Kuba und der Sozialismus
Von Günther Pohl
Rolf Becker liest Fidel Castro: „Die Geschichte wird mich freisprechen.“ Foto: Tom Brenner
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Am 12.12.2025 ist Rolf Becker im Alter von 90 Jahren in Hamburg verstorben. Er war – mal in dieser, mal in anderer Reihenfolge – Schauspieler, Rezitator, Gewerkschafter, Sozialist. Und Rolf war ein glühender Freund des sozialistischen Kuba.
Rolf wusste seine Talente mit seiner Überzeugung zu verbinden. Ein Beispiel ist sein Programm „Die Geschichte wird mich freisprechen“. Am 28. März 2019 fand in der Ladengalerie der jungen Welt in Berlin seine Premierenlesung aus der Verteidigungsrede Fidel Castros statt, die dieser im Jahr 1953 vor einem Militärgericht gehalten hatte, vor dem er wegen des Angriffs auf die Moncada-Kaserne angeklagt war.
In einem Interview mit der Cuba Libre zu dieser Premiere nannte Rolf die Verteidigungsrede Fidels ein einzigartiges Dokument zum Verständnis der Kubanischen Revolution. Die Revolution verband er dabei ganz internationalistisch mit den wiederholt durch die USA niedergeschlagenen Freiheitskämpfen Lateinamerikas.
Die Rede Fidels sei aktuell, sagte er. Aktuell „für alle Länder weltweit, die in heutigen Formen des Kolonialismus ausgebeutet werden und leiden. Die Flüchtlingsströme, gegen die sich die imperialistischen Staaten auf unmenschliche Weise zu schützen versuchen, die Toten, ob im Mittelmeer und auf den Wegen dorthin, ob in Palästina oder an der Südgrenze der USA, geben eine erschütternde Auskunft. Die Befreiung Kubas markiert den Beginn des Bruchs mit der Vorherrschaft der USA – nicht nur in ihrem Hinterhof.“ Rolf hatte ein tiefes Verständnis für die geostrategische Bedeutung des sozialistischen Kubas. „Wenn wir den Befreiungskampf in Lateinamerika unterstützen wollen, gilt es vor allem, die Kubanische Revolution zu verteidigen.“
Am 18. August 2020, wenige Tage nach dem 94. Geburtstag des 2016 verstorbenen Fidel Castro, kam Rolf Becker zu einer Veranstaltung der Freundschaftsgesellschaft BRD-Kuba nach Mainz. Mitten in der Corona-Pandemie waren im Veranstaltungsort nur 27 Personen zugelassen. Die anwesende Vertreterin der Kubanischen Botschaft war von Rolfs Vortrag begeistert und sandte dem Schauspieler anschließend ein Glückwunschschreiben. So bescheiden, wie Rolf eben auch war, verdächtigte er die Veranstalter, hier nachgeholfen zu haben. Dabei wusste die Botschaft einfach, wen sie an Rolf hat. Bereits im Juni 2020 hatte er zu den 60 Erstunterzeichnern des Aufrufs: Deutschland mit Europa: Für ein Ende der Blockade gegen Kuba! gehört, der anschließend von 119.000 Menschen unterzeichnet wurde.
Zwei Jahre später wiederholten wir die Lesung mit Rolf Becker, aber ohne Kontaktbeschränkungen. Wie beim ersten Mal fand sie in den Festungskellern der Mainzer Zitadelle statt. In den historischen Gewölben begeisterte Rolf dieses Mal jedoch ein viel größeres Publikum, tagte doch am selben Tag die Bundesdelegiertenkonferenz der Freundschaftsgesellschaft BRD-Kuba. Anschließend speisten wir gemeinsam in einer, wie er bemerkte, „ausgezeichneten“ Weinstube in der Mainzer Altstadt. Die Wirtin erwiderte die Zuneigung und bedankte sich im Nachgang bei uns für den Besuch dieses außergewöhnlichen Menschen. Dieser Besuch sei für sie eine ebensolche Ehre gewesen wie der von Esther Bejarano einige Monate zuvor.
Rolf und Esther. Beide kannten sich dreißig Jahre lang. Esther bezeichnete Rolf als ihren „beschützenden Bruder“. Rolf Becker wiederum nannte Esther seine „große Schwester“. Esthers Kuba-Reise im Jahr 2017 hätte ohne den Zuspruch des beschützenden Bruders vielleicht nicht stattgefunden, der auf der Reise entstandene Film „Wo der Himmel aufgeht“ wäre möglicherweise nicht fertiggestellt worden. 2021 musste Rolf dann für Esther die Trauerrede halten.
Rolf las die Cuba Libre aufmerksam. Gefiel ihm ein Artikel, so bat er darum, ihn an anderer Stelle veröffentlichen zu dürfen. Zum 40. Jahrestag unserer Zeitschrift zitierte Rolf in seiner Grußbotschaft an die Redaktion Fidel Castro: „Die Völker besitzen eine einfache, aber unversöhnliche Logik, der alles Absurde und Widersprüchliche zuwider ist… Meine Logik ist die einfache Logik des Volkes.“, um dann zu fordern: „Lasst uns seine Logik und die aller unterdrückten Völker zu eigen machen.“
In einem Clip für die Kampagne „Mejor sin Bloquéo“ forderte Rolf dann im November 2023:
„Kuba muss von uns verteidigt werden gegen seine Feinde im Norden, die nicht nur Kuba ausplündern wollen.“ Und nach einem Moment des Nachdenkens fügte er hinzu, dass er sich damit auf die Regierung der USA beziehe, nicht auf die dort lebende Bevölkerung. Da war sie wieder, die Logik der Unterdrückten.
Nur folgerichtig, dass Rolf sich im besagten Clip die Worte Pablo Nerudas zu eigen machte: Kuba, meine Liebe. Du wirst uns fehlen.
Hasta siempre, Rolf!