Wir sind keine linke Caritas

Für "cuba libre" sprach Harry Greza vom Bundesvorstand der FG BRD-Kuba mit Henry Schmalfeld von der Informationsstelle El Salvador in München.

cl.: Die Informationsstelle El Salvador gibt es seit Ende 1979. Vergangenen Winter war ein starker Aufschwung der Kämpfe in El Salvador zu verzeichnen, der in die Offensive der Farabundo Marti Mitte Januar mündete. Von den Solidaritätsgruppen erforderte dies vermehrte Anstrengungen. - Wie entwickelte sich die Arbeit in den Gruppen, wie in der Informationsstelle, nachdem ihr die Koordinierung der Solidaritätsarbeit für die BRD übernommen hattet?

H. S.: Aus der Erfahrung mit der Nikaragua-Solidarität richteten wir schon 1979 ein einheitliches Konto ein. In der Koordination sind rund 100 Komitees, die unseren Rundbrief erhalten, mit denen wir in Kontakt stehen. Darüber hinaus sind wir immer wieder überrascht, wie viele Aktive es noch gibt, die sich an uns wenden und mit denen wir neu in Kontakt kommen, seien es Mitglieder von Jugendorganisationen, kirchlichen Gemeinden oder Gruppen auf dem Lande, wo sich Leute zusammengefunden haben, bereits länger zu El Salvador zusammengearbeitet haben, ohne daß wir davon wußten.

Der erste Aufschwung in der Solidaritätsbewegung erfolgte nach dem Mord an Romero. Doch er dauerte nicht an, und auch die Spendenbereitschaft ging zurück. Der Durchbruch kam erst im September 1980 und in der Folge durch die vermehrte Presseberichterstattung auch zur Ermordung der gesamten FDR-Führung. Eine Verbreitung der Bewegung fand statt, und Parteien und Gewerkschaften bezogen erstmals Stellung. Die Offensive der FMLN fiel in die Zeit der Vorbereitung der Demonstration der 20.000 in Frankfurt. Mit dem Ende der Offensive wurden auch die Nachrichten über El Salvador spärlicher, so daß wir uns erneut auf ein Nachlassen in der Aufnahmebereitschaft zum Thema El Salvador einstellen mußten. Das 4. Bundestreffen der Komitees im Februar in Münster faßte Beschlüsse zur Weiterarbeit. In diese Zeit fielen auch die Bemühungen der SPD-Spitze, den FDR-Führer Ungo und Junta-Chef Duarte zu einem Vermittlungsgespräch nach Bonn zu bekommen. Zum Todestag von Romero im März kam es in Köln und Hamburg, aber auch in vielen kleinen Städten zu Aktionen, die hauptsächlich von kirchlichen Kreisen getragen wurden. In der Folge berichtete die Presse entweder gar nichts aus El Salvador, oder sie vermittelte fälschlicherweise den Eindruck, die Probleme EI Salvadors könnten am grünen Tisch gelöst werden. Dies führte zu einer Verunsicherung in der Öffentlichkeit und in der Solidaritätsbewegung selbst, da wir mit unseren Publikationen und durch Veranstaltungen nur einen beschränkten Kreis erreichen konnten.

Wir sind für eine Lösung, die möglichst wenig Opfer fordert.

cl.: War eine politische Lösung auf dem Verhandlungsweg denn in Betracht zu ziehen?

H. S.: Was Gespräche betrifft: Es gab bei jeder Revolution Gespräche,eine rein militärische gab es noch nie. Die Frage ist, was für Gespräche. Ungo sagte auch nicht, daß die FDR generell gegen Gespräche wäre. Die FDR zeigte mehrmals die Bereitschaft zu Gesprächen. Die Junta reagierte mit der Ermordung der Führung der Demokratisch-Revolutionären Front Duarte kehrte damals aus den USA zurück und erklärte, er wolle nun Verhandlungen führen. Das Ergebnis waren jene Morde, ein Beispiel dafür, was die Junta unter Verhandlungen versteht.

Wir sind - wie die politischen und militärischen Organisationen in El Salvador für eine Lösung, die möglichst wenig Opfer fordert. Aber die Opposition sagt auch dem stimmen wir zu -, daß keine Lösung auf Kosten des Volkes gehen darf. Also möglichst eine Lösung, die wenig Opfer fordert, gleichzeitig aber dürfen die Vorstellungen des Volkes nicht mehr verraten werden. Wenn das gegeben ist, so ist jeder für Gespräche.

cl.: Wie seht ihr die Rolle, die Brandt und Wischnewski im Namen der Sozialistischen Internationale als Vermittler spielen wollen? Gibt es da eine Diskrepanz in der Politik von SPD und Bundesregierung? Ihr selbst habt auch Forderungen an die Bundesregierung formuliert, die durch Unterschriftensammlungen unterstützt wurden.

H.S.: Selbst die Bundesregierung hat schon Stellung bezogen durch Regierungssprecher Becker, der von "demokratischen Kräften" in beiden Lagern sprach, die eine Lösung ermöglichten. Es ist auch zu erkennen, daß die Regierung gegen eine Intervention der USA in El Salvador ist. Andererseits muß man unterscheiden, wer Stellung nimmt. In ihrer Funktion können Brandt und Wischnewski etwas sagen, was noch nicht gültig für die Regierung ist. Man darf das nicht in einen Topf werfen.

cl.: Welche Forderungen an die Bundesregierung stehen im Vorgrund?

H.S.: Die wichtigste ist immer noch, daß die Bundesregierung sich dafür einsetzt, daß die USA nicht direkt intervenieren; aber auch, daß sie nicht weiterhin die Junta militärisch oder auch wirtschaftlich unterstützen. Viele unterschätzen den wirtschaftlichen Aspekt, der wiederum einen sehr engen Bezug zum militärischen hat. So werden die Gehälter für das Militär und für die Verwaltung aus der Wirtschaftshilfe bezahlt, um den repressiven Apparat z.B. auch mit den Geldern für die sogenannte "Landreform" - über Wasser zu halten.

Wirtschaftlich ist das Land am Boden. So ist auch eine unserer Forderungen, die Wirtschaftshilfe für die Junta einzustellen. Wir versuchen, die Anerkennung der FDR und der Farabundo Marti als die einzig legitimen Vertreter des Volkes von El Salvador in der Bundesrepublik zu erreichen. Oft spricht man bei uns einmal von der FDR, ein andermal, gerade so wie es einigen Leuten hier paßt, von der FMLN. Es ist sehr wichtig, zu erkennen, daß dies eine Kraft ist. Daneben stellen wir z.B. auch in bezug auf die CDU die Forderung, ihre Unterstützung für den sogenannten christlichen Demokraten Duarte einzustellen. Es sei hierbei erwähnt, daß dieser von Oberst Majano Informationen erhielt, wer der Mörder von Romero sei. Aber Duarte ging diesen Informationen bislang nicht nach.

Wir müssen die Ursachen der Repression aufzeigen.

cl.: Die Kaffeboykottaktion ist im Moment euer Aktionsschwerpunkt. Was wollt ihr damit erreichen?

H. S.: Mehrere Ziele: Erstens auf die Ursachen der Repression zu kommen. Wieso der Kampf in El Salvador? Der Kampf kommt nicht, weil da irgendeine Repression ist, sondern das hat Ursachen in der wirtschaftlichen Ausbeutung, die sich am Produkt Kaffee exemplarisch aufzeigen lassen. Zwar spielt der Kaffee nicht mehr die Rolle, die er bis in die fünfziger Jahre spielte, wo er 90 Prozent des Exports ausmachte, aber er ist immer noch von hoher Bedeutung. Wir wollen davon wegkommen, immer nur die Repression zu zeigen, sondern auch deutlich machen, woher sie überhaupt kommt. Wir müssen dabei auch bedenken, daß wir nicht nur mit.politischen Gruppen zusammenarbeiten, wir arbeiten auch mit Leuten, die sich vor allem moralisch entrüsten, die das ganze Leid sehen und aktiv werden, um das zu mindern. So wollen wir diese Leute erreichen und zeigen, woher das Leid kommt. Das ist wichtig, um langfristig zu arbeiten. Nicht nur zu sehen, was in El Salvador aktuell passiert, darauf zu reagieren und, wenn wieder weniger passiert und weniger berichtet wird, die Entrüstung über die schrecklichen Morde als Antrieb wegfällt, auch dann noch weiterzuarbeiten.

Sehr wichtig ist auch, welche Rolle die BRD spielt, da wir nun einmal 50 bis 60 Prozent der Kaffee-Ernte Salvadors aufkaufen.

Weiter betrifft der Aktionsaufruf auch Nikaragua und Guatemala. So wollen wir auch von seiten der Solidaritätsgruppen hier zusammenarbeiten. Nikaragua braucht auch jetzt unsere Hilfe. Diese Aktion soll also nicht nur die Zusammenhänge, die es gibt, aufzeigen, sondern auch die konkrete Zusammenarbeit der Komitees bei uns fördern.

Die Bewegung entwickelt sich sehr schnell.

cl.: Wie soll die Aktion über die Komitees umgesetzt werden?

H. S.: Es ist eine auf drei Tage begrenzte Aktion (1.-3. Juni), bei der alternativ Nikaragua-Kaffee verkauft werden wird. Wir hoffen, daß nicht nur die genannten 100 Gruppen die Aktion tragen werden, sondern sich Aktionskomitees in den Städten auch mit anderen Gruppen bilden - in Hamburg beispielsweise gibt es bereits neun oder zehn Gruppen,die in dieser Richtung arbeiten. Zur Koordinierung haben wir eine Broschüre erarbeitet, die die Hintergründe des Kaffeegeschäfts behandelt, es gibt zentrale Plakate, eine Diaserie, eine Seminarmappe. Vor den Aktionstagen sollen in den jeweiligen Städten Seminare stattfinden, so daß alle Beteiligten befähigt werden, den Menschen auf der Straße Antworten zu geben, aufzuklären. 13 Regionalstellen, von denen man Materialien anfordern kann, wurden zur Vorbereitung gebildet, da das eine Stelle nicht leisten kann. Schon jetzt können wir durch die wachsende Anzahl der Anfragen einen neuen Aufschwung in der Solidaritätsarbeit verzeichnen.

cl.: Welche weiteren bundesweiten Aktionen befinden sich in der Planung?

H.S.: Bundesweit sind wir schon froh, wenn die Kaffeeaktion erfolgreich verläuft, da doch eine Menge Arbeit darin steckt. Tepeuani, eine Musikgruppe aus El Salvador, die im Exil ist, wird eine Europatournee durchführen und in allen größeren Städten der BRD spielen, das findet Mai bis Juni statt.

Wir.stehen vor der bekannten Urlaubsflaute, wo wir uns für den Herbst vorbereiten werden. Wir planen, noch eine Broschüre zu den Gewerkschaften herauszubringen. Mittlerweile gibt es eine große Anzahl von Materialien zu El Salvador. Noch vor eineinhalb Jahren gab es da praktisch nichts. So erarbeiten wir Materialien für die verschiedensten gesellschaftlichen Bereiche, so daß man an Universitäten, in der Gewerkschaft damit arbeiten kann. Auch das leistet die Koordinationsstelle, wobei es auch immer mehr so läuft, daß man Materialien von einzelnen Gruppen übernehmen und anbieten kann.

cl.: Du sprachst im Zusammenhang mit der Kaffeeaktion von den Bananen- und Kaffeerepubliken, von deren gemeinsamem Schicksal. Nachdem Reagan und Haig den Befreiungskampf in diesen Ländern als "Terrorismus" bezeichneten und daß es, was die Sicherung der Interessen der USA anbelangt, "Wichtigeres als den Frieden" gäbe, ist sehr deutlich geworden, daß der Kampf des Volkes von EI Salvador eine Schlüsselstellung einnimmt für alle fortschrittlichen Bewegungen, nicht nur in Lateinamerika, sondern beispielsweise auch in Afrika, oder auch für die Friedensbewegung bei uns. Es steht die Frage, ob die USA wieder ihre Hausmacht mit der Politik des "Großen Knüppels" sichern kann, ob die Reagan-Administration wieder eine Politik durchsetzen kann, wie sie die USA z.B. 1965 mit der Invasion in der Dominikanischen Republik betrieben. Die aktuelle Zuspitzung in dieser Frage, so glaube ich, wird bei uns im Zusammenhang mit EI Salvador und Nikaragua immer klarer gesehen. Es gibt - vor allem für diejenigen, die als Jüngere nicht in der Vietnambewegung dabei waren - so etwas wie ein neues Bewußtsein dessen, was Imperialismus ist. Das Thema internationale Solidarität hat seit Chile 1973 bei uns keine so breite Resonanz mehr gehabt wie jetzt.

Was hat sich bei uns an El Salvador entwickelt in der Solidaritätsbewegung, in den Kirchen,in der Jugend? Welche Probleme siehst du in der Zusammenarbeit der verschiedenen Solidaritätsgruppen und welche Ansprüche stellt ihr an die Solidaritätsarbeit hier?


H.S.: Interessant ist die Arbeit im kirchlichen Bereich. Ich kann nicht sagen, wie die Arbeit in kirchlichen Gruppen z.B. zu Vietnam, Chile oder Portugal zuvor gelaufen ist, aber gerade zu Guatemala, Nikaragua und El Salvadorgab es seit langem eine enge Beziehung; seit drei oder vier Jahren wurde hierzu gearbeitet. Auch Gruppen, die sich mit Problemen wie der Ausrottung der Indianer in Lateinamerika beschäftigten, arbeiteten in gewisser Weise unbemerkt in dieser Richtung.

Nachdem Kuba schon lange nicht mehr so aktuell war, da war dann Vietnam. Und mit Chile 1973 begann hinsichtlich Lateinamerikas etwas ganz Neues. Viele bei uns stießen zur Lateinamerika-Solidarität über die Exilchilenen, die z.B. ihre Kultur in die Bewegung einbrachten. Dann gründeten sich verschiedene Lateinamerika-Komitees. Nikaragua kam, und als das mit EI Salvador aktuell wurde, da arbeiteten einige aus den Nikaragua-Komitees zu EI Salvador. Und z.Zt. arbeiten die meisten nur noch zu El Salvador und auch langsam zu Guatemala. Das war eine sehr schnelle Entwicklung, der viele Gruppen außerhalb der Komitees, die schon seit langem Solidaritätsarbeit machten,nicht so schnell folgen konnten.Ich meine damit z.B. das Antiimperialistische Solidaritätskomitee (ASK) oder auch die Jusos. Das dauerte, es ist die Struktur vieler Organisationen, die dazu führt, daß man etwas länger braucht bis Beschlüsse gefaßt sind usw. Bei uns in den Komitees geht das praktisch von heute auf morgen, wir haben nicht einen solchen Aufbau, wir können sofort reagieren.

Wir haben da ganz unterschiedliche Erfahrungen in der Zusammenarbeit. Mit den bekannteren Jugendorganisationen und politischen Organisationen hier in München haben wir nie sehr viel gemeinsam gemacht,allenfalls mit Terre des Hommes, Amnesty oder Chilenengruppen. Ich weiß von unserer Koordinationsarbeit, daß das eben in einigen Städten mit Zusammenarbeit gut läuft, in anderen wieder weniger gut. Man muß auch sehen, daß z.B. die eine Salvador-Gruppe mehr im kirchlichen Bereich arbeitet, daß es dann an einigen Orten sogar drei oder vier Komitees gibt, die verschiedentliche Bindungen auch von ihrer Entstehung her haben, aus diesen Gründen dann auch mehr oder weniger für sich arbeiten. In unserer Arbeit, der Koordination, denkt man immer auch gleich bundesweit, aber viele Gruppen wollen da ihre eigene Herangehensweise, haben wenig Bedürfnis nach Koordination und Zusammenarbeit mit anderen, obwohl die Bundestreffen sich beispielsweise immer mehr bewähren.

Kubas und Nicaraguas Beispiel ist wichtig für uns.

cl.: Betroffen von der zugespitzten Situation angesichts einer Intervention seitens der USA ist nicht nur auch Nikaragua, man spricht von Maßnahmen gegen Kuba, das von Haig als die "Quelle allen Übels" bezeichnet wurde.

H. S.: Ja, man sprach bereits von einer Seeblockade gegen Kuba. Dadurch daß El Salvador für so viele Fragen steht, die ganz Lateinamerika angehen, nimmt es auch in der Arbeit der verschiedenen Solidaritätsgruppen zu Lateinamerika einen solch wichtigen Platz ein, auch in Parteien, gerade auch in der SPD tut sich da jetzt etwas. Viele Gruppen haben mit der Zusammenarbeit mit anderen Organisationen wenig Erfahrung. Vielleicht gehen sie da auch etwas ängstlich heran. Zum 1. Mai haben wir ein Flugblatt herausgegeben, das besonders Gewerkschafter ansprechen soll, sie auffordert, Solidarität mit ihren Kollegen in El Salvador zu üben. Wir müssen uns da auch noch mehr um die Gewerkschaften bemühen. Die Komitees müssen politischer in diesem Sinne arbeiten, aber die Ansprüche sind da ganz unterschiedlich: Das eine Komitee will nicht mit der SPD zusammenarbeiten, weil sie kein echtes Interesse an der Revolution in El Salvador hätte, das andere sagt, wir müssen auch die CDU gezielt ansprechen, auch da gelte es Einfluß zu nehmen. Es handelt sich eben um eigenständige Gruppen. - Insgesamt aber müssen wir mehr mit den politischen Kräften arbeiten, die vorhanden sind.

cl.: Wenn man von einem neuen Bewußtsein sprechen will, angesichts der großen Bereitschaft so vieler Jugendlicher, ganz spontan aktiv zu werden, vor welcher Aufgabe steht dann diese neue Bewegung?

H.S.: Die meisten von uns haben einen politischen Anspruch, wenn der auch schwer zu konkretisieren ist; das hängt auch sehr stark mit dem allgemeinen Unbehagen, das viele in der BRD verspüren, zusammen. Wenngleich im Gegensatz zur Vietnambewegung nicht so klare antiimperialistische Positionen im Vordergrund stehen, so sehen doch viele an El Salvador, was Imperialismus bedeutet, eben, daß die Amis raus müssen aus El Salvador. Stehen bei vielen die politischen Forderungen und Zusammenhänge auch nicht so im Vordergrund, so ist doch klar, daß wir nicht eine Art "linke Caritas" sein wollen. Ich denke, man steht auch sehr stark mit dem Gefühl dahinter, das ist in diesem Sinne auch eine neue Qualität, jeder bringt seine Form des Engagements ein. Es ist natürlich auch schwierig, damit umzugehen. Es handelt sich um einen Politisierungsprozeß, der sich noch weiter fortsetzen wird, der aber sicherlich zu einer gefestigten politischen Bewegung - ganz allgemein gesprochen - bei uns beitragen wird, der sich auf eine neue Basis von Erfahrungen mit stützt.

cl.: Du meinst also, die allgemeine Unzufriedenheit, die moralische Entrüstung und dann das Engagement haben bei der EI Salvador-Solidarität einen Ansatzpunkt, wo die Bewegung sehr leicht auch eine politische Dimension gewinnt?

Solidarität mit dem Volk von El Salvador.

H.S.: Ja, die El-Salvador-Bewegung ist auch sehr viel politischer als die für Nikaragua, auf die sie ja aufbaute. In der Koordinationsstelle bemerken wir von Monat zu Monat, wie sich die Bedürfnisse und Ansprüche der Gruppen in politischer Hinsicht entwickeln. - Die Zusammenarbeit der verschiedenen Gruppen hat auch eine Bedeutung, die nicht zu unterschätzen für uns selbst ist. Wenn die Öffentlichkeit beispielsweise mehr durch eure Gesellschaft über Kuba oder etwas über Nikaragua erfährt, so hat dies auch seinen Nutzen für El Salvador, gerade auch wegen der Propaganda gegen die FDR oder gegen die Sandinisten, sie seien von Kuba und der Sowjetunion ferngesteuert usw. Wenn unsere Aktiven über die Probleme Kubas und Nikaraguas - vor allem über die Aufbauprobleme - Informationen haben, so werden wir besser verstehen, welche Probleme in El Salvador anstehen. Wir müssen über gute und schlechte Erfahrungen in der Lösung solcher Probleme diskutieren, um besser zu verstehen, was z.B. jetzt in Nikaragua passiert, für die Zeit nach dem Sieg. Ich habe keinen Zweifel an diesem Sieg des salvadorianischen Volkes.

Nach der Revolution werden diejenigen, die solidarisch mit dieser Revolution sind, auch sicher sogleich in der Öffentlichkeit in ein linkes Schubfach kommen. Das neue El Salvador wird diffamiert werden, denn die Revolution in El Salvador wird eine radikalere sein als in Nikaragua. Die fortschrittliche Bewegung im Land war seit jeher klassenkämpferischer. Man muß sehen, welche Propaganda gegen das neue Nikaragua aktuell gemacht wird, auch da muß Gegeninformation da sein. Man muß sich über Kuba informieren, ganz gleich ob man Kuba positiv oder nicht so positiv gegenübersteht; im letzteren Fall sollte man dann eben zumindest wissen, was einem nicht paßt. Diese Diskussion ist wichtig - kann man da noch fragen, woher das Geld für den Aufbau kommt, ob aus der Sowjetunion oder von der Friedrich-Ebert-Stiftung, nach dem Sieg? Was hat es für Auswirkungen, wenn die Wirtschaft eines Entwicklungslandes von einem Produkt so bestimmt wird, wie das mit dem Zucker in Kuba der Fall war, wie ist das mit dem Kaffee in El Salvador? Das müssen wir diskutieren.

CUBA LIBRE


CUBA LIBRE 2-1981