Aus der Rede anläßlich der Kundgebung zum dritten Jahrestag der kubanischen Revolution auf dem Platz der Revolution "José Martí", 2. Januar 1962
Verehrte Gäste aus aller Welt, die ihr den heutigen Tag mit uns begeht; Arbeiter, Bürger!
Fidel Castro bei der Volkskundgebung zum dritten Jahrestag des Sieges der Revolution, 2. Januar 1962. |
Wir sind heute zusammengekommen, um den dritten Jahrestag der Revolution zu feiern, den Beginn des vierten Jahres und das weitere Voranschreiten unserer Revolution in all den Jahren, die noch vergehen müssen, bis das große Werk vollendet ist. Und das Werk wird uns gelingen, weil es vom Volke getragen wird, weil es nicht die Aufgabe einer bestimmten Gruppe von Menschen, sondern das Werk der ganzen Nation ist. Wir haben gesiegt, und wir werden weiter siegen, weil unser Unternehmen keine Sache von Schmarotzern, sondern von Kämpfern, von Arbeitern ist; Sache all derer, denen das Wohl unseres Vaterlandes am Herzen liegt; Sache der besten und edelsten Kräfte unseres Vaterlandes - unseres Vaterlandes, das täglich sauberer wird, in dem wir jeden Tag weniger von diesem Geschmeiß, weniger Parasiten, weniger Ausbeuter, weniger Verräter haben.
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Drei Jahre sind vergangen, und wenn man das Werk dieser drei Jahre einschätzen will, wenn man einen unwiderlegbaren Beweis dafür braucht, daß es drei Jahre siegreichen Kampfes waren, drei Jahre des Schaffens ‚ drei Jahre fruchtbarer Arbeit, dann genügt ein Blick auf diesen Platz, genügt ein Blick auf diese Menschenmenge, genügt ein Blick auf dieses Volk, und alle Verleumdungen der Feinde der Revolution brechen zusammen, alle ihre Lügen platzen. Ein Blick auf diesen Platz genügt, um zu wissen und zu verstehen, daß das Werk der Revolution richtig war, daß es nützlich war, vorteilhaft und erlösend für unser Volk.
Wir befinden uns hier in Gegenwart von Hunderten von Gästen aus allen Teilen der Welt: Vertretern aller befreundeten Regierungen, Vertretern aller revolutionären Völker, die sich bereits ihre Freiheit erkämpft haben, die bereits ihre Revolution durchgeführt haben; Vertretern der Völker, die noch um die Durchführung der Revolution kämpfen, wie die Delegation des heldenhaften algerischen Volkes, die am heutigen Tage bei uns weilt; Vertretern der Völker, die noch Auseinandersetzungen und Kämpfe mit dem Imperialismus und Kolonialismus führen; Vertretern aller Völker Lateinamerikas; Vertretern der Regierungen, die es verstanden haben, dem Imperialismus gegenüber ihre Würde zu wahren; Vertretern der Völker, deren Regierungen Beziehungen zu uns unterhalten, und auch Vertretern der Völker, deren Regierungen - oder Mißregierungen - ihre Beziehungen zu uns abgebrochen haben, denn kein Volk Amerikas hat die Beziehungen zu uns abgebrochen!
Für alle diese Völker ist die kubanische Revolution ein interessantes Ereignis, ein bedeutsames Ereignis im Kampf der Völker unserer Epoche für Freiheit und Gerechtigkeit. Unsere Revolution erregt die Bewunderung und die Sympathie aller Völker der Welt. Dafür gibt es mehrere Gründe. Zunächst ist es der Umstand - ich weiß nicht, ob er für uns oder für die Amerikaner unangenehmer ist -, daß wir Nachbarn der Yankee-Imperialisten und nur neunzig Meilen weit von ihnen entfernt sind.
Wir sind aber nicht bereit, von hier fortzuziehen, und wir könnten es auch gar nicht, und ebensowenig könnten sie fortziehen; ebensowenig aber sind wir bereit, uns zu ändern, denn wir schreiten mit dem Lauf der Geschichte voran. So können die Imperialisten zwar nicht aus unserer Nachbarschaft wegziehen, dagegen bliebe ihnen immer noch die Möglichkeit, sich selbst zu ändern; da sich aber die Imperialisten nicht ändern werden, so wird dies eines Tages das Volk in den Vereinigten Staaten selbst tun. Das Volk, das sie elendiglich ausbeuten, das sie unaufhörlich auspressen, damit sich eine verschwindend kleine Gruppe der Monopolisten immer mehr bereichern kann, die die Geschichte der Vereinigten Staaten in den letzten Jahrzehnten in Misskredit gebracht hat. Die Handvoll Imperialisten, die die Geschichte der Vereinigten Staaten in den letzten Jahrzehnten mit Blut besudelt hat, mit dem Blut der Völker aller Kontinente. Die Handvoll Monopolisten, die ihr Land unter eine eiserne Kriegswirtschaft beugt, die darin besteht, den Werktätigen durch eine Unzahl von verschiedenen Steuern die Früchte ihrer Arbeit zu entreißen, um mit diesen Mitteln einen kolossalen Kriegsapparat zu unterhalten, der die Interessen dieser Handvoll Monopolisten auf allen Kontinenten schützen soll.
Man kann sagen, daß bei all der wirtschaftlichen und industriellen Entwicklung, die das Volk der Vereinigten Staaten erreicht hat, seine besten Kräfte für die Unterhaltung enormer Flotten und Heere verwendet werden, für die Unterhaltung von Cliquen in der ganzen Welt, die ihre Länder für Dollars verkaufen, von verräterischen Regierungscliquen, für die Unterhaltung ganzer Armeen von Spionen, Mördern und Saboteuren. Die besten Früchte der Arbeit des amerikanischen Volkes werden dafür verwendet, in der ganzen Welt die Konterrevolution zu fördern, die Reaktion zu decken und den Kolonialismus zu stützen, Militärkamarillen zu unterhalten, den Neofaschismus in den Ländern zu nähren, in denen der Sturz des Faschismus mit dem Blut Dutzender Millionen von Menschen bezahlt wurde - mit einem Wort, dafür, alles Rückschrittliche, alles Reaktionäre in der Welt zu unterstützen.
Vor einigen Tagen erklärte ein prominenter Herr des State Department mit einer solchen Skrupellosigkeit - man kann es auch Schamlosigkeit oder fehlenden Sinn für die Realität nennen -, als spräche er vor einer ahnungslosen Welt und nicht vor einer Welt, die unter unermeßlichen Opfern reiche Erfahrungen in allen Fragen des Weltgeschehens erworben hat, dieser Welt also erklärte er, daß die Vereinigten Staaten ein revolutionäres Land seien. Er gab zu, daß die Welt in Revolution steht, und meinte, daß sie (die Nordamerikaner) letzten Endes auch revolutionär seien. Er bezog sich auf jene Zeit, da sie zweifellos revolutionär waren, auf jene Zeit, da sie gegen den britischen Kolonialismus kämpften, da das amerikanische Volk das tat, was heute die Völker Algeriens, Angolas, Vietnams, die Völker von Laos und Südkorea tun. Er bezog sich auf jene Zeit, da die Amerikaner ihr Blut für die Freiheit vergossen, auf jene Zeit, da sie die Ketten des Kolonialismus abwerfen wollten, um eine neue Etappe des Fortschritts in ihrem Leben zu beginnen. Er bezog sich auf die Zeit, da jene Bourgeoisie eine revolutionäre Bourgeoisie war, da sie darum kämpfte, die kolonialen und feudalen Fesseln zu sprengen, die ihre Entwicklung hemmten.
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Seit damals sind fast zwei Jahrhunderte vergangen, und die Rolle dieser Bourgeoisie hat sich seitdem ungeheuer verändert. Heute denkt sie nicht daran, für etwas zu kämpfen, das Freiheit bedeutet. Heute verteidigt sie nicht in einem einzigen Winkel der Welt auch nur ein Atom Freiheit. Die Monopolisten, die in den Vereinigten Staaten herrschen und die Politik und die Handlungsweise dieses Landes ausschließlich auf ihre Interessen eingestellt haben, sie kämpfen heute gerade für das Gegenteil - für die Aufrechterhaltung des Kolonialregimes in der Welt, für die Aufrechterhaltung der Ausbeuterinteressen in der ganzen Welt, für die Aufrechterhaltung der Reaktion in der ganzen Welt.
Nein, meine Herren Theoretiker des Imperialismus, macht euch keine Illusionen; macht euch keine Illusionen über die Rolle, die ihr in der Welt spielt, macht euch keine Illusionen darüber, daß ihr irgend jemand betrügen könntet. Es sind nämlich nicht alle von der Lügenpropaganda vergiftet, es sieht nicht alle Welt nur Westfilme oder Gangsterstreifen, es lesen nicht alle nur die Lügen und Verleumdungen, mit denen ihr die öffentliche Meinung vergiftet und euer eigenes Volk in den Vereinigten Staaten betrügt.
Die Rolle der Vereinigten Staaten heute, die Rolle der amerikanischen Nation, die Rolle der amerikanischen Machthaber und damit die Rolle, die sie diese Nation spielen lassen, ist eine wahrhaft schändliche, verbrecherische, hassenswerte Rolle; und die Völker verstehen dies täglich besser; die Völker lernen dies aus eigener Erfahrung.
Traurig, jawohl, traurig ist diese Rolle! Aber nur das amerikanische Volk selbst kann diese Rolle wechseln. Niemals können die Ausbeutermonopole, die ihre Existenz und ihre Macht dem Schweiß der Arbeiter verdanken und dem Blutvergießen, das sie in der Welt zur Verteidigung ihrer Interessen anrichten ließen, niemals werden diese Monopole die Losungen der Freiheit hochhalten können. Diese Monopole verschwenden nicht nur die Früchte der Arbeit des nordamerikanischen Volkes, sondern zwingen außerdem noch viele andere Völker dazu, es ihnen gleichzutun, sie zwingen viele andere Völker der Welt, jährlich viele Milliarden Dollar für Waffen und für Truppen auszugeben, ja, sie zwingen dazu alle Völker ohne Ausnahme: die Völker ihrer eigenen imperialistischen Alliierten und auch die Völker der befreiten Länder. Die einen, weil sie durch ihre imperialistischen Bündnispartner aus anderen Nationen als Statisten in die Kriegspolitik hineingezogen werden, und die anderen, weil sie beständig auf der Hut sein müssen, weil sie sich in einem ständigen Zustand der Wachsamkeit befinden müssen gegenüber der Gefahr einer verbrecherischen Aggression, gegenüber den Gefahren der Kriegspolitik.
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So unterstützen die Imperialisten nicht nur nach wie vor in der ganzen Welt die reaktionären Ausbeuterregime, die imperialistischen und kolonialistischen Regime, erhalten sie nicht nur die Kriegsgefahr in der Welt aufrecht,sondern zwingen außerdem alle Völker der Welt, märchenhafte Summen für die Rüstung auszugeben, zwingen sie diese, so enorme Summen auszugeben, obgleich ohne diese Kriegspolitik, ohne diesen Zwang, den sie ihren eigenen wie auch anderen Völkern auferlegen, innerhalb von fünfzehn oder zwanzig Jahren die gesamte Menschheit einen außerordentlichen, ungeahnten Fortschritt erleben würde.
Im Laufe von fünfzehn oder zwanzig Jahren und vielleicht schon früher wäre der Hunger auf der ganzen Welt verschwunden, wäre das Elend, wäre die Unwissenheit verschwunden. Große Teile der Welt, besonders die schwachentwickelten Kontinente - schwachentwickelt eben durch die Schuld der Imperialisten, die durch die Ausbeutung der Kolonien ihren eigenen Reichtum erlangten, ihre Industrie entwickelten und dafür viele Millionen in der Zurückgebliebenheit hielten, so daß man sagen kann, daß Milliarden von Menschen dieser Länder mit ihrem Schweiß und ihrer Arbeit zur Entwicklung der Industrie der fortgeschrittenen kapitalistischen Länder beigetragen haben und dabei selbst der Armut und der Unterentwicklung ausgeliefert wurden -, alle diese Länder könnten ungeahnte Höhen des Fortschritts erreichen, wenn diese märchenhaften Summen, die jährlich für die Kriegsrüstung ausgegeben werden, zum Nutzen der Menschheit verwendet würden.
Derart und so groß ist der Schaden, den der Imperialismus, besonders aber der Yankee-Imperialismus, in der Welt anrichtet. Wir selbst sind ein Beweis dafür. Wir haben hier den Vorbeimarsch unserer Miliz, unserer Luftabwehrartillerie, unserer Panzerabwehrbrigaden, unserer Raketenwerfereinheiten und unserer Panzerbrigaden erlebt; das Volk hat ihnen zugejubelt, es hat sie mit Liebe betrachtet, weil es weiß, daß das Glück der Revolution und sein Schicksal, seine Freiheit, seine Unabhängigkeit und seine Zukunft mit diesen Waffen verteidigt werden.
Angesichts ihrer Existenz fühlt sich das Volk sicher und optimistisch, weil es weiß, daß es Waffen hat, mit denen es sich verteidigen kann; weil es weiß, daß es Waffen hat, mit denen es seine Feinde vernichten kann; weil es weiß, daß es Waffen hat, mit denen es die Söldner und jede Art von Aggressoren zu Boden schlagen kann.
Und das Volk, das Volk marschierte auf diesen Platz hinter den Panzern, hinter den letzten Panzern, ja zwischen den Panzern und sogar vor den Panzern, weil es keine Panzer gegen das Volk sind, sondern weil es ein Volk mit Panzern ist! Das Volk marschiert nur dann mit den Panzern, wenn es seine eigenen sind und wenn sie dazu dienen, eine gerechte Sache zu verteidigen, vor allem aber dann, wenn sie dazu dienen, die heiligste und gerechteste Sache zu verteidigen - die Sache der nationalen Unabhängigkeit, die Sache der Freiheit, die Sache seiner Revolution!
Wer aber zwingt uns dazu, diese Waffen überhaupt zu besitzen? Diese Waffen sind keine Angriffswaffen. Die Marionetten des Imperialismus behaupten immer wieder, daß Kuba zu einer Gefahr geworden sei, daß die militärische Stärke der kubanischen Revolution eine Gefahr für die übrigen Regierungen Amerikas sei. Eine Gefahr für wen eigentlich? Unsere Waffen sind keine Angriffswaffen; es sind keine Waffen, die geeignet wären, einen Angriffskrieg zu führen, und wir werden niemals solche Waffen benötigen. Unsere Waffen sind Verteidigungswaffen, sind Waffen, die zur Verteidigung der Nation dienen; allerdings auch dazu dienen, die Offensive zu ergreifen, gegen jeden Feind, der uns hier anzugreifen wagt.
Wir haben keine Flottengeschwader, die irgendeine Art Aggression gegen irgend jemand beginnen könnten; wir besitzen keine Mittel - weder benötigen wir sie, noch werden wir sie jemals besitzen, weil wir sie nicht wollen und niemals danach trachten werden -, die für den Transport von Armeen, für den Transport von Panzern nach den Territorien anderer Länder geeignet wären. Außerdem wäre dies in jeder Hinsicht absurd.
Trotzdem sagen sie, daß Kuba zu einer Gefahr geworden sei. Freilich ja, es ist zu einer Gefahr für die Aggressoren geworden, zu einer Gefahr für diejenigen, die aggressive Absichten gegen unser Vaterland hegen. Wenn sie diese Gefahr meinen, dann haben sie recht; wenn sie die Gefahr meinen, die darin besteht, daß die Revolution nicht zerschlagen werden kann, daß die Revolution nicht erstickt werden kann, dann haben sie recht. Wenn sie aber eine Gefahr für sich in ihren eigenen Ländern meinen, dann sagen wir ihnen: Nein, niemals wird eine Gefahr für sie in diesen Waffen liegen; nie werden diese Waffen eine Gefahr bedeuten, nicht für das Territorium und nicht für die Grenzen irgendeines amerikanischen Landes; niemals werden diese Waffen die Sicherheit irgendeines Volkes gefährden.
Was die Regierungen betrifft, die in Amerika ihre Völker verraten, was die Regierungen betrifft, die die Souveränität ihrer Länder erbärmlich den Absichten des Yankee-Imperialismus ausliefern, was die Regierungen betrifft, die sich feige und verräterisch verkaufen und dazu hergeben, sich mit den Imperialisten zu verbünden und mit ihnen gemeinsames Spiel gegen ein lateinamerikanisches Volk zu machen, gegen ein Brudervolk, gegen ein Volk, dessen Stimme von nahezu zweihundert Millionen Männern und Frauen auf diesem Kontinent, mit dem gleichen Akzent und der gleichen Sprache, die auch sie haben, gehört werden kann - was jene Regierungen betrifft, die ihr Vaterland verraten und verkaufen: für sie liegt die Gefahr nicht in unseren Waffen; für sie liegt die Gefahr in ihren eigenen Völkern. Nur dort, dort liegt die einzige Gefahr!
Die Gefahr liegt nicht in Aggressionen seitens Kuba, nicht in den Waffen Kubas; die Gefahr liegt in der Unterdrückung und dem Hunger, denen sie ihre Völker unterworfen haben - sie und die Imperialisten, ihre Herren; die Gefahr liegt in der ungeheuren Ausbeutung, in der jahrhundertelangen Ungerechtigkeit, in der diese Völker gelebt haben. Und wenn sich die Völker ihres Schicksals bewußt werden, wenn sie sich der Ungerechtigkeit bewußt werden, die sie erdulden müssen, wenn sie sich ihrer Kraft bewußt werden, dann brauchen sie keine Panzer, keine Kanonen, keine Flugzeuge, denn auch wir hatten, als wir diesen Kampf aufnahmen, weder Panzer noch Kanonen noch Flugzeuge und auch keine Armee; wir hatten kaum ein paar armselige Gewehre, mit denen wir den Kampf aufnehmen konnten - doch wir hatten Recht und Gerechtigkeit auf unserer Seite und alle die Umstände, die sichaus der imperialistischen und kapitalistischen Ausbeutung ergaben, in der unsere Arbeiter, unsere Bauern und die ungeheure Mehrheit unseres Volkes lebten.
Freilich, da können sie erschrecken, es ist gewiß furchterregend zu wissen, daß die unterdrückten Völker, daß die ausgebeuteten Völker weder Kanonen noch Flugzeuge noch Panzer brauchen, um mit dem Kampf zu beginnen und den Sieg zu erringen; zu wissen, daß die Panzer, die Flugzeuge und die Kanonen, die sie besitzen, ihnen nichts nützen werden, ebenso wie sie der Diktatur, dem Ausbeuterregime, der proimperialistischen Regierung, die über unser Land herrschte, nichts nützten. Nichts nützten ihnen die Panzer, die ihnen die Yankees schickten, nichts nützten ihnen die Bomben und all die Waffen, die Kanonen, Flugzeuge, Granatwerfer und automatischen Gewehre, die ihnen der Imperialismus sandte, weil schließlich die Waffen nichts gegen das Volk nützen, weil sie nichts nützen, wenn sie nicht für die gerechte Sache stehen, nichts nützen, wenn sie in den Dienst des Verbrechens, in den Dienst der Ausbeutung gestellt werden.
Was für Waffen hatten wir? Keine. Wieviel Waffen hatten sie? Viele. Was für Waffen hatten die Algerier, als sie ihren heroischen siebenjährigen Kampf aufnahmen? Keine. Und wie viele Waffen hatten die Kolonialisten? Alle Waffen einer der stärksten Mächte Europas.
So besteht eine große historische Wahrheit darin, daß die Völker - in der gegenwärtigen Epoche wie auch in der Vergangenheit -, wenn ihre Stunde kam, wenn die Stunde des revolutionären Bewußtseins anbrach, wenn die Stunde des Kampfes für ihre Freiheit gekommen war, immer ohne Waffen waren, denn alle Befreiungskriege haben immer ohne Waffen und gegen die Waffen der Ausbeuter begonnen...; ohne Waffen und gegen die Waffen der Ausbeuter begannen wir unseren Kampf, und ohne Waffen und gegen die Waffen der Ausbeuter werden die unterdrückten Völker, früher oder später, den Kampf fortsetzen.
Eben das müssen die Verräterregierungen befürchten, eben das müssen die Regierungen Lateinamerikas befürchten, die als Verbündete des Imperialismus Ränke gegen unser Vaterland schmieden; eben das müssen sie befürchten, weil die Geschichte sie verurteilt. Und sicher kommt ihre ohnmächtige Wut gegen die kubanische Revolution eben daher, daß sie von der Geschichte verurteilt sind und daß die Völker, die sie heute noch unterdrücken, sie früher oder später zur Rechenschaft ziehen werden.
Heute haben wir die Waffen, die wir damals nicht hatten, damals, als wir in den Bergen kämpften; uns gehören heute diese modernen Waffen. Aber warum haben wir sie? Weil damals, als der eine Kampf beendet war, unser Kampf gegen die Ausbeuterclique, die sich in unserem Lande auf die Bajonette ihrer vom Yankee-Imperialismus organisierten und ausgerüsteten Armee stützte, weil damals, als jener Kampf zu Ende ging, ein neuer und noch härterer, noch schwierigerer, noch langwierigerer Kampf begann, nämlich der Kampf unseres Volkes gegen den Yankee-Imperialismus, der Kampf unseres Volkes gegen seine Machenschaften, seine Söldnerheere und seine aggressiven Pläne.
Ohne den Yankee-Imperialismus brauchten wir nicht einen einzigen dieser Panzer, brauchten wir auch nicht ein einziges dieser Geschütze, nicht ein einziges dieser Flugzeuge und nicht einen einzigen dieser Soldaten; ohne die Unterstützung des Yankee-Imperialismus wagten es die alten Ausbeuter nicht einmal, auch nur einen Finger gegen uns zu erheben; denn wenn sie heute zu konspirieren wagen, wenn sie konterrevolutionäre Sabotageakte organisieren, wenn sie auf Zuckerrohrplantagen Brände legen und andere Scheußlichkeiten begehen, wenn sie es wagen, die überwältigende revolutionäre Mehrheit des Volkes herauszufordern, wenn sie es wagen, dem Willen der Nation entgegenzutreten, dann einzig und allein deshalb, weil sie vom Yankee-Imperialismus unterstützt und angestachelt werden.
So sind wir ein Beispiel dafür, wie der Yankee-Imperialismus nicht nur mehr als fünfzig Milliarden Dollar verschwendet, die mit dem Schweiß und den Anstrengungen des nordamerikanischen Volkes erarbeitet wurden, sondern wie er auch die anderen Völker zu militärischen Ausgaben zwingt. Wenn sie uns nicht zwingen würden, soviel für Waffen, für unsere Armee auszugeben, wenn sie uns nicht zwingen würden, uns dies an anderen Dingen abzusparen, wenn die Revolution also nicht zu diesen Ausgaben gezwungen wäre, dann hätten wir noch viel, viel mehr Mittel für die Befriedigung der Bedürfnisse des Volkes und viel mehr Mittel für die Entwicklung unserer Wirtschaft.
Als die Imperialisten begannen, den Überfall von Playa Girón zu organisieren, hatten wir noch nicht einmal Beziehungen zur Sowjetunion und auch nicht zu den übrigen sozialistischen Ländern; dennoch waren die Yankee-Imperialisten schon dabei, die Aggression gegen uns zu organisieren. Damals war auch die Revolution noch nicht sozialistisch, weil die Geschichte schließlich keine Sprünge machen kann, denn die Geschichte ist ein Ergebnis der gesellschaftlichen, politischen und wirtschaftlichen Entwicklung.
Der Prozeß der kubanischen Revolution begann mit der Etappe der nationalen Befreiung; er begann mit der Durchführung einer Reihe von Maßnahmen, die dieser Etappe entsprachen. Die Revolution tritt in neue Etappen ein, wenn die vorangegangenen abgeschlossen sind. Die Revolution tritt in die Etappe des Aufbaus des Sozialismus ein, wenn die Aufgaben der nationalen Befreiung gelöst sind.
Unsere Revolution begann mit dem Aufbau des Sozialismus, als die Bedingungen zu weiteren Fortschritten gegeben waren. Die kubanische Revolution blieb nicht stehen; wir hatten ja keinen Grund dazu, stehenzubleiben, und wir wollten es auch gar nicht, denn wir konnten uns nicht mit einer nur halb zu Ende geführten Revolution zufriedengeben. Wir Führer der Revolution durften schließlich nicht den Lauf der Geschichte hemmen, denn wir sind keine Bremsklötze am Rad der Geschichte, sondern in jedem Fall Motoren für dieses Rad.
So waren wir Führer der Revolution auch niemals darauf aus, die Revolution zu bremsen, sondern waren im Gegenteil immer gewillt, Triebkräfte der Revolution zu sein, Triebkräfte der revolutionären Entwicklung. Weder wir noch unser Volk wollten stehenbleiben, weil unser Volk nicht in einem Regime oder System der Ausbeutung weiterleben wollte. Unser Volk wollte nicht nur seine Souveränität erobern, seine Unabhängigkeit, seine sozialen und demokratischen Rechte, sondern es wollte sich außerdem eine gerechtere Gesellschaftsordnung erkämpfen, eine Gesellschaftsordnung, die der geschichtlichen Entwicklung entspricht, eine Gesellschaftsordnung, die in der Lage ist, alle Bedürfnisse unseres Volkes zu befriedigen, eine Gesellschaftsordnung, die unserer Nation die Pforten zu ungeahntem Fortschritt öffnet. Deshalb ist, nachdem die ersten Abschnitte vollendet waren, die Revolution in die zweite Etappe eingetreten.
Das wollen die Imperialisten jetzt zum Vorwand nehmen. Unabhängig davon, daß uns das einerlei ist, unabhängig davon, daß wir es nicht bereuen, sondern daß wir nochmals bestätigen, daß dies eine sozialistische Revolution ist und daß wir Marxisten-Leninisten sind, unabhängig davon, daß wir das Recht haben, diejenige Wirtschafts- und Gesellschaftsordnung zu wählen, die wir für angemessen halten...; denn wenn die Imperialisten glauben, ein Recht auf ihren Imperialismus zu haben, so glauben wir, ein tausendmal größeres Recht auf unseren Sozialismus zu haben. Und wenn die Monopolistenglauben, es sei ihr Recht, daß eine Handvoll Menschen über Milliarden investierter Dollar verfügt, eine Handvoll Monopolisten wie Rockefeller, Morgan und die anderen Subjekte dieser Gattung, mögen sie sich nennen wie sie wollen, wir jedenfalls glauben, daß es viel gerechter ist, wenn diese Reichtümer der ganzen Gesellschaft gehören. Wir meinen, daß eine Raffinerie oder Zuckerzentrale, die zehn Millionen wert ist, nicht einem einzelnen gehören darf, weil dieser einzelne sie nicht in Betrieb setzen und nicht allein produzieren kann, sondern daß es tausendmal gerechter ist, wenn sie dem ganzen Volk gehört.
Obwohl es unser Recht ist, Sozialisten zu sein, begannen sie, ihre Invasionen gegen die Revolution zu organisieren, als die Revolution noch nicht einmal in die Etappe des Aufbaus des Sozialismus eingetreten war. Jetzt sind sie durch ihre eigenen Handlungen entlarvt. Diese Handlungen beweisen die ganze Verlogenheit des Imperialismus, beweisen, daß der Imperialismus nicht dem Willen der Völker Rechnung trägt, selbst wenn sie nicht für den Sozialismus, sondern nur um die Wiedergewinnung dessen kämpfen, was ihnen gehört. Das ist es, weshalb der Imperialismus uns so unbändig haßt.
Bei Mexiko ist das anders. Mexiko ist kein imperialistisches Land, Mexiko war weder Besitzer unserer Ländereien noch unserer Zuckerfabriken.
Mit wem hatten wir Schwierigkeiten? Mit den Yankee-Imperialisten! Mit keinem anderen Volk hatten wir Schwierigkeiten, mit den Völkern überhaupt niemals, denn wir hatten auch keine Schwierigkeiten mit dem nordamerikanischen Volk. Wenn wir Schwierigkeiten mit einigen Regierungen Amerikas hatten, dann waren es auch nicht eigentlich diese Regierungen, sondern die Monopole, die diese Regierungen als ihre Marionetten, ihre Werkzeuge handhaben. Das heißt, wir hatten Schwierigkeiten mit den Regierungen, die den Yankee-Monopolen auf Gnade und Ungnade ausgeliefert sind; das ist die Geschichte dieser Entwicklung, die Geschichte, die unserem Volke wohlbekannt ist, die Geschichte, die Amerika kennt.
Wir aber haben bewiesen, daß wir zu jenen Regierungen, die unserer Souveränität und unserer Unabhängigkeit die gebührende Achtung entgegengebracht haben, unabhängig von den in jenen Ländern bestehenden Wirtschafts- und Gesellschaftssystemen, freundschaftliche Beziehungen unterhalten, weil sie unser Land respektiert haben. Das beweist, daß wir zu jedem Volk Lateinamerikas derartige Beziehungen haben könnten ...
Diese drei Jahre haben uns viel gelehrt. Sie haben uns gelehrt, daß einem Volk alles möglich ist; sie haben uns gelehrt, daß ein Volk imstande ist, alle Hindernisse zu überwinden, daß ein Volk fähig ist, mächtigen Feinden die Stirn zu bieten; daß ein Volk in der Lage ist, alle notwendigen Opfer zu bringen; daß ein Volk, wenn seine Stunde gekommen ist, eine Gelegenheit, die ihm gegeben ist, zu nutzen versteht.
Laßt uns also diese große Gelegenheit nutzen, diese große Gelegenheit, die unsere Väter in ihren Kämpfen um die Unabhängigkeit herbeisehnten, diese große Gelegenheit, die sich so unzählige Kämpfer aus dem Volk wünschten, diese große Gelegenheit, die uns so viel Leid und so viele Opfer gekostet hat, für die so viele Helden fielen im Kampf gegen Unterdrückung und Tyrannei, im Kampf in den Bergen und bei der Verteidigung unserer Küsten. Diese große Gelegenheit heißt es heute nutzen.
Mit Beginn dieses Jahres, in das wir jetzt eintreten, dieses vierten Jahres der Revolution, nach drei erfolgreichen Jahren, nach drei erfahrungsreichen Jahren, müssen wir uns deshalb sagen, uns selbst vornehmen, die Gelegenheit zu nutzen, unsere Anstrengungen zu verdoppeln, uns jeden Tag bewußter werden, daß das Volk sich selbst seine Zukunft aufbauen muß, daß die Zukunft nur ein Werk des Volkes sein kann, euer aller Werk, ihr Männer und Frauen, und euer, der Jugend Werk!
Wer wird uns unsere Zukunft schaffen? Wir selbst! Wer wird uns eine glückliche Zukunft für unser Vaterland sichern? Wir selbst und nur wir allein! Niemand wird dies für uns tun, von niemand als von uns ganz allein hängt es ab; wir haben die Gelegenheit und alles, was dazu notwendig ist.
Deshalb sind drei Dinge besonders wichtig in diesem Jahr: erstens die Verteidigung unseres Vaterlandes gegen die Pläne unserer Feinde; zweitens die Förderung des revolutionären Bewußtseins; dabei läßt sich gar nichtsagen, was eigentlich an zweiter Stelle oder an erster stehen muß. Hier ist alles wichtig, denn das Bewußtsein ist unerläßlich, wenn wir unsere Aufgaben erfüllen wollen! Ohne ein stets gegenwärtiges revolutionäres Bewußtsein werden wir unser Vaterland nicht siegreich verteidigen können, und ohne revolutionäres Bewußtsein können wir auch nicht die dritte Aufgabe erfüllen, die Aufgabe nämlich, zu planen, die Aufgabe, uns der Arbeit für unsere Zukunft zu widmen, die Aufgabe, unsere Wirtschaft zu entwickeln.
Das also sind die drei Dinge: Stärkung des Bewußtsein, der Verteidigungskraft und der Wirtschaft.
Das Bewußtsein, das die Massen beflügeln soll; die Verteidigungskraft, um uns die Gelegenheit und das Recht zu erhalten, uns unsere Zukunft sie zu gestalten; und die Wirtschaft, weil sie die Grundlage für unsere Zukunft sein wird.
Deshalb betonen wir zu Beginn unseres vierten Jahres noch einmal, welche Aufgaben wir zu erfüllen haben. Die großen Volksmassen, die sich hei hier versammelt haben, beweisen, daß wir vorangekommen sind; sie beweisen daß die Kraft der Revolution gewachsen ist, denn jedes Jahr sind es mehr die hier zusammenkommen, weil mit jedem Jahr mehr Bewußtsein, mehr Überzeugung da ist; jedes Jahr sind es mehr und immer mehr, die das Banner der Revolution, das Banner des Vaterlandes fest in ihre Hände nehmen; jedes Jahr sind es mehr, die sich aufrichten, die sich dem großen Werk abschließen die das Vermächtnis unserer Gefallenen ehren, die das verwirklichen, wofür so viele unserer Helden ihr Leben gaben; jedes Jahr sind es mehr die sich in das Heer derer einreihen, die ihre Pflicht zu Ruhm und Ehre Nation erfüllen; jedes Jahr sind es mehr, die mit der Geschichte gehen, die mit uns an der Seite aller Völker für eine bessere Zukunft aller Menschen kämpfen.
Wir Kubaner werden unseren Teil zu erfüllen wissen; wir Kubaner werden unsere Pflicht zu erfüllen wissen; wir Kubaner werden die Sympathie und die Solidarität der übrigen Völker der Welt zu erwidern wissen; und unseren Gästen können wir heute sagen: Wir Kubaner werden nicht verlieren! Die kubanische Revolution festigt sich immer mehr! Die kubanische Revolution wird weiter siegreich vorwärtsschreiten!
Es lebe die Solidarität aller Völker der Welt!
Es lebe der Kampf aller Völker der Welt gegen Kolonialismus und Imperialismus!
Es lebe der Marsch der Völker in die Freiheit, in eine bessere Zukunft!
Vaterland oder Tod! Wir siegen!
Fidel Castro Ruz
Platz der Revolution, Havanna, 2. Januar 1962
Noticias de Hoy, 3. Januar 1962
Fotos: Fidel Soldado de las Ideas
Quelle: Fanal Kuba, Dietz Verlag Berlin 1963
Veröffentlichung mit freundlicher Genehmigung des Karl Dietz Verlages Berlin