Aus der Rede auf der Gründungsversammlung des Komitees der Bauarbeiter der Hauptstadt zum Schutz der Revolution
Bauarbeiter!
Wir freuen uns sehr über die heutige Kundgebung. Es war Zeit, daß so eine Versammlung stattfand, es war Zeit, daß man sich um die Arbeiter dieses Industriezweiges kümmerte, daß man sie gebührend einschätzte und sowohl vor dem ganzen Volk als auch vor den Bauarbeitern selbst die Bedeutung ihrer Arbeit würdigte.
Die Bauarbeiter haben von allen Arbeitern am meisten unter den Folgen der Arbeitslosigkeit gelitten. Warum? Nicht nur, weil sie selbst von der Arbeitslosigkeit betroffen wurden, sondern weil alle, die in anderen Industriezweigen arbeitslos wurden, im Baugewerbe Arbeit suchten.
Was geschah? Diejenigen, die in diesem Beruf zu Hause waren, die Kenntnisse und Erfahrungen im Bauwesen hatten, die sich diesen Beruf als Broterwerb gewählt hatten, befanden sich ständig unter dem Konkurrenzdruck der riesigen Massen von Arbeitslosen überall im Lande.
Es war nicht leicht, dieses Problem zu lösen. Und in den ersten Monaten der Revolutionären Regierung, als die Revolution noch nicht genügend organisiert war, als die Wirtschaftspläne auf dem Lande und in der Stadt noch nicht so entwickelt waren wie heute, als wir die Macht übernahmen und sahen, daß Hunderttausende von Menschen auf dem Lande und in der Stadt ohne Arbeit waren und wir so schnell kein anderes Mittel, keine andere Möglichkeit hatten, dieses Problem zu lösen, mußten wir große Summen im Bauwesen investieren, um die Arbeitslosigkeit zu mildern.
Das heißt, auch die Revolution, selbst die Revolution konnte in den ersten Monaten nichts tun, um diese Konkurrenz zu beseitigen. Sie konnte zwar den Bauarbeitern Arbeit garantieren, aber sie mußte auch die Bauarbeiten als Mittel benutzen, Zehntausenden von Menschen anderer Berufe Arbeit zu verschaffen. Das heißt, ein chronisches Übel unseres Landes, die Arbeitslosigkeit, beeinträchtigte besonders die Interessen der Bauarbeiter, die ihre Arbeitsplätze mit unzähligen Menschen teilen mußten, die keine andere Erwerbsmöglichkeit hatten und so die Arbeitslage in der Bauindustrie belasteten.
Aber nicht nur die Arbeitslosigkeit schlechthin belastete den Bauarbeiter, es gab noch ein anderes chronisches Übel, das auf die ökonomische Rückständigkeit unseres Landes zurückzuführen war: die ständige Abwanderung von Landarbeitern in die Stadt. Ununterbrochen strömte es vom Lande in die Stadt. Auf dem Lande gab es keine Arbeit, der Boden lag brach; die Monokultur zerfraß wie ein Krebsgeschwür die bäuerlichen Wirtschaften; in der toten Zeit saßen die Menschen oft monatelang ohne Arbeit, und natürlich, wenn die tote Zeit kam, manchmal aber auch außerhalb dieser Zeit, strömten gewaltige Menschenmassen vom Lande in die Stadt.
Was sollten sie in der Stadt? Auf dem Lande hatten sie nichts, keinen Boden, keine Arbeit, nicht einmal ein Fetzchen Land am Rande der Zuckerrohrfelder, auf dem sie säen konnten, also zogen sie in die Stadt. Aber was konnte die Stadt ihnen bieten? Auch nicht viel, aber doch wenigstens die Hoffnung, auf irgendeinem Bau eine Arbeit zu finden oder sich auf eigene Faust mit dem Verkauf von Lotterielosen oder einem kleinen Straßenhandel durchzuschlagen.
So sogen die Städte diese Massen der Arbeitslosen vom Lande auf, und das mußte sich auf die Arbeitsmöglichkeiten in der Stadt auswirken. In vielen Städten konnte man beobachten, daß die Außenbezirke immer größer wurden, daß nacheinander die Elendshütten aus dem Boden schossen.
Warum bildeten sich diese Außenbezirke, in denen tatsächlich nur die Ärmsten der Armen lebten? Der Grund war die Abwanderung vom Lande in die Stadt. Hier sammelten sich diese ungeheuren Massen an, hier war die Arbeitslosigkeit zu Hause, die Ursache so vieler Übel und Schwierigkeiten, die Ursache schließlich dafür, daß Menschen, die unter anderen Umständen einen geraden und für unser Land nützlichen Weg gegangen wären, durch den Hunger getrieben oft als Diebe und Verbrecher, kurz, im Abgrund endeten. Und nicht nur sie waren die Opfer dieser Zustände, sondern auch ihre Familien und ihre Kinder.
Diese Massen von Kindern, die alle Straßen unserer Städte bevölkerten, Kinder ohne Eltern, ohne eine Behörde, die sich um sie kümmerte, Tausende von bettelnden Kindern, die ein entsetzliches Vagabundenleben führten, das alles waren die Folgen eines großen Übels: der wirtschaftlich schwachen Entwicklung unseres Landes, die so gewaltige Massen von arbeitslosen Männern und Frauen verursachte ...
Die Revolution konnte in ihren ersten Monaten die Lösung dieser Probleme nicht einmal auf die Tagesordnung setzen. Heute erleben wir glücklicherweise eine Bewegung in umgekehrter Richtung: eine große Abwanderung aus den Städten auf das Land. All die Menschenmassen, die unsere Städte mit einem Gürtel von Elendshütten umgeben hatten, kehren jetzt wieder auf das Land zurück, um in den Genossenschaften und Volksgütern zu arbeiten. Außerdem gibt es auf dem Lande neue große Arbeitsmöglichkeiten beim Schulbau, beim Wohnungsbau, mit einem Wort, bei all den Arbeiten, die zur Entwicklung der Landwirtschaft geleistet werden. So erleben wir heute, wenn wir zum Beispiel in das Gebiet von San Cristóbal gehen, daß vierhundert Bauarbeiter aus Havanna dort arbeiten und daß auch auf vielen anderen Bauten im Innern der Republik Bauarbeiter beschäftigt sind, die sonst in der Hauptstadt arbeiten.
Das heißt, daß die Arbeitslosigkeit auf dem Lande an vielen Orten so gut wie beseitigt ist, und es ist erstaunlich, wie viel sich nach so wenigen Monaten geändert hat. Wenn man heute an verschiedene Orte kommt, wo noch vor kurzem die Männer untätig auf den Parkbänken saßen, und fragt: Wie ist es, habt ihr Arbeit? - dann erhält man die Antwort: Mehr als genug, uns fehlen sogar Arbeitskräfte, an allen Ecken und Enden fehlen uns Arbeitskräfte. Oft sahen wir uns sogar gezwungen, in der Stadt Hilfe zu suchen und Studenten der Technischen Hochschule aufs Land zu schicken, um eine große Obstbaumpflanzung rechtzeitig abzuschließen, oder wir haben fünfhundert Milizangehörige eiligst in das Gebiet von Mantua geschickt, um die Tausende von Hektar umfassenden Eukalyptusplantagen, die die Revolution dort angelegt hat, zu düngen, bis die für diese Arbeit bestimmten tausend Jugendbrigaden der revolutionären Arbeit aus Oriente eintreffen.
Es ist außerordentlich und beeindruckend, gleichzeitig aber auch ein Ansporn und eine Befriedigung, dies festzustellen, heute durch kilometerweite Landstriche zu fahren, wo noch vor knapp einem Jahr nur Unkraut und Gestrüpp wucherten, und zu sehen, wie aus dem Boden, der bis vor kurzem für die menschliche Arbeit und die Volkswirtschaft verloren war, der Reichtum emporsprießt.
Das ist eine unbestreitbare Tatsache, die uns nun auch die Möglichkeit gibt, die Bauarbeiter auf einen Weg der organisierten und gesicherten Arbeit zu führen, denn schon heute gibt es nur noch ganz wenige überzählige Bauarbeiter...
In der ersten Etappe der Revolution wurden Kredite vergeben mit dem einzigen Zweck, Arbeit zu schaffen, den Arbeitslosen Beschäftigung zu geben, mit dem einzigen Zweck, die Arbeitslosigkeit in der Hauptstadt und im Innern der Republik zu beseitigen. Wir haben ganz deutlich beobachtet, wie der Druck auf die Baustellen im Innern des Landes nachließ, und um den Grad der Beschäftigung in jedem beliebigen Gebiet Kubas kennenzulernen, braucht man nur zu wissen, wie viele Menschen beim Bau Arbeit suchen. Der Druck hat tatsächlich außerordentlich nachgelassen.
Damals waren diese Investitionen im Bau die einzig mögliche Lösung zur Bekämpfung eines Übels, das die Revolution erst jetzt, nach zwei Jahren, auf anderem, produktivem Wege beseitigen kann. Tatsächlich kamen zwei Dinge zusammen: Einmal hielt man es für eine Selbstverständlichkeit, daß investiert werden müsse, um Arbeit zu schaffen, und auf der anderen Seite herrschte die Vorstellung, daß das Ministerium für Bauwesen ein Ministerium sei, wo man sich einen möglichst ruhigen Tag machte, wo es gar nicht darauf ankam, zu arbeiten.
Wir kamen aus einer Welt, in der es für den Arbeiter weder Grund noch Ansporn gab, produktiv zu arbeiten: Was geht es mich an, ob dieser Bau das Doppelte kostet? Was interessieren mich Einsparungen von hunderttausend Pesos, wenn sie sich doch der Bauunternehmer einsteckt, oder, wenn es der Bauunternehmer nicht tut, ein Politiker oder ein General? Warum soll ich fünfzig oder hundert Ziegel mehr vermauern, wo ich doch, wenn der Bau fertig ist, auf der Straße liegen werde und außerdem das, was ich einspare, doch nur dazu gebraucht wird, daß sich die Leute mehr Cadillacs kaufen und besser leben?
Wie konnte man von einem Bauarbeiter verlangen, daß er rentabel arbeitete? Mit welcher Moral konnte man sich hinstellen und das von ihm verlangen? Wer konnte das von ihm verlangen? Und dann gab es etwas noch paradoxeres, noch absurderes: Wenn der Arbeiter nicht auf einem öffentlichen Bau beschäftigt war, sondern auf einem privaten, arbeitete er rentabler.
Und das diente dazu, daß sich die reaktionären und konservativen Elemente, deren sich die Regierung in den ersten Monaten der Revolution noch bedienen mußte, wenn auch nur zur Überbrückung dieser Periode, selbst vor dem ganzen Volk entlarvten - Leute wie jener alberne, aufgeblasene Heuchler, der in den ersten Monaten dieses Ministerium leitete und heute drüben bei seinen Herren sitzt und den Interessen der Konterrevolution dient. Wir wissen doch, wie diese Tatsache einer höheren Produktion auf den privaten Bauten als Argument gegen uns benutzt wurde, als wir verlangten, daß staatlicherseits gebaut werde, als wir immer wieder darauf hinwiesen, daß ein Arbeiter, der für die Revolution, für das Volk arbeitete, natürlich produktiver arbeiten würde als zur Bereicherung eines Privatunternehmers.
Wie sah es denn meistens aus? Der auf eigene Rechnung oder für einen privaten Bauherrn tätige Bauunternehmer verlangte vom Bauarbeiter, was der Beamte wahrscheinlich nicht von ihm verlangte. Und der Arbeiter tat, was von ihm verlangt wurde. Warum? Weil er Interesse daran hatte, sich auf jede Weise einen dauernden Arbeitsplatz zu sichern. Er war also bemüht, weil ihm keine andere Wahl blieb, sich durch gute Arbeit hervorzutun, damit ihn der Bauunternehmer, wenn die Arbeit an der einen Baustelle abgeschlossen wäre, auf die nächste mitnähme ...
Die Arbeit auf dem Bau ist schwer. Es ist eine Arbeit für kräftige Männer, eine Arbeit für harte Männer. Bauarbeiter müssen Männer sein, die sich zu dieser Arbeit befähigt, zu ihr hingezogen fühlen. Und diesen Männern muß man Sicherheit in der Arbeit geben. Heute sind wir in der Lage, uns diese Aufgabe zu stellen und sie zu lösen.
Wir sprachen hier von einigen Problemen im Bauwesen, aber damit ist das Kapitel der Schwierigkeiten auf diesem Gebiet bei weitem nicht erschöpft. Genosse Osmany sprach von einer anderen Seite des Übels, die sich nicht mehr auf die Arbeiter bezieht, sondern auf die Leute, die die Arbeit leiten und für ihre Durchführung sorgen.
Die privaten Bauunternehmer und die Korruption im öffentlichen Bauwesen waren verschwunden, verschwunden war die Unsicherheit, aber ein anderes Übel war geblieben - Genosse Osmany sprach davon " die Bürokratie. Also schön, wir hatten eine Etappe erreicht, in der es keine privaten Bauunternehmer mehr gab, in der die Korruption im öffentlichen Bauwesen verschwunden war, in der wir schon eine gewisse Sicherheit des Arbeitsplatzes zu erreichen begannen, aber es gab immer noch Ursachen zur Unzufriedenheit. Was war das für eine Unzufriedenheit? Die Unzufriedenheit des Arbeiters, der vom frühen Morgen an die Spitzhacke, die Schaufel, die Kelle, die Säge oder was weiß ich für ein Werkzeug handhabte und sich Mühe gab, während gewisse Leute, die mehr verdienten als er, den ganzen Tag nichts taten.
Es gab tatsächlich viele Mißstände im Bauwesen. Wohl wurden einige beseitigt, andere aber blieben, und der Arbeiter sagte sich: Warum bin ich derjenige, der hier am meisten arbeiten muß? Warum soll es mir schlechter gehen als dem Herrn da, der überhaupt nichts tut und eine so leichte und einfache Arbeit hat, daß sie ein junges Mädchen verrichten könnte?
Das heißt, es ist die Unzufriedenheit, die einen Menschen befällt, wenn er arbeitet und sieht, daß ein anderer ihm zwar sagt, was er zu tun hat, selber aber nichts tut... Gehorchen ist immer schwer, gehorchen ist schon eine Sache, die uns Menschen im allgemeinen nicht gefällt. Aber es ist auch eine Sache des Bewußtseins, eine Sache der gesellschaftlichen Notwendigkeit, der Ordnung, weil wir nur durch die gesellschaftliche Arbeit leben können und weil ein Leben ohne Ordnung und gesellschaftliche Disziplin undenkbar ist.
Aber wenn man einem Menschen gehorchen muß, der unserer Meinung nach nicht die moralische Qualität hat, uns zu befehlen, dann ist es doppelt schwer und bitter. Wenn wir in der Arbeit Anweisungen von einem Menschen erhalten, der sich selbst nicht so bemüht wie wir, dann fällt es uns doppelt schwer, die Anweisung zu befolgen.
Doch selbst wenn der Bauarbeiter einem Menschen untersteht, der nicht die moralische Qualität zum Befehlen hat, muß er, wenn er nun einmal dort arbeitet und ein bewußter Arbeiter ist, die Anweisungen befolgen. Er hat kein Recht, die Anweisungen selbst dieses Mannes zu mißachten, weil er begreifen muß, daß es Interessen gibt, die über seinen eigenen stehen, weil es gesellschaftliche Interessen gibt, die schwerer wiegen als die widrigen Umstände, unter denen er leidet; daß es ihm zwar bitter ankommt, die Anweisungen dieses Mannes befolgen zu müssen, daß aber das gesellschaftliche Interesse höher steht, daß es über seine persönlichen Belange hinaus größere Interessen und wichtigere Dinge gibt. Er muß sich bewußt sein, daß einem Übel nicht abgeholfen wird, indem man eine Anweisung einfach nicht befolgt, daß man Mißständen so nicht abhelfen kann. Er muß bedenken, daß es manchmal notwendig werden kann, Monate und sogar Jahre darauf zu warten, ja, daß es sogar Mißstände gibt, auf deren Beseitigung wir fast ein halbes Jahrhundert warten mußten.
Mißstände können nur durch eine enge Zusammenarbeit zwischen den Volksmassen, den Massen der Arbeiter und jenen, die sie in ihrer Arbeit leiten, beseitigt werden, durch den Kontakt zwischen den Vertretern der Arbeiter und den Menschen, die die höchste Verantwortung in der gesellschaftlichen Arbeit tragen. Diese Übel müssen auf dem Wege beseitigt werden, auf dem wir sie schon jetzt beseitigen, indem wir das Bewußtsein aller heben, das Bewußtsein der Arbeiter, das Bewußtsein der Staatsfunktionäre, indem wir den Fehlern auf den Grund gehen, ihre Ursachen aufdecken und alles zusammen, Fehler und Ursachen, die eine größere Produktivität und einen größeren Nutzeffekt der Anstrengungen unserer Arbeiter behindern, beseitigen.
Ich möchte damit sagen, daß Disziplin gehalten werden muß, selbst wenn es uns bitter ankommt, denn wir werden unsere Probleme nicht lösen, indem wir die Anweisungen jenes Funktionärs nicht befolgen, sondern nur auf dem Wege, den wir jetzt beschritten haben.
Hier haben wir also eine weitere Schwierigkeit, die gegenwärtig beseitigt wird. Sind wir aber in der Lage, alle Ursachen, die eine höhere Arbeitsproduktivität behinderten, restlos zu beseitigen? Wir haben einen großen Teil der Ursachen beseitigen können, wir sind aber nicht in der Lage, auf einen Schlag und in dem Augenblick, wo wir es wünschen, alle Ursachen zu beseitigen.
Es gibt auch sonst noch Probleme. Das Bauwesen ist, wie ihr wißt, eine komplizierte Sache. Es kommt nicht nur auf die Arbeiter an, die auf dem Bau die schwersten Arbeiten verrichten, es kommt auch auf eine technische Leitung an. Und was erleben wir auf diesem Gebiet in unserem Lande, und warum ist das so? Die Techniker waren im allgemeinen Menschen, die sich weit vom Volke entfernt hatten, die den Interessen des Volkes fernstanden, Fachleute mit Universitätsstudium, in die das Land große Summen investiert hatte. Ihnen wurden Privilegien zuteil, die ihr niemals genossen habt. Nur in einigen wenigen Ausnahmefällen konnte ein Arbeiter unter großen Mühen und Anstrengungen, oder weil er über etwas größere Mittel verfügte, zur Oberschule und von dort zur Universität gehen und dann eine höhere Berufslaufbahn einschlagen, das heißt, sich als Fachtechniker zur Projektierung und Leitung bestimmter Arbeiten qualifizieren.
Was verlangt die Industrie, was verlangt das Bauwesen gestern wie heute? Gründliche Kenntnisse auf vielen Gebieten. Nun gut, diese von der Universität kommenden Fachleute, die sich auf Grund ihrer sozialen Herkunft und ihres weiteren Aufstiegs nach Beendigung des Studiums innerlich und äußerlich immer mehr vom Volk entfernt hatten, besaßen all jene Kenntnisse, die sie sich dank der Gesellschaftsordnung erworben hatten, in der sie sich bewegten, einer Gesellschaftsordnung, in der das Geld, der Reichtum, in der Skala der menschlichen und gesellschaftlichen Interessen den obersten Platz einnahm. Diese Leute arbeiteten infolgedessen in erster Linie für sich selbst, für ihre eigenen Interessen, und in ihrem Bewußtsein entfernten sich die eigenen Interessen immer weiter vom gesellschaftlichen Interesse. Mit dem Wissen und den Vorteilen ausgerüstet, die ihnen die Universität vermittelt hatte, waren sie im allgemeinen nur darauf bedacht, als Fachleute ein Vermögen zu erwerben. So kam es oft genug vor, daß ein Arzt, der ins Zuckergebiet ging, um Kranke zu heilen, Besitzer einer Plantage von 40 oder 50 Caballerias wurde und aufhörte, Arzt zu sein. Das heißt, er hörte auf, aus Liebe zum Volk seinen Beruf auszuüben und sich auf ehrliche Weise seinen Unterhalt zu verdienen. Auch als Arzt hätte er genug verdienen können, um sich ein schönes Leben zu leisten, aber er hätte es für die Dienstleistung erhalten, für die ihn sein Universitätsstudium vorbereitet hatte. Nun aber trieb er Viehzucht und baute Zuckerrohr an, statt seinen eigentlichen Beruf als Arzt auszuüben.
Aus einem Arzt wurde ein Großgrundbesitzer oder einfach ein Händler. Und damit hatte er einen neuen Schritt getan, der ihn noch weiter vom Volke entfernte. Er war nicht mehr der Arzt, der die Universität verlassen hatte, um die Schmerzen der Menschen aus dem einfachen Volk zu lindern, um Leben zu retten, um seinen Mitmenschen zu helfen. Jetzt war er ein Großgrundbesitzer geworden, der nur auf größere Gewinne aus war und der, um seine größeren Gewinne zu erzielen, sowenig wie möglich zu zahlen trachtete.
Aus einem Arzt wurde ein Großgrundbesitzer, der den Landarbeiter Hungers sterben läßt. Als Arzt hätte er daran denken müssen, daß der Mann Proteine braucht, daß er eine gesunde Wohnung braucht und eine geeignete Ernährung, daß sich sechs Kinder nicht mit einem Elendslohn ernähren lassen, daß barfüßige Kinder leicht von Parasiten befallen werden, daß unterernährte Kinder allen möglichen Krankheiten ausgesetzt sind.
Aber dieser Arzt dachte bei solchen Gelegenheiten nicht mehr als Arzt, der die Schwächen des Organismus kennt und weiß, was die Gesundheit eines jeden menschlichen Wesens angreift. Er war Großgrundbesitzer geworden, und als Großgrundbesitzer interessierte ihn nicht, wieviel Liter Milch und wieviel Paar Schuhe sein Landarbeiter nach Hause brachte, ihn interessierte nur, wieviel Geld ihm diese oder jene Kultur einbrachte. Ich habe nicht die Absicht, mit diesen Worten jemand zu kränken, sondern denke, daß wir ganz einfach eine Wahrheit aussprechen, die niemand ableugnen kann. Und mit der Revolution ist ja gerade die Zeit gekommen, die Wahrheit zu sagen, und indem die Revolution die Wahrheit sagt, schreitet sie vorwärts...
Und was ich hier für den Arzt sagte, gilt ebensogut für den Architekten oder Ingenieur.
So entfernten sich die Techniker, die dazu ausgebildet waren, ihrem Land zu dienen, innerlich immer mehr von ihrem Land und ihrem Volk und widmeten ihre Arbeit verwerflichen Zwecken, die im Gegensatz zu den Interessen des Volkes standen.
Wie groß ist ihre Schuld? In Wirklichkeit ist die Schuld dieser Techniker, wenn wir sie analysieren wollen, nur relativ. Warum relativ? Weil ein guter Techniker in der Ordnung, in der Gesellschaft, in der er lebte, in diese Lage geraten mußte, weil dieser Mann nichts anderes tat als alle übrigen. Dieser Mann paßte sich seiner Umwelt an, einer Umwelt der Ausbeutung, einer unmenschlichen Umwelt, einer egoistischen Umwelt, in der er aufgewachsen war und sich geistig entwickelt hatte.
Die Gesellschaft, in der ein Mensch lebt, hat einen entscheidenden Einfluß auf sein Verhalten, und in der Gesellschaft der Ausbeutung und des Raubes wurden eben auch die Techniker Ausbeuter. Daher rühren die Schwierigkeiten, wenn in einem Lande eine Revolution stattfindet und das Land Techniker braucht. Wie schwer ist es dann, daß sich diese Menschen einer neuen, gerechten Ordnung anpassen, daß sie sich in eine Welt hineinfinden, in der die Ausbeutung zum Untergang verurteilt ist. Wie schwer muß es ihnen fallen, auf ihre alten Träume zu verzichten, auf den Traum, reich zu werden, Vermögen anzuhäufen, vom Techniker zum Eigentümer aufzusteigen, die Kenntnisse und Fähigkeiten, die ihnen für den Dienst am Vaterland vermittelt wurden, zur Ausbeutung des Landes zu benutzen.
Das ist ganz einfach der Grund, warum Techniker die Revolution verlassen; das ist der Grund, warum es unter ihnen Deserteure gibt; das ist der Grund, warum es Techniker gibt, die unlustig arbeiten und einer Revolution, die ihr Augenmerk auf die Interessen des Volkes gerichtet hat, mit Groll begegnen, ja, die sogar die Revolution hassen, weil sie ihnen heute verwehrt, ein großes Vermögen anzuhäufen ...
Ihr aber, die ihr ein schweres Leben hinter euch habt, die ihr immer nur Arbeit und Leid und Demütigungen gekannt habt, ihr seid der Revolution treu, weil die Revolution das gesellschaftliche Ereignis ist, das die Gerechtigkeit zu seinem Grundsatz machte, Gerechtigkeit gerade für euch.
Und was für euch gerecht ist, ist es nicht für den Arzt, der den Bauern ausbeutete, oder den Architekten, der die Mieter ausbeutete. Was für euch, die Leidgeprüften, für euch, die Ausgebeuteten, gerecht ist, was für euch, die Unterdrückten, Hoffnung ist, wird niemals Hoffnung für die Ausbeuter und Unterdrücker sein.
Mögen sich das diejenigen hinter die Ohren schreiben, die noch verworren sind, die noch "Spinnweben" im Gehirn haben, die immer noch nicht begreifen, was Revolutionen sind, die immer noch nicht verstehen, warum gewisse Leute desertieren, warum Privilegierte und Ausgebeutete nicht den gleichen Standpunkt haben, warum sie ihn gar nicht haben können, jene, die das Leben gut - allzu gut! - und diese, die das Leben hart - allzu hart! - behandelt hat, jene, deren Leben immer nur Glück war, und diese, die stets nur Leid, Unglück und Schmerz erfahren haben; warum die Ausbeuter gegen die Revolution meutern, die das Leben der Ausgebeuteten besser machen will, gegen die Revolution, die euch Hoffnung bringt, die die Arbeit ehrt, weil sie es ist, die Werte schafft, weil es die Arbeit ist, die Reichtum schafft.
Die Revolution ist es, die allen gleiche Möglichkeiten bringt, dem Sohn des Architekten ebenso wie dem des Maurers. Die Revolution gibt allen die gleichen Möglichkeiten, dem Sohn des Technikers und dem Sohn des Arbeiters, mit einer einzigen Bedingung, die für den einen wie für den andern gilt, nämlich die Fähigkeit, die Begabung und die Intelligenz für das Studium mitzubringen. In Zukunft wird niemand mehr Techniker werden können, nur weil er größere Mittel hat als der andere ; Techniker wird nur der werden können, der größere Fähigkeiten aufweist als andere, um Ingenieur, Arzt oder Architekt zu werden. Und möge keine Begabung verlorengehen, bei keinem eurer Söhne, der die Fähigkeit hat, morgen ein Techniker zu sein, jetzt, wo der Techniker die Funktion hat, seinen Mitmenschen zu dienen, wo es eine Ehre ist, Techniker zu sein, eine Ehre, die einzig und allein darauf beruht, seinen Mitmenschen zu dienen und nicht auf Kosten seiner Mitmenschen nur für sich selbst zu leben.
So werden eure Kinder auch Ingenieure oder Architekten oder Ärzte werden können, wenn sie das Zeug dazu haben, wenn sie fähig sind, wenn sie die Begabung dafür mitbringen. Sie können auch andere Berufe ergreifen, je nach ihren Fähigkeiten, aber wichtig ist, daß die Revolution allen die gleichen Möglichkeiten garantiert.
Darum haben wir an der Universität die Stipendien geschaffen, darum werden wir im kommenden Jahr zehntausend Stipendien für Oberschüler geben. Und alle eure Kinder, Bauarbeiter, können so ein Stipendium beantragen, wenn sie Lust haben, die Oberschule oder die erweiterte Oberschule zu besuchen. Die Revolutionäre Regierung wird ihnen ein Stipendium geben, so daß sie mit Kleidung, Schuhen, Essen, ihrem ganzen Lebensunterhalt und den Büchern für ihr Studium versorgt sein werden.
Und wenn eure Kinder die erweiterte Oberschule besuchen oder an der Universität studieren wollen, wenn eure Kinder ihre sechs Jahre Grundschule hinter sich haben und wirklich studieren wollen - vorausgesetzt, es handelt sich um einen fleißigen Jungen -, dann bin ich sicher, daß er alle Aussicht hat, ein Stipendium zu erhalten. Es muß nur aus dem Aufnahmeantrag hervorgehen, daß es ein Bauarbeiterkind ist. Und wenn ich ein Kind sage, dann Arbeiterkind ist.
Da ist es, was die Revolution bedeutet: wahre Gerechtigkeit, die dem Menschen gestattet, sich die notwendigen Kenntnisse anzueignen, um für das Wohl seiner Mitmenschen zu arbeiten, denn das ist die ehrlichste Art, sich den Lebensunterhalt, das tägliche Brot zu verdienen.
Kann man nun alle Ingenieure als Konterrevolutionäre bezeichnen? Nein, es gibt revolutionäre Architekten, Ingenieure und Ärzte, und es wird jeden Tag mehr geben. Es gibt auch solche, die weder Revolutionäre noch Konterrevolutionäre sind, einfach nur ehrlich arbeitende Menschen, Menschen, die nur ihren Beruf sehen und ihn ehrlich ausüben. Und dann gibt es auch Ingenieure, Ärzte und Architekten, die schlankweg Konterrevolutionäre sind. Das ist die wahre Lage.
Eine der Taktiken des Imperialismus besteht doch gerade darin, uns die Techniker abzuwerben, ihnen höhere Gehälter anzubieten, sie zu kaufen, damit sie das Land verlassen und wir ohne Techniker bleiben.
Wir sind ehrlich davon überzeugt, daß wir nicht ohne Techniker bleiben werden, denn es gibt auch revolutionäre Techniker im Land, und ich denke, die müssen wir auf jeden Fall behalten. Aber wir sollen auch keine Angst davor haben, daß Techniker, die gegen die Revolution sind, denen die Revolution nichts bedeutet, daß uneinsichtige Techniker das Land verlassen oder tun, wozu sie sonst Lust haben. Wir müssen ein für allemal Schluß machen mit dem Vorurteil, mit dem Komplex, mit der Lüge, daß die Imperialisten durch die Abwerbung von Technikern die Revolution hemmen können, denn es steht fest: Wir haben revolutionäre Techniker und wir haben ehrliche Techniker, die der Imperialismus niemals kaufen kann!
Außerdem müssen wir offen mit den Fachleuten sprechen. Wir haben alle Ingenieure und Architekten des Landes zu einer Aussprache eingeladen, um mit ihnen offen über die Probleme des Landes zu diskutieren. Man muß die Karten auf den Tisch legen und einfach Schluß machen mit dem Hin und Her. Wer gehen will, soll gehen, wer bleiben will, soll bleiben. Wirklich, wir hegen keine Abneigung gegen Fachleute, weil sie Fachleute sind, wir wollen sie hier weder provozieren noch herabsetzen, keineswegs. Wir legen die Dinge dar, so wie sie sind, so wie wir sie alle erkennen, aber man muß sie ehrlich aussprechen, in aller Öffentlichkeit.
Die ehrlichen Fachleute, die sich nicht für Geld an den Imperialismus verkaufen, die ehrlichen Fachleute und die werktätigen Massen, das wissen wir, werden den ganzen Weg mit der Revolution gehen, so weit, wie man gehen muß, so weit, wie es notwendig ist. Und wenn es nur zwanzig sind, dann sind es eben zwanzig. Ob es hundert, fünfzig, zwanzig oder nur zehn sind gleichgültig, mit denen, die bleiben, werden wir vorwärtsgehen.
Jetzt werden wir wahrhaftig unsere Kräfte sammeln, jetzt werden wir wahrhaftig eine Kraft sein, die arbeitet und produziert. Wir werden mit einer wahren Begeisterung die Revolution vorwärtstreiben, damit wir, die Bauleute - denn ich muß ja auch mein Stückchen Bauarbeit leisten —, unsere Aufgabe erfüllen und wie alle anderen Arbeiter unseren Beitrag leisten. Denn, was ist die Pflicht des Bauarbeiters?
Das Land braucht dringend Schulen jeder Art, es braucht Krankenhäuser und Wohnungen. Ihr wißt selbst, wie dringend Wohnungen gebraucht werden, und Wohnungen entstehen eben nur, wenn gearbeitet wird, Wohnungen entstehen nur, wenn gebaut wird. Und wir werden um so mehr Wohnungen bauen können, je produktiver wir arbeiten, je mehr wir durch eine gute Arbeitsorganisation die Baukosten senken. Das gilt für alle, die im Ministerium für Bauwesen arbeiten, für alle, die in den Büros arbeiten. Wenn einer Buchhalter ist, soll er als Buchhalter höchste Leistungen vollbringen, und so soll jeder, auf welchem Platz er sich auch befindet, dafür sorgen, daß seine Arbeit produktiv ist, daß aus diesem Industriezweig jede unproduktive Arbeit verschwindet.
Es muß Schluß sein mit den verschiedenen Methoden, die Zeit totzuschlagen, über die Runden zu kommen, ohne sich groß anzustrengen ...
Es muß volle Klarheit herrschen über die Wichtigkeit der Arbeit, die die Bauarbeiter leisten, volle Klarheit über die Probleme, die wir zu lösen haben. Die Revolution wird um so fester stehen, je fester unser aller Willen ist, je mehr wir uns unserer Pflicht bewußt sind. Die Revolution wird um so unbesiegbarer sein, je wacher, unerschütterlicher und bewußter unser Volk ist. So werden alle Manöver des Imperialismus an der Revolution zerschellen. Die wirtschaftliche Blockade mit all ihren Folgen, die militärische Aggression mit all ihren Folgen können nur ein schwankendes Volk erschüttern, können nur eine Revolution erschüttern, die nicht die notwendigen Maßnahmen zum Kampf gegen die imperialistische Aggression ergreift. Wir kämpfen gegen einen mächtigen Gegner, aber wir wissen, daß wir ihn besiegen können.
Der Bauarbeiter muß verstehen, daß es seine Pflicht ist, Straßen, Krankenhäuser und Wohnungen zu bauen. Täte er es nicht, so wäre das nichts anderes, als wenn die Arbeiter eines Volksgutes oder die Bauern einer Genossenschaft weder Lebensmittel, Fleisch, Getreide, Milch, noch Rohstoffe für die Textilindustrie und anderes produzierten. Wie wolltet ihr euch dann kleiden? Wie wolltet ihre eure Kinder satt machen, mit welcher Milch, mit welchem Fleisch, mit welchen sonstigen Lebensmitteln? Wenn sie in ihren acht Stunden oder für den Lohn, den sie erhalten, nur die Hälfte dessen produzierten, was sie produzieren können, was wäre die Folge? Wir könnten dann im Bauwesen nicht so viele Arbeiter beschäftigen, wie es heute der Fall ist.
Wenn wir Geld für Wohnungen ausgeben, dann muß es auch produktiv ausgegeben werden. Das Geld, das in den landwirtschaftlichen Genossenschaften und in den Produktionsbetrieben investiert wird, ist produktiv, weil sie heute schon die Lebensmittel herstellen, die ihr jeden Tag konsumiert. Ihr wiederum müßt die Schulen bauen, die das Volk braucht, Krankenhäuser für die Kranken, Wohnungen für das Volk. Und das alles wird auch für eure Kinder gebaut. Wir alle, wo wir auch stehen, müssen unsere ganze Kraft anspannen. Nutzen wir diesen Augenblick, da die Arbeitslosigkeit abnimmt, um das Problem der Bauarbeiter ein für allemal zu lösen. Verhindern wir den weiteren Zuzug Berufsfremder, damit alle heute im Bauwesen Beschäftigten gesicherte Arbeit haben.
Fangen wir bei den Arbeitern der Hauptstadt an. Wir haben mit den Genossen aus dem Ministerium diskutiert, wie man allen Bauarbeitern ständige Arbeit garantieren kann. Wir müssen uns mit der Gewerkschaft in Verbindung setzen und sagen: Also schön, nachdem das Kapitel der Aufnahme in die Gewerkschaft abgeschlossen ist, kann nicht mehr jedermann Bauarbeiter sein. Da es die Beschäftigungslage nicht gestattet, werden wir einen Strich ziehen und sagen: Gegenwärtig sind im Bauwesen 24.000 oder 25.000, oder wieviel es gerade sind, beschäftigt; überzählige Bauarbeiter gibt es augenblicklich sehr wenig, und die wenigen können wir an anderer Stelle beschäftigen. Wir haben Aufforstungspläne und rufen alle überzähligen Bauarbeiter auf, Bäume zu pflanzen.
Das heißt, wir können allen, die gegenwärtig Bauarbeiter sind, ständige Beschäftigung geben, und da ziehen wir den Strich. Wir wissen nur zu gut, was es bedeutet, dem Arbeiter Beschäftigung zu garantieren. Wir haben zum Beispiel mit einer Gruppe von Bauarbeitern, die an bestimmten Bauten für das Ministerium für Bauwesen gearbeitet und Studentenheime errichtet haben und die nach Fertigstellung eines Gebäudes an ein anderes herangingen, eine Vereinbarung getroffen. Wir garantierten ihnen weitere Beschäftigung, weil sie vom ersten Augenblick an mit großem Interesse gearbeitet und von Tag zu Tag ihre Produktivität gesteigert haben.
Ich erinnere mich auch, daß ein bestimmtes Gebäude bis Ende des Monats fertiggestellt sein sollte. Wir haben die Kumpel gefragt, wann sie fertig würden. Sie sagten: am Achtundzwanzigsten. Und tatsächlich, am Abend des Achtundzwanzigsten waren sie fertig, und bei der Übergabe des Gebäudes wußten sie, daß sie am nächsten Tag auf einer anderen Baustelle anfangen würden.
Ich kann euch versichern, daß diese Arbeiter zufrieden sind und daß sie doppelt und dreifach das leisten, was auf anderen Baustellen geleistet wird.
Auf dieser Baustelle kam ein Arbeiter ums Leben, und zu Ehren dieses Maurers, Lázaro Cuevas, wurde das Studentenheim auf den Namen Lázaro Cuevas getauft. Gibt es eine bessere Ehrung als diese? Tausende von Studenten, die durch dieses Heim gehen, werden sich immer seiner erinnern, des einfachen Bauarbeiters, der beim Bau ihres Studentenheims um sein Leben kam.
Es war unsere Pflicht, für die Angehörigen dieses Arbeiters zu sorgen, und dabei stellten wir fest, daß es für die Bauarbeiter keine wirtschaftliche Sicherung bei Unfällen gab. Das veranlaßte uns, eine staatliche Versicherung für alle Bauarbeiter zu schaffen.
Wir stellten weiter fest, daß Bauarbeiter auch keinen Anspruch auf die Beihilfe für Arbeitermütter haben. Wir sind der Meinung, daß die Bauarbeiter schnellstens einbezogen werden müssen.
Es ist notwendig, daß die Bauarbeiter zu festen Kollektiven zusammengeschlossen werden, denen ständige Arbeit garantiert werden muß. Zwischen diesen Kollektiven sollten Leistungswettbewerbe stattfinden und die besten Arbeiter mit Prämien ausgezeichnet werden.
Ein solches Kollektiv wird von einem Arbeiter geleitet, einem Vorarbeiter, der ebenso ein Arbeiter ist wie ihr, wie zum Beispiel der Genosse Quintana bei euch. Er ist ein einfacher Arbeiter, dem es nicht zu Kopf steigen wird, wenn wir heute seinen Namen nennen, aber gerade er hat uns sehr hoffnungsvoll und zuversichtlich gestimmt, denn wenn auch einige Techniker versagen, mit den Arbeitern können wir Berge versetzen.
Wir mußten eine Anzahl halbfertiger Wohnungen fertigstellen. Wir brauchten sie für ausländische Fachleute, die wir unterzubringen hatten. Es waren 25 Wohnungen, und wir baten die Bauarbeiter festzustellen, ob sie diese Wohnungen in einer bestimmten Frist fertigstellen könnten. Nach der Inspektion erklärten uns die Bauarbeiter, daß sie den Termin unbedingt einhalten und die Wohnungen sogar billiger bauen könnten. Auf unsere Frage, ob sie ähnliche Wohnungen auch an einem anderen Ort bauen könnten, antworteten sie mit aller Bestimmtheit, daß dies ohne weiteres zu machen sei.
Jeder kann gehen und sich ansehen, wie sie vorangekommen sind. In den wenigen Wochen haben sie die Wohnungen schon fast fertiggestellt. Sie arbeiten in drei Schichten, das heißt, auf der Baustelle wird Tag und Nacht gearbeitet. Es ist eine Freude zu sehen, welche Fortschritte sie gemacht haben und mit welcher Begeisterung sie arbeiten. Und es ist wahr, wenn wir uns mit den Bauarbeitern einig werden, können wir die gegenwärtige Leistung verdreifachen, jawohl, verdreifachen.
Worauf kommt es an? Man muß die Kollektive der Bauarbeiter organisieren und sie geschlossen von einer Baustelle zur nächsten führen. Die Pläne müssen so aufgestellt werden, daß die Kollektive immer wieder geschlossen dort eingesetzt werden können, wo sie benötigt werden. Das müssen wir um jeden Preis erreichen. Wir müssen ferner Berufs- und Fachschulen verschiedener Fachrichtungen einrichten und den Plan verwirklichen, den euer Genosse darlegte.
Laßt uns erst eine Gruppe bewußter Menschen haben, die den Bau gewissenhaft leitet, die zu den Arbeitern gehört, die Hand in Hand mit ihnen arbeitet, dann werdet ihr schen, was wir mit dem gleichen Kraftaufwand leisten. Denn es kostet die gleiche Kraft, den Ziegelstein in der Hand zu halten, wie ihn zu vermauern, und es kostet mehr Kraft, mit der Spitzhacke in der Hand dazustehen, als zuzuhauen, denn wenn man zuschlägt, erhöht sich der Schwung und vermindert sich das Gewicht.
Man muß ganz einfach die Arbeit als eine Sache der Ehre betrachten, man muß die Arbeit als eine dem Menschen würdige Tätigkeit betrachten, man muß die Arbeit an ihren Früchten messen, an dem Wohlstand, dem Reichtum, den sie für das ganze Volk schafft, denn heute arbeiten wir nicht mehr für irgendwelche Privatinteressen, heute arbeiten wir für das Volk...
Ich möchte noch einige Worte zu den Kollektiven sagen, aber zuerst noch etwas: Unter den Arbeitern, von denen ich euch erzählte, gibt es einen ehemaligen Angehörigen der Batista-Armee; er war Unteroffizier. Dieser Mann, er heißt Guzmán, ist ein vorbildlicher Arbeiter dort auf dem Bau...
Man lernt viel, wenn man zu den Arbeitern geht, und da haben wir diesen Fall eines ehemaligen Unteroffiziers, der sich ehrlich in die Gemeinschaft eingefügt hat und sauber arbeitet. Die Militärs von früher arbeiteten im allgemeinen nicht. Das Militär war ein reiner Berufsstand, ein parasitärer Berufsstand. Trotzdem wurde aus diesem Mann ein guter Arbeiter, und es gibt genug ehemalige Militärangehörige, die heute auf dem Bau arbeiten. Es macht uns zu schaffen, daß viele dieser Leute, die in der Vergangenheit betrogen wurden, sich auch heute noch betrügen lassen, daß sie sich einreden lassen, die Konterrevolution könnte noch einmal den Sieg davontragen.
Das ist die eine Seite, andererseits aber ist, allein, weil sie Berufssoldaten waren, im Volk ein großes Mißtrauen gegen sie entstanden. Ich denke, es ist notwendig, daß man sich auf allen Arbeitsstellen, wo es solche Arbeiter gibt, mit dieser Frage beschäftigt. Seit dem Sieg der Revolution sind zwei Jahre vergangen, und ihr habt euch überzeugen können, welche von diesen ehemaligen Armeeangehörigen ehrliche Arbeiter geworden sind. Es ist also Zeit, diese Kollegen allmählich von dem alten Argwohn und Mißtrauen zu befreien, und wenn wir Menschen haben wie diesen ehemaligen Unteroffizier Guzmän, der ein vorbildlicher Arbeiter geworden ist, sollten wir ihnen auch Achtung und Anerkennung entgegenbringen. Als Soldat der Diktatur – ein Feind, als Arbeiter - unser Freund, Kumpel und Bruder; denn von dem Augenblick an, wo sie Arbeiter wurden, von dem Augenblick an, wo sie nützliche Arbeit für unser Land leisten, verdienen sie unsere Achtung.
Diejenigen, die sie in alles hineingeritten haben, all die Generalsfiguren, sind gegangen und sitzen draußen, sie aber, die nirgendwohin fahren konnten, haben sich an die Arbeit gemacht, haben den Wert der Arbeit erkannt; soll man ihnen also auch ganz anders entgegenkommen. Wer sich irreführen und betrügen läßt - ich glaube, wer einmal Arbeiter gewesen ist, wer zwei Jahre lang wirklich die Arbeit kennengelernt hat und über Einsicht und wahrhaft menschliche Eigenschaften verfügt, der wird seine Klasse nicht verraten.
So mächtig ist der Einfluß, den die Arbeit auf den Menschen ausübt, daß man sich erzählt, in Frankreich habe die Kirche einmal eine Anzahl Pfarrer zu den Arbeitern in die Betriebe geschickt, um zusammen mit ihnen zu arbeiten, und das Ende vom Liede sei gewesen, daß viele dieser Pfarrer Kommunisten wurden...
Natürlich, früher sagten die wenigen Reichen, die es gab, die Welt sei herrlich eingerichtet, und jeder habe die gleichen Chancen. Damit meinten sie die Chancen, ein Parasit zu sein. Und sie versuchten den Menschen einzureden: Auch du kannst reich werden. Natürlich, er selbst war in der Regel reich, und nach ihm sein Sohn, sein Neffe und sein ganzer Anhang. Und der Arbeiter? Er blieb für gewöhnlich Arbeiter, sein Sohn und sein Neffe wurden Arbeiter, denn sie konnten keine Schule besuchen und hatten keine Chance. Es war eine Gesellschaft, die sich auf die Ausbeutung stützte, und alles, was sie von gleichen Chancen sagte, war Lüge.
Selbst wenn es, was nicht einmal stimmt, gleiche Chancen gegeben hätte, ein Parasit zu werden, welcher ehrliche Mensch legt schon Wert darauf, ein Parasit zu sein? Aber gerade das bezweckte der Imperialismus mit seinen Lügen: die Gier nach Reichtum in den Menschen zu wecken. Und was geschah? Sogenannte Arbeiterführer ohne revolutionäres Bewußtsein, ohne Charakterfestigkeit, endeten wie Mujal als Eigentümer eines Gutes von über hundert Caballerias in der Nähe von Havanna, oder als Hausbesitzer mit einem Riesenvermögen.
Das heißt, der Imperialismus tat alles, um die Arbeiter zu korrumpieren, und bei den Führern fing er an. Was hat der Imperialismus zu bieten? Er predigt die Unterordnung des Arbeiters; seine Subjekte preisen das Regime des konterrevolutionären Gewürms und der Parasiten als das beste der Welt an. Sie predigen ein Regime, in dem der Arbeiter für die Parasiten arbeitet, und nicht eine Gesellschaftsordnung, in der die Arbeiter für das Volk produzieren und in der wir alle arbeiten. Wie kann man mehr Güter produzieren: wenn nur ein Teil arbeitet, oder wenn alle arbeiten? (Zurufe: "Alle!") Und wie bekommen wir mehr? Das ist eine ganz einfache Rechnung: Wenn nur ein Teil arbeitet und das, was er produziert, unter alle verteilt wird, wobei gerade diejenigen, die nicht arbeiten, sich die dickste Scheibe abschneiden, was bleibt da dem Arbeiter? (Zurufe: "Die Krümel!") Wenn alle arbeiten und alle produzieren, was bekommen wir? (Zurufe: "Mehr!") Wir bekommen viel mehr, erstens weil nicht einige wenige den Löwenanteil kriegen, und zweitens weil die Faulenzer, die von der Arbeit anderer lebten, jetzt auch auf die eine oder andere Weise produzieren müssen.
Niemand wurde mit dem Recht geboren, als Faulenzer und Nichtstuer durchs Leben zu gehen. Der einzige, der wirklich Anspruch darauf hat, daß die Gesellschaft ihn erhält, ist derjenige, der nicht arbeiten kann. Wenn aber ein Mensch das Unglück hat, selbst nichts für sich tun zu können, ist es unsere Pflicht, diesem Freund, diesem Bruder, diesem menschlichen Wesen zu helfen und ihm seinen Unterhalt zu geben. Aber wo steht geschrieben, daß wir verpflichtet sind, Parasiten und Faulenzer zu erhalten? Gesunde und kräftige Menschen, die nicht eine Stecknadel herstellen, die nicht ein Samenkorn in den Boden bringen, und dazu gehört doch wahrhaftig nicht viel... Bringt zum Beispiel einen Mangokern in die Erde, und in ein paar Jahren schon können hundert Personen von diesem Baum Mangos essen. So produziert die Arbeit unermeßlichen Reichtum.
Das ist es, was die Revolution tut: Sie produziert unermeßlichen Reichtum für die Zukunft. Denken wir nur an die Aufforstungspläne der Revolution. Hätte man das schon vor dreißig Jahren gemacht, wir könnten heute ein reiches Land sein. Denkt an die Obstbaumplantagen, die wir anlegen, an all die Pläne, an denen wir arbeiten. Ihr wißt, welche Schwierigkeiten wir mit dem Holz haben. Sie haben die Wälder erbarmungslos abgeholzt und nicht einen einzigen Baum neu gepflanzt, aber von der Holzindustrie leben fast 50.000 Arbeiter. Wir haben Maßnahmen getroffen, um Hand in Hand mit der Aufforstung neue große Holzeinschläge in Angriff zu nehmen, und wir rechnen damit, daß in sechs bis acht Wochen die Frage des Nachschubs aus eigenen Beständen gelöst sein wird. Nicht ein Betrieb wird wegen Holzmangels die Arbeit einstellen müssen.
Durch das Ministerium für Forstwirtschaft werden die verschiedenen Orte für den Holzeinschlag festgelegt, und zwar gleichzeitig mit den Aufforstungsmaßnahmen. So werden wir das Problem lösen. Weite Gebiete sind schon mit Eukalyptusbäumen bepflanzt worden, in der Gegend von Mantua tausend Caballerias. In etwa drei Jahren können wir dort schon ein Zellulosewerk bauen und Zellulose exportieren ...
So werden uns diese Wälder wenigstens genügend Devisen einbringen, um jedes etwaige Defizit zu decken, bis die anderen Holzarten, die wir überall anpflanzen, herangewachsen sind. Der Eukalyptus ist also ein recht nützlicher Baum.
Das ist es, was die Arbeit vermag. Wenn wir heute eine Million Bäume pflanzen, werden wir in der Zukunft einen unermeßlichen Reichtum an Holz und Obst haben. Und es ist die Arbeit, die diesen Reichtum hervorbringt, damit das Volk besser, von Tag zu Tag besser leben kann.
Nur müssen wir uns darüber klar sein, welche Etappe uns zufällt. Ist es die Zeit, die Früchte zu ernten? Nein. Uns fällt die Etappe zu, in der es heißt, die ganze Kraft anzuspannen, zu arbeiten. Um zu verhindern, daß sich unser Volk eine Zukunft baut, tun die Feinde unserer Revolution, die Imperialisten,alles, um uns einzukreisen, uns wirtschaftlich zu blockieren, uns Entbehrungen leiden zu lassen.
Was ist unsere Antwort darauf? Sagen wir ihnen: Kommt nur wieder, ihr Herren, holt euch eure Gesellschaften und eure Latifundien zurück, laßt den Bauern wieder verhungern? Nein, wir werden ihnen anders antworten: Versucht es nur, ihr Herren, kommt nur und seht, was dann mit euch geschieht!
Unsere Antwort heißt ganz einfach durchhalten, durchhalten mit dem Bewußtsein, daß das, was wir tun, uns wahrhaftig eine bessere Zukunft ermöglicht; mit dem Bewußtsein, daß wir das ganze Ungeziefer, all die Parasiten, all die Ausbeuter, die ganze Fäulnis aus dem Lande gefegt haben. Alles haben wir hinweggefegt, was uns die politischen Karrieremacher, die Henkersknechte, die Spitzbuben, die Säufer und Zuhälter an Schlechtem hinterlassen haben, und wir werden auch weiter hinwegfegen, was es an Schlechtem gibt.
Und wenn sie uns deswegen alle möglichen Entbehrungen verursachen, sollen sie es tun, wir werden trotzdem weitermachen, denn heute legen wir den Grundstein für unser künftiges Glück.
Schön wäre es gewesen, wenn es eine andere Generation schon vor dreißig Jahren oder vor zwanzig Jahren getan hätte. Dann könnten wir heute die Früchte ernten. Sie haben es nicht getan. Macht nichts. Die Aufgabe ist uns zugefallen, und wir müssen stolz und zufrieden sein, daß wir es tun dürfen. Vor allem müssen wir uns bewußt sein, welch großes Werk wir verrichten, wie gerecht dieses Werk ist und wie unmoralisch die Deserteure, die Abtrünnigen, die Vaterlandsverräter, die Söldner und Konterrevolutionäre sind. Nicht das geringste Recht besitzen diese Herren, die es darauf abgesehen haben, das Werk eines Volkes zu hemmen. Es ist das Volk, von dem ihr ein Teil seid, das Volk der Werktätigen, das von jeher am schlechtesten gelebt hat, dessen Los von jeher Arbeit, Leid und Hoffnungslosigkeit war. Nun, da die Revolution da ist und die Hoffnung einer besseren Zukunft bringt, das Volk von allen Übeln, aller Willkür befreit, jede Diskriminierung und jede Ausbeutung unseres Volkes abschafft und eine bessere Zukunft baut, wollen diese Herrschaften um jeden Preis, daß unser Leben wieder so wie früher sei. Wer möchte schon zurück in die Zeit, als die Menschen in Massen auf der Straße lagen, als sie ihre Arbeitskraft verkaufen mußten, als sie vor den Toren der Bauunternehmer und der Politiker ohne Moral standen und um ein bißchen Arbeit bei den Staatsbauten bettelten? Wer möchte zurück in eine Zeit, in der als Preis für eine Arbeitsstelle verlangt wurde, daß man sein Wahlrecht verkaufe und Mitglied in den Parteien der Männer ohne Moral, der Betrüger, Diebe und Vaterlandsverräter werde? Wer möchte zurück in jene Zeit, in der bei jeder offiziellen Kundgebung Anwesenheitslisten aufgestellt wurden, und dann kamen die Listenführer und sagten: So, mein Lieber, du fliegst, denn du warst neulich nicht bei der Versammlung? Wermöchte schon zurück in jene Zeit, in der der Arbeiter das letzte Rad am Wagen war, das ewige Opfer aller Willkür, aller Ungerechtigkeit, derjenige, der arbeiten mußte, um das ganze Faulenzerpack zu bereichern? Heute arbeiten wir, um das Volk zu bereichern, und all die Riesenhäuser, die sich diese Herrschaften mit dem Geld des Volkes bauen ließen, sind heute dazu bestimmt, daß die Kinder der Bauarbeiter und aller anderen Werktätigen dort wohnen und lernen.
Das ist es, was die Revolution tut und weiter tun wird, ohne Schwankungen und ohne Furcht, gleichgültig wer deswegen die Flucht ergreift und in Angst und Schrecken gerät. Wir haben die große Masse des Volkes, die sich weder schrecken noch einschüchtern läßt, die weiß, was Arbeit ist. Bei uns braucht man niemandem zu erzählen, was Arbeit ist, und niemand braucht einem Bauarbeiter oder einem Milizangehörigen zu erzählen, was es bedeutet, eine Woche oder zwei oder auch drei in einer Feldstellung zu sitzen und alles entbehren zu müssen. Laßt euch gesagt sein, ihr Herren Feinde der Revolution: Wir sind bereit, alle erdenklichen Entbehrungen zu leiden, wir alle, die Mitglieder der Regierung an der Seite des Volkes. Und wenn es gilt, Entbehrungen auf sich zu nehmen, dann werden wir die ersten sein, auf das zu verzichten, was das Volk nicht haben kann, um das Beispiel zu geben, um gemeinsam mit dem Volk zu marschieren.
Wir sind unserer Sache völlig sicher, und keine Intrige, keine Blockade, keine Drohung, nichts dergleichen wird uns den Schlaf rauben. Möge ihnen die Galle überlaufen, mögen sie vor Wut platzen, mögen sie sich die Haare raufen, das ist ihre Sache. Wir werden nicht die Ruhe verlieren. Wenn sie sich das Gehirn zermartern wollen, sollen sie es tun; wenn sie an Gelbsucht eingehen wollen, mögen sie an Gelbsucht eingehen, die Herren Kennedy & Co., und wenn sie herkommen und Hirngespinsten nachjagen wollen, all die Herrschaften, mögen sie kommen! Stellt sie euch doch einmal vor, die Faulenzer, Dickwänste, Tagediebe, wie sie hier in Kuba an Land gehen!
Das sind die Helden des Imperialismus, das sind die großen Herren – zeitlebens Schmarotzer — in ihrer ganzen Schamlosigkeit. Was ist für die Imperialisten schon so ein kleiner Arbeiter, so ein kubanischer Arbeiter, ob weiß oder schwarz! Allein weil er Arbeiter ist, weil er arm ist, verachten sie ihn. Und für uns? Für uns ist dieser Arbeiter der wahre Held, gleichgültig ob schwarz oder weiß, wenn er nur seinem Lande nützt.
Diese Herrschaften wollen uns in die Vergangenheit zurückwerfen und sich hier wieder mästen wie die Schweine, und um das zu erreichen, verkaufen sie ihre Seele selbst dem imperialistischen Teufel. Was kann das Land wohl von ihnen erwarten? Kann es in irgendeinem Lande einen Fortschritt geben mit dieser ganzen Pest von ausländischen Gesellschaften, mit dieser ganzen Pest von Großgrundbesitzern und Großindustriellen, die tagein, tagaus faul am Strand lagen, den nur sie allein betreten durften, die den lieben langen Tag in ihren Blumengärten spazierengehen konnten? Schön sind die Gärten, ja, alles was recht ist, und den Arbeiterkindern, die als Studenten in diese Häuser ziehen, denen werden sie schon gefallen ...
Dort, wo früher so einer ganz allein mit zehn oder mehr Dienstboten wohnte, dort werden Hunderte von Kindern unserer Werktätigen einziehen, die später als Lehrer und Techniker zur industriellen Entwicklung unseres Landes beitragen und all die großen Industrien, all die großen Werke der Revolution leiten werden.
Was sollen diesem Lande noch Verbrecher und Plünderer, was sollen diesem Lande noch Betrug und Unmoral, politische Intrigen und Ammenmärchen? Wer will davon schon noch etwas wissen, wenn er sieht, daß aller Reichtum heute dazu dient, eine unvergleichlich bessere Zukunft für unser Volk zu schaffen, wenn er sieht, daß Schluß ist mit der Ausbeutung und Erniedrigung der Menschen! Sind unsere Feinde so naiv, daß sie glauben, wir ließen die alten Zustände wieder zu, nachdem wir uns zum erstenmal in unserer Geschichte als Menschen fühlen dürfen, als vollberechtigte Staatsbürger, und nicht als verachtete Arbeiter, mit denen man alles machen kann? Ja, wir sind vollberechtigte Menschen, Staatsbürger, die an den Angelegenheiten ihres Landes. teilhaben, die mitverantwortlich sind für das Schicksal ihres Landes, die mit ihrer ganzen Verantwortung teilhaben an den Werken der Revolution. Wir sind vollberechtigte Staatsbürger, die eine Waffe in die Hand bekommen, um ihr Vaterland und ihre Sache zu verteidigen, denn das ist es, was unser Staatsbürger heute zu verteidigen hat, weil er von niemand mehr mißhandelt oder ausgebeutet wird. Die Waffe in der Hand des Arbeiters beweist, daß er mit dem Heute zufrieden ist und die Waffe gegen jene trägt, die ihn in die Vergangenheit zurückzerren wollen. Der Arbeiter ist heute ein vollberechtigter Staatsbürger, nicht mehr jener rechtlose Arbeiter, der für acht oder zehn Stunden Arbeit am Tag zu einem Bettellohn sein Wahlrecht verkaufen und für den erstbesten Spitzbuben, der sich an Staatsgeldern bereicherte, stimmen mußte. Das ist die Demokratie, die sie uns bringen wollen, während unsere Demokratie darin besteht, daß die Werktätigen ein lebendiger, ein aktiver, ein führender Teil der Revolution sind. Unsere Demokratie besteht darin, daß die Minister zu den Arbeitern kommen, daß die Regierung zu den Arbeitern kommt, um die Pläne zu diskutieren, den Arbeitern die Wahrheit zu sagen und gemeinsam mit ihnen die Probleme zu lösen.
Das ist die wahre Freiheit, das ist der wahre Staatsbürger, der nicht bloß einmal alle vier Jahre seine Stimme abgibt, sondern täglich, weil er täglich diskutiert, weil er täglich für seinen eigenen Wohlstand schafft, für sein Volk, weil er tagtäglich ein aktiver Teil des Werkes ist, an dem er schafft. Nicht ein Grüppchen, nicht ein kleiner Klüngel, sondern das ganze Volk schafft daran. Welcher Teil des Volkes? Ganz einfach: der Teil, der arbeiten will, der die Arbeit liebt, der produzieren will. Gegen wen? Gegen die imperialistischen Ausbeuter, die uns für sich arbeiten lassen wollen, und gegen die Pest der Schmarotzer, jene winzige Minderheit, die verlangt, daß wir für sie und für die Imperialisten arbeiten ...
Man muß doch hinter dem Mond leben oder von Tuten und Blasen keine Ahnung haben, man muß doch unter der schäbigen amerikanischen Gnadensonne vor Einbildung den Verstand verloren haben, von dem lächerlichen bißchen Wärme, das sie ihren Getreuen spendet, total verblödet sein, um glauben zu können, daß unser Land auch nur im Traum daran denkt, ein Jahr einen Monat, einen Tag, eine Sekunde so zu leben wie in der Vergangenheit. Wie aufgeblasen, wie größenwahnsinnig und verblendet müssen sie sein, um so etwas zu glauben. Sie müssen doch unser Volk gewaltig unterschätzen und nicht die blasseste Ahnung haben von unserer Bewegung, von unseren Anstrengungen und von dem heißen Empfang, den wir denen bereiten werden, die uns wieder in die unmoralische Welt der Sklaverei, der Diskriminierung, der Ausbeutung, der Willkür und der Entwürdigung zurückzerren wollen, wie sie früher in unserem Lande herrschte!
Was wir geschaffen haben, werden wir zu verteidigen wissen. Wir haben die Waffen, es zu verteidigen, wir haben den Mut und die Entschlossenheit es zu verteidigen! Was wir geschaffen haben und die Zukunft, die wir für unser Volk noch schaffen wollen, wir werden sie vollenden, koste es was es wolle. Mögen die Entbehrungen auch noch so groß sein, wir werden sie zu ertragen wissen, mit der Standhaftigkeit, die ein Volk aufzubringen vermag wenn es sich seiner Würde bewußt ist, mit der Standhaftigkeit des einfachen Menschen, des Arbeiters. Die Werktätigen kann man nicht mit Entbehrungen schrecken, denn gerade wegen des Leides und der Entbehrungen, die man dem Volke auferlegte, gerade wegen der Demütigungen, die man den Armen zufügte, brach doch die Revolution aus!
Euch mag das schrecken, ihr Herren Imperialisten, ihr dickwanstigen Lakaien des Imperialismus, euch mögen Opfer und Entbehrungen schrecken den Arbeiter nicht, denn sein ganzes Leben war Not und Entbehrung, sein Los war zu allen Zeiten Not und Entbehrung. Er wurde arm geboren wich arm heran, lebte arm und arbeitete für euch. Armut, Opfer und Entbehrungen schrecken ihn nicht, denn er weiß, daß diese Opfer und Entbehrungen morgen reiche Früchte für ihn tragen werden, daß sie das Glück seiner Kinder bringen werden. Er weiß, daß die Entbehrungen von heute der Überfluß von morgen, daß die Opfer von heute das Glück von morgen sein werden!
Es lebe die Revolution! Vaterland oder Tod! Wir werden siegen!
Fidel Castro Ruz
6. April 1961
Noticias de Hoy, 7. April 1961
Quelle: Fanal Kuba, Dietz Verlag Berlin 1963
Veröffentlichung mit freundlicher Genehmigung des Karl Dietz Verlages Berlin