editorial

Die Verschärfung der Lage in Lateinamerika mit der Entführung Maduros und seiner Ehefrau durch die USA war noch nicht verarbeitet, da erreichte die Redaktion eine weitere, ganz andere Schreckensnachricht: Andre Scheer, ein großer Freund Kubas und Autor dieser Zeitschrift, starb plötzlich Ende Januar. Wir werden ihn sehr vermissen. Ein Nachruf von Tobias Kriele findet sich in diesem Heft.
Eine erste Einschätzung des US-Angriffs auf Venezuela nimmt Carsten Hanke vor. Das Erdöllieferverbot an Kuba hat drastische Auswirkungen. Peter Knappe analysiert die Lage der kubanischen Wirtschaft, Renate Fausten berichtet aus dem Alltag in Havanna und schildert, wie die kubanische Bevölkerung die Ereignisse in Venezuela aufgenommen hat.
Tobias Kriele war um die Jahreswende in Kuba und konnte miterleben, wie sich die Stimmung im Lande zum Kämpferischen entwickelt.
Jorge Enrique Jerez Belisario beschäftigt sich mit der Multidimensionalität des Krieges der USA gegen Kuba und stellt heraus, dass die Kubaner trotz ihrer erzwungenen Unterlegenheit weiter an ihrer Zukunft arbeiten werden.
Abel Pietro betont in seinem Beitrag die Widerständigkeit des kubanischen Volkes.
Es gibt auch Positives zu berichten. Dazu gehört sicher die Gründung der Initiative „Gewerkschafter für Kuba“. Luis Sergio von der IG Metall Offebach betont die Rückbesinnung auf die Internationale Solidarität. Wir berichten auch über die Aktivitäten der britischen Gewerkschafter, die umlängst in Kooperation mit der Cuba Solidarity Campaign 23 Tonnen Milchpulver nach Kuba schickten.
Trump und Konsorten stellen Kuba gerne als „failed state“ dar. Wenn man sich die Realität in den USA anschaut sieht man aber etwas anderes: Derzeit zahlen Familien in New York im Durchschnitt 26.000 US-Dollar pro Jahr für einen Kinderbetreuungsplatz. Der aktuelle Neuvermietungspreis für eine Einraumwohnung beträgt im Durchschnitt 4.500 US-Dollar.
Anfang 2025 lebte ein Viertel der New Yorker in Armut. Das sind mehr als zwei Millionen Menschen, darunter 420.000 Kinder. Heute sind in New York City so viele Menschen obdachlos wie seit 100 Jahren nicht mehr. Vier Millionen US-Bürger haben nicht genug Essen für ihre Familien. Existenzängste greifen um sich, und in einigen Berufsgruppen, von Ärzten bis hin zu Farmern, gibt es viele Selbstmorde. Da fragt man sich doch, wer hier der „failed state“ ist.
Greta Thunberg hat es auf den Punkt gebracht: „Kuba hat die Welt verteidigt, und jetzt ist es an der Zeit, dass die Welt Kuba verteidigt.“

Marion Leonhardt

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