"Zur falschen Zeit am falschen Ort"

Zum 20. Todestag von Fabio di Celmo, Opfer eines Terroranschlages gegen Kuba

Giustino di Celmo

Giustino di Celmo starb ohne Gerechtigkeit für seinen Sohn
Foto: Roberto Suárez



Am 4. September 1997 traf sich Fabio di Celmo, ein 32-jähriger Italiener, in der Lobby des Hotels Copacabana in Havanna mit einem befreundeten italienischen Pärchen, das auf sein Zuraten seine Flitterwochen in Havanna verbracht hatte. Di Celmo stammte aus der Nähe von Genua in der italienischen Region Ligurien, war aber mittlerweile wohnhaft in Kanada und hatte sich als Geschäftsmann selbstständig gemacht. Seit 1992 kamen Fabio und sein Vater Giustino in regelmäßigen Abständen nach Kuba, um Handel mit der Karibikinsel zu treiben. Auch sein Aufenthalt in Havanna im Herbst 1997 diente der Anbahnung neuer Geschäftsbeziehungen.




Kuba befand sich mitten in der sogenannten Sonderperiode, die nach dem Ende der sozialistischen Staatengemeinschaft und dem damit verbundenen Einbruch der kubanischen Wirtschaft ausgerufen worden war. Die US-Blockade, zuvor jahrzehntelang durch die Wirtschaftsbeziehungen innerhalb des Rates für Gegenseitige Wirtschaftshilfe (RGW) ausgehebelt, beutelte das Land. Über Nacht mussten Importe in Devisen bezahlt werden, die das Land nicht durch Exporte aufwiegen konnte. Der Tourismus entwickelte sich innerhalb kürzester Zeit zur bedeutendsten Einnahmequelle, zu einer der letzten Möglichkeiten zur Deviseneinnahme, die der sozialistischen Insel noch verblieb. Damit rückten Ferieneinrichtungen aber auch ins Fadenkreuz militanter antikommunistischer Gruppen von Exilkubanern, die in Miami angesiedelt waren. Ihr Kalkül war es, touristische Einrichtungen auf Kuba anzugreifen, um damit westliche Urlauber von einer Reise auf die Karibikinsel abzuschrecken. Um das Risiko für sich selbst gering zu halten, warben die Miami-Kubaner mehr oder weniger ahnungslose Bewohner lateinamerikanischer Länder an unter ihnen Ernesto Cruz León aus El Salvador, der als Mitarbeiter in einer Autovermietung in der Hauptstadt arbeitete und von seinem Vorgesetzten ein finanzielles Zubrot angeboten bekam. Er solle nach Kuba reisen und an drei Orten eine Bombe ablegen. Cruz León sagte zu und reiste wenige Wochen später in die kubanische Hauptstadt. Am 4. September betrat er das Hotel Copacabana, ging in die Herrentoilette, machte dort den Sprengsatz scharf und versteckte ihn in einem Aschenbecher in der Lobby.

Als sich Fabio mit seinen Freunden beriet, wo man das letzte gemeinsame Mittagessen vor ihrer Abreise einnehmen würde, explodierte die Bombe. Der junge Italiener wurde von der Wucht des Sprengsatzes getroffen, seine Freunde blieben wie durch ein Wunder unverletzt. Fabios Vater Giustino hörte in seinem Hotelzimmer die Explosion, kurz darauf klingelte das Telefon und er erhielt die Nachricht, dass sein Sohn Opfer eines Terroranschlags geworden und noch auf dem Weg ins Krankenhaus seinen Verletzungen erlegen war. Es heißt, dass Giustino di Celmo noch am selben Tag geschworen habe, Kuba nicht mehr zu verlassen, bis der Tod seines Sohnes aufgeklärt und die Täter ihrer gerechten Strafe zugeführt seien.

Posada Carriles

Der Terrorist Posada Carriles lebt unbehelligt in Miami
Foto: democratic underground

Wer hinter dem Anschlag steckte, stellte sich bald heraus. Aus den Vernehmungen nach der Festnahme von Ernesto Cruz Léon ging hervor, dass sein Vorgesetzter in der Autovermietung einen Kumpan hatte, den Terroristen und zumindest ehemaligen CIA-Mitarbeiter Luís Posada Carriles. Posada Carriles war vor der kubanischen Revolution ein ehemaliger Mitarbeiter des kubanischen Ex-Diktators Fulgencio Batista, der seit den 1960er Jahren Anschläge auf kubanische Einrichtungen geplant und durchgeführt hatte. Das vielleicht grausamste seiner Verbrechen bestand im Anschlag auf eine kubanische Passagiermaschine, die 1976 mit 67 Kubanerinnen und Kubanern an Bord nahe Barbados in Flammen aufging und ins Meer stürzte. Posada Carriles hatte dazu später im US-Fernsehen erklärt: "Ja, wir haben die Bombe gelegt na und?"

Auch im Fall des Anschlags auf Fabio di Celmo gab Posada Carriles eine entsprechende Erklärung ab: "Es ist betrüblich, dass jemand ums Leben kam, dieser Italiener war zum falschen Zeitpunkt am falschen Ort. Nichtsdestotrotz schlafe ich nachts wie ein Baby." Der US-Justizbehörden sahen sich zu keinem Zeitpunkt veranlasst, Luís Posada Carriles angesichts dieser unverhohlenen Selbstbezichtigung zu befragen.

Giustino di Celmo verbrachte tatsächlich den Rest seines Lebens in Kuba und setzte sich in den folgenden Jahren für die Belange der sozialistischen Karibikinsel ein. Unter anderem unterstützte er die Kampagne für die Freiheit der Cuban Five, die sich als junge Männer in terroristische Gruppen in Miami eingeschleust hatten, um deren Anschlagspläne nach Havanna zu übermitteln. Es heißt, die fünf Aufklärer hätten insgesamt fast 70 Anschläge gegen Kuba vereiteln können. In den USA wurden sie wegen einer angeblichen Verschwörung zur Spionage verurteilt und erst im Jahr 2014 nach starkem internationalen Druck aus der Haft entlassen.

Am 4. September 2017 jährt sich der Todestag von Fabio di Celmo zum 20. Mal. Auch sein Vater Guistino di Celmo ist am 1. September 2015 im Alter von 94 Jahren verstorben, während der Hintermann des Anschlags, durch den Guistinos Sohn sein Leben lassen musste, Posada Carriles, noch heute von den US-Behörden unbehelligt und allen Auslieferungsgesuchen zum Trotz seine Pension in Miami genießt.

CUBA LIBRE Tobias Kriele

CUBA LIBRE 3-2017