Eine neue Tat der Revolution

Fidel Castro bei der Abschlußfeier der Freiwlligen Lehrer nach ihrer Rückkehr aus der Sierra Maestra im Teatro Auditorium, Havanna 19. August 1960

Rede an die Freiwilligen Lehrer Genossen Lehrer!

Heute ist gewiß ein Freudentag für euch. Er ist es auch für uns, und für unzählige Kinder, die ihren Blick auf unsere heutige Kundgebung gerichtet haben mögen, ist er ein Tag der Hoffnung. Diese Freude ist das Ergebnis eurer Anstrengungen, sie ist wie eine Frucht, die ihr heute ernten dürft.

Ja, wahrhaft glücklich dürfen wir uns dann fühlen, wenn wir Gefühle oder Freuden vorangegangenen Mühen verdanken.

Unsere heutige Kundgebung gilt einer neuen Tat der Revolution. Wie alle Taten der Revolution ist sie bedeutungsvoll und verheißend, wie alle Taten der Revolution beweist sie, daß wir immer dann ernten dürfen, wenn wir gesät haben.

Sind alle Werke der Revolution wie dieses? Nein. Es gibt Werke der Revolution, deren Früchte erst nach langer Zeit reifen. Es können Jahre darüber vergehen. Vergleicht man damit die relativ kurze Zeit, seitdem sich die Notwendigkeit ergab, euch zu mobilisieren, die wenigen Monate, seitdem unsere Jugend aufgerufen wurde, ein großes nationales Bedürfnis zu befriedigen, so werdet ihr mir beipflichten, daß diese Initiative der Revolution zu denen gehört, die am raschesten die schönsten Früchte trugen.

Eine Reise durch die Sierra Maestra hatte uns erkennen lassen, daß es in unseren Volksbildungsplänen noch eine große Lücke gab. Es war schon einiges getan worden: Wir arbeiteten an der Verwirklichung eines Planes zur Schaffung von Schulen, und fast zehntausend Schulen waren entstanden oder im Entstehen begriffen; mehrere Festungen waren in große Schulen umgewandelt worden; das Schulzentrum "Camilo Cienfuegos" war im Bau, und auch in Ciudad Libertad wurde gearbeitet, um sie in eine der größten Bildungszentren Amerikas und zugleich in ein Internat für Studenten aus dem Volk zu verwandeln. Außerdem sollte dort, wo sich einst der Generalstab der alten Armee befand, das Ministerium für Volksbildung einziehen. Soviel ich weiß, zieht gerade heute das Ministerium für Volksbildung aus seinem alten Gebäude in die Räume des ehemaligen Generalstabes, an diesen Ort unseligen Angedenkens, in die alte Ciudad Columbia, die nach der Einnahme der Festung von uns den Namen Ciudad Libertad erhielt.

Wir hatten jedoch nicht erkannt, daß trotz unserer gewaltigen Bemühungen und obwohl in einem Jahr doppelt soviel Schulen geschaffen wurden wie vorher in fünfzig Jahren, ein bedeutender Teil unserer Bevölkerung nach wie vor keine Schulen hatte. Es waren die Menschen, die am weitesten von den. Städten entfernt lebten, denen es an Verbindungswegen und anderen öffentlichen Einrichtungen fehlte, die das schwerste Leben zu führen hatten, das Leben in den Bergen.

Angesichts der Verkehrsschwierigkeiten in diesen gebirgigen Gegenden hatten wir anfangs daran gedacht, das Problem mit unseren Schulstädten, einem der neuen Projekte unserer Revolution, lösen zu können. Aber wir stellten bald fest, daß in den Gebirgsgegenden außerordentlich viele Kinder heranwachsen und daß es so gut wie unmöglich wäre, sie alle in den Schulstädten unterzubringen. Außerdem war nicht der Sinn der Schulstädte, alle Kinder eines Gebietes aufzunehmen, sondern nur die begabtesten und tüchtigsten sollten für sie ausgewählt werden.

So standen wir vor dem Problem, daß die Gebirgsgegenden ohne Lehrer blieben und natürlich auch ohne Schulen. Außerdem war es schwierig, Lehrer für diese Gegenden zu finden. Damit soll nicht gesagt werden, daß unsere Lehrer nicht bereit sind, Opfer zu bringen. Es gibt einen hervorragenden Beweis dafür, daß die kubanischen Lehrer opferbereit sind, und diesen Beweis erbrachten sie, als wir ihnen auseinandersetzten, daß wir nur für fünftausend neue Lehrerstellen das Geld zur Verfügung hatten. Wir fragten sie, ob sie damit einverstanden wären, daß für dieses Geld statt fünftausend Lehrer zehntausend die Arbeit aufnähmen. Wir würden andererseits eine jährliche Gehaltsstaffelung einführen, der zufolge sie in den kommenden Jahren reichlich für die Opfer entschädigt werden sollten, die sie jetzt brachten, da die Mittel des Landes gering waren. Und die Lehrer sind darauf eingegangen.

Warum aber fanden sich trotzdem keine Lehrer für die Gebirgsdörfer? Dafür gibt es eine ganz einfache Erklärung. Die Lehrerbildungsanstalten befanden sich in den Städten. In diese Schulen gingen junge Menschen aus der Stadt und hin und wieder auch einige vom Lande. Das waren aber nur wenige, denn das Leben in der Stadt war mit gewissen Kosten verbunden, und so war es kaum möglich, daß die Landjugend, die Kinder der ärmsten Bauernfamilien, die in den meisten Fällen nicht einmal Lehrer und Schulen kannten, eine Lehrerbildungsanstalt besuchten.

Wie sollte man dann erst erwarten, daß die Sierra Maestra Schulmeister hervorbrächte, und wenn sie hundertmal das Meistergebirge hieße. Das war so gut wie unmöglich. Es reichte nicht einmal, um Lesen und Schreiben zu lernen. Es gab einige wenige Lehrer an den Ausläufern der Sierra, aber im Herzen der Sierra gab es keine. Wer sollte mitten in den Bergen die Möglichkeit haben, sich zu bilden, um dann auch wieder mitten in den Bergen zu lehren? Das war unmöglich.

So brachten vor allem die Städte Lehrer hervor, und man muß sich überlegen, was es bedeutet, wenn ein junger Mensch nur das Stadtleben kennt. Dazu kommt, daß unter ihnen auch viele Mädchen waren. Überlegt einmal, wie schwer es für einen in der Stadt aufgewachsenen und an das Stadtleben gewöhnten Menschen ist, sich auf das Leben in einem Gebirgsdorf umzustellen.

Aus diesem ganz natürlichen und erklärlichen Grund war es schwierig, Lehrer für die Gebirgsgegenden zu finden. Das Ministerium für Volksbildung hat sich verschiedene Wege zur Lösung dieses Problems überlegt. Es wurden auch Abiturienten und andere junge Menschen mit ausreichendem Wissen gewonnen, um die offenen Stellen zu besetzen. Aber das reichte nicht aus. Es war nicht schwer, Menschen zu finden, die bereit waren, auf das Land zu gehen. Die Schwierigkeiten kamen jedoch, nachdem diese Menschen eine Weile auf dem Lande zugebracht hatten. In dem Augenblick, da sie sich verpflichteten, kannten sie das Leben auf dem Lande noch nicht, dann aber wurde es, wie gesagt, schwierig, sie dort zu halten. Vorstellungen sind eben eine Sache, die Wirklichkeit eine andere. Und das Leben zeigt, wie es in der Bibel heißt, daß viele berufen waren, wenige aber auserwählt.

So ist es, und so war es auch im Krieg. Viele meldeten sich freiwillig; wir erinnern uns noch gut an die ersten Tage. Sie kamen aus den umliegenden Dörfern, und sie kamen in Scharen. Für uns wenige bewaffnete Rebellen war das nicht sehr angenehm, denn es fehlte uns an Waffen und Lebensmitteln, und Gruppen unbewaffneter Menschen waren ein Problem. Wir sprachen mit ihnen, wenn sie in die Berge kamen, und wir sagten ihnen immer wieder:

Die Hälfte von euch, oder 90 Prozent, oder sogar alle werden nicht durchhalten.

Auch ihre Antwort war immer dieselbe: Niemals, unter keinen Umständen, lieber tot als das - und wir sollten sie aufnehmen. Die Tatsachen bewiesen dann immer wieder, daß sie sich falsche Vorstellungen gemacht hatten und daß die Wirklichkeit dann stärker war als ihre Begeisterung. So verließen uns von zehn, die gekommen waren, manchmal neun, aber es kam auch vor, daß von zehn, die gekommen waren, elf gingen, weil sie einen, der schon länger dabei war, herumkriegten. Die gleiche Geschichte haben wir oft und oft erlebt. Natürlich muß man berücksichtigen, daß viele Umstände das Verhalten eines Menschen beeinflussen. Es gab unter anderem Unerfahrenheit, eine Unmenge unklare Vorstellungen geisterten herum, und es gab bei einem großen Teil unseres Volkes einen gewissen Komplex, daß man gegenüber der Stärke der Diktatur und den Mitteln, auf die das Regime zurückgreifen konnte, machtlos sei.
v Es ist klar, daß eine Gemeinschaft in einem bestimmten Augenblick sehr viel mehr Soldaten geben kann als in einem anderen, daß sie dann eine größere Zahl von Helden und opferbereiten Menschen hervorbringen kann, als zu einer anderen Zeit, weil das Denken und Fühlen und das Bewußtsein der Gemeinschaft wächst. Und so zweifeln wir keinen Augenblick daran, daß heute, wenn sich die Geschichte wiederholen könnte, das Volk viel mehr Kämpfer als damals gäbe, weil es heute ein nationales Bewußtsein und Erfahrungen hat und deshalb viel mehr geben kann, als es früher gab.

Dennoch bleibt immer wahr, daß es von der Vorstellung zur Wirklichkeit ein weiter Weg ist. Deshalb beschlossen wir, diejenigen, die sich als Lehrer anboten, auf die Probe zu stellen. Wir haben niemand zurückgewiesen, wir haben allen die Bedingungen genau erklärt. Wir haben den Aufruf erlassen, und tatsächlich ist ihm eine erstaunlich hohe Zahl junger Menschen gefolgt. Soviel wir wissen, haben sich annähernd fünftausend für die Probe gemeldet.

Ihr seid die erste Gruppe. Haben alle durchgehalten? Nein. Ihr wißt es selbst, daß nicht alle durchgehalten haben. Wer weiß, wie viele Geschichten ihr euch untereinander erzählt über die Erlebnisse der ersten Tage; wie viele Anekdoten und Erinnerungen an diejenigen, die nicht durchgehalten haben; denn es gibt immer einen Teil, der nicht durchhält, und einen Teil, der durchhält. Das eine ist so gewiß wie das andere. Nun, ein großer Teil hat durch gehalten, und darauf gründet sich unser Vertrauen in die Gruppe von Lehrern, die jetzt von uns steht.

Außerdem hat sich die Natur mit uns verbündet. Ich sage nicht mit euch, sondern mit uns. Sie hat sich mit uns verbündet und mit den Bauern, die Lehrer brauchen. Und so waren die Tage, die ihr in der Sierra Maestra zubrachtet, eine der größten Regenperioden, die wir seit Jahren erlebt haben. Und wir wissen, daß euch nichts erspart blieb. Es war alles da: viel Arbeit, viel Feuchtigkeit, große Schwierigkeiten, wenig Essen und auch ein wenig Kälte. Dort in den Bergen ist es immer kalt. Nicht umsonst haben die Bauern das dortige Lager der Rebellenarmee "Kältegrube" genannt.

Das alles hat dazu beigetragen, daß ihr eine wirklich gute Probe zu bestehen hattet. Und das hat auch dazu beigetragen, daß ihr heute um so zufriedener seid. Es ist immer so: Nach der Anstrengung kommt die Befriedigung, und je größer die Schwierigkeit, um so größer die Befriedigung.

Wir haben gesehen, wie stolz ihr durch Havanna marschiert seid, und wir haben auch gesehen, wie viele Menschen euch empfingen und wieviel Aufmerksamkeit euch das Volk erwies. Das alles ist denen, die nicht durchgehalten haben, verwehrt geblieben. Wer nicht durchhält, wird nicht geehrt! Wer nicht durchhält, kennt keine Befriedigung! Wer seine Pflicht erfüllt, und nur er, kann empfinden, wie kostbar und wie tief die Befriedigung ist, seine Pflicht erfüllt zu haben! Das ist schließlich und endlich der größte Preis, der Preis, den man in keinem Geschäft einhandeln kann. Nein, mit Geld ist er nicht zu kaufen! Diese Freude ist nur mit Mühen und Opfern zu erkaufen, und nur diejenigen werden sie erreichen und kennenlernen, die den Preis zu zahlen wissen.

Was heute an dieser Stelle von euch gesagt wird, gilt ebensogut für alle anderen Bevölkerungsschichten unseres Landes: für den Soldaten, den Angehörigen der Miliz, für die Jugendbrigade, für jeden Patrioten, denn nur in Augenblicken wie diesen, in wahrhaft großen und außerordentlichen Augenblicken, die im Leben einer Nation nur selten sind, versteht man die Bedeutung der Worte: Opfer, Mühen, Befriedigung über die getane Pflicht. Und ihr seid wie ein Beispiel für die anderen, ein sehr sichtbares Beispiel. Dank dem Geist, der euch in die Sierra Maestra führte, dank dem Geist, der euch aufrecht erhielt und euch bestehen ließ, zählt heute die Nation mit neuen Lehrerkadern, und Zehntausenden von Kindern wird das zuteil werden, was sie auf andere Weise nicht hätten erhalten können.

Und wir, die wir auch unsere Pflichten und unsere Arbeit haben, auch wir empfinden diese Freude, daß der Plan vorangeht, daß alles, was wir uns in unserem Lande vornehmen, alles, was für das Wohl des Landes getan wird, daß alles, was in unserem revolutionären Vaterland begonnen wird, Erfolg hat.

Versteht ihr, welche Gefühle uns beseelten, als wir vor einigen Monaten an die Orte zurückkehrten, wo die Bauern immer bereit waren, die Revolution zu unterstützen, wo wir verstehen lernten, was im Herzen des Bauern vorgeht, wo wir die Nöte des Bauern kennenlernten, seine Sauberkeit, die Fülle brachliegender urwüchsiger Klugheit, die verlorengehen mußte, wenn nicht die Hand kam, die ihr Gestalt gäbe, wenn nicht der Lehrer kam, der sie dem Lande nutzbar machte, der ihr den Weg zum Licht der Kultur und des Fortschritts öffnete? Versteht ihr, wie sehr wir alle wünschen, daß eines Tages Schluß ist in unserem Lande mit so ungerechten und widersinnigen Zuständen? Wißt ihr, was es für uns bedeutete, fast ein Jahr nach dem Sieg der Revolution dorthin zurückzukehren und zu sehen, daß es keine Lehrer gab? An eurer eigenen Befriedigung könnt ihr die unsrige messen. Die Befriedigung, die ihr empfinden werdet, wenn ihr dort lehrt, und die Befriedigung der Revolutionären Regierung und des ganzen Volkes angesichts der Tatsache, daß ein großes Ziel erreicht wurde: daß es auch im letzten Winkel der kubanischen Berge einen Lehrer geben wird. Und ein Winkel in den Bergen ist wahrlich ein Winkel, den man zuweilen nicht einmal mit dem Maultier erreichen kann, wo die Bauern weit verstreut leben. Es ist ein Winkel, wo es keinen Arzt gibt, wenn wir auch heute schon so weit sind, daß vielleicht in der Nähe ein Arzt aufzutreiben ist, wo es kein fließendes Wasser gibt, kein elektrisches Licht, kein Kino, keinen Park, keine Promenade, kein Restaurant, keine Bibliothek, kein Theater, kurzum, wo es weiter nichts gibt als prachtvolle, fleißige Bauern. Und doch ist dort etwas, das eine große, außerordentliche Anziehungskraft besitzt, wenn man es richtig versteht. Das sind zuerst die Menschen, die dort leben, prachtvolle Menschen von natürlicher Güte, ehrlicher, herzlicher und großzügiger Gastfreundschaft, wie ihr sie bisher nirgends kennenlernen konntet, und dann die Natur. Man muß sich an alles erst gewöhnen, aber wer es gelernt hat, sich an der Natur zu erfreuen, der wird sie vielleicht der Stadt mit all ihren Bequemlichkeiten vorziehen.

Wir sind jedenfalls überzeugt davon, daß ihr die Berge lieben lernen werdet, daß ihr sie vielleicht schon liebt. Ich möchte sagen, daß ihr die Berge mit jedem Tag mehr lieben werdet, und in dem gleichen Maße werden die Berge euch mit jedem Tag mehr lieben. Ja, so wird es sein! Denn von jedem Kind, das ihr lehrt, von jedem Analphabeten, dem ihr Lesen und Schreiben beibringt, wird ein Gefühl der Dankbarkeit ausgehen, das euch umfängt. Je mehr ihr arbeitet, je mehr ihr lehrt, um so mehr wird man euch lieben, und niemand werden sie mehr lieben als den Lehrer. Wir müssen doch wissen, was den Bauern am meisten am Herzen liegt. Die Bauern brauchen noch vieles, aber das erste, was sie fordern, und das erleben wir immer wieder, sind Lehrer. Der Lehrer ist ihnen wichtiger als alles andere, was ihnen die Revolution geben kann. Wenn sie erst den Lehrer haben, werden sie überlegen, was sie sonst noch brauchen, aber zuerst kommt der Lehrer, und das ist die große Freude, die ihr in die Berge bringen werdet. Es wird eine Freude sein, wie ihr sie vielleicht noch nirgends erlebt habt; die Ankunft, des Lehrers in jedem dieser Winkel wird von den Bauern mit einem wahren Jubel begrüßt werden.

Ihr müßt wissen, wie es sein wird, wenn ihr ankommt. Ihr werdet keine fertigen Schulen vorfinden. Wir wissen aber auch von genug Orten, daf die Bauern von sich aus Räumlichkeiten für die Schule vorbereiteten, damit sie der Lehrer bei seiner Ankunft fertig vorfände. Es ist traurig mitanzusehen, daß selbst diese spärlichen Schulräume verwaist blieben. Aber jetzt wird es anders sein. Schon in den ersten Septembertagen, also sehr bald, werdet ihr in eure vorgesehenen Gebiete, jeder an seinen vorgesehenen Ort kommen. Und die Bauern der Sierra Maestra, der Sierra Cristal, der Berge von Baracoa und Escambray werden euch bald an Ort und Stelle haben.

Wird noch irgendein Winkel ohne Lehrer bleiben? Das ist schon möglich, aber er wird es nicht lange bleiben, denn wenn die Lehrer nicht ausreichen, werden wir mehr schicken.

Es geht darum, daß auch der entfernteste Winkel in den Bergen nicht ohne Lehrer bleibt. Es muß so werden, daß wir uns wundern, wenn wir irgendwo noch einen verlorenen Winkel entdecken, in den kein Lehrer geschickt wurde. Und eure Aufgabe wird es sein, nachzuforschen, ob die mit der Auswahl der Schulorte beauftragten Kommissionen versehentlich irgendeinen Winkel in den Bergen übersehen haben.

Ihr wißt, wie die Ansiedlungen in den Bergen aussehen: Die Häuser stehen nicht zusammen. Die Kinder werden eine Strecke laufen müssen, und das ist nicht schlecht, das ist sogar gut. Aber ihr wißt auch noch etwas anderes, ihr wißt, daß dort sogar schon die Sechsjährigen mehr laufen mußten, als ihr jetzt in den Bergen gelaufen seid, obwohl ihr mehrere Male den Pico de Turquino erstiegen habt. Und ihr werdet ihn auch in Zukunft mindestens einmal im Jahr besteigen müssen.

Wo ihr hinkommt, wird es noch keine fertigen Schulen geben. Mit den Schulen wird es noch eine Weile dauern, aber das Wichtigste wird da sein: der Lehrer. Der Lehrer, das ist das erste. Und wenn ihr da seid, dann wartet nicht untätig, bis die Bleistifte oder die Bücher nachkommen. Nein! Ihr müßt sofort mit dem Lehren beginnen, denn bei der Zusendung des Lehrmaterials kann es Schwierigkeiten und Verzögerungen geben. Denkt daran, daß man erst ausfindig machen muß, auf welchem Wege man das alles in die Berge schicken kann. Wartet also mit dem Unterricht nicht darauf, daß ihr Bleistifte, Bücher und Hefte bekommt. Ruft die Kinder gleich zusammen und beginnt mit den ersten Unterrichtsstunden, bis dann alles andere eintrifft.

Der Lehrer, der die Kinder auf den Unterricht warten läßt, weil ihm das Material fehlt, ist kein guter Lehrer. Es gibt so viel zu lehren, wenn man all die wißbegierigen Kinder vor sich hat, mehr noch als in der Stadt, weil die Stadtkinder schon durch ihre Umgebung Wissen aufnehmen, während das auf dem Lande nicht so ist. Und doch werdet ihr keinen besseren Nährboden finden als gerade bei den Bauernkindern, damit der Unterricht die reichsten Früchte trage. Diesen wissensdurstigen Kindern, die etwas lernen wollen, die alles erklärt haben wollen, müßt ihr zu erklären beginnen. Dann, so bald wie möglich, werden die Bücher und alles andere folgen. Ihr werdet die Bauern zusammenrufen müssen und sie bitten, daß sie euch ein Häuschen für die Schule geben. Bei vielen von euch wird das erste Schulhaus aus ungebrannten Lehmziegeln gebaut sein, einfach, aber fest. Man kann Holz aus den Bergen holen und gute Schulen bauen, gut gelegen, hell und luftig. Sorgt auch dafür, daß Bänke gezimmert werden und wartet nicht, bis das Ministerium für Volksbildung Schulbänke schickt.

Ihr müßt sofort für einen Schulraum sorgen, ihr müßt euch Gedanken machen und aus eigener Initiative die Probleme lösen. Das ist die Gelegenheit, die neuen Methoden zu erproben, die euch vermittelt wurden, denn ihr werdet dort auf neue Art lehren, werdet eure Schüler denken lehren, werdet jegliches mechanische Lernen ausmerzen und an seine Stelle all das setzen, was der Entwicklung des Denkvermögens dient.

Denkt auch an die Zeit, als ihr selber Kinder wart. Denkt vor allem an die Stunden, wo ihr in der Schule nicht eine Minute aufgepaßt habt. Überlegt euch, warum ihr unaufmerksam wart und wie man in den Kindern das Interesse wecken muß. Die Kinder muß man gewinnen, und man kann sie gewinnen. Denkt an die Dinge, die wir als Kinder alle selbst erleben mußten, die Fehler, die mit uns gemacht wurden, damit ihr sie,nicht wiederholt.

So müßt ihr anfangen. Eure Familie? Die Familie wird weit sein. Die Wohnung? Niemand wird wissen, wo er die ersten Tage hausen wird, Schlimmstenfalls muß es eine Hängematte und ein Regenumhang tun.

Es wird immer eine Familie geben, die euch bei sich aufnehmen und euch helfen wird, eure Mahlzeiten zuzubereiten. Es wird immer Menschen geben, die euch helfen, Dann werden auch die richtigen Schulen kommen, wenn die Zufahrtswege soweit sind und wir das Material heranbringen und alle anderen Fragen des Schulbaus lösen können. Ebenso wie die Lehrer angekommen sind, denken wir doch, daß auch die Schulen kommen werden und damit auch ein Ort, wo der Lehrer wohnen kann und wohin der Lehrer oder die Lehrerin auch die Familie nachkommen lassen kann. Natürlich auch die Lehrerin, denn wenn ich Lehrer sage, meine ich alle.

Alles wird kommen. Die Hauptsache ist, den richtigen Ort zu finden und mit der Schule zu beginnen. Und wenn ich Schule sage, meine ich natürlich nicht das Gebäude; die Schule ist die Gemeinschaft zwischen dem Lehrer und den Kindern eines jeden Ortes. Man kann sogar unter einem Baum Schule halten, und ganz ehrlich, wenn man mir noch einmal die Möglichkeit gäbe, zur Schule zu gehen, dann würden mir die Stunden im Freien viel besser gefallen als die Stunden auf der Schulbank. Die Kinder bewegen sich gern, sie wollen laufen, wollen die Dinge selbst untersuchen, und ihr müßt all diese Neigungen wecken oder fördern.

Tun wir alles, was in unseren Kräften steht, damit sich diese Einrichtung, so ärmlich sie auch anfangs sein mag, immer weiter entwickelt, damit sie nicht nur schlechthin das Problem löst, sondern auch zu einer hervorragenden Quelle pädagogischer Kenntnisse für euch wird, denn ihr geht, um zu lehren, aber auch, um zu lernen. Und vielleicht lernt ihr ebensoviel wie ihr lehrt.

Und nicht nur die Kinder werdet ihr lehren, sondern auch die Erwachsenen. Das Analphabetentum in den Bergen übersteigt 90 Prozent. Wir haben bei den bäuerlichen Milizen Untersuchungen angestellt, und es ist unglaublich, wie viele so gut wie gar nicht oder überhaupt nicht lesen und schreiben können. Das heißt also, daß auch die erwachsene Bevölkerung den Lehrer braucht.

Und ihr, jeder einzelne von euch, muß sich das Ziel stellen, im kommenden Jahr, im kommenden Schuljahr also, mindestens dreißig Bauern Lesen und Schreiben zu lehren. Wenn das dem einen oder anderen wenig erscheinen sollte, num gut, ihr könnt auch mehr lehren, und natürlich muß sich jeder vornehmen, soviel zu leisten, wie er nur kann.

Ihr werdet Listen erhalten, in die ihr die Namen der Erwachsenen eintragt, die ihr im Laufe des Schuljahrs Lesen und Schreiben gelehrt habt, und diese Listen werdet ihr am Ende des Schuljahres vorlegen.

Nächstes Jahr, im Sommer, werdet ihr euch wieder zusammenfinden. Denkt daran, daß wir uns mit dem Erreichten nicht zufriedengeben dürfen; wir müssen diese Gemeinschaft von Lehrern weiterbilden. Einige von euch müssen sogar jetzt schon zu einem neuen Lehrgang hierbleiben.

Nicht alle von euch haben schon die notwendigen Fähigkeiten. Ihr habt, und das ist das Wichtigste, die Probe eures festen Willens und eurer Standhaftigkeit bestanden. Aber es gibt einige unter euch, und das wißt ihr selber, die noch eine Weiterbildung brauchen. Darüber braucht ihr nicht traurig zu sein, denn es bedarf nur noch kurzer Zeit und geringer Mühen, um diesen Teil der Lehrer auf den notwendigen Wissensstand zu bringen.

Und ihr alle werdet alljährlich einen kurzen Lehrgang absolvieren müssen. Ihr werdet in den Ferien zusammenkommen und jedes Jahr einen Kongreß abhalten, auf dem ihr eure Erfahrungen austauscht: das Wissen, das sich jeder in pädagogischen Fragen angeeignet hat, alles, was ihr über den Charakter der Bauern gelernt habt, und eure Erfahrungen im Zusammenleben mit den Bauern. Das heißt, ihr werdet über all das sprechen, was für die Volksbildung in unserem Lande von Interesse ist, und ihr werdet so reiche Erfahrungen sammeln, wie sie noch nie gesammelt wurden. Alljährlich müßt ihr die Schlußfolgerungen aus diesem Erfahrungsaustausch ziehen und anschließend einen kurzen Lehrgang durchmachen, mindestens fünf Jahre lang obligatorisch und danach freiwillig. Und in diesen ersten fünf Jahren nach dem Lehrgang auf zum Turquino, um nicht aus dem Training zu kommen. Auf diese Weise werden wir Erfahrungen sammeln, die nicht nur für Kuba nützlich sind, sondern auch für andere Brudervölker Amerikas: Erfahrungen in der Erwachsenenbildung; Erfahrungen über die Ergebnisse der Lehrmethoden, die ihr anwenden werdet, denn es sind neue Methoden. So werdet ihr alle wachsen und ein Lehrerkollektiv von hohen Fähigkeiten und hohem Ansehen werden.

Das darf aber in euch nicht den Gedanken entstehen lassen, daß ihr anders als die übrigen Lehrer seid, oder daß ihr euch gar von ihnen isoliert. Nein. Eine solche Mentalität darf bei euch nicht entstehen. Die anderen Lehrer werden aus euren Erfahrungen lernen, und die Erfolge, die ihr erringt, werden den anderen Lehrern ein Ansporn sein, und auch eure Fortschritte werden ihnen ein Ansporn sein. Es ist notwendig, daß ihr den anderen Lehrern gegenüber kameradschaftlich seid und niemals stolz oder überheblich.

Wir brauchen die Bemühungen all unserer Lehrer, denn wir wollen dem kommenden Jahr, ebenso wie seinen Vorgängern, einen Namen geben. Wenn unser erstes Jahr das "Jahr der Freiheit" hieß und dieses Jahr, in dem unsere Aufmerksamkeit vor allem der Umgestaltung der Landwirtschaft galt, das "Jahr der Bodenreform", dann soll das kommende Jahr das "Jahr der Volksbildung" heißen.

Im kommenden Jahr werden wir den Kampf gegen das Analphabetentum austragen. Im kommenden Jahr müssen wir uns ein Ziel stellen: Beseitigung des Analphabetentums in unserem Land. Wie? Indem wir das Volk mobilisieren, indem wir das ganze Volk, die Brigaden, die Milizen der Arbeiter und Bauern verpflichten. Jeder Bauer in der Miliz soll es sich als Ehrenpflicht anrechnen, Lesen und Schreiben zu lernen, wenn er es noch nicht kann. Und wer soll lehren? Das Volk. Wir müssen das Volk mobilisieren, wenn wir gegen diesen Volksfeind, gegen das Analphabetentum, den Kampf führen wollen. Und wir werden vor der Welt eine neue Probe der Kraft der kubanischen Revolution und der Entschlossenheit unseres Volkes geben. Wir werden in einem Jahr den Kampf gewinnen, den unser Volk in vielen Jahren, in vielen Jahrhunderten nicht gewinnen konnte. Wir werden ein weiteres Mal zeigen, welche Kraft in der Revolution steckt und wie eine Revolution diese Ziele erreicht. Wir werden also alle Studenten als Lehrer mobilisieren. Wir werden alle Studenten mobilisieren und alle Menschen, die lesen und schreiben können, damit sie die lehren, die es noch nicht können. Und jeder von uns wird sich das Ziel stellen, möglichst viele zu lehren. Wir wollen sehen, wer in einem Jahr die meisten Analphabeten lehrt; und der Kubaner, der in einem Jahr die meisten Analphabeten lesen und schreiben lehrt, wird in die Geschichte unseres Landes eingehen als ein Held auf dem Felde der Volksbildung.

Aber abgesehen davon, ob nun einer mehr oder weniger Analphabeten lehrt, unser ganzes Volk wird in die Geschichte eingehen als ein Heldenvolk im Kampf um die Volksbildung. Und das muß unser Hauptziel für das kommende Jahr sein.

Der Minister für Volksbildung ist anwesend, ebenso die Professoren, die so fleißig an eurer Ausbildung mitgewirkt haben und diesen Lehrgang zum Abschluß führten, und wir alle müssen unsere Gedanken darlegen, um die Schlacht des kommenden Jahres zu planen und zu gewinnen.

Ihr habt auch noch eine andere Aufgabe: die Kinder auszuwählen, die in den Schulstädten lernen sollen. In dem Maße wie wir diese Schulstädte aufbauen, wollen wir ihnen die Kinder zuführen. Heute bauen wir die erste, und ihr müßt unter euren Schülern den Besten auswählen, denjenigen, der sich durch seine Fähigkeiten, seine Begabung, sein Betragen und sein Interesse auszeichnet und wert ist, daß man ihn besonders fördert und in die Schulstadt schickt. Und immer, jedes Jahr, kann jede Schule in den Bergen ein Kind oder mehrere in die Schulstadt schicken. So werden die Besten jeder Schule und jedes Schuljahrs die Möglichkeit haben, eine höhere Bildung zu erreichen, mehrere Jahre eine dieser Schulen zu besuchen, aus denen dann wiederum die Besten an die Universität geschickt werden.

Nicht für die Kinder der Reichsten stehen diese Möglichkeiten offen, nicht für die Privilegierten. Wenn schon ein Privileg gelten soll, dann nur die von der Natur verliehene Begabung.

So wird es sein, von der Landschule bis zur Universität und zu den höchsten Lehranstalten des Landes. Es ist ein Prozeß der Auswahl, der in jeder Hinsicht möglich und durchführbar ist. Dazu ist nur notwendig, daß ihr große Sorgfalt darauf verwendet, die Jungen und Mädchen auszuwählen, die wert sind, von der Nation besonders gefördert zu werden.

Ein weiterer Gedanke: Vergeßt nicht, daß die Kinder oft ihren Eltern auf dem Feld helfen müssen. Bei der Kaffee-Ernte zum Beispiel müssen die Kinder helfen, und auch zu den anderen Jahreszeiten haben sie bestimmte Aufgaben. Sucht nach Möglichkeiten, den Kindern Zeit für diese Arbeit zu lassen. Man kann zum Beispiel nachmittags Schule halten, damit die Kinder vormittags ihren Eltern helfen. Das müßt ihr an Hand eurer eigenen Erfahrungen entscheiden. Zu bestimmten Zeiten, zum Beispiel in der Regenzeit, muß der Stundenplan vielleicht geändert werden. Aber auf jeden Fall müßt ihr in Betracht ziehen, daß die Kinder ihren Eltern helfen und daß diese notwendige Pflicht niemals zu einem Konflikt mit der Schule führen darf, wie wir es schon oft in unseren Dörfern erlebt haben, wo die Eltern ihre Kinder nicht zur Schule schickten, weil sie zu Hause bestimmte Aufgaben zu erfüllen hatten.

Ihr müßt mit den Eltern der Kinder arbeiten, ihr müßt die Allgemeinbildung der Kinder in die richtigen Bahnen lenken, ihr müßt an jedem Ort Vertreter der Kultur und Moral sein, und überall dort, wo ihr arbeitet, müßt ihr Vorbild sein.

Wir wollen euch auch sagen, oder vielmehr wiederholen, unter welchen Bedingungen ihr die Arbeit beginnen werdet. Ihr seid zwar freiwillige Lehrer, weil ihr euch selbst gemeldet habt, in den Bergen zu lehren, aber ihr werdet das entsprechende Gehalt bekommen. Im ersten und zweiten Jahr wird jeder von euch hundert Pesos verdienen. Im dritten Jahr werdet ihr schon mehr verdienen, weil dann im Ministerium für Volksbildung die Mittel für euch und den Aufstiegsplan bereitgestellt werden. Ihr werdet einen Ausgleich erhalten, sofern ihr nach diesem Plan weniger als hundert Pesos erhalten würdet. Ihr werdet die Möglichkeit haben, im Laufe von sieben Jahren zweihundert Pesos im Monat zu verdienen; das ist jedenfalls die Absicht der Revolutionären Regierung. Damit ihr also auch das wißt.

Noch etwas: Nicht alle von euch werden unbedingt in die Berge gehen. Wir brauchen einige Lehrer für die Jugendbrigaden der revolutionären Arbeit, die heute in den Bergen beschäftigt sind, später aber verschiedene Arbeiten verrichten werden; wir brauchen Lehrer für die Bauernmilizen; wir brauchen auch einige Lehrer für die Rebellenarmee.

Auch folgendes will ich euch noch sagen: Diejenigen unter euch, die das Abitur oder Hochschulstudium haben, werden je nach Bedarf auch für andere revolutionäre Aufgaben ausersehen, denn wir brauchen bewährte Leute, Menschen, die ein so reges revolutionäres Interesse gezeigt haben wie ihr. Von dieser ersten Gruppe wird also ein großer Teil, der größte, sofort an seine Schule gehen, andere werden besondere Aufgaben erhalten, und ein kleinerer Teil wird noch einen weiteren Lehrgang absolvieren.

Ich erkundigte mich, ob ihr das schon wußtet, und da man es euch noch nicht erklärt hatte, tue ich es jetzt. Ihr könnt sicher sein, keiner wird ohne seinen Platz bleiben, alle werden ihren Platz haben.

Der Genosse Minister für Volksbildung sagte, daß schon große Erfahrungen gesammelt wurden, daß ihr schon zur Bereicherung der Pädagogik in unserem Lande beigetragen habt, und das ist ein guter Anfang. Und so wie bis jetzt alles gut gewesen ist, müssen wir danach trachten, daß es weiter so bleibt, daß ihr die Hoffnungen erfüllt, die die Revolution in euch setzt. Wir alle, ich sage ausdrücklich alle, müssen uns bemühen, daß die Ausbildung und Weiterbildung dieser Lehrerkader von Tag zu Tag besser wird, und wir müssen uns auch bemühen, daß in Zukunft noch bessere Lehrer unsere Schulen verlassen. Vor allem aber müssen wir uns bemühen, daß auf dem Lande Lehrer heranwachsen, die dann wieder auf das Land gehen, damit einmal Schluß ist mit dem widersinnigen Zustand, daß alles in die Stadt kommt. Die Stadt braucht einen Teil der Lehrer, und das Land braucht einen Teil.

Damit überwinden wir den völlig untragbaren Zustand, der in unserem Bildungssystem herrschte. Schon seit einiger Zeit ist das Ministerium für Volksbildung damit beschäftigt, innerhalb des Ministeriums Probleme zu lösen und mit Überbleibseln aus der alten Zeit aufzuräumen. Das war keine leichte Aufgabe. Man mußte sich mit einigen Unzufriedenen auseinandersetzen, man mußte einige Interessen verletzen. Man ist mit der möglichsten Großzügigkeit zu Werke gegangen, aber die notwendigen Veränderungen wurden vorgenommen. Trotzdem fehlt noch so manches. Wir haben an unseren Lehranstalten noch viele alte Schulbücher, im alten Geiste verfaßt, manche noch mit den alten Lügen. Es mußten zunächst schnell Schulbücher gedruckt werden, um sie sofort in die Schulen zu schicken, aber sie entsprechen nicht den Anforderungen. Es müssen neue Schulbücher geschrieben werden, im Einklang mit den großen Errungenschaften der Revolution, mit den großen Fortschritten und den großen Wahrheiten der Revolution.

Das ist also auch eine Aufgabe, die wir vor uns haben; viel bleibt uns noch zu tun, aber wir sind sicher, daß alles getan werden kann. Die Tatsachen beweisen es; was überall auf unserer Insel erreicht wurde, beweist es ; die Erfolge der Revolution auf allen Gebieten beweisen es ; die Entwicklung unseres Volkes beweist es. Wir haben den Beweis, daß alles möglich ist und daß unser Vaterland für das große Werk, das es zu bewältigen hat, einen reichen Schatz besitzt: sein herrliches Volk.

Wir sind der Meinung, daß wir uns eine große Aufgabe gestellt haben, eine entscheidende Aufgabe, eine Aufgabe, die sogar über die Grenzen unserer kleinen Insel hinausgeht. Aber sie ist nicht zu groß, sie ist nicht wie ein Anzug, der dem kubanischen Volk zu weit ist: Der Anzug paßt schon, denn wir können doch ohne Überheblichkeit und falschen Stolz einschätzen, daß wir in unserem Volk tagtäglich immer größere Schätze an Tugend, Klugheit, Heldentum und Opferbereitschaft entdecken, und an ihnen wird jeder Anschlag gegen Kuba scheitern.

Wir arbeiten heute schon für die Zukunft. Zweifellos haben wir alle eine große Aufgabe für die Zukunft. Wir sind alle aus Fleisch und Blut ; wir haben alle viele Illusionen dieser oder jener Art, und heute läßt jeder Kubaner seine persönlichen Bestrebungen in den großen Strom des nationalen Strebens einfließen, geleitet von einem hohen Gefühl der Solidarität mit allen anderen, um den anderen zu helfen, den anderen zu geben, nicht ihnen zu nehmen. So fließt das Denken und Fühlen der ganzen Nation zusammen, das Streben der Nation und das Streben jedes einzelnen Sohnes unseres Vaterlandes. Es gibt viele Träume, die erst noch Wirklichkeit werden müssen, so wie vieles schon Wirklichkeit wurde, was einmal Traum schien und heute noch für viele Völker, besonders auf unserem Kontinent, Traum ist. Viel bleibt noch zu verwirklichen, und wir arbeiten daran, es zu verwirklichen. Uns erscheint nichts unmöglich, denn Dinge, die gestern noch unmöglich schienen, wurden Wirklichkeit, und das bedeutet, daß im Bereich dessen, was richtig und berechtigt ist, für ein Volk nichts unmöglich ist.

Wir können dieses Programm erfüllen; ihr könnt ausziehen, die Kinder zu lehren; wir können die Schlacht gegen das Analphabetentum gewinnen; wir können unsere Schulstädte weiter aufbauen ; wir können weiter daran arbeiten, Ciudad Libertad in ein großes Zentrum der pädagogischen Forschung, in eines der ersten der Welt, zu verwandeln; wir können Tausende von Technikern aus unseren eigenen Reihen heranbilden; wir können all unseren Bauern und Arbeitern Wohnungen bauen; wir können neue Quellen der Arbeit und des Reichtums erschließen, neue Werke, neue landwirtschaftliche Kulturen; wir können voranschreiten in unserem Streben, ein großes Vaterland aufzubauen, die materiellen und geistigen Fähigkeiten unseres Volkes immer weiter zu entwickeln; wir können weiterschreiten in unserem Streben nach Fortschritt, in unserem Streben nach Gerechtigkeit, in unserem schöpferischen Streben; wir können die alten Privilegien weiter abbauen; wir können weiter das Beispiel für Amerika sein; wir können weiter Millionen, Dutzende, Hunderte von Millionen Menschen mit Hoffnung erfüllen, sie alle, die davon träumen, das zu erreichen, was wir schon erreicht haben und noch erreichen wollen. Kann unser Volk weiterschreiten in seinem Willen, frei zu sein, nicht mehr ausgebeutet zu werden, sich allseitig zu entwickeln? Ja, das können wir!

Wie könnte man uns daran hindern? Welche Mittel gibt es, welche Möglichkeiten, unsere Absichten zunichte zu machen? Keine! Wer glaubt, es tun zu können, betrügt sich selbst, irrt sich ganz gewaltig, und das kann auch gar nicht anders sein. Wer auf einem falschen Weg geht, muß in die Irre gehen, solange er diesen Weg nicht verläßt, und der amerikanische Imperialismus geht auf diesem Weg, auf diesem falschen Weg...

Fidel Castro Ruz Havanna, 29. August 1960

Obra revolucionaria 23, (Havanna), 1960, Nr. 23 /

Quelle: Fanal Kuba, Dietz Verlag Berlin 1963
Veröffentlichung mit freundlicher Genehmigung des Karl Dietz Verlages Berlin