Brigade José Martí 80

Zum fünften Mal stellten wir im vergangenen Herbst ein Kontingent der Solidaritätsbrigade José Martí. Delegationen aus elf westeuropäischen Ländern waren der Einladung des Cubanischen Instituts für Völkerfreundschaft gefolgt, zusammen mit Cubanern am Aufbau einer Wohnsiedlung und der Fertigstellung einer Zahnklinik mitzuarbeiten und bei der Zitrusernte mitzuhelfen - durch ihre Arbeit, Besichtigungen und Gespräche auf vielfältigste Weise die cubanische Wirklichkeit zu erfahren; etwas zu erfahren über die Leistungen der Aufbauarbeit wie auch über die Entwicklungshemmnisse.

Der Arbeitstag begann frühmorgens, und manchem machte die ungewohnte Arbeit bei feuchtwarmem Klima so zu schaffen, daß er nach "vollbrachtem Tagwerk" am liebsten ins Bett gesunken wäre. Doch da erwarteten ihn aber noch die vielen "actividades", die man dann nicht versäumen konnte - seien es Vorträge und Diskussionen über Bildungs- oder Gesundheitswesen, Kultur oder Außenpolitik, seien es Filme oder Theater... oder auch die anderen Brigadisten, mit denen er bis tief in die Nacht Erlebtes austauschte. Da hätte der Tag doch 36 statt der lächerlichen 24 Stunden haben müssen, um bei allem dabei sein zu können.

Unsere cubanischen Freunde vom ICAP haben sich alle erdenkliche Mühe gegeben, uns ein greifbares Bild vom neuen Cuba zu vermitteln - ihnen sei an dieser Stelle noch einmal herzlich gedankt.

Nach der dreiwöchigen Arbeitszeit, in der von den 230 Brigadisten umgerechnet etwa 170.000 DM erwirtschaftet worden waren, waren wir für eine Woche Gast des ICAP und der Poder Popular in Sancti Spiritus, wo wir Wirtschaft und Kultur dieser mittelcubanischen Provinz kennenlernen konnten.

Neben der Kundgebung zum 20. Jahrestag der Gründung der Komitees zur Verteidigung der Revolution in Havanna mit Fidel war es dort für alle sicher ein Höhepunkt der Reise, zu Guevaras Hauptquartier in den Bergen zu marschieren, um so gemeinsam dem "Che" anläßlich seines Todestages zu gedenken. Wir möchten von den vielen Erlebnissen nur dieses erwähnen, weil es für alle Brigadisten ein sehr nachhaltiges war, ein persönliches und ein gemeinschaftliches.

Erklärung des VI. Kontingents
der Internationalen Brigade
"José Martí"



Wir, Mitglieder der Internationalen Brigade "José Martí", Vertreter der zwölf europäischen Delegationen (Österreich, Westberlin, Spanien, Frankreich, Griechenland, England, Italien, Portugal, Bundesrepublik Deutschland, Schweiz) möchten unserer tiefen Betroffenheit Ausdruck geben, die wir angesichts der Entscheidung des venezolanischen Militärgerichts über den Freispruch zu den menschenverachtenden Verbrechen empfinden, zu denen sich die Urheber der Morde an 73 Personen bekannt hatten. Diese 73 Personen waren die Opfer eines Anschlages auf ein Flugzeug der Aviación Cubana in Barbados am 6. Oktober 1976.

Mit größter Entrüstung verurteilen wir das Handeln der venezolanischen Regierung, die jene Mörderin die Freiheit entließen, und damit den Weg für künftige terroristische Akte gegen das cubanische Volk ebnen.

Wir sind gänzlich davon überzeugt, daß dieser zynische und unwürdige Akt den unumkehrbaren Prozeß der cubanischen Revolution nicht aufhalten kann und bekräftigen mit allem Nachdruck unsere volle Solidarität mit dem Volk von Cuba und dessen revolutionärer Regierung.


La Habana, den 1. Oktober 1980

(aus "Granma")

Die Brigade ist immer auch eine Quelle neuer Initiativen in der Freundschaftsgesellschaft, von daher kommt ihrer Vor- und Nachbereitung eine wichtige Bedeutung zu. Die lokalen Gruppen haben den Großteil der Teilnehmer von sich aus vorgeschlagen; die Brigade ist so auch besser in die Arbeit der Gruppen - und damit der ganzen Gesellschaft - integriert worden. Hierzu noch einige Daten, die das veranschaulichen mögen:

- EIf Brigadisten kamen aus dem Norden der Bundesrepublik, wobei schwerpunktmäßig Hamburg und Münster vertreten waren;
- 15 aus der mittleren Region. Hier wäre es wünschenswert gewesen, wenn Frankfurt stärker vertreten gewesen wäre;
- neun waren aus dem Süden dabei, erstmals je eine Delegierte aus Konstanz und Karlsruhe, wo wir hoffen können, daß auch dort örtliche Gruppen aufgebaut werden; leider niemand aus Nürnberg oder Regensburg, wo die Aktivitäten auch sehr stark nachgelassen haben.
- Das Durchschnittsalter der Brigadisten betrug 30 Jahre; 16 Berufstätige und 19 Studentinnen und Studenten waren unter ihnen.

Die Brigade, das ist auch das "Er-leben" der Anliegen und Ziele der Freundschaftsgesellschaft, das solidarische Handeln der Brigadisten unterschiedlicher Herkunft, geographisch wie auch von den politischen Anschauungen her, die Sympathie empfinden mit dem mutigen Weg der cubanischen Revolution. Solidarität mit Cuba mit Hand und Herz zu üben, so wie die Brigadisten dies tun, heißt sich hier in der Bundesrepublik auch dem dummen Antikommunismus entgegenzustellen, mit dem unsere Gesellschaft immer wieder als "kommunistische Tarnorganisation" dargestellt wird. Damit hängt auch das Lehrverbot an der Universität für unseren Vorsitzenden zusammen, das u. a. mit der Begründung, er trete aktiv für die Ziele unserer Gesellschaft ein, verhängt wurde.

- Wir Brigadisten verurteilen das Berufsverbot für Horst-Eckart Gross auf das schärfste! Die anderen Delegationen in der Brigade Jose Marti reagierten auf unsere Informationen zu dem Berufsverbot mit Verwunderung und Empörung.

Alle, die mit uns auf Brigade waren, die ganz jungen Mitglieder und gerade die, die vorher nicht Mitglied unserer Gesellschaft waren, die den fortschrittlichen Jugendorganisationen oder Friedensdiensten angehören, mit denen wir in Kontakt stehen, diese Brigadisten wissen sehr genau, wie die Wahrheit über Cuba aussieht, und warum sie sich mit uns solidarisch an die Seite Cubas stellen! Denn wir haben dieses junge Land und seine Menschen in den Wochen der Brigade lieben gelernt.

CUBA LIBRE


CUBA LIBRE 1-1981