Das Programm von Moncada wurde erfüllt

Aus dem Fernsehforum zu einigen Gesetzen der Revolution

Die Revolution führt heute einen doppelten Kampf: den Kampf gegen die Konterrevolution und den Kampf an der Front der revolutionären Arbeit.

Wir alle haben in den ersten Monaten der Revolutionären Regierung mit großer Energie gearbeitet. Darüber besteht nicht der geringste Zweifel. Aber wir hatten den Nachteil, daß wir noch nicht so gut organisiert und vorbereitet waren, um alle Aufgaben zu lösen.

Heute aber sind wir besser befähigt, unsere Aufgabe zu erfüllen, obwohl wir an den beiden Fronten unseres Kampfes weit mehr zu tun haben, wir alle, das Volk, die revolutionären Kader und die Regierung. Deshalb müssen wir auch unsere Aufmerksamkeit einem etwas weiteren Aufgabenkreis zuwenden, wie internationalen Problemen, Problemen der Konterrevolution außerhalb und innerhalb des Landes. Wir müssen uns auch mit ökonomischen Problemen, mit Fragen der revolutionären Arbeit im Lande beschäftigen. Noch niemals waren diese beiden Aspekte des Kampfes unserer Revolution so eng miteinander verbunden wie gerade in dieser Woche.

Schon lange versuchen wir, dem Volk alle diese Probleme der Revolution und Konterrevolution zu erklären. Warum? Weil diese Fragen keine Einzelerscheinungen sind, weil sie keineswegs sporadisch auftreten, sondern den Gesetzen des revolutionären Fortschritts unterliegen, und es ist sehr wichtig, daß das Volk diese Gesetze der Revolution und Konterrevolution versteht. Dafür gibt es wahrhaftig keine bessere Universität als den revolutionären Prozeß selbst.

Alles, was wir heute in Kuba direkt sehen und beobachten, hat sich in der einen oder anderen Form in den bisherigen großen revolutionären Prozessen zugetragen. So war es zum Beispiel während der Französischen Revolution, und so war es während der Großen Sozialistischen Oktoberrevolution. Das waren zwei klassische Revolutionen der letzten Zeit, wenn auch in der Französischen Revolution den Menschen die historische Entwicklung der menschlichen Gesellschaft noch nicht so klar und genau bewußt geworden war. Obwohl auch sie ihre theoretische Etappe durchlief - die Etappe der Schriftsteller und Philosophen, die der Revolution voranging -, fehlte noch das volle Bewußtsein dessen, was es mit dem Entwicklungsprozeß der Menschen im Verlauf der Geschichte auf sich hat. In der russischen Revolution dagegen war dieses Bewußtsein bereits da, und sie erkannte auch, welchen Gesetzen die Entwicklung der Menschheit unterliegt.

Die erste Revolution, die französische, brachte den Sieg der Bourgeoisie über den Feudalismus, und es ist eine Tatsache, daß sie sich in einem Augenblick vollzog, als die Menschheit den geschichtlichen Prozeß noch nicht so genau kannte, wie es später der Fall war, denn die Französische Revolution selbst zwang die Intellektuellen, die Historiker, die Soziologen, die Ökonomen, eine Erklärung für diese Revolution zu suchen, ihren Wurzeln nachzuspüren. Das führte zu einer tieferen Analyse, zu einem gründlicheren Studium der Ursprünge der großen geschichtlichen und gesellschaftlichen Ereignisse. Als 1917 die russische Revolution ausbrach, waren ihr schon eine ganze Anzahl gründlicher wissenschaftlicher Untersuchungen vorausgegangen, die es den Revolutionären ermöglichten, den Entwicklungsprozeß zu verstehen und ihn besser zu beherrschen, als es zur Zeit der Französischen Revolution möglich war.

Wenn wir nun all diese Tatsachen studieren, wenn wir darüber nachdenken, erkennen wir, daß es eine ganze Reihe Ähnlichkeiten mit den Fragen gibt, die wir heute lösen müssen. Es unterliegt zum Beispiel keinem Zweifel, daß auch die kubanische Revolution ein historischer Prozeß ist, daß sie als ein großer historischer revolutionärer Prozeß betrachtet werden muß, und zwar aus mehreren Gründen. Erstens, weil Kuba das erste Land Lateinamerikas ist, in dem eine große gesellschaftliche Umwälzung stattfindet, eine wirklich große gesellschaftliche Umwälzung. Es hat andere Revolutionen gegeben, aber keine von der Tiefe und Breite der kubanischen Revolution. "Zweitens, weil sie sich unter sehr schwierigen Bedingungen entwickelt. Warum? Weil wir mit unseren Nachbarn Pech haben. Es ist nicht so, wie sie es sagen, denn ihnen macht es Sorge, daß es neunzig Meilen von ihrem imperialistischen Land eine Revolution gibt, uns aber macht es Sorge, daß es neunzig Meilen von unserer Revolution ein imperialistisches Land gibt. Ein imperialistisches Land noch dazu, das seine Macht und Gewalt nicht nur innerhalb der eigenen Grenzen ausübt, sondern diese Macht einem großen Teil der Welt aufzwingt, das heißt den schwachentwickelten Ländern der Welt und vor allem Lateinamerikas.

In Lateinamerika hat sich dieser Prozeß durch die Eroberung und Festigung von Machtpositionen vollzogen. Der Imperialismus hat seine Kontrolle im Verlauf von mehr als einem Jahrhundert durchgesetzt und gefestigt. Darüber hinaus hat er die Unterstützung gewisser Gesellschaftsschichten. Welche Schichten sind das? Die reaktionärsten Schichten eines jeden Landes, die Großgrundbesitzer, die Großkaufleute, die großen Ausbeuter. Das heißt, die ökonomische Oligarchie Lateinamerikas ist die Klasse, die mit ihren Zeitungen, mit ihrem Geld, mit ihren politischen Parteien den Einfluß des Imperialismus auf unserem Kontinent stützt.

In Afrika ist die Lage anders. Warum? Weil Afrika auf einen Schlag zum unabhängigen Leben erwacht und seine Rolle im internationalen Leben als ein Teil der Welt zu spielen beginnt, und zwar in einem Augenblick, da sich der Imperialismus im Niedergang befindet und die imperialistischen Länder ihre neuen Herrschaftsformen dort noch nicht einführen konnten. Ich will damit sagen, daß die imperialistischen Mächte im Begriff sind, ihre alten Formen der Kolonialherrschaft, der militärischen Besetzung und der Regierung durch das "Mutterland" zu revidieren und an ihre Stelle die ökonomische und politische Kontrolle ohne direkte Kommandogewalt zu setzen. Mit anderen Worten, sie wenden nicht mehr die typischen Kolonialmethoden an, aber im Grunde bleibt alles beim alten, weil sie sich die politische und ökonomische Kontrolle der Länder vorbehalten. Angesichts dieser Tatsachen ist es den Imperialisten nicht gelungen, in Afrika eine Klasse zu schaffen, auf die sie sich stützen können.

Deshalb ist die Lage der Imperialisten in Afrika noch viel schwieriger als in Lateinamerika, obwohl sie es auch in Lateinamerika schon schwer genug haben. Aber hier haben sie sich wenigstens die Oligarchie schaffen können, die sie unterstützt, anders als in Afrika. In Afrika sind es Minderheitsgruppen, europäische Kaufleute, europäische Eigentümer, die in all diesen kürzlich zum unabhängigen Leben erwachten afrikanischen Ländern einen Einfluß ausüben, der nicht von langer Dauer sein kann. Die großen Massen der afrikanischen Völker werden nicht lange zögern, den Einfluß dieser Gruppen hinwegzufegen, die weder sich noch die kolonialistischen Interessen in Afrika überhaupt halten können.

In Amerika ist es nicht so. In Amerika haben sie schon viele Jahre lang ihre Kontrolle ausgeübt, zu einer Zeit, als sich der Imperialismus im Aufstieg befand und nicht wie heute in einer Periode des Niedergangs. Das Ergebnis davon ist, daß wir sozusagen von imperialistischen Kräften, von imperialistischen Militärstützpunkten, von imperialistischen oder den Imperialisten hörigen Politikern in ganz Amerika eingekreist sind. Infolgedessen entwickelt sich die kubanische Revolution unter schwierigen Bedingungen, deswegen muß sie einen harten Kampf führen, aber das gibt der kubanischen Revolution auch ihre historische Bedeutung, denn sie ist eine Revolution, die sich unter schwierigen Verhältnissen durchsetzen muß.

Natürlich gibt es auch Umstände, die der kubanischen Revolution günstig sind. Wir konnten zum Beispiel gewissen Angriffen widerstehen, die in einem anderen Augenblick der Geschichte tödlich für die Revolution gewesen wären. Ich denke dabei an den Erdölboykott, an die Absicht, uns ohne Erdöl zu lassen, an den Boykott unserer Zuckerausfuhr, an den Boykott der Einfuhr von Maschinen. Mit anderen Worten, unser Land verdankt es der Existenz einer großen, mächtigen Staatengruppe, die sich rasch entwickelt, verdankt es den sozialistischen Ländern, daß es trotz der imperialistischen Einkreisung Erdöl erhält, seine Produkte verkaufen kann und Maschinen einführen kann. Wenn uns keine Schiffe zur Verfügung stehen, so kommen Schiffe aus diesen Ländern und bringen uns das Erdöl, wenn es keine Rohstoffe gibt, wenn man sie uns auf unseren bisherigen Märkten nicht mehr verkaufen will, so erhalten wir sie von diesen Ländern. Es gibt auch eine große Gruppe neutraler Staaten, die heute eine wichtige Rolle in der Welt spielen und mit denen wir enge Wirtschaftsbeziehungen, freundschaftliche Beziehungen haben. Das heißt also, diese Kräfte in der Welt müssen wir als günstige Kräfte oder Umstände einschätzen, die unseren ungünstigen Umständen als ein faktisch vom Imperialismus eingekreistes Land die Waage halten.

Das mindert aber keineswegs die Bedeutung der kubanischen Revolution. Ohne das Werk, das das kubanische Volk heute vollbringt, ohne die Massenbasis der Revolution, ohne die Taten, den revolutionären Geist, den Patriotismus, das Heldentum, ohne all die guten Eigenschaften des kubanischen Volkes hätten diese Umstände, die sich für uns günstig auswirken, nicht den geringsten Wert. Hätten wir das alles nicht, gäbe es keine Revolution, selbst unter den günstigsten Umständen. Und der Wert der kubanischen Revolution besteht darin, daß sie sich nun schon fast zwei Jahre aus eigener Kraft halten und vorwärtsschreiten kann. Und wie die kubanische Revolution in diesem Prozeß vorangeschritten ist, was sie in diesen zwei Jahren vollbracht hat!

Wir können voller Stolz unser Werk als das bezeichnen, was es tatsächlich ist. Wir sollen uns zwar nicht zum Richter unserer eigenen Werke aufrufen, aber es ist gut, wenn wir objektiv die Tatsachen analysieren, wenn wir einen vergleichenden Überblick geben über das, was wir in so kurzer Zeit erreicht haben, so wie wir es zum Beispiel vor den Vereinten Nationen getan haben. Und erreicht hat das Land in diesen zwei Jahren, in weniger als zwei Jahren, weit mehr als in den vergangenen sechzig Jahren, denn es ist fast ein Wunder, was unser Volk geleistet und wie es dadurch unsere Revolution gefestigt hat.

Bedeutet das nun, daß die kubanische Revolution unter den Umständen, unter denen wir sie durchführten, ungestört voranschreiten kann? Nein, die Revolution kann nicht ungestört voranschreiten. Warum? Es gibt mächtige, äußerst mächtige internationale Interessen, die alles daran setzen, die kubanische Revolution zu vernichten. Die ganze imperialistische Welt, die uns umgibt, alle reaktionären Kräfte, die uns auf dieser Hemisphäre, wo wir nicht mehr als ein kleines Inselchen sind, umgeben, sie alle haben sich gegen unsere Revolution verschworen. Von dem, was wir hier tun, davon, wie wir die Revolution verteidigen, von uns, von uns selbst hängt der Triumph der Revolution ab. Das bedeutet also, daß das Volk von Kuba aus eigener Kraft eine große historische Aufgabe vollbringt und daß es jedem Versuch, die Revolution zu vernichten, entgegentreten muß.

Wovon träumt unser Volk? Wovon träumen wir, die Revolutionäre? Unser Traum ist es, zu erleben, daß die Ideale der Revolution, die Bestrebungen der Revolution - und das sind ganz konkrete Bestrebungen – zum Siege geführt werden. Und wir haben bewiesen, daß wir keine Phantasten sind. Warum? Weil die Tatsachen beweisen, daß unsere Träume von gestern, daß vieles, was in einer noch gar nicht fernen Vergangenheit Traum schien, heute Wirklichkeit ist, daß unsere Ideale so genau Wort für Wort in die Wirklichkeit umgesetzt wurden, wie es noch selten mit Idealen von Revolutionären geschehen ist.

In diesem Sinne waren wir vom Glück begünstigt, mehr vom Glück begünstigt als diejenigen, die uns in diesen Kämpfen vorangegangen sind, mehr vom Glück begünstigt als diejenigen, die für die Unabhängigkeit kämpften und so hart darum kämpfen mußten wie Martí, Maceo, Agramonte, Calixto García, Cespedes und alle anderen. Fast alle starben im Kampf, bevor sie die Fahne des unabhängigen Kubas wehen sehen konnten, und Máximo Gómez und andere Überlebende mußten erleben, daß die Fahne des unabhängigen Kubas nicht gehißt wurde. Haben sie härter gekämpft als wir? Ja, sie haben härter gekämpft. Wir sind fast alle relativ junge Menschen, und trotzdem hatten wir das Glück, in unserem Lande verwirklicht zu sehen, was mehrere Generationen von Kubanern erträumten.

Wir sind also keine Phantasten. Man verspottete uns als Träumer, als wir begannen. Ja, wir träumten davon, die Revolution vollendet zu sehen, und wir sind gewiß, daß wir es sehen werden, und wenn nicht wir es sehen, dann werden es andere sehen. Das kubanische Volk wird es sehen, es wird die Früchte dieser Revolution ernten, alle Früchte dieser Revolution.

Wovon träumen hingegen die Feinde dieser Revolution, die an der Ausbeutung interessierten ausländischen Kapitalisten, der Imperialismus, die Reaktion in Amerika? Sie träumen davon, die kubanische Revolution zerschmettert zu sehen. Was wollen sie? Wollen sie, daß das kubanische Volk weiterhin voranschreitet, daß die Revolution voranschreitet, die siegreiche, saubere Revolution, die prächtigen, von Idealen beseelten, uneigennützigen, einfachen, rechtschaffenen Menschen, die dieses Land regieren, daß sie, gemeinsam mit dem ganzen Volk, einen historischen Prozeß, der heute schon überall in der Welt Ansehen genießt, zu Ende führen? Nein, sie wollen etwas anderes. Sie wollen die Revolution vernichtet sehen, wollen sehen, daß in unserem Land wieder die verhaßten Interessen von gestern herrschen, dieselben korrupten Leute, dieselben korrupten Politiker, dieselben skrupellosen, unehrlichen und auf ihren eigenen Vorteil bedachten Menschen, dieselben Ausbeuter, die immer auf Kosten unseres Volkes gelebt haben. Sie wollen wieder die Obersten und Generale, die großen Verschwender des Volksvermögens an der Spitze unseres Landes sehen. Sie wollen sehen, daß diese Leute dem Volk wieder die Hunderte von Millionen Pesos stehlen, die das Volk ihnen mit vollem Recht abgenommen hat. Diese Leute wollen sie wieder unser Land regieren sehen. Sie wollen die ausländischen Beamten, die ausländischen Gesellschaften wieder bei uns sehen. Sie wollen wieder ein unwissendes Volk ohne Schulen sehen, wehrlos aller Willkür ausgeliefert. Sie wollen wieder ein Söldnerheer im Dienste der Monopole, der Trusts und der ausländischen Gesellschaften, ein gegen die Bauern und die Arbeiter gerichtetes Heer sehen. Sie wollen in unserem Land wieder doppelt so hohe Mieten sehen. Sie wollen wieder die alten Geschäfte, wollen wieder für ein paar Pesos ein Grundstück kaufen, das ihnen dann, wenn erst einmal Straßen, Licht, Wasser und Kanalisation gelegt sind, zehn, fünfzehn, zwanzig, dreißig oder vierzig Pesos je Quadratmeter bringt. Sie wollen die alten Zustände mit ihren Spekulationsgeschäften wiedererwecken, die darauf fußten, den Bauern ihre Produkte zu Spottpreisen abzukaufen und sie dem Verbraucher teuer weiterzuverkaufen, seien es Kaffee oder Fisch oder Grundnahrungsmittel.

Sie wollen wieder das Reich der Unternehmer, die Minister kauften, ihnen unter dem Tisch einen Scheck zusteckten und sich dann die Importquoten teilten, die ihnen Jahr für Jahr Millionen an Dividenden und Profiten einbrachten. Sie wollen wieder das Reich der Korruption, das Reich des Verbrechens in unserem Lande sehen. Dabei geht es ihnen gar nicht so sehr um die Millionen, die sie verloren haben, sondern vielmehr darum, den anderen Völkern ihre Theorie, ihre Hypothese zu beweisen, daß eine Revolution gegen den Imperialismus nicht siegen kann, daß die Völker nicht ihre Ketten abwerfen können, daß die Völker nicht die Unterdrücker abschütteln können, daß der Arbeiter nicht danach streben darf, ein gleichberechtigtes, geachtetes und anerkanntes Mitglied der Gesellschaft zu sein, daß sich der Bauer nicht als Herr der Früchte seiner Arbeit fühlen darf, daß sich der Neger und der Indianer nicht als Mensch fühlen darf, daß sich der Arme nicht als menschliches Wesen betrachten und ein Bauernkind nicht zur Schule gehen darf. Kurzum, sie wollen beweisen, daß sich die Völker nicht von dieser Last befreien können, weil der Imperialismus zu mächtig ist, mächtig genug, um zu verhindern, daß Revolutionen Erfolg haben.

Das sind die beiden Richtungen, die sich gegenüberstehen. Wir mit unserem Traum, die Revolution zum Siege zu führen. Die Reaktion, die internationale Reaktion, die Imperialisten, die Kolonialisten, die Ausbeuter mit ihrem Traum, das Beispiel der kubanischen Revolution zunichte zu machen. Das bedeutet, daß wir allen Angriffen und allen Versuchen, uns zu vernichten, entgegentreten müssen.

Die Revolution hat im Lande selbst eine große Kraft, die Mehrheit des Volkes. Die Konterrevolution hat innerhalb des Landes so gut wie nichts. Die Konterrevolution im Land selbst wäre ein Nichts. Die Konterrevolution hat ihre ganze Kraft und ihre Unterstützung im Ausland, außerhalb des Landes, und es ist klar, daß sie vom ersten Augenblick an ermutigt wurde, daß sie durch Propagandakampagnen, Geldmittel und auf andere Weise offiziell unterstützt wurde. Kurzum, die Konterrevolution wird aus dem Ausland geleitet.

Vom Ausland aus benutzt man gegen unser Land all die Methoden, die diese Herrschaften so meisterhaft beherrschen, all die klassischen Methoden zur Niederschlagung von Revolutionen. Sie wissen genau, auf welche gesellschaftlichen Gruppen in unserem Lande, auf welche Interessen sie sich stützen müssen, und das sind natürlich nicht die besten. Niemals wird ein wirklich anständiger Mensch, ein wirklich patriotischer Mensch, ein ehrlicher und sauberer Mensch diese Interessen unterstützen.

Kein sauberer Mensch kann an der Seite der Monopole stehen, kein moralisch gesunder Mensch — geschweige denn ein Mensch, der sehr bewußte revolutionäre Ideale hat. Ein Mensch braucht nur aufrichtig, persönlich ehrlich, persönlich sauber, persönlich unbestechlich zu sein, und er wird niemals mit den Monopolen gehen, niemals mit den Großgrundbesitzern, niemals mit dem Pentagon, niemals mit den Gruppen der amerikanischen Politiker, die, wie jedes Kind weiß, ausgemachte, komplette Dummköpfe sind.

Der Imperialismus kann nur zum Schlechtesten greifen. Wen sucht er? Er sucht solche Leute, die 800 Caballerias besaßen und denen die Revolution nur 30 gelassen hat; sie suchen den, der eine halbe oder eine ganze Million Pesos Jahreseinkommen hatte und dem die Revolution fürs erste die Hälfte ließ und heute noch ein bißchen weniger. Sie suchen sich diejenigen, die durch die willkürliche Verteilung der Importquoten Jahr für Jahr zwei oder drei Millionen Pesos verdienten. Und zahlten diese Leute etwa Steuern? Nein. Viele von ihnen bezahlten niemals Steuern, sie zahlten dem Finanz- oder Zollinspektor Schmiergelder. Der Imperialismus sucht sich den Schmuggler, er sucht sich die verbrecherischen Elemente, die sich hier dem Glücksspiel, dem Falschspiel und allen Lastern ergaben. Er sucht alle, deren Interessen von der Revolution geschmälert wurden.

Jedermann weiß, wo hier diejenigen stecken, die den Imperialismus und die Konterrevolution unterstützen. Man kann sich hier in Havanna in ein Auto setzen, und wenn man dann Stadtviertel um Stadtviertel abfährt, wird man sogar sagen können, wo die Konterrevolutionäre und die Lakaien des Imperialismus wohnen.

Wen sucht sich der Imperialismus? Den Schreiberling, der seine Feder verkauft. Die Herren, die jeden Monat zehntausend, zwanzigtausend Pesos erhielten, um Loblieder auf die Diktatur zu singen. Er sucht sich die Leute, die sich eine Mentalität nach seinem Sinn erworben haben, die sich an seinen Kriminal- und Detektivgeschichten "gebildet" haben. Er sucht sich die Leute, die in ihrer Kindheit "Comics" gelesen und an sie geglaubt haben und die, einmal erwachsen, sich der durch die amerikanischen "Comics" geschaffenen Mentalität nicht mehr entziehen konnten; er sucht die Leute, die sich dem Einfluß der Zeitschriften "Readers Digest", "Life", "Time" und all dieser Instrumente zur Bildung reaktionärer Gehirne nicht mehr entziehen konnten.

Er sucht sich den Mann, der in vielen Fällen an seinen Universitäten studiert hat und dem sie dort die Mentalität einimpften, die heute das persönliche Verhalten eines Bürgers der Vereinigten Staaten bestimmt. Das heißt, die Mentalität eines Mannes, dem man von frühester Jugend an die Sucht nach Geld, nach Gewinn, nach immer größerem Reichtum einimpft. Er sucht sich den, der ins Kino ging und sich bestimmte Filme ansah - nicht die Filme der unabhängigen Gesellschaften, denn auch solche gibt es in den Vereinigten Staaten, die gute Filme produzieren; aber solche Gesellschaften trachten die Monopole zu vernichten, so wie sie es mit Chaplin und anderen fortschrittlichen amerikanischen Schriftstellern gemacht haben, die wirklich Künstler waren. Die Monopole produzieren serienweise Filme, die sie in der ganzen Welt verbreiten, Filme, in denen sie die Grausamkeit verherrlichen, in denen sie den Rassenhaß preisen und damit auch eine bestimmte Mentalität hochzüchten. Wer erinnert sich nicht an all die Tarzan-Filme, an all die Filme über Afrika? Wie stellten sie den Afrikaner dar? Nein, sie zeigten keine Menschen wie Sókou Touré, wie Nkrumah. Diese hervorragenden Menschen, die wir in der UNO sahen, wo wir hörten, wie sie vor den Vertretern aller Völker der Welt auftraten, mit einer Klugheit, einer Präzision, einem politischen Weitblick, von denen die Welt nichts ahnte.... Man wußte nichts vom Wert dieses Kontinents und seiner Menschen. Natürlich, für diese Herrschaften war es der Kontinent, der ihnen ihre Sklaven geliefert hatte. Wer besaß aber Sklaven? Waren es die Armen, waren es die Arbeiter, zum Beispiel in Kuba oder in den Vereinigten Staaten? Nein. Wer hat Sklaven aus Afrika geholt? Die Sklavenhändler, die sie verkauften wie ein Stück Vieh. Wer hat die Sklaven ausgebeutet? Die Großgrundbesitzer der damaligen Zeit, des vergangenen Jahrhunderts. Die Reichen der damaligen Zeit waren es, die alle diese Sklaven aus Afrika wegschleppten, sie kauften, sie verkauften, sie ausbeuteten und dabei Vermögen zusammenrafften. Und diese Zeit hat uns noch Schlimmeres hinterlassen, denn noch viele Jahre nach der Beseitigung der Sklaverei blieb das Vorurteil, blieb der Haß, blieb das Gefühl, etwas Besseres zu sein, und wurde in diesen Kreisen von den Eltern auf die Kinder vererbt.

Natürlich, weil es diese Kreise sind, die noch immer über die Länder herrschen, weil es diese gleichen Interessen sind, die noch immer das politische Leben der Länder beherrschen, machen sie es eben so: Sie stellen die Menschen Afrikas als Wilde dar. So zeichnen sie zum Beispiel in ihren Romanen und Filmen die Afrikaner immer als Stämme halbnackter, mit Schild und Speer bewaffneter Menschen, die in Horden unter ohrenbetäubendem Geheul angreifen. Ihnen gegenüber steht unweigerlich ein heldenhafter Weißer mit dem Gewehr in der Hand, der mit nur drei oder vier Begleitern dem Ansturm standhält und viele Afrikaner tötet. Am Ende fliehen dann immer die Afrikaner vor dem Übermenschen, dem Unbesiegbaren, dem Helden aller Zeiten, vor dem Weißen, der natürlich der imperialistische Weiße ist, der kolonialistische Weiße, der Weiße mit den kurzen Hosen und dem Tropenhelm, mit den Hunden und dem Gewehr. Er sucht nach Bergwerken, er sucht nach Schätzen, er besteht Abenteuer, und dann kommt ein Loblied auf die Abenteurer, die mit Hilfe von Verbrechen, Raub und Verrat afrikanisches Land an sich reißen. Diese verbrecherischen Eroberer hatten ihre Apologeten und heute noch, mitten im 20. Jahrhundert, steht die Menschheit unter dem Einfluß dieser Vorurteile und dieser falschen Auffassungen, und es gibt Hirne, die sich durch diesen ganzen Apparat verbilden lassen, durch diese Zusammenballung alles Schlechten, des Schlechtesten, was überhaupt von Menschen ausgehen kann.

Denn der Mensch hat Großes und Positives vollbracht, aber auch sehr Negatives. Die Quintessenz all dessen zeigt sich in der Oligarchie, die heute das imperialistischste Land der Erde beherrscht, das mächtigste Tand in ökonomischer Hinsicht, wenn auch nicht mehr in militärischer, mächtig durch die Ausplünderung von zwei Dritteln, von mehr als zwei Dritteln der Welt. Selbst Westdeutschland steht unter der Kolonialherrschaft der Vereinigten Staaten, obwohl es sich um ein industriell entwickeltes Land, ein Land mit einer alten Kultur handelt...

Das alles entwickelt seine Philosophie, setzt seinen Propagandaapparat in Bewegung, verbildet Menschen und übte auch auf unser Land seinen Einfluß aus. Und wie sind wir diesem ganzen Apparat gegenübergetreten, diesen fünfzig Jahre lang gepredigten Tiraden? Wie? Indem wir mit dem Volke sprachen, immer wieder, indem wir ihm all diese Dinge erklärten, die ihm vorher niemand erklärt hatte, indem wir alle Gelegenheiten ausnutzten, um zum Volk zu sprechen, über Rundfunk und Fernsehen, indem wir einfach die Wahrheit sagten. Und das ist eine so gute Methode daß die amerikanische Delegation dreißig Tage brauchte, um meine Rede vor der UNO zu beantworten. Uns aber genügten ganze dreißig Minuten, um der imperialistischen Delegation an Ort und Stelle zu antworten. Sie haben es schriftlich gemacht, so etwa nach dreißig Tagen, und dann haben sie ein Dokument geschickt, um es dort verlesen zu lassen. Sie waren so demoralisiert, daß sie es auf keine Diskussion mehr ankommen lassen wollten.

Wir sind immer gegen diese schädlichen Einflüsse aufgetreten, wir haben mit dem Volk gesprochen und immer wieder gesprochen. Natürlich überzeugt haben wir das Volk, und nicht die Großgrundbesitzer mit 900 Caballerias. Die Präsidenten der Monopolgesellschaften haben wir auch nicht überzeugt und ebensowenig die Großhändler. Wen haben wir überzeugt? Das Volk, die Bauern, die Arbeiter, die einfachen Menschen, all jene, die die Kraft der Revolution, die Macht der Revolution darstellen.

Auf all die Herrschaften, die ich aufzählte — mit ihren Gewinnen von zwei und drei Millionen, die ihnen ihre Geschäfte, Zinsen, Importquoten und Industrien einbrachten -, auf sie baut der Imperialismus. Er baut, wie wir schon sagten, auf die Mentalität, die er sich selbst hier geschaffen hat, und er baut auf den Abschaum der Gesellschaft. Das heißt also, auf seiner Seite stehen alle, die vom Spiel {eben, vom Schmieden politischer Ränke, von Mord, Spitzeltum und Laster. Das sind Zehntausende, diese ganze Gruppe von Menschen, die der Imperialismus einfach in Unterdrückungsinstrumente verwandelt hat: Menschen, die auch zum Volk gehören, die zu einem Teil schuldig, zu einem Teil aber auch nur Opfer der bestehenden Umstände waren.

Die Zukunft wird keine Lakaien mehr liefern. Unsere Revolution kann keine Lakaien hervorbringen, sie kann nicht diese Art von Menschen hervorbringen, die vom Laster, von politischen Winkelzügen und vom Spiel leben. Die kubanische Gesellschaft hat fünfzig Jahre lang Menschen dieser Art hervorgebracht. Und das ist das Menschenmaterial, mit dem die Imperialisten für ihren Kampf innerhalb des Landes rechnen können. Das ist ihre fünfte Kolonne, ihre Truppe im Innern, die von außen angestachelt und ökonomisch unterstützt wird, und natürlich versuchen sie mit allen Mitteln, aus ihrer Truppe das Letzte herauszuholen, sie für sich kämpfen zu lassen. Diese Kräfte haben am 1. Januar 1959 eine vernichtende Niederlage erhalten. Sie wurden in alle Winde zerstreut. Der militärische und politische Apparat der Diktatur, der im Dienste der ausländischen Interessen in Kuba und der großen einheimischen Interessengruppen stand, und dann auch diese Interessen und Privilegien selbst, erlitten eine vernichtende Niederlage. Aber sie sammeln sich wieder, sie versuchen sich zu sammeln, erneut loszuschlagen.

So ist also jeder revolutionäre Prozeß ein Vorgang, in dem es ein Vorrücken der Revolution und konterrevolutionäre Gegenoffensiven gibt. Nicht anders als während des Krieges, spielt sich das in Etappen ab. Sie starteten gen neue Kräfte heran, eine Offensive, scheiterten, sammelten sich neu, zogen neue Kräfte heran, starteten die zweite Offensive, zogen sich zurück, und so ging es den ganzen Krieg über. Es gab dabei sehr schwierige Augenblicke, zum Beispiel nach dem Scheitern des Streiks vom 9. April. Damals verloren viele den Mut. Ihr werdet euch alle erinnern, daß vielen der Sieg der Revolution damals sehr fern, wenn überhaupt erreichbar, schien. Die Diktatur hatte gewaltige Kräfte zusammengeballt, um in diesem Augenblick über die Kräfte der Revolution herzufallen. Und dennoch, als der Sieg am entferntesten schien, war er schon am nächsten. Warum? Da kommt zunächst so ein schwerer Augenblick für die Revolution, für den revolutionären Kampf, wie damals. Die anderen werfen ihre Kräfte vor, aber sie erleiden eine Niederlage. Nun kommt also für sie ein schwerer Augenblick. Sie werden besiegt.

Das bedeutet natürlich nicht, daß der Kampf vorüber ist. Viele glaubten am 1. Januar sei der Kampf beendet worden. Ich erinnere mich an viele Menschen, die fast weinten, daß sie in der Sierra nicht dabei sein konnten, daß sie nichts getan hätten. Ich weiß nicht, was diese Leute heute tun, ich nehme an, sie werden in den Milizen sein, sie werden Lehrer in der Sierra Maestra sein, sie werden etwas tun. Vielleicht gibt es unter ihnen welche, die darum weinen, daß uns die Amerikaner angreifen, um diesmal auch mitkämpfen zu können.

Was sie empfanden war Scham, daß sie nichts hatten tun können. Warum? Weil sie nicht begriffen, was eine Revolution ist. Nebenbei gesagt, wir alle lernen tagtäglich von der Revolution. Wir begriffen zwar damals schon, was die Revolution ist, aber wir begriffen es nicht so klar, wie wir es heute tun. Wir alle haben im Prozeß der Revolution gelernt. Aber wir wußten, und vom ersten Tage an haben wir es deutlich gesagt, daß der Kampf weitergeht und daß der revolutionäre Kampf ein langer Kampf sein wird.

Heute beweisen die Tatsachen, daß es so ist. Wir haben eine Etappe hinter uns, in der sich die Lager abgrenzten, in der sich die ausländischen und imperialistischen Interessen in unserem Lande immer klarer herausschälten, und heute befinden wir uns in einer neuen Etappe des Kampfes.

Sie waren also in der Offensive, und wir erklärten, daß wir in der Defensive seien, aber die Revolution ist auch in der Defensive gefährlich. Wir erklärten, wir würden zum Gegenangriff übergehen, und heute befindet sich die Revolution im Gegenangriff. Die Revolution festigt sich natürlich in diesem Kampf, aber die konterrevolutionäre Offensive ist nicht zu Ende. Warum sprechen wir so? Warum unterscheiden wir zwischen Offensive und Gegenoffensive, zwischen Angriff und Gegenangriff? Ganz einfach: weil der Gegenangriff eine Operation innerhalb eines größeren Kampfes ist. In der Offensive befinden sie sich in dem Augenblick, wo sie die Konterrevolutionäre und die konterrevolutionären Söldner im Ausland sammeln, wo sie die reaktionären Politiker des ganzen Kontinents sammeln und den Angriff vorbereiteten.

Es waren zwei Angriffsformen denkbar: ein direkter Überfall oder ein Überfall durch Söldnergruppen oder vielleicht sogar eine Marionettenregierung.

Ihr erinnert euch, daß man zu Anfang Trujillo vorschieben wollte. Aber dann kam es zu Meinungsverschiedenheiten zwischen ihnen und Trujillo. Warum? Weil sich die amerikanische Politik von ihrer Verbindung mit Trujillo nichts mehr versprach, weil ihr an einem scheinheiligeren, nicht so offen diktatorischen lateinamerikanischen Politiker gelegen war, und zugunsten einer solchen Verbindung ließen sie Trujillo fallen.

Heute benutzen sie Guatemala als Operationsbasis zur Ausbildung von Invasorengruppen, heute benutzen sie den amerikanischen Militärstützpunkt auf den Schwan-Inseln oder direkt das Territorium der Vereinigten Staaten. Die Möglichkeit eines direkten Angriffs wird immer schwieriger. Warum? Erstens weil wir voraussahen, daß sie einen kubanischen Angriff auf ihre Positionen vortäuschen wollten, der ihnen das Recht zur Abwehr gäbe, und die ganze Welt auf diese Provokation aufmerksam machten. Zweitens weil ein direkter Angriff nach den Erklärungen Chruschtschows für sie zur Katastrophe werden könnte. Schließlich war es etwas anderes, ob sie schon von vornherein gewonnenes Spiel hatten, ob sie mit ihrer ganzen Übermacht über ein kleines Land herfallen und es vernichten konnten, oder ob sie sich darauf gefaßt machen mußten, dabei nicht nur auszuteilen, sondern auch einzustecken.

Natürlich haben sie zunächst Spekulationen angestellt, ob sie nicht angreifen könnten, ohne daß die Sowjetunion Kuba unterstützte. Das waren Anfangs ihre Spekulationen, und das war gefährlich, denn sie spielten mit dem Feuer. Es war gefährlich, daß sie sich diesen Illusionen hingaben. Als wir vor den Vereinten Nationen dieses Problem darlegten, stand Chruschtschow auf und sagte: "Da werden sie sich täuschen!" und er sagte es sehr nachdrücklich.

Was haben sie daraufhin getan? Sie haben mit verstärkter Kraft Söldnertruppen organisiert, denn der Imperialismus findet sich nicht einen Augenblick mit seiner Lage ab, er ruht nicht, und je hysterischer er wird, um so geschäftiger wird er auch, um so tollere Dinge denkt er sich aus. Und so kommen zunächst ihre Maßnahmen auf wirtschaftlichem Gebiet, so kommen all die bekannten Aggressionen auf internationalem Gebiet, so kommen all die Manöver, die euch hinreichend bekannt sind, aber gleichzeitig bereiten sie sich auf Aktionen vor. Hier im Lande haben Beamte der amerikanischen Botschaft frech konspiriert, haben Agenten des FBI* Kontakt mit konterrevolutionären Elementen aufgenommen. Einige davon haben wir auf frischer Tat ertappt und des Landes verwiesen, andere fanden wir mit einer ganzen Ausstattung von Geräten und Anlagen in einem Büro über den Räumen der chinesischen Nachrichtenagentur, mit Mikrophonen und Abhörapparaten, das heißt, mit einem ganzen Spionageapparat. Sie nahmen Verbindungen zu konterrevolutionären Elementen auf, hetzten die Menschen auf, das Land zu verlassen, so wie sie es mit Miró Cardona, mit Quevedo, mit Valdespino, mit all den Leuten gemacht haben.

Das war die reinste Proselytenmacherei. Sie kauften die Leute, schüchterten sie ein, versprachen ihnen Villen und Schlösser, versprachen ihnen alle Arten von Entschädigungen, um sie zum Gehen zu bewegen, um konterrevoIutionäre Stimmungen zu schaffen, um Zweifel zu säen, Uneinigkeit zu säen, Mißtrauen zu schaffen. Gleichzeitig arbeiteten sie an der Organisierung von konterrevolutionären Gruppen, von Terroristengruppen, versuchten sie, konterrevolutionäre Fronten zu errichten.

Und kämpften sie nur auf diesem Gebiet? Nein, sie kämpften auch an der ideologischen Front. Sie entfachten ihre antikommunistischen Feldzüge und spekulierten darauf, mit dem Gespenst des Kommunismus, das sie hier schon jahrelang an die Wand gemalt hatten, die Menschen schrecken zu können. Sie erwähnten nur das Wort Kommunismus und erzeugten damit Schrecken, ohne daß viele Menschen überhaupt wußten, was Kommunismus ist...

Der Kommunismus ist eine Etappe, mit deren Aufbau man heute in der Sowjetunion, nach vierzig Jahren des Sozialismus, beginnt. Man nannte die Revolutionäre Regierung kommunistisch, und es ist mir völlig schleierhaft, wie wir dann 382 große Unternehmen nationalisieren konnten.

Diese reizende Kampagne begann vom ersten Tage an. Sie begann, als noch nicht eines unserer revolutionären Gesetze erlassen war. Damals behaupteten sie, Hart sei ein Kommunist, Yey£& sei ein Kommunist, Franqui sei ein Kommunist. Jedermann war für sie ein Kommunist. Sie begannen in allen Zeitungen Listen zu veröffentlichen, und ich erinnere mich, daß ich auf meiner Reise in die Vereinigten Staaten wahren Verhören unterzogen wurde. Man kann sich gar nicht vorstellen, was sie alles wissen wollten. Das war ausgewachsene Spionage. Diese Kampagne hat natürlich auf einige Menschen ihren Einfluß nicht verfehlt. Mit der inneren Ruhe einiger Menschen war es unvereinbar, daß auch nur ein revolutionäres Gesetz erlassen wurde. Laßt doch den Großgrundbesitzern ihre 800 Caballertas, ihre 10.000 Caballerias; laßt doch der United Fruit ihre 15.000 Caballerias; laßt doch die Mieten, wie sie sind! Wenn es nach ihnen gegangen wäre, hätte man nicht eine Schule gebaut, hätte man nicht eine Fabrik errichtet, hätte man den Millionären Kredite gegeben, damit sie Fabriken bauen könnten. Ja, so ist das: Den Millionären Geld geben, damit sie Fabriken bauen, das ist in Ordnung. Aber daß die Regierung eine Fabrik bauen soll, um Gottes willen, das ist Kommunismus. Alles war für sie Kommunismus.

Ich werde nicht vergessen, wie ich einmal einem amerikanischen Journalisten im Gespräch sagte: "Ich glaube, ihr seid auch Kommunisten. Ich will das erklären: Während des Krieges habt ihr das freie Unternehmertum abgeschafft. Ihr habt nicht erlaubt, daß Autos oder Autoreifen hergestellt würden, sondern habt allen Fabrikanten gesagt: Ihr müßt Flugzeuge, Panzer, Geschütze herstellen. Das heißt, ihr habt den Privatunternehmern einen Plan vorgeschrieben, habt die Planung eingeführt, und dann hat die amerikanische Regierung sogar eine Fabrik errichtet. Die amerikanische Regierung war Eigentümerin einer Fabrik. Der Staat ein Fabrikbesitzer! Außerdem habe ich in New York Wohnblocks gesehen, die Eigentum des Bundesstaates New York sind. Ein Bundesstaat baut also Wohnhäuser und läßt sich die Mieten bezahlen. Wenn wir aber Industriewerke errichten, sind wir natürlich Kommunisten, wenn wir einen Plan aufstellen, sind wir Kommunisten. Natürlich! Stellen wir uns vor, eine Aktiengesellschaft in der Wall Street oder sonstwo in New York oder in New Jersey, in Manhattan oder in Boston, in Brooklyn oder in Philadelphia mit fünftausend Aktionären besäße 1.0000 Caballerias Boden in Kuba... Eine gute Sache, nicht wahr? Die Aktionäre schwitzen kein Hemd durch, brauchen nicht zu arbeiten, aber jedes Jahr springt eine Dividende dabei heraus. Wir haben es anders gemacht. Statt fünftausend oder hundert Aktionäre in Brooklyn zu Eigentümern dieses Reichtums zu machen, haben wir fünftausend Bauern dort angesiedelt, damit sie den Boden bestellen. An Stelle von hundert Aktionären aus den Vereinigten Staaten arbeiten hundert kubanische Bauern, sind hundert kubanische Bauern die Aktionäre ihrer Genossenschaft, und die hundert Eigentümer jener Genossenschaft sind auch die hundert, die arbeiten und produzieren und sich die Dividenden teilen. Aber immerhin, was ihr tut, ist gut, was wir tun, ist schlecht.

Ja, wenn ihr in den Vereinigten Staaten überall Kettenläden eröffnet, tausend Läden, zweitausend Läden, und alle gehören einem Herrn Soundso, dann ist das gut. Es ist gut, daß ein Herr zweihundert Läden besitzt, eine ganze Kette. Aber wenn es nicht Herr Soundso ist, sondern das Nationale Institut für die Bodenreform, das seine Läden eröffnet, um an die Bauern billig zu verkaufen, um die Bauern nicht auszubeuten und nicht zuzulassen, daß sie weiter ausgebeutet werden, dann ist das schlecht. "Also", sagte ich ihm, "machen wir mehr oder weniger dasselbe. Ihr habt Gesellschaften und Aktionäre, wir haben Genossenschaften. Ihr habt Kettenläden eines Herrn Soundso, wir haben Kettenläden, die der Revolutionären Regierung gehören. Ihr plant für den Krieg, wir planen für den Frieden."

So dumm und verworren war das alles. Wenn etwas für die Ausbeutung gemacht wurde, war es gut. Daß 10.000 Aktionäre Eigentümer des ganzen Bodens sind, das ist richtig, aber wehe, wenn unsere Bauern Eigentümer werden. Das ist schlecht! Das ist Kommunismus oder so etwas ähnliches wie Kommunismus, oder wie sie es sonst noch zu nennen belieben. Daß wir Läden eröffneten, war schlimm! Als die Läden dazu da waren, auszubeuten, als ein einziger Herr den ganzen Gewinn einsteckte, war es gut. Wenn man so einem Herrn einen Kredit von einer Million Pesos oder von zehn Millionen Pesos gab, um eine Fabrik zu bauen, dann war das gut. Mit dem Geld des Volkes, mit den Mitteln des Volkes wird ein Mann Eigentümer einer Fabrik! Wenn aber die Regierung sie baut und der Gewinn nicht für einen Herrn Soundso ist, sondern für den Bau einer Schule oder für zehn Schulen und hundert Lehrer und Stipendien für tausend Studenten, dann ist das schlecht! Die Ausbeutung ist gut, die Gerechtigkeit ist schlecht...

Die Wahrheit ist, daß wir unseren Weg gesucht haben, die Lösung unserer Probleme, und wir haben all die Maßnahmen der Revolution getroffen, die wir zur Lösung unserer Probleme für richtig hielten und vor dem Volk vertraten...

Sie haben einen heillosen Wirrwarr in den Köpfen angerichtet - denn all diese Konterrevolutionäre sind verworren, nicht einer hat einen klaren Gedanken. Das heißt, einen klaren Gedanken haben sie schon. Jedermann weiß, was sie wollen: Sie sind bezahlte Subjekte und wollen hier Generale werden. Ihre erste Amtshandlung besteht darin, sich den Dienstgrad eines Kommandanten zuzulegen, und es ist noch ein Wunder, daß sie sich nicht gleich zu Generalen ernennen. Sie ernennen sich zu Kommandanten mit allem Drum und Dran und beginnen zu befehlen. Und natürlich warten sie nur darauf, daß sofort das Flugzeug mit den Fallschirmen kommt und sie mit Geschützen, Gewehren, Bazookas und was nicht noch allem ausgerüstet.

Uns hat niemand so etwas gegeben. Wenn wir eine Patrone brauchten, mußten wir sie den Soldaten Batistas wegnehmen, oder wir mußten aufsammeln, was sie unterwegs wegwarfen. Das waren die einzigen Fallschirme, die zu uns kamen. Wir haben in all den siebzehn Monaten nicht eine Patrone aus dem Ausland erhalten. Stellt euch das vor: siebzehn Monate!

Diese Leute haben aber nur im Kopf, was sie selbst wollen, sie haben für sich selbst die ehrgeizigsten Pläne, doch von den sozialen Problemen haben sie keine Ahnung. Sie machen es sich sehr einfach und meinen, alles sei eine Frage der ökonomischen Kraft und militärischen Macht der Vereinigten Staaten. Jetzt fällt ihnen ein, das zu tun, woran sie früher nie gedacht haben. Keiner von ihnen hat früher daran gedacht, sich zu erheben, keiner. Als ob es keine Möglichkeiten dazu gegeben hätte! Als ob es auf dem Lande nicht genug Unrecht gegeben hätte!

Man hat die Konterrevolutionäre gefragt: Hört einmal her, könnt ihr uns einen Fall nennen, daß einem Bauern das Haus niedergebrannt wurde? "Nein." Wißt ihr von einem ermordeten Bauern? "Nein." Wißt ihr von gefolterten Bauern? "Nein." Hat man irgendwo einen Toten gesehen, der auf der Straße niedergeschossen wurde? "Nein." - Aber früher, als das alles hier geschah, bei all der Willkür, die früher in unserem Lande herrschte, dachten sie gar nicht daran, sich zu erheben. Als noch die Antreiber der amerikanischen Gesellschaften hier waren - von der United Fruit und der Francisco Sugar Company -, als sie noch die Herren des Landes waren und ihre Verwalter Menschen mordeten und schalteten und walteten, wie es ihnen paßte... Aber lassen wir die Verwalter der United Fruit, das ist so eine Sache... Schließlich waren sie nur Angestellte. Denken wir lieber an die Gendarmerie und die Soldaten, deren Willkür keine Grenzen kannte. Vor ihnen war keine Bauernfamilie sicher, keine Frau, kein Mann, niemand. Aber da haben sich diese Herrschaften nicht erhoben, nicht gegen den Raub, nicht gegen das Verbrechen, nicht gegen die Ausbeutung, wenn sie dem Bauern für seine Produkte nur die Hälfte zahlten und hier auf dem Markt das Dreifache nahmen. Nein, damals taten sie es nicht! Und wieso fällt es ihnen heute ein, sich zu erheben? Heute, wo es noch dazu völlig aussichtslos ist? Sie sollen doch nicht glauben, man könne mit Unterstützung der Großgrundbesitzer eine Revolte gegen die Bauern inszenieren, denen jetzt endlich der Boden gehört...

Untersuchen wir doch einmal, was das alles für Leute waren, die der Konterrevolution halfen. Da ist ein Herr, der sich dem Mädchenhandel widmete, da ist irgend so ein Bürgermeister der alten Batista-Partei aus ich weiß nicht welcher Stadt, da sind der Zwischenhändler X und der Großgrundbesitzer Y. Da habt ihr die ganze Gesellschaft der von der Revolution Geschädigten. Und wer steht auf ihrer Seite? Erstens der Batista-Soldat mit dem amerikanischen Stahlhelm, zweitens der Advokat, von dem sich die Revolution wegen unwürdigen Verhaltens trennen mußte, drittens der Abenteurer, der Deserteur, der Trunkenbold, der korrupte Beamte, dem man das Handwerk gelegt hat. Denn es gab Opportunisten, die sich einbildeten, es ginge alles so weiter wie früher, die es nicht eilig genug hatten, eine Uniform anzuziehen, und glaubten, sie könnten weiter Spielhöllen ausbeuten, stehlen und sich von jeder x-beliebigen Gesellschaft ein Gehalt auszahlen lassen. Aber es kam anders, und einige Illusionen brachen zusammen. Deserteure dieser Art fanden sich dann mit Batista-Soldaten und Batista-Anhängern zusammen.

Was uns besonders schmerzt, ist die Schamlosigkeit, mit der diese Pseudorevolutionäre, die sich als Revolutionäre ausgaben, mit den Kriegsverbrechern und Batista-Soldaten gemeinsame Sache machen! Seht, wie sie mit ihnen paktieren und wie sie sich in den Dienst der amerikanischen Botschaft, in den Dienst des Imperialismus, stellen! Ein beschämendes Schauspiel, aber es überrascht uns nicht, weil wir es vorausgesehen haben ...

Nun aber zur Wohnungsreform. Sie hängt mit dem allgemeinen Wohnungsproblem zusammen, zu dessen Lösung wir schon verschiedenes versucht haben. Als erstes bildeten wir das Institut für Spar- und Wohnungsbauwesen, das dazu dienen sollte, mit den Geldeinnahmen der staatlichen Lotterie Wohnungen zu bauen.

Das Hauptprinzip des neuen Gesetzes über die Wohnungsreform besteht darin, die Mieter zu Eigentümern ihrer Wohnungen zu machen. Warum? Ein Mieter zahlt 15, 20 und 25 Jahre Miete für seine Wohnung. Es gibt sogar Familien, die schon 30 Jahre zahlen. Damit haben sie den vielfachen Wert ihrer Wohnung gezahlt und sind trotzdem nicht die Eigentümer.

Es ging ja noch an, wenn eine Familie mit geringerem Einkommen ein Häuschen baute und es vermietete. Schlimm war es aber bei den großen Miethäusern, wo ein Mann Kapital und Bankkredit hatte, diesen Kredit ausnutzte, ein Grundstück kaufte, ein Mietshaus baute und dann die Mieten einkassierte. Und der Mieter bezahlte das Grundstück, den tatsächlichen Wert und die Spekulation, die damit getrieben wurde, den Wert des Gebäudes, die Zinsen, die der Hausbesitzer für seine Bankkredite zahlen mußte. Der Mieter zahlte außerdem die Profite des Mannes, der das Geld flüssiggemacht und investiert hatte. Der Mieter bezahlte alles, und zum Schluß blieb ihm gar nichts. So ging das vor sich, und immer mehr Geld lief in immer weniger Händen zusammen. Denn die Zeit, in der in den Ortschaften im Innern noch Einfamilienhäuser gebaut wurden, gehört in die zwanziger und dreißiger Jahre. Schon von 1940 an konzentrierte sich das Eigentum an Wohnhäusern in immer weniger Händen. Was noch an Familien bleibt, die ein oder zwei Einfamilienhäuser vermieten, stammt aus jener Zeit. In den letzten zwanzig Jahren hat es das nicht mehr gegeben. Kaum jemand hat noch ein Häuschen gebaut, um es zu vermieten, und das ganze Mietgeschäft fiel in die Hände von Gesellschaften oder von Personen, die eine große Zahl von Häusern besaßen. Es heißt zum Beispiel, daß die Familie Sarrá etwa zwölfhundert Häuser besaß. Wir werden es bald ganz genau wissen. Es gibt Wohnhäuser, die 50.000 Pesos an Mieten einbrachten. Welche Meinung hatten wir dazu? Wir sagten uns: Statt Kredite zu geben, statt die Spargelder der Nation zu benutzen, damit ein x-beliebiger Herr ein Wohnhaus bauen und einer Familie auf Lebenszeit Miete abnehmen kann, warum soll da nicht lieber die Regierung diese Mittel benutzen, um Häuser zu bauen, und den Mietern Gelegenheit geben, durch ihre Miete das Haus abzuzahlen und Eigentümer zu werden? Warum eigentlich nicht? Ist das nicht gerecht? Ja, das ist gerecht, und damit lösen wir ein Versprechen ein, das wir gaben, als wir erklärten, eines der Ziele der Revolution sei die Herabsetzung der Mieten um fünfzig Prozent, ein großes Wohnungsbauprogramm und die Überführung der Wohnungen in das Eigentum der Mieter.

Wir sprachen damals schon von diesem Gesetz. Der Plan dazu wurde schon damals gefaßt. Es war aber eine ganze Reihe von Problemen damit verbunden. Wie sollten wir es anpacken? Auf welcher Grundlage sollte die Zeit der Amortisierung berechnet werden? Ohne eine solche Grundlage zu finden, war es unmöglich, den Mietern die Wohnungen zu übergeben. Sollte man davon ausgehen, wie lange der Mieter in der Wohnung lebte? Nein, denn er konnte gerade in eine zwanzig oder dreißig Jahre alte Wohnung gezogen sein, und man konnte ihm nicht zumuten, nun weitere zwanzig Jahre dafür zu zahlen. Als Grundlage nahmen wir schließlich das Alter des betreffenden Hauses. Man muß annehmen, daß ein 1930 gebautes Haus heute praktisch amortisiert ist. Ein 1958 oder 1955 gebautes Haus ist noch nicht amortisiert, und ein 1950 gebautes Haus ist auch noch nicht völlig amortisiert. Davon gingen wir aus, um die Zeit zu berechnen, in der der Mieter die Wohnung abgezahlt hat.

Das Gesetz wäre natürlich viel schöner gewesen, wenn wir euch heute gesagt hätten: Von heute ab ist jeder Eigentümer seiner Wohnung. Kein Mensch zahlt mehr Miete.

Daß wir es nicht so gemacht haben, liegt einfach daran, daß wir es nicht machen konnten, und dafür gibt es zwei Gründe: erstens die Vielzahl der Familien, die von den Einkünften aus ihren vermieteten Häusern leben. Ein großer Teil dieser Familien wurde nicht von dem Mietgesetz* betroffen, weil die vor 1940 gebauten Häuser niedrigere Mieten einbrachten, die nicht unter dieses Gesetz fielen. Und vor allem gibt es bei den bis 1940 gebauten Häusern eine größere Zahl von Kleineigentümern. Hätten wir den Mieter schon heute von der Mietzahlung befreit, hätten wir damit viele Familien um ihren Lebensunterhalt gebracht. Das ist die eine Seite.

Zweitens hätte die von den Mietzahlungen befreite Bevölkerung über viel mehr Geld verfügt. In einem Augenblick aber, wo der Konsum außerordentlich zugenommen hat und wir erst noch alle Anstrengungen machen müssen, um die Produktion entsprechend zu steigern, wäre eine Inflation die Folge gewesen. Drittens müßte der Staat schon heute zusätzliche finanzielle Lasten auf sich nehmen und denjenigen, die ausschließlich von den Mieten lebten, Renten zahlen. Das sind also schon drei Gründe.

Auf welche Formel sind wir nun gekommen? Die Mindestzahlung beträgt fünf Jahre, und zwar für Häuser, die vor 1940 gebaut wurden. Wurde also ein Haus vor dem 26. Juli 1940 gebaut, müssen die Mieter fünf Jahre lang ihre gegenwärtige Miete weiterzahlen, und dann werden sie Eigentümer ihrer Wohnungen sein...

Die bisherigen Eigentümer werden von der Regierung bezahlt. Sie brauchen sich nicht mehr um die Einziehung der Mieten und ähnliche Dinge zu kümmern. Sie erhalten den vollen Erlös der Abzahlungen.

Lediglich die Grundsteuer wird ihnen abgezogen, also der Betrag, den sie auch gegenwärtig an die Stadt zahlen müssen. Außerdem im ersten Monat eine kleine Gebühr zur Umwandlung des Mietvertrages in einen Kaufvertrag.

Im Gesetz heißt es:

"Der Verkaufspreis wird je nach dem Baujahr des betreffenden Gebäudes festgelegt, und zwar auf folgende Weise: Für in Städten gelegene Gebäude, die vor dem 26. Juli 1940 gebaut wurden, wird als gesetzlicher Preis die Summe der bis zur Verkündung dieses Gesetzes geleisteten monatlichen Zahlungen für einen Zeitraum von fünf Jahren festgelegt." Der Mieter hat also nur noch fünf Jahre lang das zu zahlen, was er heute an Miete zahlt, abzüglich des Betrages für die Gemeindegrundsteuer auf städtische Grundstücke und der Wassergebühr für fünf Jahre. Das heißt, um diesen Betrag wird die monatliche Rate geringer. "Für in Städten gelegene Gebäude, die nach dem genannten Datum, aber vor dem 26. Juli 1950 gebaut wurden, wird als gesetzlicher Preis die Summe der bei Verkündung dieses Gesetzes geltenden Monatsmieten für einen Zeitraum von fünf Jahren zuzüglich der Hälfte der Jahre und Monate, die die arithmetische Differenz zwischen dem Baujahr des Gebäudes und dem 26. Juli 1940 ergibt, festgelegt." Habt ihr das verstanden? Wird ein Mensch daraus schlau, In Wirklichkeit ist das ganz einfach. Ein Haus wurde 1946 gebaut. Dafür zahlt man fünf Jahre und die Hälfte der Differenz zwischen 1940 und 1946. Die Hälfte von sechs sind drei, dazu fünf, das sind acht Jahre... Wir haben also gesehen, daß alle Interessen der Kleineigentümer gewahrt bleiben, aber in erster Linie begünstigt das Gesetz doch die Wohnungsinhaber, die heute Miete zahlen müssen; es begünstigt zweitens die städtischen Geschäftsleute, die Kleinhändler und Kleingewerbetreibenden. Warum? Weil diese Leute jahrelang um gesicherte Geschäftsräume kämpfen mußten und sie nie erhielten. Dieses Gesetz gibt ihnen mehr, denn es gibt ihnen das Recht, nach den dargelegten Bestimmungen Eigentümer ihrer Geschäftsräume zu werden, und ich habe viele Kleinhändler mit höchst zufriedener Miene gesehen, weil das Problem der gesicherten Geschäftsräume für sie endlich gelöst ist. Drittens begünstigt das Gesetz die Leute, die Hypotheken auf ihre Häuser aufnehmen mußten. Warum? Weil sie jetzt keine Zinsen mehr zu zahlen haben, sondern das, was sie als Zinsen zahlen, der Amortisierung des Kapitals dient. Es begünstigt außerdem die Leute, die mit Krediten der Bank für Wohnungsbau gebaut haben. Diese Leute traten oft an mich heran und erklärten, sie hätten überhaupt keine Vergünstigungen durch das Gesetz. Dabei wurden ihnen die Zinsen erlassen, denn was sie heute zahlen, dient der Amortisierung des Kapitals. Das Gesetz begünstigt also diejenigen, die Hypotheken auf ihren Häusern hatten, diejenigen, die auf der Grundlage von Krediten der Bank für Wohnungsbau bauten, die Kleinhändler, die kleinen Industriellen, alle Geschäftsleute überhaupt und alle Mieter der Republik. Es gibt wenig Gesetze, die auf einen Schlag so viele Menschen begünstigen. Das sind also die Personen, denen das Gesetz nützt. Und die einzigen, die durch das Gesetz keine Vergünstigung erhalten, das sind die Mitglieder des Ministerrats. Denen wird man nachher wohl ein Haus leihweise überlassen müssen oder so etwas ähnliches, Außerdem legt dieses Gesetz ein Prinzip fest, das Prinzip des Rechts jeder Familie auf eine Wohnung. Ein neues Recht, das gut in die Deklaration von Havanna gepaßt hätte, ein weiteres Recht, das die Revolution garantiert und in diesem Gesetz niedergelegt hat. In der letzten Begründung zum Gesetz heißt es: "Weil die kubanische Revolution das Recht auf eine Wohnung als ein unabdingbares und unveräußerliches Recht jedes Menschen betrachtet... ." Dieses Gesetz enthält etwas sehr Wichtiges, denn es ist ein Gesetz, das erste dieser Art in der ganzen Welt, das schon heute für die Gegenwart und Zukunft das Wohnungsproblem von drei Gesichtspunkten und in drei Etappen betrachtet.

Im Gesetz heißt es: "Jede Familie hat das Recht auf eine anständige Wohnung." Da wir aber kein Gesetz erlassen können, ohne daranzugehen, es in die Wirklichkeit umzusetzen, mußten wir uns sofort Gedanken machen, wie es zu verwirklichen ist. Der Staat wird dieses Gesetz in drei Etappen wirksam werden lassen: die gegenwärtige Etappe, die unmittelbare und die weitere Zukunft.

Welche Etappe entspricht dem gegenwärtigen Augenblick? Die Etappe, in der alle Mieter durch das gegenwärtige Gesetz zu Eigentümern ihrer Wohnungen werden. Später können sie die Wohnungen tauschen, sie können sie auch verkaufen, obwohl ich nicht recht weiß, wie sie das anstellen wollen, wenn jeder seine Wohnung hat... Es wird nicht so einfach sein, aber immerhin können sie es tun, wenn sie wollen.

Das heißt also, der Staat schafft die Voraussetzungen für die Amortisierung der Wohnungen. Sie werden mit den Mieten amortisiert, die jeder Wohnungsinhaber in ihrer gegenwärtigen Höhe weiterzahlt, und zwar in einem Zeitraum von nicht weniger als fünf und nicht mehr als zwanzig Jahren, je nach dem Alter des Gebäudes.

Die unmittelbare Zukunft: Von den Raten, die jede Familie für die Amortisierung ihrer Wohnung einzahlt, erhält der ehemalige Hausbesitzer eine Entschädigung, die 600 Pesos im Monat nicht überschreiten darf. Die Differenz und weitere Einnahmen, die sich aus diesem Gesetz ergeben, bringen dem Staat alljährlich Millionen Pesos. Was wird er mit diesem Geld machen? Damit kommen wir schon auf die zukünftige Politik. Einerseits werden vom Institut für Spar- und Wohnungsbauwesen Wohnungen gebaut, die in den Besitz jener Familien übergehen, die sie zu ihrem vollen Wert bezahlen. Das sind aber immer noch Wohnungen, die amortisiert werden müssen. Sie kosten, wenn man die Preise für das Baumaterial und die Löhne in Betracht zieht, fünf-, sechs- oder siebentausend Pesos. Selbst wenn keine Zinsen berechnet werden, muß so eine Wohnung mit 25, 40 oder mehr Pesos im Monat abgezahlt werden. Das kann für manchen zuviel werden. Deshalb wollen wir andererseits mit den Einnahmen, die aus diesem Gesetz erwachsen, die Häuser der zweiten Etappe bauen. In dieser Etappe handelt es sich nicht um Wohnungen, die abgezahlt werden, sondern um Wohnungen, für die eine Miete entrichtet wird, die zehn Prozent vom Einkommen beträgt. Das heißt, eine Familie mit einem Einkommen von 90 Pesos erhält eine Zwei- oder Dreizimmerwohnung für 9 Pesos. Die Familie wird nicht Eigentümer dieser Wohnung, denn um Eigentümer zu werden, müßte sie je nach dem Wert der Wohnung 25, 40 oder 45 Pesos zahlen. Wer 250 Pesos verdient, hat für die Wohnung, die er für sich und seine Familie braucht, 25 Pesos zu zahlen. Wer eine kleine Familie hat, erhält eine kleine Wohnung, wer eine große Familie hat, erhält je nach Bedarf auch eine Dreizimmerwohnung, auch wenn er nur 9 Pesos Miete zahlt.

Das heißt, mit dem Geld, das der Staat einnimmt, werden staatliche Wohnungen gebaut, für die ein niedriger Mietpreis erhoben wird. Das ist die zweite Etappe. Es gibt dann also Familien, die ihre Wohnung abzahlen, und andere, die zehn Prozent ihres Einkommens als Miete entrichten. Das ist der Übergang zur dritten Etappe, der weiteren Zukunft: Der Staat baut mit eigenen Mitteln Wohnungen, die den Familien kostenlos zur ständigen Nutzung übergeben werden.

Was heißt das? Das heißt, in der Zukunft, wenn die Produktion des Landes einen hohen Entwicklungsgrad erreicht hat, wenn der Staat über ausreichende Mittel verfügt, wird das Recht auf unentgeltliche Wohnungen garantiert. Wann wird das sein? In zehn oder fünfzehn Jahren. In fünfzehn Jahren wird es so weit sein, daß jeder seine Wohnung bezahlt haben und ihr Eigentümer sein wird.

Ein Teil der Bevölkerung hat bis dahin zehn Prozent seines Einkommens an Miete gezahlt. Von dem Augenblick an wird die Zahlung der Mieten für die Wohnungen der zweiten Etappe abgeschafft, und für die neuen Häuser wird keine Miete mehr genommen. Die anderen, die heute ihre Wohnungen abzahlen, werden dann auch Eigentümer sein, weil alles abgezahlt sein wird. Die Städte werden aber weiter wachsen. Wir haben die Dinge mit revolutionärem Weitblick betrachtet. Von einer Etappe gehen wir zur nächsten über, von der ersten zur zweiten und dann zur dritten. Obwohl die letzte Etappe noch weit in der Zukunft zu liegen scheint, verwirklichen wir sie heute schon auf dem Lande. In den Genossenschaften zahlen die Bauern ihre Häuser ab, das heißt, sie bezahlen sie vom Gewinn der Genossenschaft. Nun hat aber das Institut für Bodenreform Mustergüter mit einem außerordentlich hohen Stand der Technik entwickelt, und die dazugehörigen Dörfer werden vom Staat gebaut. Wer dort arbeitet, erhält den gesetzlich festgelegten Lohn, aber außerdem erhält er unentgeltlich Wohnung und elektrischen Strom. Was also in der Stadt in fünfzehn Jahren Wirklichkeit sein wird, wird auf den Mustergütern des Instituts für Bodenreform, den am höchsten entwickelten Gütern des Instituts im Innern des Landes, schon heute praktiziert.

Warum ist es richtig, das auf dem Lande schon heute zu tun? Weil auf dem Lande weniger verdient wird als in der Stadt. Wenn diese Güter rentabel arbeiten, ist der Staat durchaus in der Lage, den Familien die Wohnung kostenlos zu überlassen. Es gibt bessere Beispiele, aber nehmen wir einmal Rosario, eines dieser Güter. Dort wurden Häuschen mit Dreizimmerwohnungen gebaut. Das Dorf ist fast fertig, und es wird sich lohnen, ein bißchen später, so im November oder Dezember, einmal hinzufahren. Jedes Haus erhält ein Zimmer für Gäste. Und außerdem können die Familien den Wochenendgästen auch noch eines ihrer Zimmer vermieten und sich etwas dazuverdienen.

Jedenfalls garantiert das Gesetz schon heute jedem seine Wohnung. In fünfzehn Jahren, wenn unsere Wirtschaft einen hohen Entwicklungsgrad erreicht haben wird, kann dann die Nation aus eigenen Mitteln jeder Familie eine unentgeltliche Wohnung sichern. Diese Prinzipien finden im Artikel 1 des Gesetzes ihren Ausdruck: die gegenwärtige Etappe, die unmittelbare Zukunft und die weitere Zukunft. In fünfzehn Jahren wird also kein Mensch mehr Miete zahlen, weder für neue noch für alte Wohnungen ...

Nun zur Frage der Verstaatlichung. Da sind zwei grundlegende Dinge zu beachten: einmal die zukünftige Linie der Revolution, damit jeder weiß, woran er sich zu halten hat, und zweitens das Programm, das die Revolution bis heute erfüllt hat. Ich glaube, die beiden letzten Tage waren historische Tage. Wir haben das Programm von Moncada erfüllt, das Dokument, das Richtschnur für die Revolutionäre Regierung war und das auch in diesem Augenblick Richtschnur für die Revolutionäre Regierung ist.

Um es ganz klar und offen zu sagen, ist das Problem der ersten zwanzig Monate der Revolutionären Regierung folgendes: Wir haben einige Fehler begangen. Warum? Wollten wir sie begehen? Nein. Konnten wir sie vermeiden? Ich sage euch, nein, wir konnten sie nicht vermeiden.

Auf die Regierung stürmten zu viele Probleme ein. Eine Revolution ist ein äußerst komplizierter Prozeß, vor allem wenn sich diese Revolution in der "Nachbarschaft eines so mächtigen imperialistischen Staates vollzieht, wie es die Vereinigten Staaten, neunzig Meilen von unseren Küsten entfernt, sind.

Inmitten dieses Kampfes, angesichts der ständigen Sabotageakte, mußten wir unter äußerst schwierigen Umständen, bei völlig erschöpften Reserven aus dem Nichts ein Land aufbauen, mußten wir ein schwachentwickeltes Land entwickeln, die unzähligen Bedürfnisse unseres Volkes befriedigen und weiter vorwärtsschreiten, das alles mit neuen, oft unerfahrenen Menschen, mit Menschen, die wir selbst erst in diesem Prozeß heranbilden mußten.

Es war also unvermeidlich, daß wir Fehler begingen. Wer über irgendeinen Fehler der Revolution in Wut gerät, muß erst einmal verstehen, daß wir diese Fehler nicht vermeiden konnten, daß es einfach nicht menschenmöglich war, sie zu vermeiden, obwohl wir uns nach Kräften bemüht haben. Es ist uns nicht ganz gelungen. Niemand kann uns vorwerfen, daß wir nicht gearbeitet, daß wir uns nicht bemüht haben. In dem Übermaß an Arbeit, zu dem uns die ersten Monate, die ersten zwanzig Monate der Revolutionären Regierung zwangen, haben sogar viele von uns ihre Gesundheit geopfert.

Diese Fehler waren also unvermeidlich, aber immerhin, wir haben sie begangen. Es war notwendig, einer Reihe von Funktionären der verschiedenen Verwaltungen Vollmachten zu geben, um die Bodenreform durchzusetzen, um dafür zu sorgen, daß ihre Bestimmungen nicht umgangen wurden. Es war notwendig, in einer ganzen Anzahl von Fällen Boden und Eigentum unter staatliche Treuhandschaft zu nehmen. Es kam so weit, daß fast alle staatlichen Stellen begannen, Treuhänder einzusetzen. Das Ministerium für Arbeit nahm Betriebe unter Treuhandschaft, um Arbeitskonflikte zu lösen; das Institut für Bodenreform setzte Treuhänder ein; die Vorsitzenden der dreißig Entwicklungszonen des Instituts für Bodenreform setzten Treuhänder ein; die Abteilung für Volksläden setzte Treuhänder ein, desgleichen die Abteilung für Wohnungsbau, das Handelsministerium, das Ministerium für Verkehrswesen. Es kam so weit, daß sich alle staatlichen Stellen befugt fühlten, Treuhänder einzusetzen. Obwohl in vielen Fällen die Übernahme in Treuhandverwaltung berechtigt war, gab es doch genügend Fälle, wo sie nicht berechtigt war. Da kam es vor, daß Fischereibetriebe mit zwei oder drei Booten, ein Lastwagen oder ein Traktor unter Treuhandverwaltung genommen wurden. Es ist eine Sache, einem amerikanischen ‚Großgrundbesitzer oder einem landwirtschaftlichen Großbetrieb fünfzig Traktoren abzunehmen, aber etwas ganz anderes ist es, einem beliebigen Mann einen Traktor abzunehmen, weil ihn der Leiter der Entwicklungszone oder der Vorsitzende einer Genossenschaft gerade braucht.

So kam es zu unberechtigten Eingriffen des Staates, zu politisch falschen Maßnahmen, die nicht gegen die großen Besitzer, nicht gegen die Grundherren gerichtet waren, sondern gegen Kleineigentümer, einfache Menschen. Und so kam es zu Ungerechtigkeiten. Ja, Ungerechtigkeiten, Fehler, die wir nicht verhindern konnten, aber wir müssen ehrlich genug sein, sie zuzugeben.

Wir kämpften dagegen, aber es war nicht leicht. Warum? Weil wir auf der einen Seite gegen den Mißbrauch staatlicher Eingriffe kämpften, auf der anderen aber mancherorts solche Eingriffe notwendig waren, weil die Produktion sabotiert wurde, weil die Unternehmer eine reaktionäre Tätigkeit entwickelten. Ich möchte ein Beispiel anführen: Das Ministerium für Landwirtschaft, das für die Schädlingsbekämpfung auf den großen Saatflächen mit Hilfe von Flugzeugen verantwortlich ist, fragte bei uns an, ob es zweckmäßig wäre, die privaten Flugzeuge unter Treuhandschaft zu nehmen. Wir antworteten: Nein. Wir werden uns bemühen, die Flugzeuge, die wir brauchen, zu kaufen, oder eine andere Lösung finden, also nehmt sie nicht in Treuhandschaft. So wurde es beschlossen, und so werden wir es machen. Aber inzwischen waren die Besitzer von vier dieser Flugzeuge und einige Piloten mit ihren Maschinen nach Miami verschwunden. Es ist also nicht so einfach zwischen einer festzulegenden Linie und den Störungsmanövern der Saboteure und Konterrevolutionäre immer richtig zu entscheiden. Trotzdem werden wir bei unserem Beschluß bleiben und nicht davon abgehen. Die Flugzeuge? Wir werden zu einer Verständigung mit ihren Besitzern gelangen und sie nicht in Treuhandschaft übernehmen.

Manchmal sind schnelle Entscheidungen notwendig. Nun haben wir uns aber eine politische Linie erarbeitet, denn mit den gegenwärtigen drei Gesetzen schließen wir eine Etappe der Revolution ab. Wir schließen die Etappe ab, die vielleicht die entscheidende und grundlegende Etappe der Revolution war, und beginnen - und das ist sehr wichtig - mit einer neuen Etappe der Revolution.

In der ersten Etappe waren drastische Maßnahmen notwendig. Dabei ist es in vielen Fällen zur Überschreitung von Kompetenzen gekommen. Diese Überschreitung von Kompetenzen führte zu Ungerechtigkeiten und Fehlern. Nun müssen wir beginnen, diese Fehler zu berichtigen.

Ihr werdet zum Beispiel erkennen, daß das Gesetz über die Wohnungsreform in seinen Einzelheiten viel besser durchdacht ist. Die Interessen der Kleineigentümer wurden berücksichtigt, was im Gesetz über die Bodenreform nicht der Fall war, denn es gab auch viele Fälle von kleinen Grundeigentümern, die aus ihrem Land ein kleines Einkommen bezogen. Wir werden jetzt damit anfangen, diesen Fehler zu berichtigen und werden jedes halbe Jahr eine halbe Million bereitstellen, um den kleineren und weniger vermögenden Eigentümern, die während der Bodenreform enteignet wurden, die erhaltenen Staatsschuldscheine in bar einzulösen.

Das ist der Beginn einer Berichtigung, die nur recht und billig ist. Warum? Weil wir die Macht haben, weil das Volk die revolutionäre Macht ist, weil das Volk stark ist. Und wenn die revolutionäre Macht einen Fehler begeht, muß jeder, der ein Opfer eines solchen Fehlers wurde, mit seinen Sorgen zu ihr kommen können. Darum muß die revolutionäre Macht gerecht sein, und wenn sie einen Fehler begeht, muß sie ihn berichtigen. Denn sie ist die Stelle, von der das Volk immer das Gerechte erwarten soll, und unter Gerechtigkeit verstehen wir die Sorge um den einfachen Menschen aus dem Volk.

Unter Gerechtigkeit verstehen wir niemals die Beschwerden eines Spekulanten, der das Volk ausplündert, eines ausländischen Monopols. Stets aber werden wir den Beschwerden der einfachen Menschen nachgehen, die von der revolutionären Macht immer Gerechtigkeit erwarten. Es gibt Fälle, vielleicht nicht allzu viele, aber es gibt sie, wo Menschen mit bescheidenem Vermögen von revolutionären Maßnahmen betroffen wurden. Wir werden auch diese Ungerechtigkeit berichtigen. Es wird eine Beschwerde- und Entschädigungsstelle eingerichtet für die Personen, die einen Lastwagen, einen Traktor oder eine kleine Parzelle verloren haben. Das heißt, wir werden sie in gewissen Grenzen in bar entschädigen. Wir werden diese Stelle einrichten, damit jeder, der durch eine möglicherweise falsche oder übertriebene Maßnahme in seinen Interessen geschädigt wurde, Beschwerde einlegen kann.

Weiterhin erklären wir hier, daß die Revolution ihre erste Etappe erfüllt hat, daß sie in eine neue Etappe eintritt und daß die Methoden der ersten Etappe notwendigerweise andere sein mußten als die der zweiten. Die Methoden der ersten Etappe mußten drastisch sein. Bei den ausländischen Monopolen war Nachgiebigkeit fehl am Platze. Mit dem Großgrundbesitz und den großen Privilegien durfte es keine Nachsicht geben. Es war einfach notwendig, die großen Latifundien und die großen Privilegien zu liquidieren. Wir mußten die ökonomische Macht einer Minderheit liquidieren, die das Land ökonomisch und politisch beherrschte und die ökonomische und politische Macht in ihren Händen mißbrauchte und zur Ausbeutung anderer verwendete.

Die ökonomische und politische Macht der großen Privilegien in Kuba wurde vernichtet. Das heißt, die privilegierte Minderheit wurde bei uns als politische und ökonomische Macht liquidiert, und es blieb das Volk. Das Wort Volk hat für uns eine weitumfassende Bedeutung. Und je mehr man in die einfachen Schichten des Volkes vordringt, um so mehr Menschen gehören dazu.

Es gibt manche Tätigkeit, die antisozial ist und dennoch von Menschen ausgeübt wird, die nicht zur privilegierten Minderheit gehören, sondern innerhalb der gegebenen Gesellschaftsordnung diese Funktion ausübten, Sie bilden den eine große Zahl, die man berücksichtigen muß.

Wir sind der Auffassung, daß die Mieten abgeschafft werden müssen, aber wir berücksichtigen trotzdem die Interessen all jener Familien, die von kleinen Mieteinnahmen leben müssen. Es ist unsere Pflicht, dem Rechnung zu tragen, sie in gerechter und befriedigender Form zu entschädigen.

In der neuen Etappe der Revolution verschwinden die drastischen ökonomischen und sozialen Methoden. Warum? Weil die größte Macht, die wirtschaftlich wichtigste Macht, diejenigen, die die Wirtschaft unseres Landes kontrollierten, durch die Maßnahmen der Revolution außer Gefecht gesetzt wurden. Es bleibt das Volk. Es bleiben die vielfältigsten Interessen. In der zweiten Etappe der Revolution werden die wirtschaftlichen und und sozialen Maßnahmen nicht drastisch sein. Wenn wir uns gezwungen sehen, drastische Maßnahmen zu ergreifen, dann nur, weil es revolutionäre Gründe dafür gibt weil wir die Revolution verteidigen müssen gegen die Verschwörer, gegen diejenigen, die sich mit dem Imperialismus verbünden, gegen diejenige, die mit den Feinden des Vaterlandes gemeinsame Sache machen, keinesfalls aber aus wirtschaftlichen oder sozialen Gründen. Und deshalb möchten wir hier im Namen der Revolutionären Regierung erklären, daß die erste Etappe der Revolution erfüllt wurde und daß die Revolution in eine zweite Etappe eintritt, deren Methoden der ökonomischen und gesellschaftlichen Umgestaltung andere sein werden. Es wird keine drastischen Methoden mehr geben. Man wird keine Interessen mehr einfach ausschalten. Wenn Ökonomische oder soziale Maßnahmen notwendig werden, die gewisse Interessen schädigen wird die Revolution dies berücksichtigen, wird man mit dem betreffenden Personenkreis sprechen und wird stets eine gerechte Lösung suchen, die jeden der aus irgendwelchen Gründen davon betroffen wird, befriedigt.

Die Revolution hat große Aufgaben vor sich. Sie hat die Aufgabe das Land zu industrialisieren, das Programm der Bodenreform weiterzuführen Vor ihr steht die Entwicklung des Bildungswesens, die wirtschaftliche ad soziale Entwicklung. Wir haben die Mittel und Möglichkeiten dazu, die finanziellen Kräfte und Möglichkeiten liegen in unserer Hand. Alles liegt in der Hand der Revolution, der natürliche Reichtum des Landes, die Grundindustrie, der Außenhandel, das Verkehrswesen, die öffentlichen Versorgungseinrichtungen. Die Revolution verfügt über alle Möglichkeiten, um rasch und mit gutem Erfolg ihr ökonomisches und soziales Programm durchzusetzen, und sie kann deshalb den mittleren Schichten und den Kleineigentümern des Landes alle ihre Interessen garantieren.

Da ist zum Beispiel die Eigentümerin eines Frisiersalons, die gestern, als das Gesetz erlassen wurde, in größter Sorge war und glaubte, man werde ihr das Geschäft nehmen, werde es verstaatlichen. Ähnlich machen sich viele Kleinhändler Sorgen, ob man den städtischen Kleinhandel abschaffen und auch in der Stadt Volksläden einrichten wird, ob die Revolution die kleinen Produktionsbetriebe, die kleinen Geschäfte liquidieren wird. Für die Revolution besteht gar nicht die Notwendigkeit, diese Geschäfte zu liquidieren. Wir meinen vielmehr, daß das Land in diesem Augenblick die Anstrengungen aller braucht, aller Kleinhändler, aller kleinen Industriellen, aller Klein- und Mittelbauern, und daß sie und wir alle Hebel in Bewegung setzen müssen, damit jedermann seine Kräfte für die Erfüllung unseres großen Programms des wirtschaftlichen und sozialen Fortschritts einsetzt. Um es in ein paar Worten zu sagen: Die Inhaberin des Frisiersalons, die gestern noch befürchtete, man könnte ihren Salon verstaatlichen, wird heute durch das Gesetz über die Wohnungsreform doppelt begünstigt. Das Gesetz garantiert ihr das Recht auf ihren Geschäftsraum, für den sie wahrscheinlich Miete zahlt, es begünstigt sie vielleicht auch hinsichtlich ihrer Wohnung, und außerdem gibt es ihr die Sicherheit, daß sie um ihren Frisiersalon nicht zu bangen braucht.

Die Politik der Übernahme in Treuhandverwaltung wird sich verändern. Diese Maßnahme wird nur noch in Ausnahmefällen Anwendung finden, und auch dann nur, wenn sie von der Plankommission bestätigt wird. Die Praxis, daß zahlreiche Staatsfunktionäre ohne vorherige Konsultation solche Maßnahmen beschließen konnten, gehört der Vergangenheit an. Die Befugnis dazu wird zentralisiert, und in jedem Fall muß die Plankommission konsultiert werden. Vor allem aber: Es wird sich bei der Übernahme in Treuhandverwaltung immer um Ausnahmefälle handeln.

Dabei müssen alle helfen, das Volk, alle Werktätigen. Wann immer es zu einem Konflikt kommt, werden wir uns bemühen, eine Lösung zu finden, ohne Treuhänder einzusetzen. Dazu muß das ganze Land beitragen, ausnahmslos, die Bauern, Arbeiter, Kleinindustriellen, Kleinhändler, alle. Das ist die weiseste, klügste, patriotischste und revolutionärste Politik, die wir in diesem Augenblick verfolgen können. Das ist es, was dem Lande nützt und was das Land tun muß.

Die Revolutionäre Regierung übernimmt die Garantie für die Methoden der neuen Etappe der Revolution. Sie garantiert dafür, daß die staatlichen Eingriffe aufhören und nur in Ausnahmefällen, wenn alle anderen Möglichkeiten erschöpft sind, angewendet werden. Sie garantiert dafür, daß jegliche Interessen, die durch eine Maßnahme der Revolution verletzt werden müssen, eine volle und zufriedenstellende Entschädigung erfahren werden; sie garantiert dafür, daß die Revolution in ihrem Vormarsch und in ihrer Macht so weit ist, daß drastische Mittel gegen die Interessen der mittleren und kleinen Schichten unseres Landes weder notwendig noch sinnvoll sind.

Den städtischen Privathändlern möchte ich sagen, daß wir nicht beabsichtigen, in der Stadt Volksläden einzurichten. Die Volksläden entstanden zuerst in den Bergen, wo eine geradezu unglaubliche Ausbeutung herrschte. Die Kleinhändler wurden von den Großhändlern ausgebeutet, die ihnen die Waren teuer verkauften und hohe Zinsen abnahmen. Die Kleinhändler kauften also die Waren teuer und verkauften sie noch teurer. Die Volksläden wurden in den Bergen als eine Maßnahme zum Schutz der Käufer geschaffen. Später wurde es notwendig, sie auf andere ländliche Gebiete auszudehnen, weil die Privathändler angesichts der ersten Volksläden ihre Geschäfte im Stich ließen. So wurde es notwendig, die Warenverteilung in allen ländlichen Gebieten in die Hand zu nehmen. Wir haben aber immer wieder darauf hingewiesen, daß diese Läden nicht auf die Stadt ausgedehnt werden dürfen. Warum? Weil es in unseren Städten sehr viele Händler gibt. In einem schwachentwickelten Land wie dem unsrigen gibt es eine Vielzahl von Kleinhändlern, weil jeder, der keine Arbeit hat oder keine Arbeit findet, nach irgend etwas sucht, womit er sein Leben fristen kann, selbst wenn es nur ein Verkaufsstand für Pommes frites oder Obst ist, ein kleiner Laden oder etwas Ähnliches. Und es gibt Dörfer an der Landstraße, wo alle Kleinhandel betreiben und sich gegenseitig etwas verkaufen. Das ist eine große Schicht unseres Volkes, die wir berücksichtigen müssen.

Die Einführung der Volksläden in der Stadt wäre nicht nur eine unnötige Maßnahme, sondern würde Arbeitslosigkeit herbeiführen, soziale Unsicherheit schaffen und zahlreiche städtische Kleinhändler um ihre Einkünfte bringen. Es wäre also eine unnötige Maßnahme. Eine solche Maßnahme durchführen hieße nur, der Revolution Hindernisse schaffen.

Die Revolution kontrolliert den Außenhandel, sowohl den Export als auch den Import, sie kontrolliert den Großhandel und die Banken. Die Revolution hat gar kein Interesse daran, den Verteilungsapparat in der Stadt in die Hand zu nehmen, solange er sich an gerechte und vernünftige Preise hält. Die kleinen Geschäftsleute und Kleinhändler können zum Fortschritt der Revolution beitragen, und die Revolution kann vielen von ihnen helfen, ihre Probleme zu lösen.

Wir haben gar kein Interesse an Volksläden in der Stadt. Die Volksläden bringen der Regierung so gut wie nichts ein, weil sie sehr billig verkaufen, und das ist auf dem Lande nur recht und billig, weil dort die Löhne niedriger sind, sehr viel niedriger als in der Stadt. Und all diese Maßnahmen, die wir auf dem Lande durchführten, waren nur dazu bestimmt, die Lebensbedingungen der ländlichen Bevölkerung zu verbessern.

Amerikanische Handelsgesellschaften wie "Minimax" und einige andere Unternehmen, die von der Regierung nationalisiert wurden, sind nicht in Volksläden umgewandelt worden. Sie arbeiteten weiter wie normale Ladengeschäfte und verkauften zu alten Preisen. Viele dieser Geschäfte verkauften in Stadtvierteln mit hohem Lebensstandard; es bestand also keine Veranlassung, die Preise zu senken, die Preise wurden beibehalten. Wir haben nur versucht, die Qualität der Waren zu erhöhen, ein reiches Warensortiment anzubieten, aber die Preise bleiben so, daß sie den Kleinhandel in der Stadt nicht ruinieren. Das ist unsere Politik.

Es sind auch eine Reihe Warenhäuser verstaatlicht worden. Wie wird sich die Regierung in dieser Frage verhalten? Wird sie die Preise senken und dadurch alle anderen Läden ruinieren? Nein, die Preise werden bleiben wie bisher, sie werden der Regierung Einnahmen für die Pläne zur wirtschaftlichen und sozialen Entwicklung der Revolution bringen. Es wäre ein Fehler, all die vielen Kleinhändler zu ruinieren, und gleichzeitig würden wir auch, vielleicht zugunsten begüterter Kreise, auf Einnahmen verzichten, die wir für den Bau von Betrieben, Wohnungen und Schulen benutzen können. Das ist also eine Politik, die leicht zu verstehen ist, und ich nehme an, sie wird auch verstanden werden.

Was wollen wir mit den Warenhäusern machen, zum Beispiel u "El Encanto"? Wollen wir die Preise senken? Nein. Wer in "El Encanto mit seinem Firmenzeichen und mit seinen Preisen kaufen will, wer auf das Firmenzeichen "El Encanto" Wert legt, der soll dafür bezahlen, und so bleibt die Qualität erhalten und die gute Bedienung und alles, was die Kunden, die "El Encanto" bevorzugen, dort zu finden gewohnt waren. "El Encanto wird von der Regierung verwaltet werden und wird seinen alten Charakter beibehalten. Und die netten und zuvorkommenden Verkäuferinnen von "El Encanto" und "Fin de Siglo" werden auch weiterhin die Kundschaft gut bedienen.

Das ist unsere Politik in der Stadt. Jedes verstaatlichte Geschäft, jede Verkaufsstelle, die geschaffen wird, um neue Bedürfnisse zu befriedigen, wird nach diesen Grundsätzen verwaltet werden und wird zu Preisen verkaufen, die den städtischen Kleinhandel nicht ruinieren.

Der städtische Kleinhandel kann die Revolution unterstützen, indem er die Spekulationen jener bekämpft, die Waren horten, um die Preise hochzutreiben, indem er sich an angemessene Gewinne hält, die es ihm ermöglichen, sein Geschäft weiterzuführen. Wir hingegen können mehr tun. So haben zum Beispiel früher die Warenhäuser den Kleinhandel ruiniert. Wir haben die Warenhäuser verstaatlicht und werden niemand ruinieren.

Die Banken haben vielen kleinen Geschäftsleuten den Kredit gesperrt, und dann standen sie ohne Kredite und oft auch ohne Waren da, oder sie mußten die Waren teuer bezahlen ..... Heute verwaltet die Regierung die Banken, und die Regierung vergibt die Kredite im Interesse des Landes. Sie wird der kleinen Industrie, dem Kleinhandel und den bäuerlichen Wirtschaften Kredite geben. Das heißt, wir werden eine Dreiteilung vornehmen: eine Außenhandelsbank, eine Bank für landwirtschaftliche Kredite und eine für Industrie und Handel, und niemand hat es mehr nötig, sich nach einflußreichen Beziehungen umzusehen oder Wucherzinsen zu zahlen. Die Revolutionäre Regierung ist bereit, durch ihre Banken der kleinen Industrie und dem Kleinhandel Kredite zu gewähren, sie ist bereit, sie mit Waren zu versorgen und ihnen aus ihren Schwierigkeiten zu helfen, weil die Revolutionäre Regierung kein Interesse und keinen Grund hat, diesen Sektor zu liquidieren. Die Revolution hat große Aufgaben, und zur Erfüllung dieser Aufgaben können wir alle, die hiergeblieben sind — hört gut zu: alle, die hiergeblieben sind -, zur Mitarbeit auffordern.

Wer bis heute sein Geschäft, seinen Betrieb, sein Gewerbe behalten hat, kann weiterarbeiten und soll weiterarbeiten. Wir sagen hier mit aller Deutlichkeit, und die Tatsachen werden die Richtigkeit unserer Worte beweisen: Wer heute hierbleibt, hat die große Chance, sich der Revolution anzuschließen. Die Macht liegt in den Händen des Volkes, der werktätigen Schichten des Volkes. Die Macht liegt in den Händen der Bauernmassen, der Arbeiter, aller Werktätigen, und sie liegt fest in ihren Händen. Aber das werktätige Volk wird diese Macht nicht willkürlich ausüben, es wird sie nicht dazu benutzen, andere Schichten zu vernichten, sondern es ruft diese Schichten, deren Interessen keineswegs das große Programm der Revolution hemmen, sich den Bemühungen des Volkes anzuschließen, und das werktätige Volk wird seinerseits diesen Schichten aus den Schwierigkeiten helfen, in die sie durch die großen Ausbeuter, die Großhändler, die großen Geldverleiher, die großen Wucherer geraten sind.

Wenn sie die Lage genau analysieren, werden sie feststellen, daß wir auch sie befreit haben. Wir haben ihnen das Recht auf Geschäftsräume gegeben, mehr noch, das Recht, Eigentümer dieser Räume zu werden. Wir können ihnen Kredite geben, ihnen ihre Geschäfte erleichtern. Und sie können mit der Revolution zusammenarbeiten, können auch ihre Anstrengungen der Revolution zuführen.

Ich glaube, diese Worte sind klar und verständlich, und in ihnen drückt sich die zukünftige Politik der Revolutionären Regierung aus. Möge niemand mehr an Ammenmärchen glauben, bilde sich niemand ein, die Vergangenheit kehrt wieder - die Revolution kann niemand mehr zurückwerfen ...

Der Kleinhändler hat keinen Grund, sich mit dem Großhändler, mit dem Wucherer, mit dem Geldverleiher, der ihn ausbeutete, zu solidarisieren. Der kleine Industrielle hat keinen Grund, sich mit seinen Ausbeutern zu solidarisieren. Er braucht keine Angst zu haben, und wenn er Angst hat - wir haben klar gesprochen, haben gesagt, welche Politik die Revolution verfolgen wird, wir haben ihn zur Mitarbeit aufgefordert und wir haben ihm erklärt, warum. Nicht, weil wir es sagen, sondern weil die Gründe, die uns dazu bewogen, klar sind. Wir wollen das Recht auf Sicherheit für alle Bürger unseres Landes, für alle, die nicht der Revolution den Rücken gekehrt haben.

Das Recht auf Sicherheit bedeutet, daß ihre Interessen gesichert sind und sie ihnen weiter nachgehen können. Sollte es notwendig werden, sie in ihren Interessen irgendwie zu schädigen, so werden sie volle und zufriedenstellende Entschädigung erhalten, ohne drastische Methoden, denn die drastischen Methoden waren die Methoden, die die Revolution gegen die großen Interessen anwandte. Wir sagen ihnen ehrlich, daß dies eine große Gelegenheit ist, eine klare Scheidungslinie zu ziehen; auf der einen Seite die großen Privilegien, die großen Interessen, auf der anderen das übrige Volk; auf der einen Seite alle, die mit den Feinden des Vaterlandes gemeinsame Sache machen, die gegen das Vaterland konspirieren, auf der anderen Seite all jene, die ihrem Vaterland dienen wollen.

Das ist das Wichtigste, was wir heute hier zu sagen hatten. Das ist die Politik, an die sich all jene, die Furcht hegen, halten können. Das ist die Politik, an die sich das Volk halten muß. Jedermann weiß, daß wir immer offen gesprochen haben ... Ich glaube, wer so offen wie wir spricht, braucht keine Beteuerungen abzugeben, damit man ihm glaubt. Außerdem haben wir stets gehalten, was wir versprochen haben.

Niemand soll glauben, daß durch die revolutionären Gesetze die Welt zusammengebrochen ist. Ein paar Machtpositionen sind zusammengebrochen. Hier gibt es zum Beispiel eine Familie - ich will ihren Namen nicht nennen, um nicht den Anschein zu erwecken, daß wir persönlichen Streit suchen. Sie hatte sieben Zuckerzentralen, eine Bank, 8.000 Caballerias Land, Eisenbahnen, einen Hafen und große Viehherden. Andere besaßen Tausende von Häusern. Andere wieder fünf Zuckerplantagen, große Miethäuser, Handelsgeschäfte. Vermögen von zweihundert Millionen Pesos flossen da zusammen. Wußtet ihr das? Es dürfte schwerfallen, ehrlich, mit Fleiß und Schweiß ein so großes Vermögen zusammenzutragen. Mir scheint, man muß schon den Schweiß vieler anderer zusammenfließen lassen, um zweihundert Millionen oder auch nur hundertfünfzig Millionen zusammenzubekommen. Vielleicht gibt es unter diesen Leuten oder ihren Angehörigen einige, die heute den Staat um eine Rente bitten müssen. Wahrscheinlich ist es nicht, denn sie haben Geld im Ausland. Sie hatten alle Geld im Ausland, in ausländischen Devisen. Also, die Welt ist nicht zusammengestürzt, vielmehr haben wir mit den revolutionären Gesetzen viel Gerechtigkeit geschaffen.

Wir haben einige Fehler begangen. Die Fehler werden wir berichtigen, die revolutionären Maßnahmen bleiben. Sie sind für die Ewigkeit! Die Fehler berichtigen wir, weil es unsere Pflicht ist, weil die Macht gerecht sein muß. Die revolutionäre Macht muß die Autorität sein, zu der jeder, der sich ungerecht behandelt glaubt, kommen kann und muß. Sie muß dafür sorgen, daß sich jeder Bürger sicher fühlt. Die revolutionäre Macht wird aber mit Vaterlandsverrätern, mit allen, die gegen die Revolution konspirieren, streng verfahren, weil sie fest entschlossen ist, zu bleiben, und sie wird bleiben; und sie wird allen Bürgern des Landes gegenüber gerecht sein, allen ehrlichen, aufrichtigen, arbeitswilligen Bürgern gegenüber, die für ihr Land fühlen.

Heute schließen wir eine Etappe ab. In zwanzig Monaten Revolutionärer Regierung ist das Programm von Moncada erfüllt und in mancherlei Hinsicht übertroffen worden. Wir hatten damals viele Vorstellungen. Diese Vorstellungen sind heute präziser, klarer. Die Probleme, die wir damals in nebelhafter Ferne erblickten, sehen wir heute klarer und genauer umrissen, weil wir mehr Erfahrung haben und weil außerdem die Tatsachen bewiesen haben, daß Träume von gestern Wirklichkeit werden können.

Darum sagte Martí einmal, als man ihn einen Träumer nannte, "daß der wahrhaft praktische Mensch der ist, der nicht danach schaut, wo es sich besser leben läßt, sondern wo die Pflicht liegt; daß der praktische Mensch allein der ist, dessen Traum von heute das Gesetz der Zukunft sein wird".
v Unsere Träume von gestern wurden zu den Gesetzen von heute, und wenn wir einige dieser Träume noch übertreffen konnten, um so besser, so zum Beispiel in diesem Gesetz über die Wohnungsreform, das uns recht vollkommen gelungen ist. Aber auch auf vielen anderen Gebieten wurden die Ideen weiterentwickelt und vor allem verwirklicht. Frühere Regierungen haben unserem Land schon oft Programme vorgelegt, die sie verwirklichen wollten, aber niemals haben sie Wort gehalten.

Vielleicht hat man uns darum nicht geglaubt, hat man uns darum keine Beachtung geschenkt, als wir ein bescheidenes Programm aufstellten, das keinen Anspruch auf Vollkommenheit hinsichtlich seiner Konzeption und der vorgeschlagenen Lösungen erhob. Aber wir hatten ein Programm, und es war ein klares Programm. Es ist in verschiedenen Dokumenten niedergelegt.

Einmal bezeichneten wir unsere Revolution als die Revolution des einfachen Menschen, durch den einfachen Menschen, für den einfachen Menschen, bei anderer Gelegenheit wieder sprachen wir von Schulstädten, und so berichteten wir von all den Maßnahmen der Revolution.

Heute können wir mit Befriedigung sagen, daß dieses Programm erfüllt wurde. Man glaubte nicht an das Programm, und darum sind viele heute überrascht. Sie haben keinen Grund, überrascht zu sein, denn wir haben uns niemals verpflichtet, mit dem Großgrundbesitz, mit den großen Ausbeutern, mit den Monopolen, mit den ausländischen Interessen, die unser Land ausplünderten, Nachsicht zu üben. Wir haben uns niemals verpflichtet, mit dem schönen Leben auf Kosten anderer, mit Diebstahl, Ränkeschmiederei und Korruption Nachsicht zu üben. Wir haben uns verpflichtet, mit all diesen Übeln Schluß zu machen, gemeinsam mit dem Volk darum zu kämpfen, und wir haben das Volk auch nicht verraten, wir haben die Toten der Revolution nicht verraten, und nur ihnen waren wir verpflichtet. Unsere Verpflichtung gegenüber dem Volk und der Revolution haben wir erfüllt.

Wir sagten dem Volk nicht: "Wir werden dir geben!" Wir sagten: "Hier, nimm und kämpfe aus ganzer Kraft, damit Freiheit und Glück dein werden!" Und wir können wiederholen: Hier, nimm, nimm Bauer dein Land, deine Schulen, deine Krankenhäuser. Hier hast du deine Dörfer, die in Schulen umgewandelten Festungen; hier hast du deine Häuser, deine Strandbäder, deine Betriebe, die einst den ausländischen Monopolen gehörten; hier hast du dein Elektrizitätswerk, deine Telefongesellschaft, deine Raffinerie, denn früher hattest du nichts, und heute hast du es, heute hast du alles, was wir dir geben konnten, heute hast du etwas, worum es sich zu kämpfen lohnt.

Es waren also keine leeren Versprechungen, sondern Realitäten; heute hat das Volk etwas, wofür es sich zu kämpfen lohnt, heute hat das Volk etwas zu verteidigen. Wir haben schon damals daran geglaubt; wir haben daran geglaubt, daß das Volk, wenn wir ihm etwas geben, das Errungene auch verteidigen wird.

Wir sprachen damals von dem Gesetz, das allen Siedlern, Kleinsiedlern Pächtern, Halbpächtern und Tagelöhnern, die Parzellen bis zu fünf Caballerias bearbeiteten, den Boden als unverpfändbares und unveräußerliches Eigentum zusprach. Wir erklärten, daß wir ihnen den Boden unentgeltlich übergeben würden, und wir haben es getan. Wir versprachen die Beschlagnahme aller durch Betrug und Veruntreuung erworbenen Vermögen, wir sprachen von der Bodenreform, von einer durchgreifenden Schulreform, von der Nationalisierung des Elektrotrusts und des Telefontrusts, vom Bodenproblem, von der Industrialisierung. Wir sagten damals wörtlich:

"Das Problem des Bodens, das Problem der Industrialisierung, das Wohnungsproblem, das Problem der Arbeitslosigkeit, das Problem der Volksbildung und das Problem der Volksgesundheit, das sind in kurzen Worten zusammengefaßt die sechs Punkte, deren Lösung all unsere Anstrengungen gelten."

Wir sagten damals, daß unsere Darlegungen kalt und theoretisch wirken könnten, wenn man nicht um die Realität wüßte, und wir erklärten: "85 Prozent der bäuerlichen Kleinproduzenten in Kuba müssen Pacht zahlen und leben unter der ständigen Furcht, von der Parzelle getrieben zu werden; über die Hälfte der besten bestellten Ländereien liegen in ausländischen Händen. In der Provinz Oriente, wo unsere Insel am breitesten ist, reichen die Ländereien der United Fruit Company und der West Indian Company von der Nordküste bis zur Südküste, während 200.000 bäuerliche Familien nicht einen Fußbreit Boden haben, wo sie das Brot für ihre Kinder anbauen könnten. Dagegen liegen weite Landstrecken brach."

Zum Wohnungsproblem sagten wir: "Es gibt in Kuba 200.000 Elendshütten. 400.000 Familien in Stadt und Land leben zusammengepfercht in Baracken, erbärmlichen Mietskasernen und Elendshütten, denen selbst die primitivsten sanitären Einrichtungen fehlen. 2.200.000 Menschen unserer Stadtbevölkerung zahlen Mieten, die ein Fünftel oder ein Drittel ihrer Einnahmen verschlingen, und 2.800.000 Menschen unserer ländlichen Bevölkerung und der Stadtrandbewohner haben kein elektrisches Licht."

Wir sprachen auch über das Schulproblem und sagten vor allem folgendes: "Die Zukunft der Nation und die Lösung ihrer Probleme darf nicht mehr von den egoistischen Interessen eines Dutzends Finanzmagnaten abhängen, von den kalten Profitberechnungen, die sie in ihren bequemen, mit Klimaanlagen ausgestatteten Büros anstellen. Das Land darf nicht länger vor paar goldenen Kälbern auf den Knien liegen und um Wunder bitten, denn die werden ebensowenig Wunder vollbringen wie das goldene Kalb aus dem Alten Testament."

Wir haben unser Programm nicht nur erfüllt, sondern haben es weiterentwickelt und übertroffen. Tatsächlich ist viel mehr getan worden. Damals dachten wir noch nicht an die Jugendbrigaden der revolutionären Arbeit, die heute Wirklichkeit sind, an die freiwilligen Lehrer, die heute in allen Dörfern Kubas Wirklichkeit sind. Wir sprachen davon, die Stadt Columbia in eine große Schulstadt zu verwandeln, und heute habt ihr das ehemalige Militärzentrum Columbia, das zur Schulstadt "Libertad" wurde, mit Heimen für zweitausend Universitätsstudenten, mit Unterrichtsräumen für mehr als zehntausend Schüler. Aber nicht nur die Militärstadt Columbia wurde umgewandelt, sondern alle Militärlager der Republik und viele Kasernen auf der ganzen Insel.

Da sind die Heime für viertausend Studenten, da sind die beiden im Bau befindlichen Universitätsstädte und eine dritte, die vorgesehen ist. Da sind die zehntausend Schulräume, die die Revolution geschaffen hat, die fünfundzwanzigtausend Wohnungen, die in dieser Zeit gebaut wurden, die fünfzig Dörfer, die jetzt überall auf der Insel fast fertiggestellt sind, die öffentlichen Strandbäder und vieles mehr, was jener kleinen Gruppe von Revolutionären damals nicht einmal in den Sinn kam. Heute ist das alles Wirklichkeit.

Das Programm wurde also erfüllt, und es wurde nicht nur erfüllt, sondern erweitert und verbessert, soweit es verbessert werden konnte. Es wurde mit der Realität unseres Landes in Einklang gebracht, und wir haben die Befriedigung, mit restlos erfüllten Versprechen vor das Volk zu treten.

Unser Programm war die Richtschnur der Revolution in der ersten Etappe. Wenn sich jetzt jemand "enttäuscht" fühlt, dann wissen wir nicht, warum. Das heißt, wir wissen schon, warum: weil sie nicht an das glaubten, was wir sagten; weil sie glaubten, die Revolution würde von ihnen abhängig sein, weil glaubten, die Männer der Revolution würden sich korrumpieren lassen, weil sie glaubten, alles seien leere Worte. Als aber die Worte Wirklichkeit wurden, waren sie "enttäuscht". Natürlich, sie hatten sich getäuscht, darum die Enttäuschung! Sie glaubten, alles sei Lüge, und mußten sich eines Besseren belehren lassen! Sie glaubten, es werde nie eine Bodenreform geben, deshalb wurden sie enttäuscht! Sie glaubten, es werde nie eine Wohnungsreform geben, deshalb wurden sie enttäuscht! Sie glaubten nicht, daß die Armee zum Schutz ihrer Interessen vernichtet werden könne, darum wurden sie enttäuscht! Sie glaubten nicht daran, daß die alten Festungen Schulen werden könnten, deshalb wurden sie enttäuscht! Sie glaubten nicht an ein bewaffnetes Volk, und da heute das Volk die Waffen trägt, sind sie enttäuscht! Sie glaubten, daß keine Revolution dem Imperialismus widerstehen könne, aber die Revolution widersteht dem Imperialismus, und deshalb sind sie enttäuscht! Und deshalb nennen diese Lumpen die Führer der Revolution, diejenigen, die dem Volke ihr Versprechen hielten, Verräter.

Das war also das erste grundlegende Dokument der Revolution.

Heute hat die Revolution ein neues Dokument, das vom Volk in einer Allgemeinen Nationalversammlung angenommen wurde: Die Deklaration von Havanna. Die Grundsätze der Deklaration von Havanna sind nicht mehr das Programm einer kleinen Gruppe, sondern die Zusammenfassung der Wünsche und Träume eines ganzen Volkes in einem Dokument, das die Rechte und Pflichten des Menschen und der Völker proklamiert. Dieser Deklaration können wir heute ein weiteres Recht hinzufügen: Das Recht der Familie auf eine anständige Wohnung...

Die Deklaration von Havanna bildet heute das Programm der Revolution für die neue Etappe, die wir vor uns haben. Es ist eine Etappe lang andauernder Arbeit, vieler Jahre, für uns und die, die nach uns kommen werden. Sie verlangt eine große Arbeit auf dem Gebiet der Industrialisierung, der Entwicklung unserer Wirtschaft, der Volksbildung, der Programme zur vollständigen Liquidierung des Analphabetentums, zur Verbesserung des Wohnungswesens und der Gesundheit unseres Volkes. Und sie zeichnet uns die Rolle vor, die wir in der Welt zu spielen haben.

Es wird keine leichte Aufgabe sein. Erinnert euch an das, was wir einmal in der Bibel gelesen haben, daß viele berufen sind, aber wenige auserwählt. Viele waren berufen oder von selbst erschienen zu Beginn der Revolution, und sehr wenige von ihnen auserwählt.

Heute hat unser imperialistischer Feind eine Kampagne entfacht, um unsere Techniker abzuwerben. Zu den Abgeworbenen kommen Gekränkte und Verräter, die sogar einmal Positionen in der Revolutionären Regierung hatten, Leute wie der Ingenieur Manuel Ray, der heute einer der Anführer der Konterrevolution ist und nicht die geringsten Skrupel hat, sich mit den Bombenwerfern und der amerikanischen Botschaft zusammenzutun. Dieses Subjekt ist bemüht, Ingenieure abzuwerben, denen er märchenhafte Gehälter in den Vereinigten Staaten oder in Puerto Rico verspricht, Techniker aus den Raffinerien abzuwerben, Ärzte abzuwerben. Es ist gar nicht erstaunlich, daß der Imperialismus, der in seinem eigenen Lande einem von seinen dafür völlig straflos gebliebenen Henkersknechten angeschossenen Kubaner jede ärztliche Hilfe verweigerte, gleichzeitig in unserem Land die Ärzte abwerben will, unser Volk ohne Ärzte lassen will, daß er ihnen große Summen anbietet, damit sie das Land verlassen. Und es gibt unter den Ärzten Lumpen und Vaterlandsverräter, die diesem Ruf gefolgt sind; und es gibt auch unter den Ingenieuren und Technikern Lumpen, Feiglinge und Vaterlandsverräter, die diesem Ruf gefolgt sind. Es gibt sie, und wir müssen sie bei ihren Namen nennen, denn es sind Menschen, die an unseren Universitäten studiert haben, deren Studium vom Volk bezahlt wurde. Es sind Menschen, die hier alle Vergünstigungen genossen und die sich heute für das Gold der Feinde unseres Vaterlandes verkaufen und das Verbrechen auf sich nehmen, ihr Vaterland von Technikern und Ärzten entblößen zu wollen. Wir werden diesen Leuten, die unser Land verlassen wollen, nichts in den Weg legen. Wer gehen will, soll gehen, wir brauchen niemand, der nur mit Gewalt zurückgehalten werden kann. Aber das Mindeste, was diese Leute verdienen, ist, daß wir ihnen das Recht verweigern, jemals wieder in ihr Vaterland zurückzukehren, daß wir denen die Staatsbürgerschaft aberkennen, die, nachdem sie Funktionen in der Regierung, in den verstaatlichten Betrieben oder in staatlichen Organen ausübten, das Land verlassen, um im Dienste der imperialistischen Interessen im Ausland zu arbeiten.

Natürlich werden nicht alle gehen, viele werden bleiben. Nicht alle Ärzte werden gehen, denn wenn es auch stimmt, daß es uns in der Sierra Maestra oft an Technikern fehlte, Ärzte kamen viele zu uns. Und sie kamen nicht nur, um zu heilen und vielen das Leben zu retten, sondern sie kämpften auch. Solche Menschen gibt es in allen Schichten, gute, sehr gute Menschen: Ingenieure, Ärzte und Techniker, die ihr Land nicht verlassen werden, die ihr Vaterland nicht verraten werden, die sich durch das Gold der Ausbeuter nicht locken lassen, die nicht in Schmach und Schande, mit dem Kainsmal des Verräters, des Gekauften leben müssen wie jene, die sich der Realität entziehen wollten. Denen kann es noch so ergehen, wie so manchen, die vor der Großen Sozialistischen Oktoberrevolution nach China flüchteten, dann aber kam die Revolution nach China, und sie flüchteten nach Kuba, bis auch nach Kuba die Revolution kam und sie, soweit sie auch reisten, immer wieder auf die Revolution stießen. So kann es einem ergehen. Sollen sie nur weiter und immer weiter reisen auf der Flucht vor der Revolution, und wenn sie es am wenigsten vermuten, wird die Revolution an dem Ort anlangen, wohin sie sich verkauft haben. Die Welt verändert sich, sie verändert sich mit Riesenschritten, und an jedem Ort der Welt kann es Revolutionen und große Veränderungen geben.

Große Veränderungen können überall auf der Welt eintreten, auf die eine oder andere Art. Und für die Verräter kann eines Tages der Augenblick kommen, daß sie nicht mehr wissen, wohin sie noch fliehen sollen.

Doch das Volk muß wissen, welcher Waffen sich unsere Gegner bedienen. Nicht zufrieden mit all den Schändlichkeiten, die sie gegen unser Land begangen haben, nicht zufrieden mit all den Aggressionen, die sie versuchten, mobilisieren sie jetzt alle Kräfte und Mittel, um uns die Menschen abzuwerben. Deshalb müssen wir auch auf dem schnellsten Wege Techniker ausbilden.

Den Imperialisten ist es gleichgültig, ob eines Tages an einer Epidemie in den Bergen zehn Kinder oder hundert Kinder oder tausend Kinder sterben. Die Imperialisten und diejenigen, die ihre Seele dem Imperialismus verkaufen, kümmert es nicht, ob Kinder sterben, weil kein Arzt vorhanden ist. Und sie werden auch versuchen, uns sowenig wie möglich Techniker hierzulassen. Auch das ist ein Problem, mit dem wir uns beschäftigen werden, aber wir werden ihre Versuche zunichte machen, so wie wir alle Aggressionen und Machenschaften zunichte machten.

Ich glaube, damit ist alles Wichtige gesagt. Wer von heute an noch etwas fürchtet, der tut es, weil ihm nicht zu helfen ist oder weil er eine Schuld zu verbergen hat. Jeder, der arbeiten und kämpfen will, hat die Gelegenheit dazu. Das Programm von Moncada wurde erfüllt. Wir beginnen eine neue Etappe. Die Methoden sind anders geworden. Unsere Grundsätze sind heute in der Deklaration von Havanna zusammengefaßt, und die Aufgabe, die vor uns steht, verlangt uns alles ab an Zeit und Kraft, uns und denen, die nach uns kommen werden ...



Fidel Castro Ruz 16. Oktober 1960.

Obra revolucionaria (Havanna), Nr. 27
Quelle: Fanal Kuba, Dietz Verlag Berlin 1963
Veröffentlichung mit freundlicher Genehmigung des Karl Dietz Verlages Berlin