Modellbau auf Kuba und für Kuba

"Als ich jung war, baute ich alle Flugzeugmodelle aus der DDR und der CSSR, die ich hier bekommen konnte" erzählte mir ein Freund in Baracoa und zeigte mir später die Wand in seinem Haus, an der sie heute noch befestigt sind.

Die "Vought OS2U Kingfisher" im Modell

Die "Vought OS2U Kingfisher" im Modell
Foto: Jochen Schreiber



Seit dem Ende des Rates für gegenseitige Wirtschaftshilfe (Comecon) gibt es keinen Modellbau mehr, nur einige wenige Enthusiasten bauen aber trotzdem weiter. Das grösste Beispiel ist das riesige Diorama einer Zuckerfabrik mit dem Namen Esperanza (Hoffnung) das Anfang der 90er Jahre "scratch" (ein Modell wird entweder komplett ohne die vorgefertigten Teile eines Bausatzes gefertigt oder ein Modell wird mit selbst gefertigten Teilen umgebaut oder erweitert, die Redaktion) um eine dem langjährigen Stadthistoriker von Havanna, Eusebio Leal, geschenkte Lok der LGB-Bahn herum aufgebaut wurde. Dieses unglaubliche Diorama ist im Rum-Museum in Havanna ausgestellt.


Vor elf Jahren fand in Havanna die letzte Ausstellung von Flugzeugmodellen statt, deren Modelle alles Unikate aus Holz waren, die historische Bedeutung für Kuba haben.

Die "Vought OS2U Kingfisher" im Original

und das Original im Revolutionsmuseum in Havanna
Foto: Ji-Elle / wikimedia / CC BY-SA 4.0


Mit dem Original dieser "King Fisher", die in der II. Front von Raul Castro den Revolutionären unbeschädigt in die Hände fiel, flog Luis Alfonso Silva Tablada den ersten Kampfeinsatz der im Aufbau befindlichen FAR gegen die Batista-Armee am siebten November 1958. Heute ist sie im Revolutionsmuseum in Havanna ausgestellt neben einer "Sea Fury", die bedeutenden Anteil am Sieg in Playa Giron hatte.

Bei einem Besuch des Museums der II. Front in Mayari Arriba, wo einige der Originale der ersten Flugzeuge stehen, entstand die Idee, Modelle von allen je auf Kuba geflogenen Maschinen zu bauen und sie auf Kuba einem Museum zu schenken.


Und noch eine Modellbau-Idee entstand in Gesprächen mit den Verantwortlichen des Patrimonio (Denkmalschutz) der Provinz Guantanamo. Hier liegen im Urwald versteckt die Ruinen von Kaffeefincas, die vor 200 Jahren von den aus Haiti geflüchteten französischen Pflanzern aufgebaut wurden. Sie sind seit 1999 von der UNESCO zum Weltkulturerbe erklärt worden und Kuba versucht sie heute zu schützen und zu erhalten. Da die Ruinen in ihrer Gesamtheit zum Teil schlecht zu erkennen sind, sollen Modelle im Maßstab 1:72 gebaut werden, die im Stadtmuseum von Guantanamo ausgestellt werden sollen oder unter Umständen vor Ort den BesucherInnen die Anlagen veranschaulichen.

Diese Ideen können wir von hier unterstützen. So macht das Hobby des Modellbaus mal einen größeren Sinn als nur selber Spaß daran zu haben. Wer sich für die Modelle interessiert oder an den Dioramen mitzubauen möchte meldet sich bitte bei: jochenschneider1957@gmail.com

CUBA LIBRE Jochen Schneider

CUBA LIBRE 3-2021