Aus der Rede an das kubanische Volk über die Söldnerinvasion, in der Volksuniversität Havanna 23. April 1961
Das Volk kennt bereits einen großen Teil der Tatsachen und ist darüber informiert, wie der Angriff stattfand. Es kennt die Fakten aus den Mitteilungen unseres Armeestabes und aus allen später in der Presse veröffentlichten Berichten. Es kennt sie des weiteren aus den Verhören der Gefangenen, und - das ist die natürlichste und selbstverständlichste Sache der Welt - die Öffentlichkeit erhielt ständig ausgiebige Informationen über die Invasion, ihre Organisierung und die Art und Weise, in der sie niedergeschlagen wurde.
Wir möchten heute einige grundlegende Gedanken zum Ausdruck bringen und eine Vorstellung davon vermitteln, wie der Plan des Feindes in der Kampfzone abrollte und wie sich die Aktion der revolutionären Kräfte entwickelte.
Es war uns schon seit geraumer Zeit, seit nahezu einem Jahr, bekannt, daß der Gegner eine Söldnertruppe zusammenstellte, um unser Land anzugreifen. Seit dem Sieg der Revolution haben wir immer inmitten von Drohungen, Gefahren und Risiken gelebt, die sämtlich von außen kamen. Die Revolution hat stets einer Unzahl von Angriffsmöglichkeiten die Stirn bieten müssen.
Es gab eine Reihe von Varianten seitens der Feinde der Revolution, das heißt von seiten des Imperialismus, denn er ist der einzige Feind, der über Machtmittel verfügt, der imstande ist, einen Angriff dieser Art zu organisieren. Und stets erwog der Imperialismus verschiedene Möglichkeiten des Angriffs gegen die Revolution. Da ist einmal die indirekte Aggression, eine Aggressionsform, die seit langem betrieben wird. Obwohl man sie nicht unbedingt indirekt nennen kann, ist sie es doch im Hinblick auf die Menschen, die sich an der Invasion beteiligten. Die Tatsache aber, daß diese Menschen ihre Instruktionen in Ausbildungslagern erhielten, die von den Yankees organisiert wurden, daß sie von den USA gelieferte Marine- und Luftwaftenausrüstungen verwendeten und sogar noch von USA-Marineeinheiten Megseabet wurden, machte diese Aktion zu einer direkten Aggression. Und noch etwas kommt hinzu: die Beteiligung der USA-Luftstreitkräfte in einem bestimmten Augenblick. Das ist ein wichtiger Punkt.
Mithin handelte es sich nicht um eine ausgeprägte indirekte Aggression, sondern um eine Kombination von indirekter Aggression oder von Strategie des indirekten Angriffs und direkter Aktion ihrerseits. Mit anderen Worten, es war eine kombinierte Sache; weder eine von der Marineinfanterie, der Luftwaffe, den Streitkräften der USA unmittelbar durchgeführte direkte Aggression noch eine indirekte Aggression ohne die Beteiligung von USA Einheiten. Das heißt, daß die USA die Aggression im wesentlichen auf der Grundlage von Söldnertruppen organisierten und sie unmittelbar mit ihrer Kriegsmarine und Luftwaffe unterstützten.
Es wurden also stets drei Möglichkeiten in Betracht gezogen: die Form des indirekten Angriffs, die des Angriffs mittels der Organisation der Amerikanischen Staaten (OAS) und die des direkten Angriffs.
Die klassische Form des indirekten Angriffs ist die Aggression gegen Guatemala, gegen die Regierung Arbenz. Es handelt sich dabei ebenfalls um eine Söldnerorganisation, wenn auch behauptet wird - und nach unseren eigenen Erfahrungen sind wir überzeugt, daß es so war - , daß sich USA-Flugzeuge von amerikanischen Flugzeugträgern an den Kampfhandlungen gegen die Regierung Arbenz beteiligten. Im allgemeinen jedoch wurde diese Angriffsform als eine Form des indirekten Angriffs angesehen.
Man erwog die Möglichkeit, durch Druck der USA auf die OAS eine Mehrheit von lateinamerikanischen Regierungen für eine Art kollektiver Aktion gegen Kuba zu gewinnen, und schließlich wurde noch die Möglichkeit des direkten Angriffs in Erwägung gezogen.
In der Tat haben die USA mit diesen drei Aktionsformen ständig experimentiert und gedroht. Mit den Vorbereitungen für die indirekte ‚Aktion haben sie natürlich sofort begonnen. Gleichzeitig arbeiteten sie auf eine Art kollektiver Aktion gegen Kuba hin. Damit hatten die USA jedoch keinen Erfolg, vor allem deshalb nicht, weil in der öffentlichen Meinung Lateinamerikas eine große Sympathie für die kubanische Revolution herrscht. Das hat sich bis heute als ein unüberwindliches Bollwerk erwiesen, das mit jedem weiteren Tag für die USA-Regierung unüberwindlicher wird und auch einige schwankende Regierungen veranlasste, den Machenschaften der USA gegenüber fest zu bleiben und sich der unerschütterlichen Haltung einer Gruppe lateinamerikanischer Staaten anzuschließen. In dieser Hinsicht erwies sich die Haltung der mexikanischen Regierung angesichts der Intervention in Kuba als außerordentlich fest. Auch die Regierung Quadros und die Regierung Ecuadors zeigten sich gegenüber der Intervention unbeugsam.
Kurz und gut, die USA sind bei ihren Machenschaften, mit der Unterstützung der OAS eine Aggression zu organisieren, auf den machtvollen Widerstand seitens der Regierungen und Völker Lateinamerikas gestoßen.
Mit wessen Hilfe konnten die USA rechnen? Sie mußten fürwahr mit den korrumpiertesten und diskreditiertesten Regierungen Lateinamerikas gemeinsame Sache machen. Anfangs paktierten sie mit Trujillo, und es schien so, als sollte die Aggression gegen Kuba von der Dominikanischen Republik aus organisiert werden. Später starteten sie mit der dieser imperialistischen Regierung eigenen Heuchelei ein Manöver, das darauf abzielte, die Unterstützung eines bestimmten Typs von lateinamerikanischen Regierungen, der sogenannten Regierungen der repräsentativen Demokratie, zu gewinnen. Sie suchten ein Feigenblatt, hinter dem sie ihre schmutzige Politik verbergen könnten. Deshalb gingen sie dazu über, sich als Feinde Trujillos und als nahe Verwandte einer bestimmten Gruppe von nicht ganz so verrufenen lateinamerikanischen Staatsoberhäuptern auszugeben.
Das war damals, als die Konferenz von Costa Rica tagte und es zu jener Deklaration kam, die letzten Endes weiter keine Folgen hatte, wohl aber zu der Massenkundgebung in Havanna führte, die eine nicht geringe Auswirkung auf die lateinamerikanische Öffentlichkeit hatte. Damals bestand die Politik der USA also darin, Trujillo zu verurteilen, um dies als Vorwand zu benutzen, uns anzugreifen. Mit anderen Worten: Eine Regierung, die stets das Regime Trujillos unterstützte, die diesem Regierungstyp in der Dominikanischen Republik zur Existenz verholfen hatte, läßt aus rein heuchlerischen Gründen zum gegebenen Zeitpunkt diese Politik scheinbar fallen und gibt sich als Feind Trujillos aus...
Stets haben wir in der Organisation der Vereinten Nationen und überall auf die Möglichkeit einer Aggression hingewiesen, auf die Möglichkeit, daß die USA einen Vorwand suchen, auf die Möglichkeit, daß sie einen fingierten Angriff auf ihre eigenen Positionen in Szene setzen, wie es die USA unter bestimmten Umständen jedesmal getan haben, wenn sie einen militärischen Aggressionsplan durchsetzen wollten. Immer haben sie es verstanden, einen Vorwand zu erfinden und zu fabrizieren. Deshalb lassen wir im Zusammenhang mit dem Flottenstützpunkt Guantánamo eine so große Vorsicht walten, das heißt, wir achten sorgfältig darauf, daß die USA keinen Vorwand finden können, unser Land anzugreifen. Anläßlich unseres Auftretens vor der UNO brachten wir unter anderem unsere Besorgnis darüber zum Ausdruck, daß die USA in Guantánamo eine Provokation vorbereiteten, und wir erklärten damals, daß wir niemals mit Gewalt die Rückgabe Guantánamos fordern werden, daß wir die Rückgabe dieses Teils unseres Territoriums mit legalen Mitteln betreiben werden, durch die bestehenden internationalen Institutionen, um den USA auch nicht den geringsten Vorwand für eine direkte Aggression gegen unser Land zu liefern.
Unsere Einstellung, unser Standpunkt im Hinblick auf eine direkte Aggression ist eindeutig und klar: Widerstand bis zum letzten Mann. Dazu sind wir entschlossen. Selbstverständlich sind wir daran interessiert, daß es zu keiner Aggression kommt. Kein Land kann sich angesichts einer Aggression, die Werte zerstört und Leben vernichtet, gleichgültig verhalten. Aus diesem Grunde sind wir bestrebt, mit allen Kräften zu verhindern, daß die USA auch nur den geringsten Vorwand haben. Stets haben wir die Welt auf unsere Haltung in dieser Angelegenheit aufmerksam gemacht, um den USA einen solchen Schritt zu erschweren.
Andererseits, wenn es zu einer direkten Aggression gegen unser Land käme, mögen die USA wissen, was sie erwartet: Sie werden auf den entschlossenen und allumfassenden Widerstand unseres Volkes stoßen, und dieser Widerstand wird ihnen das Genick brechen.
Denn die Gefahr einer direkten Aggression wird wieder stärker, besonders nach dem Mißlingen dieses letzten Planes einer indirekten Aggression des amerikanischen Imperialismus.
Na schön, wir wissen, daß der Imperialismus verschwinden wird, daß er historisch zum Untergang verurteilt ist, das haben wir schon immer gesagt, aber wir wollen nicht, daß er auf unsere Kosten Selbstmord begeht.
Mit anderen Worten: Wir meinen, daß der Imperialismus verschwinden wird, daß jedes zurückgelegte Jahr für das imperialistische System ein Jahr weniger bedeutet, jeder verstrichene Tag einen Tag weniger. Der Imperialismus wird eines natürlichen oder gewaltsamen Todes sterben; er wird eines natürlichen Todes sterben, wenn es gelingt, auf Erden den Frieden zu erhalten. Dann wird er noch eine mehr oder minder lange Lebensdauer haben. Er wird eines gewaltsamen Todes sterben, wenn er einen Weltkrieg heraufbeschwört.
Das heißt: Wenn die Imperialisten die Menschheit in einen Weltkrieg stürzen, werden sie einen gewaltsamen Tod erleiden; wenn sie sich ein wenig beruhigen, wenn sie nachsinnen, überlegen und mit einem Minimum von menschlicher Vernunft und historischem Verantwortungsgefühl handeln, dann werden sie einen Weltkrieg vermeiden und werden einen mehr oder weniger kurzen oder langen Zeitraum überleben. Klar ist aber, daß der Imperialismus als ein von den historischen Entwicklungsgesetzen der menschlichen Gesellschaft verurteiltes ökonomisches und gesellschaftliches System verschwinden muß. Daran zweifelt niemand mehr.
Wir wollen natürlich nicht, daß der Imperialismus auf unsere Kosten Selbstmord begeht, das heißt, daß er im Ergebnis eines gegen uns gerichteten Angriffs Selbstmord begeht. Wenn es dazu kommt, wenn dieser mögliche Fall einritt, dann werden wir eben Widerstand leisten, und es wird ein Widerstand sein, der all seine Vorstellungen weit übertrifft.
Das wäre für die Imperialisten der Anfang vom Ende, durch ihre eigenen Gewaltakte heraufbeschworen. Denn sie sind die einzigen, die mit dem Krieg spielen, die die Welt an den Abgrund eines Krieges führen, und dafür gibt es mehrere Ursachen: einmal ihre Aggressivität, ihre Herrschsucht, ihr faschistisches Bewußtsein, der immer ausgeprägter in Erscheinung tretende faschistische Geist der führenden Kreise der USA, und zum anderen ihre eigenen Widersprüche und ihre eigenen ökonomischen Probleme, die sie zwingen, eine ganze Reihe von Krisen, eine ganze Reihe von Kriegsgefahren heraufzubeschwören, um auf der Grundlage einer Kriegswirtschaft ihr Regime, ihr Wirtschaftssystem aufrechterhalten zu können ...
Unsere Wirtschaft, die Wirtschaft unseres Landes, befand sich ebenfalls in den Händen von USA-Monopolen. Die Banken, die wichtigsten Industriebetriebe, die Bergwerke, die Brennstoff- und Energieversorgung, das Fernmeldewesen, ein großer Teil unserer besten Nutzflächen, die wichtigsten Zuckerzentralen waren Eigentum der USA-Monopole, wie überhaupt unsere gesamte Wirtschaft von den USA abhing. Daher konnten wir uns nicht als ein freies Land bezeichnen, weil wir in ökonomischer Hinsicht nicht frei waren.
In dieser Situation wurden mit der Machtergreifung durch die Revolution eine Reihe von revolutionären Reformen und Gesetzen eingeführt, mit dem Ziel, die Wirtschaftsstruktur unseres Landes umzugestalten. Diese revolutionären Gesetze führten sofort zu einem Zusammenstoß mit den Interessen der USA-Monopole, und ein Zusammenstoß mit den Interessen der USA-Monopole bedeutet einen Zusammenstoß mit den herrschenden Kreisen der USA, weil schließlich in den USA Monopol und Regierung ein und dasselbe sind.
Noch nie hatte es eine kubanische Regierung auf Probleme mit den USA ankommen lassen, einfach deshalb nicht, weil keine einzige auch nur ein revolutionäres Gesetz zum Nutzen des Volkes erlassen hätte, das die Interessen der USA-Monopole in Kuba angriff. Und natürlich gibt es Regierungen in Lateinamerika, die außerordentlich freundschaftliche Beziehungen mit den USA unterhalten. Warum? Weil sie keine revolutionären Gesetze erlassen. Jawohl, weil sie kein Gesetz über die Nationalisierung des Erdöls, kein Gesetz über die Nationalisierung der Bergwerke erlassen, wie es das Volk fordert; weil sie keine Agrarreform durchführen, weil sie nicht die Spur einer wahrhaft souveränen Politik betreiben. Als die Regierung Arbenz versuchte, in Guatemala eine Agrarreform durchzuführen, die die Ländereien der United Fruit Company mit einbezog, war die natürliche Folge eine Aggression der USA und die Beseitigung dieser Regierung.
Die Form der direkten Intervention war in den zwanziger und dreißiger Jahren üblich. Mit dem Beginn der Regierungsperiode Roosevelts trat an die Stelle der direkten Intervention seitens der USA gegen die Länder Lateinamerikas die Form der indirekten Intervention, wie sie am Beispiel Guatemalas demonstriert wurde. Nach Guatemala schickten die USA keine Marineinfanterie; sie sandten Castillo Armas und ein Söldnerheer, das sich im schmählichen Bündnis mit der guatemaltekischen Berufsarmee des Landes bemächtigte und Guatemala zu dem machte, was es gegenwärtig ist: ein gepeinigtes Land mit einem Herrscher, der lediglich ein Werkzeug der USA ist; ein Land, in dem der Hunger wütet, wo größte Unzufriedenheit herrscht und dem ein Mann vorsteht, der es sich zur Aufgabe gemacht hat, Söldnertruppen zu organisieren, Truppen wie diese, die unser Land angriffen.
Das ist das traurige Los, das dem guatemaltekischen Volk durch jene Söldnerhorden beschieden wurde, die es, der Politik der USA folgend, angriffen.
Mit dem Erlaß einer Reihe von sozialen und ökonomischen Gesetzen und Reformen in Kuba kam es mithin ebenfalls zu einem Zusammenstoß mit den Interessen der USA. In diesem Fall jedoch verfügte der Imperialismus nicht wie in Guatemala und anderswo über ein von seinen diplomatischen Missionen instruiertes und geführtes Berufsheer, um es gegen die Regierung des Volkes einzusetzen. Nein. Im Falle Kubas war die Berufsarmee, das alte Heer, vernichtet worden, und die Waffen gelangten restlos in die Hände der Bauern, in die Hände der Arbeiter, die den Born darstellten, aus dem die Rebellenarmee schöpfte. Das heißt, die Waffen gelangten in die Hände des Volkes. Die Militärmission der USA in Kuba war bis zum Tag des Sturzes von Batista im Lande geblieben, und das Kuriose ist, daß sich nach dem Einrücken unserer Truppen in Ciudad Libertad, dem früheren Columbia, am Morgen, zur gewohnten Stunde, die Mitglieder der amerikanischen Militärmission einfanden. Sie waren zur Stelle und warteten, ob wir ihnen wohl sagten: "Also schön, beginnen Sie jetzt, uns zu unterweisen. Bis gestern haben Sie dem Heer Batistas beigebracht, uns zu töten, jetzt unterweisen Sie uns."
Wir haben ihnen aber gesagt: "Also, wir verlangen weiter nichts von Ihnen, als daß Sie alle schleunigst nach Hause gehen. Wir brauchen Sie nicht." Ich erinnere mich gut, daß ich mich mit diesen Offizieren dort in einem kleinen Salon traf und ihnen sagte: "Sie haben das Heer Batistas unterwiesen und das Heer Batistas hat verloren. Und wir, die Sie uns nicht unterwiesen haben, wir haben den Krieg gegen die Batista-Armee gewonnen. Demnach unterweisen Sie im Grunde genommen jene, die verlieren. Wir brauchen Ihre Lehren nicht." Und wir forderten sie auf, das Land zu verlassen.
Heute gibt es bei uns keine amerikanische Militärmission mehr; heute gibt es dieses Werkzeug nicht mehr, das sie benutzen, um Verbindungen mit den Offizieren der Kommandostäbe zu knüpfen, von denen sie in einem bestimmten Augenblick, angesichts einer bestimmten politischen Situation, Gebrauch machen. Sie fanden in Kuba eine etwas kompliziertere Situation vor: Es war nicht mehr die Situation wie im Falle Guatemalas, weil sie bei uns weder mit einem Berufsheer noch mit einer Militärmission rechnen konnten. Sie sahen sich einem gänzlich neuen Heer gegenüber, das von Menschen geführt wird, die keinerlei Bindungen zu ihnen haben und deren Klasseninteressen grundverschieden von denen sind, die jenes Berufsheer verteidigte.
Das heißt, daß sie in Kuba nicht mit einer Armee rechnen konnten, um einen Staatsstreich zu organisieren. Die Regierung hat die Unterstützung der übergroßen Mehrheit des Volkes. Die revolutionäre Regierung verfügt über eine neue Armee, die sich aus den Reihen des Volkes zusammensetzt. Was tun? Es begannen die Aggressionen ökonomischer Art und der Kleinkrieg.
Sie sagten sich: Kuba ist ein Land, dessen Wirtschaft völlig vom amerikanischen Markt abhängig ist; es ist wirtschaftlich nicht unabhängig; es ist ein schwachentwickeltes Land, das in jeder Weise von uns abhängig ist. Jede beliebige Regierung, der die Zuckerexportquote gestrichen wird, der wir den Markt, von dem sie abhängig ist, entziehen, muß kapitulieren. So kalkulierten sie, und dann begannen sie zu drohen, und aus dieser Politik der Drohungen wurde eine Politik der Tatsachen. Es kam der Augenblick, da sie unsere Zuckerexportquote gänzlich strichen.
Diese Aggression seitens der USA richtete sich gegen ein Land, das erstens ein schwachentwickeltes Land war und zweitens an Ausgaben für den Verbrauch von Luxuswaren und an ein Importvolumen gewöhnt war, das während der letzten Jahre über das Exportvolumen hinausging. Eine der ersten Maßnahmen, die die Revolutionäre Regierung ergriff, war die Einführung einer Politik der Sparsamkeit, aber nicht zum Nachteil der Arbeiter oder der Bauern, denn sie waren es nicht, die im Cadillac fuhren; die Arbeiter und Bauern waren es nicht, die nach Paris und in die USA reisten, sie waren es nicht, die all diese Luxuswaren verbrauchten. So gab früher Kuba, soviel ich weiß, allein für den Import von Autos beispielsweise ungefähr 30 Millionen Dollar aus, wie gesagt, nur für Autos. Ebenso wurden für die Einfuhr von Autoersatzteilen gewaltige Summen ausgegeben, wohingegen für landwirtschaftliche Ausrüstung nicht einmal 5 Millionen Dollar im Jahr ausgegeben wurden.
Andererseits gab es riesige brachliegende, von Gestrüpp überwucherte Ländereien, während Zehn-, ja Hunderttausende von Familien auf dem Lande Hunger litten, keine Arbeit fanden und völlig auf die Zuckerrohrernte, auf die drei Monate Arbeit während der Zuckerrohrernte, angewiesen waren. Was sie in diesen drei Monaten verdienten, reichte gerade, um die während der arbeitslosen Zeit gemachten Schulden zu bezahlen.
So sah die Wirklichkeit auf dem Lande aus.
Die Revolution brachte eine Politik im Interesse des Volkes, das heißt die Herabsetzung der Mieten, die Senkung der Preise für öffentliche Leistungen, die Übergabe der brachliegenden Ländereien an die Genossenschaften, die Entwicklung der Landwirtschaft, umfangreiche Investitionen für landwirtschaftliche Ausrüstungen, um jedem Arbeit zu geben. Die Revolution leitete eine Politik ein, die einerseits dem Volk Nutzen bringt und andererseits den Import von Luxuswaren einschränkt, um die Mittel anstatt für den Kauf von Luxusautos für den Kauf von landwirtschaftlichen Maschinen und Fabrikanlagen zu verwenden.
So konnte die Regierung mit dieser Politik der Sparsamkeit eine außerordentliche Zunahme des Devisenfonds erzielen. Das war ganz das Gegenteil von dem, was der Imperialismus erwartet hatte. Die Imperialisten sprechen Lateinamerika gegenüber von einer Politik des Maßhaltens; aber diese Politik des Maßhaltens geht auf Kosten der Volksmassen, auf Kosten der Arbeiter und Bauern. Sie bedeutet Lohnstopp und eine ganze Reihe von Maßnahmen, die jedoch nicht im geringsten die Lebensweise, die Ausgaben und Launen und die Einnahmen der ökonomisch herrschenden Klassen beeinträchtigen, denn für sie hat eine solche Politik des Maßhaltens noch niemals ein Opfer bedeutet. Wir hingegen richteten unsere Politik des Maßhaltens gerade gegen die Schichten, die das meiste für Luxusdinge, Aufwand und Reisen ausgaben. So wurde diesen Herren für Reisen ins Ausland nicht die Summe Dollars ausgehändigt, die sie anforderten; sie erhielten einen geringeren Betrag. Früher brachten sie ihre Pesos zur Bank, forderten zehntausend Dollar an und nahmen sie mit, um sie in Paris auszugeben. Nach dem Sieg der Revolution war damit Schluß. Wir sagten: Für eine Reise nach Paris gibt es soundso viel Dollar, das heißt eine begrenzte Summe.
Wir führten also eine Politik des Maßhaltens ein, die sich nicht gegen das Volk, sondern gegen die ökonomisch herrschenden Klassen richtete. Diese Politik zielte darauf hin, landwirtschaftliche Maschinen zu erwerben, Fabriken zu errichten, die Bildungsmöglichkeiten und Wohnverhältnisse der einfachen Schichten des Volkes zu verbessern.
Die Imperialisten predigten in Lateinamerika eine Politik des Maßhaltens auf der Grundlage von Opfern, die die Arbeiter und Bauern, nicht aber die herrschenden Klassen zu bringen haben. Die Revolution führte die Politik des Maßhaltens ein zum Nutzen der Arbeiter und Bauern und auf Kosten der ökonomisch herrschenden Klassen.
Bald bemerkten die Imperialisten das Ergebnis dieser Politik; bald sahen sie, daß der "Che" Guevara, als er die Leitung der Nationalbank übernahm, mit der Arbeit erfolgreich vorankam und daß jener überkluge Herr, der als eine Autorität in Geldangelegenheiten galt, sich aus dem Staube gemacht hatte oder schon vorher abgelöst worden war. Tatsächlich verschwand er erst, als wir ihn schon von seinem Posten in der Nationalbank abgelöst hatten. Nun hofften sie, daß das Land ohne die Hilfe dieser überklugen Herren ein völliges Fiasko erleiden werde.
Genau das Gegenteil trat ein, denn überneunmalkluge Herren waren sie nur im Dienste des Imperialismus, nicht aber im Dienste des Volkes. Wir ersetzten sie durch intelligente Genossen, die nicht zum Nutzen des Imperialismus, sondern des Volkes arbeiteten...
Gehen wir dazu über, den Plan der Aggression des Imperialismus gegen Kuba zu analysieren, zu untersuchen, warum die Söldnertruppen hier und nicht anderswo an Land gingen, was für Absichten sie hegten.
Sie übertrieben erstens die Zahl der Söldner, die sie angeworben haben wollten. Sie sprachen von vier- bis fünftausend Söldnern, die sie nie und nimmer zusammenbringen konnten. Die Truppen, die hier an Land gingen, waren jene, die sie in Guatemala stationiert hatten. Einige kleinere und bedeutend schlechter bewaffnete Gruppen befanden sich im USA-Stützpunkt Guantánamo.
Der Kern ihrer Truppen, der Kern des Söldnerheeres, befand sich in Guatemala. Sie hatten dort zwei oder drei Ausbildungslager, von denen sich eines in Retalhuleu, im Südwesten des Landes befand. Ein Teil der Söldner wurde auf den Vieques-Inseln, in Puerto Rico und in New Orleans, in den USA, ausgebildet ...
Im Gebiet von Baracoa wurde ein Landungsversuch unternommen, aber hier erwartete man die Söldner schon mit Panzerabwehrkanonen und einer ganzen Reihe anderer Überraschungen, und unsere Flugzeuge kreisten überihnen, so daß sie gezwungen waren, den Rückzug anzutreten...
Allem Anschein nach gingen die Absichten des Imperialismus in einem wesentlichen Punkte dahin, sich der Isla de Pinos zu bemächtigen und die dort gefangengehaltenen Kriegsverbrecher und Konterrevolutionäre zu befreien, um mit diesen Elementen unmittelbar das Invasionsheer vergrößern zu können und gleichzeitig ein Stück nationalen Territoriums, eine Insel, in Besitz zu nehmen. Damit wollten sie uns vor die Schwierigkeit stellen, mit den uns zur Verfügung stehenden und in Frage kommenden Mitteln – der Flotte und der Luftwaffe - diese Insel wiedererlangen zu müssen. Ihre Absicht bestand darin, ein Stück kubanischen Territoriums in die Hand zu bekommen, um dort eine "provisorische Regierung" zu bilden ...
Das, was der Imperialismus mit seinen Handlangern aus Guatemala und Nicaragua verübt hat, ist ein Akt der Piraterie, der internationalen Freibeuterei. Dabei machten zwei Probleme den Imperialisten zu schaffen: erstens die Entfernung und zweitens die Verletzung aller internationalen Normen und der damit verbundene Skandal.
Sie brauchten also einen Teil unseres Territoriums, um ungehinderter operieren, Schiffe, Flugzeuge, Söldner usw. landen und einen Zermürbungskrieg beginnen zu können. Sie spekulierten auf die Wirtschaftsblockade und die Streichung der Zuckerexportquote, auf die tägliche Bombardierung unseres Territoriums von kubanischem Gebiet aus, mit ausreichend gelieferten Flugzeugen und Waffen, um damit die Revolution in eine schwierige Lage zu bringen...
Daher ihr Interesse, in den Besitz eines Teils unseres Territoriums zu gelangen. Wir aber mußten um jeden Preis verhindern, daß der Feind sich eines Teils unseres Landes, wo immer es auch sei, bemächtigen konnte ...
Was taten wir? Wir stationierten überall auf der Isla de Pinos Truppen, Geschütze, Panzer, das heißt, wir schufen auf dieser Insel eine Kampfmacht, die sie gegen jeden Angriff unverwundbar machte. Angesichts dieser Situation mußte der Feind von einem Angriff auf die Isla de Pinos Abstand nehmen, weil die Verstärkung, die wir sonst während der Kampfhandlungen auf die Insel hätten bringen müssen, bereits vor dem Angriff an Ort und Stelle war...
Eine Zeitlang versuchte der Gegner, die konterrevolutionären Banden in Escambray zu verstärken, bis sie aus den Bergen von Escambray vertrieben wurden. Er konnte also auch nicht mehr damit rechnen, unter Ausnutzung des Flugplatzes von Trinidad dort einen Stützpunkt zu errichten. Auch dieses Gebiet war hervorragend geschützt.
Nun ergab sich folgende Frage: Würde der Imperialismus die Taktik anwenden, seine Söldnertruppen als eine geschlossene Kampfmacht an Land zu schicken, oder würde er sie teilen, sie an verschiedenen Stellen des kubanischen Territoriums landen? Mit anderen Worten: Würde der Imperialismus die Söldner als ein Ganzes einsetzen, um unseren Streitkräften eine Schlacht zu liefern, oder würde er sie in eine Unzahl von Gruppen aufteilen, um sie, gut ausgebildet und stark bewaffnet, in verschiedene Gebiete unseres Territoriums einzuschleusen und die Revolution zu zwingen, militärische Operationen in verschiedenen und verstreuten Gebieten durchzuführen; oder würde der Imperialismus schließlich die Taktik verfolgen, die Söldnertruppen einzuschleusen und sie aus der Luft mit Waffen zu versorgen, um so zahlreiche konterrevolutionäre Zentren im Innern des Landes schaffen zu können? ...
Wir ergriffen eine Reihe von Maßnahmen, um eine Landung an mehreren Stellen zugleich zu verhindern.
Wir stationierten revolutionäre Kräfte an verschiedenen Stellen des Küstengebietes, wo Landungen vermutet werden konnten, für den Fall, daß sie hier Truppen von beispielsweise 300 Söldnern, dort von 200, woanders wieder von 100 oder 500 vorschicken sollten, vor allem aber in den Zugangsgebieten zu den Bergen, um sie bei der Landung unmittelbar zu lokalisieren und anzugreifen.
Selbst in den letzten Tagen, die der Aggression vorangingen, kursierte vielfach in den Zeitungen der USA und in den Berichten der Nachrichtenagenturen die Meinung beziehungsweise die Version, daß die Imperialisten sich entschlossen hätten, die ihnen zur Verfügung stehenden Kräfte zu teilen, um auf unserem Territorium verschiedene Fronten zu schaffen.
Das konnte möglich sein. Aber ebenso möglich war es, daß sie diese Version lancierten, um uns irrezuführen;; immerhin entbehrte diese Version nicht einer gewissen Logik, weil sie keineswegs einem Frontalzusammenstoß mit unseren Streitkräften gewachsen waren. Es ist nicht das gleiche, ob eine Truppe bestrebt ist, dem Kampf auszuweichen, oder ob sie versucht, in einer bestimmten Position Widerstand zu leisten.
Tatsächlich aber zeigten die späteren Ereignisse, daß sie sich bereits entschlossen hatten, ihre Streitmacht insgesamt zu schicken.
Die Versionen in der amerikanischen Presse und die Agenturberichte besagten unter anderem, daß es riskant sei - und darin hatten sie von diesem Gesichtspunkt aus recht -, die gesamte Streitmacht auf einen Punkt zu werfen, sich einer vernichtenden Niederlage auszusetzen und mit der Niederlage des Söldnerheeres die kubanische Revolution zu stärken und die Konterrevolution aller Reserven zu berauben ...
Die andere Variante hätte ebenfalls eine Niederlage bedeutet, jedoch eine Niederlage, die sich auf viele kleine Kampfabschnitte verteilt hätte, ohne so einzuschlagen, wie die Niederlage, die sie im Ergebnis des auf einen einzigen Punkt konzentrierten Angriffs erlitten...
Sie setzten ihre Hoffnungen auf einen Plan, der gewisser logischer Grundlagen nicht entbehrte und dessen Aussicht auf Erfolg sich auf bestimmte, in gewisser Hinsicht realistische Dinge stützte...
Daher wählten sie eine Möglichkeit, die unmittelbar viel mehr bot, die aber bedeutend riskanter für sie war, riskant in moralischer Hinsicht und was ihr Prestige anbelangt; denn als sie sich einer militärischen Niederlage aussetzten, galt ihre Sorge nicht so sehr der Vernichtung all ihrer Söldner, sondern vielmehr dem moralischen Schlag für den Imperialismus – dennoch ließen sie sich darauf ein. Warum? Weil sie viel Vertrauen in das Gelingen des Planes setzten...
Unsere Streitkräfte standen bereit, um dem Angriff an mehreren Punkten, mit weniger Kräften, die Stirn zu bieten. Dabei verfügten wir natürlich immer über genügend Kräfte, um ihnen an jedem beliebigen Punkt einen schweren Schlag zu versetzen, falls sie nicht diese Taktik, das heißt diese Strategie anwenden sollten, falls sie nicht an verschiedenen Punkten erscheinen sollten, sondern an einem einzigen Punkt.
Wir wußten, daß sie über Fallschirmjäger, über ein Bataillon ausgebildeter Luftlandetruppen und über zahlreiche Flugzeuge verfügten, und schließlich waren alle unsere Dispositionen unter Berücksichtigung beider Möglichkeiten getroffen worden. Die Isla de Pinos konnten wir außer Betracht lassen, sie war unangreifbar; die dort stationierten militärischen Kräfte machten sie unantastbar. Unter diesen Umständen mußte der Kampf auf einem anderen Teil der kubanischen Insel stattfinden...
Die Abgabe mehrerer Erklärungen, die Bildung des Exilrates des konterrevolutionären Gewürms, das übel berüchtigte "Weißbuch" des Mister Kennedy, eine ganze Reihe von politischen Ereignissen und von Deklarationen, ferner die Dinge selber, die durch die USA-Presse hindurchsickerten, und sogar gewisse Unstimmigkeiten zwischen ihnen im Hinblick auf die zu verfolgende Taktik beziehungsweise Strategie - alles das zeigte, daß der Augenblick der Aggression näherrückte ...
Seht her, das ist der "Administrativplan I-400", der dem "Operationsplan I-200" beigefügt war, Anhang zur "Karte des Operationsplanes Pluto": stündliche lokale Instruktion, Versorgung, Amphibieneinheiten, Luftlandeeinheiten, Versorgung und zur Verfügung stehendes Material unmittelbar in der Operationszone, Plan für die Entladung von Versorgungsgütern, Anlagen zum Plan, Kontrolle und Verteilung, Nachschub für die Amphibien- und Luftlandetruppen, Evakuierung und sanitäre Versorgung, Straßentransport, weitere Kontrollmaßnahmen, Zirkulation, Berichte, Dienste, Funktionen usw.
Das heißt, daß sie über den gesamten Plan, sogar über den Versorgungsplan verfügten und "am Tag D, am Tag D plus 10, am Tag D plus 21, am Tag D plus 30" Tonne für Tonne mit den Ausrüstungen liefern wollten, alles bis ins kleinste ausgearbeitet...
Wie sie sich unseres Territoriums bemächtigen wollten, sagt der Operationsplan.
"... 14 Stunden vor H Uhr wird ein Täuschungsmanöver vor der kubanischen Küste in der Nähe von Santa F& durchgeführt, um zu erreichen, daß der Feind seine Land-, See- und Luftstreitkräfte in dieses Gebiet verlegt." Dieses Täuschungsmanöver wurde durchgeführt, wurde von amerikanischen Schiffen durchgeführt; am Tag, als wir die Opfer des Bombenangriffs vom 15. April bestatteten, wurde uns mitgeteilt, daß ein Landungsversuch in Baracoa, im hiesigen Baracoa, unternommen wurde, daß zwei USA-Schiffe Barkassen ausgesetzt hatten, die sich der Küste näherten und sich dann wieder zurückzogen.
3. Die taktische Luftwaffe beginnt ihre Operationen, sobald der Landeplatz in der bestimmten Zone eingenommen ist.
4. Die wichtigsten Eisenbahn- und Straßenbrücken im Gebiet von Havanna, Matanzas, Jovellanos, Colón, Santa Clara und Cienfuegos werden zerstört, um diese Zone von den feindlichen Operationen zu isolieren.
5, Die Lufttransportgruppe bringt Angehörige der Brigade auf dem Luftwege in das festgelegte Gebiet, um eine Luftlandung durchzuführen.
6. Die Seetransportgruppe befördert und landet Truppen der Brigade in Amphibienfahrzeugen.
7. Am Tag ‚D’ unterstützen zwei Schiffe Typ LCI ( ‚Barracuda’ und ‚Marsopa’) die Landung der Truppen und gewähren Feuerschutz.
b) Auftrag:
Um H Uhr am Tag ‚D’ unternimmt die Brigade eine See- und Luftlandung, erobert, besetzt und verteidigt einen Brückenkopf im Frontabschnitt Schweinebucht, Playa Girón und Sumpfgebiet von Zapata, um einen Stützpunkt zu errichten, von dem aus Land- und Luftoperationen gegen die kubanische Regierung Castro unternommen werden können ...
1. Am Tag ‚D minus 7' beginnt die Einschiffung der Brigade auf die Landungsschiffe im Hafen des Stützpunktes der Nachhut. Die Einschiffung wird am Tag ‚D minus 4’ um 24 Uhr beendet.
2. Am Tag ‚D minus 3° verlassen die Landungsschiffe, zu denen die Schiffe ‚Barracuda‘, ‚Marsopa‘, ‚Aguja', ‚Sardina', ‚Tiburón’ und ‚Ballena' gehören, den Hafen des Stützpunktes der Nachhut ... Sie sind fast alle auf dem Meeresgrund gelandet. Jetzt sind sie fürwahr "Nadelfisch", "Sardine" und "Haifisch".
3. Die Schiffe fahren dezentralisiert bis zum Morgen des Tages ‚D minus1’, dann sammeln sie sich zum Konvoi. Danach laufen sie einen Treffpunkt mit einem Geleitschiff in der Operationszone gegenüber der Blauen Küste an." Die Blaue Küste ist Girón. "Die Schiffe ‚Barracuda‘ und ‚Aguja’ setzen den gleichen Kurs in Richtung auf die Schweinebucht fort, und die Truppen an Bord der ‚Aguja' werden an Land gesetzt. Sobald die Landung beginnt, begibt sich die ‚Barracuda' in die offene See zurück und patrouilliert die Einfahrt zur Schweinebucht. Wenn sich die ‚Aguja’ zurückzieht, fährt die ‚Barracuda' zur Blauen Küste und patrouilliert im Gebiet bis zu fünf Meilen ostwärts, wobei sie entlang der Küstenstraße gesichtete feindliche Fahrzeuge und Truppen unter Beschuß nimmt.
4. In der Operationszone gegenüber der Blauen Küste finden folgende Operationen statt: a) Die ‚Tiburón’ setzt ein kleines Boot mit Tauchschwimmern aus. Die Schwimmer begeben sich zur Blauen Küste, um dort die Zugänge zu erkunden und zu kennzeichnen. b) Ein Infanteriebataillon, die Panzereinheit und die Fahrzeugführer werden von der ‚Sardina’ aus in drei Landungsfahrzeugen Typ LCU und drei vom Typ LCVP verladen. Wenn die ‚Sardina‘ alle an Bord befindlichen Truppen übergesetzt hat, begibt sie sich in die offene See zurück, um Instruktionen für das Löschen der Fracht abzuwarten. c) Die 'Marsopa’ legt an der Breitseite der ‚Tiburón’ an, um ein Infanteriebataillon an Bord zu nehmen und läuft, gefolgt von einer LCVP, die Grüne Küste an.
5. Sobald die Küste gekennzeichnet und Positionslichter von den Tauchschwimmern gesetzt sind, beginnen die an Bord der Landungsfahrzeuge Typ LCVP befindlichen Truppen um H Uhr die Landung an der Blauen Küste. Die Landungsfahrzeuge Typ LCU gehen im Morgengrauen an Land und entladen Panzer, Fahrzeuge und Truppen.
6. Beim Anlaufen der Grünen Küste setzt die ‚Marsopa’ die Truppen in einem kleinen Boot und einem Landungsfahrzeug Typ LCVP an Land. Danach kehrt die ‚Marsopa’ zur Blauen Küste zurück und wirkt als Flaggschiff zur Kontrolle der Landungsoperationen.
7. Um die Morgenstunde werden Luftlandetruppen ausgesetzt, um die Zugänge zur Brückenkopfzone zu besetzen.
8. Sobald sich die Truppen an Land befinden, besetzen und verteidigen sie entsprechend den in der Anlage B (Übergeordnetes Operationsschema) gegebenen Weisungen den Brückenkopf." ...
Diesen Plan setzten sie in die Tat um. Bei Anbruch des Tages "D" setzten sie zuerst die Bataillone 2, 4 und 3 an Land, dann wurde die Luftlandung durchgeführt ...
Aber schon bei der Ankunft in Playa Larga und Playa Girón stießen sie auf den Widerstand der dortigen Späh- und Wachtrupps und wurden in Kampfhandlungen verwickelt. Sie hatten schon von Anfang an Zeitverlust, da ihnen diese Trupps, die das Gebiet bewachten, den ersten Widerstand entgegensetzten ...
Nun war es klar, daß sie sich entschieden hatten, nur an einer Stelle anzugreifen, das heißt, daß sie all ihre Kräfte in eine Zone geworfen hatten und jede andere etwaige Bewegung ein Ablenkungsmanöver war. Darüber brauchte man sich keine Sorge mehr zu machen. Jetzt kam es vor allem darauf an‚ zu verhindern, daß sie sich in den Besitz eines Brückenkopfes setzten.
Wir ordneten unverzüglich die Mobilisierung zweier Kampfgruppen unseres Heeres, der 1. und 2. Gruppe, an. Des weiteren wurde die Mobilisierung einer Panzerkompanie sowie von Panzerabwehrbatterien befohlen. Der gleiche Befehl erging an vier 122-mm-Haubitzenbatterien. Das war am ersten Tag. Da aber der Feind am ersten Tag den Luftraum beherrschte, mußten sich unsere Batterien an bestimmte Punkte begeben und die Nacht abwarten, um weiter vorzurücken, weil wir unsere Luftwaffe, die die Schiffe angriff. von dort nicht abziehen konnten.
Unsere Flugzeuge konnten nur dem Bataillon der Milizkommandeure Schutz gewähren ...
Das Bataillon der Milizkommandeure und die Truppen der Gruppe von Matanzas nahmen sogleich den Kampf gegen die Luftlandetruppen auf und hielten die Stellung. Nach dem Eintreffen aller Kräfte des Bataillons der Milizkommandeure wurde Soplillar besetzt. Im Anmarsch befanden sich eine Kompanie mittlerer Panzer und eine Granatwerferbatterie und die 122-mm-Haubitzenbatterien. In Bewegung befanden sich ebenfalls verschiedene Infanteriebataillone...
In Covadonga befanden sich elf Mann, und die Söldnertruppen standen schon anderthalb Kilometer vor dieser Ortschaft. Die Menschen dort waren in großer Besorgnis. Wann würde Verstärkung eintreffen? Wir sagten ihnen: Haltet aus! Räumt die Zuckerzentrale auf keinen Fall! Die ersten, die sich hier befanden, waren Milizangehörige, und diese Genossen, obwohl der Feind sich direkt vor ihnen befand, harrten in der Zentrale aus, gaben sie nicht auf, ebenso wie in "Australia" und anderswo.
Am Nachmittag erhielten unsere Flugzeuge die Weisung, die Schiffe des Feindes pausenlos anzugreifen. Sie begannen mit der Erfüllung ihres Auftrages und vollbrachten eine wahrhaft außergewöhnliche Leistung. Das, was unsere Flugzeuge und die wenigen uns zur Verfügung stehenden Piloten zuwege brachten, war eine grandiose Heldentat. Da wir nur wenige Piloten haben, mußten sie in diesen drei Tagen pausenlos kämpfen, ohne daß eine Ablösung möglich gewesen wäre, und immer mit den gleichen Flugzeugen, für die weder Ersatzteile noch sonst etwas zur Verfügung standen.
Unsere Flugzeuge griffen also sofort die Schiffe des Feindes an. Eines unserer "Sea Furys" mit dem Piloten Ulloa wurde dabei von zwei B 26 angegriffen und abgeschossen ...
Dessenungeachtet flogen unsere Flugzeuge weiterhin die Schiffe des Feindes an, bis schließlich von dessen Flotte nichts mehr übrigblieb als ein Kanonenboot, ein anderes Kriegsschiff und mehrere kleine Boote, die noch bis 30 Meilen vor der Küste von unseren Flugzeugen verfolgt wurden.
Dabei verloren wir noch ein Flugzeug, eine B26, die von dem Fliegerabwehrgeschütz eines der fliehenden Schiffe abgeschossen wurde. Wir hatten somit am ersten Tag zwei Flugzeuge verloren. Andererseits jedoch hatte unsere Luftwaffe am ersten Tag fünf feindliche Flugzeuge abgeschossen, unserer Infanterie Schutz gewährt und vier Schiffe versenkt ...
Das war also die Lage. Als die Nacht hereinbrach, war dem Gegner eine Überraschung bereitet worden, die er in keiner Weise erwartet hatte. Diese Überraschung war unsere Luftwaffe. Die hatte er nicht im geringsten mit einkalkuliert...
v
Unsere Piloten legten eine außergewöhnliche Tapferkeit an den Tag. Mehr noch, wenn der Kampf noch fünf Tage fortgedauert hätte, wäre nicht ein einziger Pilot am Leben geblieben. Warum? Weil einer nach dem anderen gefallen wäre, weil sie gegen eine Übermacht, gegen eine größere Zahl von Flugzeugen kämpften.
Dennoch, mit jedem Abschuß eines feindlichen Flugzeuges wuchs der Mut unserer Piloten. Sie stritten sich sogar darum, wer als nächster an der Reihe war. Das Auftreten dieser kleinen Gruppe von Piloten war hervorragend, und was sie mit ihren Flugzeugen leistete, war wirklich unglaublich.
Am ersten Tag, bei Einbruch der Nacht, hatten wir uns eine feste Position an der Straße von "Australia" nach Girón, nein, von "Australia" nach Playa Larga, gesichert.
Von hier gingen jetzt alle anderen Bewegungen aus...
Unsere Truppen kämpften den ganzen Tag über gegen den Feind; sie gönnten ihm keine Ruhe. Gegen Mitternacht begannen die 122-mm-Haubitzenbatterien die Söldnertruppen am Strand zu beschießen. Von nun an erfolgte der pausenlose Angriff.
Im Morgengrauen erfolgte unter dem Feuerschutz der Flakgeschütze ein Angriff durch unsere Panzer, die bis zum Ufer vorrückten, ohne es jedoch in Besitz nehmen zu können ...
Der Beschuß durch die Haubitzen wurde den ganzen Morgen über fortgesetzt.
Die Lage am 18. April bei Tagesanbruch sah folgendermaßen aus: Wir hatten eine Panzerkompanie, vier 122-mm-Haubitzenbatterien, acht Flakbatterien, eine Batterie 37, Bazookas, eine besondere Kampfgruppe und eine Granatwerferbatterie zur Verfügung.
Am 18. April bei Morgengrauen wurde folgende Bewegung angeordnet: An das Bataillon 111, das sich in "Australia" befand, erging der Befehl, bis Cayo Ramona vorzustoßen. Das war bis dahin vom Feind besetztes Gebiet...
Dieses Bataillon hatte die Aufgabe, anzugreifen, aber nicht von vorn, sondern auf einem Umweg über Buena Ventura, um Playa Larga zu besetzen.
Eine Panzerkompanie brach nach Yaguaramas auf, um dort am 18. April nachts einzutreffen. Die vier 122-mm-Haubitzenbatterien begaben sich nach Covadonga, eine Kompanie schwerer Panzer setzte sich als Reserve nach Yaguaramas in Marsch. Eine weitere Panzerkompanie stand für eine weitere Aktion am 19. April morgens bereit, die noch am gleichen Tage befohlen wurde.
Weiterhin standen noch eine besondere Kampfgruppe und das Milizbataillon bereit, ihre Aufgaben zu erfüllen. Sie sollten am 18. April nachts in Aktion treten. Das war unser Plan ...
Am 18. April 10 Uhr ereignete sich folgendes: Der Feind zog sich zurück, bevor unsere Truppen ihm den Rückzug abschneiden konnten.
Die Lage am 19. April: Am 19. April morgens begannen unsere Truppen, unterstützt durch 122-mm-Artillerie und Panzer, Playa Girón anzugreifen ...
Im Morgengrauen des 19. April rückten die Panzer in Richtung San Blas vor, das am gleichen Tage gegen 9.30 oder 10.00 Uhr fiel. Pupo bezog hier, sieben Kilometer von Cayo Ramona entfernt, mit seiner Panzerbrigade Stellung. Gegen Nachmittag verblieb dem Feind hier nur noch ein winziger Geländestreifen. Wir griffen an, um ihnen, wenn sie Girón verließen, den Rückzug vollständig abzuschneiden ...
Uns bereitete Besorgnis, daß sich viele versprengte Söldner inmitten des Waldes befanden, wir kreisten sie ein und konnten fast alle an eine Stelle treiben, wo wir sie gefangennahmen.
Unsere Truppen erlitten große Verluste. Diese Verluste sind in erster Linie darauf zurückzuführen, daß der Feind am ersten Tage den Angriff gegen unsere Sicherungstruppen führte, die die Küste verteidigten und die verhindern mußten, daß sie eingekreist wurden. Zweitens gab es Verluste durch die feindliche Luftwaffe, als diese die Truppen des Bataillons von Matanzas angriff, die vorrückten, um unsere an der Küste kämpfenden Kräfte zu verstärken.
Der Angriff auf Playa Larga verursachte ebenfalls Verluste, weil er von einer Stelle aus erfolgen mußte, die sich im Feuerbereich der gegnerischen Granatwerfer und Geschütze befand. An dem Tage, da der Angriff, der Vorstoß von Playa Larga und Playa Girón, erfolgte, brachte der Angriff der USA-Flugzeuge vom Typ "Sabre" unseren Truppen große Verluste bei.
Während des Angriffs auf Girön am 19. April gab es ebenfalls Verluste, weil dieser Angriff in einem sehr ungünstigen Gelände geführt werden mußte. Die Söldner hatten sich hier sehr gut verschanzt. Verluste mußten wir ebenfalls im Gebiet von San Blas hinnehmen; wo auch unsere Truppen angriffen, waren sie dem starken Feuer automatischer Waffen, der Granatwerfer und Panzerabwehrkanonen ausgesetzt.
Bis zum 19. April hatten die revolutionären Kräfte 87 Tote und 250 Verwundete zu verzeichnen. Das heißt, daß unsere Kampfeinheiten große Menschenopfer bringen mußten, um zu verhindern, daß der Feind einen Brückenkopf errichtete. Und eben die Art und Weise, wie der Angriff blitzartig zurückgeschlagen, wie die Invasion zerschlagen wurde, rührt aus der Tatsache her, daß unsere Kräfte unaufhörlich, ohne sich Ruhe zu gönnen, den Feind angriffen, bis die letzte Stellung genommen war.
Es ist durchaus möglich, daß die Zahl der Toten noch nicht endgültig ist. Es ist möglich, daß die Zahl der Verluste an Menschen, die uns in den Kämpfen und bei den Luftangriffen gegen unsere Truppen zugefügt wurden, an die hundert reicht. Das zeigt den Heldenmut, mit dem unsere Soldaten und Milizangehörigen, die Luftwaffe und die Artillerie den Kampf führten, die außerordentliche Tapferkeit, mit der die revolutionären Kräfte kämpften.
Zweifellos kennzeichnete diesen ganzen Kampf am besten der Heldenmut unserer Piloten, weil sie einen Kampf auf Leben und Tod führen mußten indem sie unaufhörlich und ohne Ablösung einen Feind bekämpften, der sich ablöste und über mehr Flugzeuge als wir verfügte; ebenso der Infanterie, die gänzlich vom Feuer des Feindes beherrschte Stellungen angriff, der es jedoch im stetigen Vormarsch gelang, dem Feind eine Stellung nach der anderen zu entreißen und die Invasion völlig zu zerschlagen ...
Es ist bedauerlich, daß die herrschenden Kreise der USA so sehr dem Irrtum verfallen sind; es ist bedauerlich, daß sie sich so häufig verrechnen und daß sie dieses Vermögen, sich zu irren, zu solchen Fehlern treibt. Hatte es die Regierung der USA denn nötig, sich derart lächerlich zu machen?
Sie kalkulierten wohl, daß sie die Luft beherrschen würden, daß sie sich unseres Territoriums bemächtigen könnten. Nun gut, das waren ihre Kalkulationen. Sie rechneten viel, in der Tat, aber sie verrechneten sich. Unsere Flugzeuge konnten sie nicht vorher vernichten, weil diese vereinzelt standen, und anstatt uns zu vernichten, kreisten unsere Flugzeuge über ihnen. Der Angriff und die Reaktion des Volkes setzten unverzüglich ein. Der Vorstoß unserer Truppen erfolgte blitzartig.
Glaubten sie am Ende gar, daß wir nicht verstanden, die Geschütze zu handhaben, daß wir nicht verstanden, mit Flugzeugabwehrkanonen umzugehen? Die abgeschossenen Flugzeuge haben das Gegenteil bewiesen, das konzentrierte Feuer unserer Artillerie bewies, daß wir recht hatten, als wir sagten, daß sie vernichtet würden, wenn sie kämen.
Sie haben falsch gedacht, sie haben sich verrechnet. Aber wenn dieser Irrtum für uns auch schmerzlich war und Menschenopfer kostete, so ist es doch darüber nicht hinausgegangen. Wenn der Irrtum, den sie begehen, darin besteht, unser Land anzugreifen, so kann das für sie unabsehbare Folgen nach sich ziehen. Erstens wird man sie in Lateinamerika nicht in Ruhe lassen; der Kampf wird hier und dort geführt werden. Denn wenn sie unser Land überfallen, werden natürlich alle kubanischen Anhänger der Revolution und alle mit der Revolution sympathisierenden Lateinamerikaner kämpfen und den Kampf mitten hinein in ihr Imperium tragen.
Wenn sie unser Land überfallen, werden die Armeen Lateinamerikas vollauf damit zu tun haben, die Botschafter, die Konsuln, die diplomatischen Vertreter der USA zu schützen. Die lateinamerikanischen Armeen werden nicht ausreichen, die Präsidenten der USA-Gesellschaften, der USA-Monopole, die USA-Botschafter und -Konsuln zu schützen; denn wenn sie einen Krieg gegen Kuba führen, werden die Völker Lateinamerikas überall einen Krieg gegen sie führen. Das sollte ihnen zu denken geben.
Es ist bedauerlich, daß sie mit einer Aggression gegen ein Land spekulieren, mit all den Folgen, die das nach sich ziehen kann, denn in einem solchen Fall wird der Irrtum nicht in Girón enden, dann läßt sich gar nicht absehen, wo dieser Irrtum enden kann.
Es ist doch schlimm, daß die Welt den Irrtümern dieser Herren ausgesetzt ist, die von Politik keine Ahnung haben, die so dünkelhaft, prahlerisch und frech auftreten und der Welt Furcht einflößen wollen.
Wie wollen sie die Welt in Schrecken versetzen, wie wollen sie der Sowjetunion Furcht einflößen, wenn sie uns, die wir ein kleines Land sind, nicht einmal in Schrecken versetzen können? Was soll dieses ganze Protzertum, was sollen all diese Drohungen, wenn sie nicht einmal uns erschrecken können? Wie wollen sie dann die übrige Welt in Schrecken versetzen? Was ist das für eine Politik, diese Politik der Drohungen? Was ist das für eine Politik, die sich über jedwedes Recht hinwegsetzt? Was ist das für eine Politik, die alle üblichen Rechtsnormen mit Füßen tritt? Und wem kann es einfallen, mitten im 20. Jahrhundert, da die Menschheit so weit vorangeschritten ist, eine solche Politik zu predigen?
Mehr größenwahnsinnige Reden als Hitler kann niemand in der Welt von sich gegeben haben, mehr Drohungen als Hitler dürfte niemand der Welt gegenüber ausgestoßen haben. Die Reden und Drohungen Kennedys sehen den Reden und Drohungen Hitlers sehr ähnlich. Hitler bedrohte die benachbarten Völker; Hitler bedrohte die kleinen benachbarten Länder, er werde sie überfallen, er werde sie mit seinen Panzern, mit seinen Panzerdivisionen, überrollen. Kennedy bedroht Kuba, Kennedy bedroht ein kleines benachbartes Land, unser Land, daß er es überfallen will, daß er imstande ist, eine Intervention zu führen, daß seine Geduld erschöpft ist usw. Ach so, seine Geduld ist erschöpft!
Und wir? Wieviel Geduld mußten wir aufbringen? Denkt nur an die wirtschaftlichen Aggressionen, die Wirtschaftsblockade, die Streichung der Zuckerexportquote, die Luftangriffe, den Angriff der Söldnertruppen, die Bombardierung unserer Ortschaften, die Zerstörung unserer Zuckerzentralen, Warenhäuser und sonstigen Einrichtungen. Wir mußten hier eine grenzenlose Geduld aufbringen, um das alles zu ertragen, nur weil einem Volk solche Bluttaten und Aggressionen aufgezwungen werden, aufgezwungen durch diese Regierung, diesen Raufbold im Weltmaßstab, der sich das Recht genommen hat, hemmungslos zu morden, zu bombardieren, anzugreifen und Invasionen vorzubereiten.
Sie sagen, mit ihrer Geduld sei es zu Ende. Natürlich, ihre Geduld ist erschöpft, weil wir Widerstand leisten, denn immer wenn sie etwas gegen uns planen, erleiden sie einen Mißerfolg. Der Plan mit dem Erdöl mißlang; der Plan mit dem Zucker mißlang; der Plan mit der Wirtschaftsblockade mißlang; ihr Plan in Lateinamerika mißlang; ihr Plan mit den Söldnertruppen mißlang. Mithin sind sie verzweifelt, möchten etwas, das nicht mißlingt. Sie planen, von ihrer Macht Gebrauch zu machen, ohne daran zu denken, daß dies ihr letzter Mißerfolg werden könnte und nicht nur ein Mißerfolg mehr in der langen Kette. Schließlich war ihr jetziger Mißerfolg nur ein Mißerfolg mehr, aber eine Aggression gegen Kuba könnte der letzte Mißerfolg des USA-Imperialismus werden.
Wir wollen nicht, daß sie uns angreifen; wir wollen nicht, daß sie auf unsere Kosten Selbstmord begehen. Uns wäre es nur recht, wenn sie überlegten, gründlich nachdächten, sich darüber klar würden, daß sie selbst an der Sache schuld sind; daß sie sich diesen Prestigeverlust selbst zuzuschreiben haben; daß sie die Schuldigen an allen diesen Aggressionen sind. Wir wünschten, daß sie darüber nachdächten und zu dem Schluß gelangten, daß der einzig vernünftige Weg, der einzig richtige Weg der ist, unser Land in Frieden zu lassen, einfach in Frieden zu lassen, denn das ist unser Recht und ihre Pflicht.
Wenn sie verhindern wollen, daß das Beispiel Kubas Schule macht, so werden sie, indem sie Kuba angreifen, nur noch mehr Beispiele erhalten, werden sie die Erregung steigern, werden sie sich um so mehr vor der Welt entlarven, und das kann dem revolutionären Geist in Lateinamerika nur förderlich sein.
Alles, was sie tun, um ein Mittel für ihre gegenwärtigen Sorgen zu finden, kann also nur ihre künftigen Sorgen vermehren. Sollen sie uns doch in Frieden lassen. Das ist es, was wir wollen: daß sie uns in Frieden lassen; daß wir in der Erfüllung unserer revolutionären Aufgaben auch weiterhin vorankommen, daß wir bei der Verwirklichung des Friedenswerkes der Revolution vorankommen, ohne Menschenopfer, ohne dafß3 das Vaterland weiterhin wertvolle Söhne verlieren muß; daß sie ihre Terrorkampagnen einstellen; daß sie Schluß machen mit ihren Waffenlieferungen an die konterrevolutionären Gruppen; daß sie Schluß machen mit ihren Terrorkampagnen, denn solange sie Terrorkampagnen inszenieren und die Konterrevolution schüren, sind wir einfach gezwungen, zu erschießen, sind wir gezwungen, mit harter Hand durchzugreifen. Die Terroristen sollen sich also keinen Illusionen hingeben, daß sie ungestraft handeln können, denn solange sie bei ihren aggressiven Plänen im Dienste der Interessen des Imperialismus verharren, solange sie Werte zerstören und bestrebt sind, Leben zu vernichten, werden sie nicht ungestraft handeln. Sie werden die harte Hand der Revolution zu spüren bekommen. Und solange sie ihre Pläne nicht aufgeben, sollen sie keine Gnade erwarten; sie sollen nicht um Gnade bitten, solange sie weiterhin ihre aggressiven Pläne betreiben, ihre Terrorakte, ihre Kriegspläne gegen unser Volk. Denn das Maß war voll, als unser Land eines Morgens erwachte und Bombenflugzeuge über sich hatte. Das war eine Aggression, die an Pearl Harbor erinnert, an die Aggressionen der Nazis, als sie Polen angriffen, als sie Finnland angriffen, als sie Belgien angriffen, als sie Holland angriffen, als sie Dänemark angriffen, als sie die Sowjetunion angriffen. Das war die Methode der imperialistischen Mächte: die Methode des Krieges ohne vorherige Kriegserklärung, die Methode des Überraschungsangriffes. Das sind die Methoden des Nazismus, die Methoden des Faschismus, die Methoden des Imperialismus. Und die Methoden, die Hitler anwandte, die Mussolini anwandte, sind die gleichen, die gegen uns angewandt wurden, die Methode des Überraschungsangriffes im Morgengrauen, die Methode heimtückischer Angriffe gegen unser Land.
Wir wollen nur, daß sie nachdenken, daß sie sich eine kalte Dusche verpassen oder vielleicht auch eine heiße, daß sie sich eines schönen Morgens hinsetzen und nachdenken, die Sache gründlich überlegen, sich nicht vom Zorn leiten lassen, daß sich die regierenden Kreise der USA nicht von Eigendünkel leiten lassen, sondern sich bewußt werden, daß es ein Fehler ist, weiterhin bei der Aggression zu beharren, daß sie damit nichts erreichen werden, daß sie die Revolution nicht niederschlagen werden, daß sie sich selbst heute schon großen Schaden zufügen und in Zukunft noch größeren Schaden zufügen werden.
Was uns anbelangt, so wiederhole ich: Wir wollen nicht, daß sie auf unsere Kosten Selbstmord begehen. Wenn sie sterben wollen, mögen sie eines natürlichen Todes sterben. Wenn sie Selbstmord begehen wollen, dann mögen sie es so tun, wie es ihnen am besten gefällt, aber nicht auf unsere Kosten. Das beste wäre jedoch, sie begingen keinen Selbstmord; das beste wäre, die Geschichte, die Entwicklung der Menschheit selbst löste dieses Problem, setzte diesem System ein Ende, das bereits der Vergangenheit angehört, denn nichts ist von Ewigkeit, meine Herren.
Der Imperialismus muß abtreten, so, wie der Feudalismus abtreten mußte, so, wie die alten Gesellschaftsordnungen abtreten mußten; so, wie der Feudalismus verschwand, so, wie die Sklaverei verschwand, muß auch der Imperialismus verschwinden, muß die Ausbeutung des Menschen durch den Menschen verschwinden, muß die Ausbeutung der Völker durch andere Völker verschwinden. Das ist eine unvermeidliche historische Realität. Sie werden sich der Geschichte entgegenstellen? Denkt an die Feudalherren, die der Geschichte den Kampf ansagten, um zu verhindern, daß der Feudalismus verschwinde. Nun, der Feudalismus war eine Gesellschaftsordnung, die in einer bestimmten Zeit bestand. Diese Ordnung verlieh dem Feudalherrn eine Reihe von Rechten über die Individuen, die auf seinem Grund und Boden lebten, eine Reihe von Privilegien, und das verschwand. Es verschwand diese alte Gesellschaftsordnung, es verschwand die Sklaverei. Warum soll denn nicht der Kolonialismus, der Imperialismus und Kapitalismus verschwinden? Sie müssen verschwinden, in mehr oder weniger Jahren, in einigen Ländern auf diese Weise, in anderen Ländern auf jene Weise; einige Länder schreiten voran, andere schreiten rückwärts. Je mehr sich eine Gesellschaftsordnung gegen die Geschichte stemmt, um so eher wird sie verschwinden ...
Das Volk hat die Stunde des Triumphes ausgekostet. Die Freude des Sieges über die Söldnertruppen war groß, war eine berechtigte und wohlverdiente Freude des Volkes, ein Zeichen seiner Zuversicht. Aber erinnern wir uns, daß die Siege durch Opfer errungen werden, daß 87 Menschen ihr Leben hingaben, um Zehntausende von Leben zu retten, daß 87 Menschen ihr Leben hingaben, um die Schätze der Nation zu erhalten, daß 87 Menschen fielen, bisher 87, und daß es vielleicht mehr sind, die ihr Leben hingaben, um die Zukunft des Vaterlandes zu sichern; das heißt, sie opferten sich für die Zukunft, für alle anderen, sie gaben ihr Leben hin, um die Unabhängigkeit, die Würde, die Souveränität der Nation zu gewährleisten und ein besseres Vaterland zu erringen.
Niemand kann so selbstsüchtig sein, daß er angesichts dieser Vorbilder bei unwichtigen Fragen verbleibt. Halten wir uns stets vor Augen, daß wir die Freude von heute jenen verdanken, die ihr Leben hingaben, und daß die künftigen Generationen ihre Freude von morgen denen zu verdanken haben werden, die wir heute zu allen Opfern bereit sind.
Fidel Castro Ruz
Havanna 23. April 1961
Noticias de Hoy, 25. April 1961
Quelle: Fanal Kuba, Dietz Verlag Berlin 1963
Veröffentlichung mit freundlicher Genehmigung des Karl Dietz Verlages Berlin