kampf gegen den Rassismus und die Apartheid.
Sie starben im Kampf gegen die Ausplünderung und Ausbeutung der Völker der Dritten Welt.
Sie starben im Kampf für die Unabhängigkeit und Souveränität dieser Völker.
Sie starben im Kampf für das Recht auf Wohlstand und Entwicklung für alle Völker der Welt.
Sie starben im Kampf dafür, daß es keine Hungernden, keine Bettler, keine Kranken ohne ärzte, keine Kinder ohne Schulen, keine Menschen ohne Arbeit, ohne Obdach, ohne Nahrung mehr gäbe.
Sie starben, damit es keine Ausbeuter und Ausgebeuteten, keine Unterdrücker und Unterdrückten mehr gäbe.
Sie starben im Kampf für die Würde und die Freiheit der Menschheit.
Sie starben im Kampf für einen wirklichen Frieden und wirkliche Sicherheit für alle Völker.

Sie starben für die Ideen von Céspedes und Máximo Gómez.
Sie starben für die Ideen von Martí und Maceo.
Sie starben für die Ideen von Marx, Engels und Lenin.

Foto: Fidel - Soldado de las Ideas
Quelle: Verlag José Martí