Die Frauen Kubas an der vordersten Front der Revolution

Aus der Schlußansprache auf dem Ersten Nationalkongreß der Kubanischen Frauenföderation, 1. Oktober 1962.

Fidel Castro Genossinnen Delegierte des Ersten Nationalkongresses der Kubanischen Frauenföderation!

Dieser Kongreß bedeutet für unsere Frauenorganisation einen großen Schritt nach vorn. Schon allein durch die Zahlen kommt zum Ausdruck, wie eure Organisation gewachsen ist; von siebzehntausend auf vierhunderttausend Mitglieder. Und wenn jetzt unsere vierhunderttausend in dieser Organisation vereinigten Frauen ihren Kongreß durchgeführt, sich ihre Statuten gegeben und die vor ihnen liegenden Aufgaben beschlossen haben, so heißt das, wir haben vierhunderttausend organisierte Frauen, die um ihre Aufgabe wissen.

In gleicher Weise geht es in allen Massenorganisationen unserer Revolution voran, und das ermöglicht uns jetzt, unseren revolutionären Kampf unter besseren Voraussetzungen als zu Beginn weiterzuführen.

Die Frauen haben im Rahmen der Gesellschaft Interessen, die der ganzen Gesellschaft gemeinsam sind; sie haben aber auch Interessen, die nur sie als Frauen berühren. Vor allem sind die Frauen sehr stark an den Bemühungen interessiert, eine neue Gesellschaftsordnung ins Leben zu rufen, eine für alle Menschen bessere Welt zu organisieren, denn in der kapitalistischen Welt, in der wir früher lebten, galt die Frau - ganz abgesehen von allem anderen, was noch hinzukommt - so gut wie nichts. In der Welt, die wir jetzt aufbauen, muß aber auch jede Spur von Mißachtung der Frau verschwinden.

Doch wenn auch in rein rechtlicher und objektiver Hinsicht jede Spur von Mißachtung beseitigt wird, so bleiben doch noch immer eine Reihe von Umständen übrig, die auf natürlichen Gegebenheiten und Gewohnheiten beruhen, und darum müssen sich die Frauen zusammenschließen, müssen sie arbeiten und kämpfen.

So gab es in unserem Land, um mit der Frage der Arbeitsmöglichkeiten zu beginnen, unzählige Tätigkeiten, von denen die Frauen ausgeschlossen waren. Erst in letzter Zeit wurde damit begonnen, der Frau eine Reihe von Arbeitsgebieten zugänglich zu machen. Es war zum Beispiel sehr schwer, eine Frau in der Verwaltung eines Betriebes, einer Fabrik, einer Zuckerzentrale zu finden; es war sehr schwer, eine Frau zu finden, die etwa im Verkehrswesen oder in einer ganzen Reihe sonstiger Wirtschaftszweige arbeitete. Das war die Folge alter Gewohnheiten und vor allem die Folge der Vorurteile und der Diskriminierung, denen die Frau in der alten Gesellschaft ausgesetzt war.

Deshalb müssen sich jetzt die Frauen ihren Weg bahnen, und zwar nicht nur auf verschiedenen Gebieten der körperlichen Arbeit, sondern auch in der geistigen Arbeit. Ein bezeichnendes Beispiel dafür ist die Tatsache, daß sich unter den zwölfhundert Bewerbern für einen in den nächsten Wochen beginnenden Vorbereitungskursus zum Eintritt in die Medizinische Fachschule über fünfhundert Mädchen befinden.

Daraus geht hervor, daß man heute auch auf den zur Wissenschaft führenden Wegen eine weit größere Beteiligung der Frauen beobachten kann, als dies je zuvor der Fall war. Und solcher Beispiele gibt es noch viele.

Das ist nicht nur recht und billig, es ist auch notwendig. Nicht nur recht und billig ist es, daß die Frau Gelegenheit erhält, ihre Fähigkeiten zum Wohle der ganzen Gesellschaft anzuwenden, es ist vielmehr für die Gesellschaft auch notwendig, daß die Frau alle Möglichkeiten findet, wo sie ihre Fähigkeiten voll und ganz anwenden kann.

Man darf sich nicht wundern, wenn eine Gesellschaft, die alles vergeudete, unter anderem auch die Begabung und die Fähigkeiten der Frauen verkommen ließ, wenn sie diese Fähigkeiten und diese Begabungen mißachtete. In unserem Land aber werden sie gebraucht.

Außerdem aber gibt es noch eine Reihe von Fragen, die man als die ureigenen Interessen des weiblichen Teils der Gesellschaft ansehen kann und die in erster Linie mit der naturgegebenen Eigenschaft, Mütter zu sein, zusammenhängen. Es sind Probleme, die ausschließlich unsere Frauen berühren, und deshalb ist es in vielerlei Hinsicht unbedingt notwendig, daß ihnen die Gesellschaft ihre besondere Aufmerksamkeit und Hilfe zuwendet.

Jeder weiß, wie schwer es einer Frau möglich ist, einer beruflichen Tätigkeit nachzugehen, wenn es zum Beispiel keine Einrichtungen zur Wartung ihrer Kinder gibt. An dieses Problem dachte die Revolution, als sie die Schaffung von Kindergärten veranlaßte. Und gäbe es auch genug Kindergärten, was jetzt noch nicht der Fall ist, so wären damit noch nicht alle Probleme gelöst.

Die Kinder wachsen allmählich heran, und sie brauchen auch dann jemand, der ihnen ihre Mahlzeiten zubereitet und auf sie acht gibt, wenn sie über das Kindergartenalter hinaus sind.

Und so gibt es alle die Probleme, die mit dem Kreis der sogenannten häuslichen Pflichten zusammenhängen, deren Sklavin die Frau während der ganzen Menschheitsgeschichte war. Die Frauen brauchen deshalb Einrichtungen, die ihnen auch diese Obliegenheiten abnehmen, für die so viel an menschlicher Kraft und Mühe aufgewendet werden muß.

Auf diesem ganzen Gebiet gibt es in unserem Land viel zu tun. Im Gespräch mit den leitenden Genossinnen der Frauenföderation haben wir uns über einige dieser Fragen, die auch schon in den Arbeitsplan der Föderation aufgenommen worden sind, unterhalten. Ich sagte zu ihnen: "Ihr habt eure Sorgen mit den Kleinkindern, und ihr habt auch eure Sorgen mit den Größeren, die schon im Schulalter sind; ihr seid also an den Kindergärten interessiert, aber ihr seid auch an der Schulspeisung interessiert und ebenso an Wäschereien." Und ich sagte ihnen weiter: "Wenn ihr für diese Dinge nicht kämpft, dann kann es passieren, daß auch die anderen Stellen nicht daran denken. Ihr müßt es sein, die das vorantreiben, die an die einzelnen Verwaltungsorgane herantreten und den Anstoß dazu geben, daß solche Einrichtungen geschaffen werden, die die Frau von einer Reihe ihrer Pflichten entlasten könnten, deren Sklavin sie heute ist, die ihr ungeheuer viel Zeit stehlen und sie von der Arbeit in der Produktion abhalten."

Es liegt also auf der Hand, daß die Revolution den Frauen außerordentlich große Vorteile bietet: als erstes die Voraussetzungen, die ihnen den Zugang zu einer geachteten, nutzbringenden Arbeit ermöglichen, Voraussetzungen auf sozialem, rechtlichem und organisatorischem Gebiet. Und außerdem solche Voraussetzungen, die ihnen die Möglichkeit geben, sich von all dem zu befreien, wodurch sie bisher an eine ganze Reihe von Verrichtungen gefesselt waren; doch das hängt nicht von Gesetzen ab, sondern von dem, was dafür an Initiative aufgebracht wird. Und weil die Frauen hieran das größte Interesse haben, müssen sie es sein, die zur Erfüllung dieser Aufgaben den Anstoß geben...

Zu den Aufgaben der Frauen gehört auch das häusliche Kochen, eine Aufgabe, die nach altem Brauch im allgemeinen ihnen zufällt. Deshalb interessieren sich die Frauen auch dafür, daß Werkküchen eingerichtet werden.

Die Werkküchen sind für die Produktion ebenso wichtig wie alle die Einrichtungen, von denen hier schon die Rede war. Werkküchen also, wo der Arbeiter, gleich, ob er einen weiten Weg nach Hause hat oder nicht, zu Mittag essen kann. Dadurch wird dem Arbeiter vor allem ein Zeitverlust erspart, denn für Hin- und Rückweg, für das Fahren, Verspätungen und, sofern auch seine Frau arbeitet, für die Arbeit im Hause benötigt er oft zwei Stunden.

So ist also die Einrichtung von Werkküchen in den Fabriken etwas, wofür es gilt, Maßnahmen zu ergreifen und Initiative zu entwickeln. Und es läßt sich ohne weiteres sagen, daß es sich hierbei um eine dringend notwendige Maßnahme handelt.

Da wir schon im nächsten Jahr in unserem Land auf einer Reihe von Gebieten mit erhöhter Produktion rechnen können, will die Revolutionäre Regierung für die Einrichtung eines Netzes von Werkküchen sorgen. Auf diese Weise wird ein Teil der höheren Produktionsergebnisse direkt den Arbeitern zugute kommen.

Darum wird sich im Jahre 1963 unser Hauptbemühen in diesem Fragenbereich auf die Einrichtung von Werkküchen richten. Und im darauffolgenden Jahr, 1964, wird das Hauptgewicht unserer Bemühungen auf die Einrichtung der Schulspeisung gerichtet werden.

Damit kommen wir zu einer vernünftigen Reihenfolge: An erster Stelle steht die Produktion, das heißt die Sorge für die Bedürfnisse und die Verpflegung der Arbeiter; denn im gleichen Maße, wie unsere Produktion wächst, können wir auf größere Möglichkeiten zur Lösung auch der anderen Probleme rechnen.

Die Revolutionäre Regierung hat sich vorgenommen, in den nächsten Jahren eine große Anzahl solcher Einrichtungen zu schaffen, zunächst für die Arbeiter und dann für die Schulkinder.

Hierfür müssen wir uns um eine leistungsfähige Organisationsform kümmern, eine Organisation, in der viele Frauen mitarbeiten können. Denn im Gaststättenwesen war es natürlich so - ich weiß nicht, ob euch das bekannt ist -, daß den Frauen der Zugang dazu so gut wie versagt war. Obwohl ihnen von jeher das Kochen oblag, hatten sie doch, trotz dieses geschichtlich begründeten Anspruchs, keinen Zugang zum Gaststättenwesen.

Jetzt aber geht es darum, daß Tausende und aber Tausende von Menschen in diesen Einrichtungen mitarbeiten müssen, und deshalb wird dies ein Bereich sein, in dem viele Frauen Arbeit finden können.

Während der Küchenchef und der Zweitkoch wegen ihrer Erfahrung auf diesem Arbeitsgebiet noch Männer sein werden, werden die Frauen fürs erste als Hilfskräfte in die Werkküchen hineinkommen. Es wird ihnen dann aber die Möglichkeit geboten werden, vor allem vielen der Frauen, die hier zunächst als Hilfskräfte anfangen, später andere Funktionen zu übernehmen, wie sie bei der Schulspeisung anfallen, die dann im übernächsten Jahr eingerichtet wird.

Diese Maßnahmen können gerade dank der Tatsache vorangetrieben werden, daß die Revolution auf Grund der Produktionssteigerungen über zusätzliche Möglichkeiten zu verfügen beginnt. Von Produktionssteigerungen sprechen, heißt von realen Zahlen, von absolut wahrheitsgetreuen Daten sprechen. Hier wirken sich die großen Anstrengungen aus, die alle für die Revolution Schaffenden dafür unternommen haben und deren Früchte nun bereits sichtbar werden.

Wir wollen jedoch erst ab Anfang nächsten Jahres zu rechnen beginnen und einmal für eine Reihe von Erzeugnissen die Produktionszahlen des kommenden mit denen des laufenden Jahres vergleichen. So liegen uns zum Beispiel einige Zahlen über unsere Produktion auf dem Gebiet der Fischerei vor. Die Gesamtmenge, über die wir in diesem Jahr verfügen können, wird zwischen 60 und 70 Millionen Pfund liegen, während wir im nächsten Jahr über 60 bis 70 Millionen Pfund mehr verfügen werden. Davon wird annähernd die Hälfte aus der Erhöhung unserer eigenen Produktion stammen, und die andere Hälfte wird sich als Auswirkung des mit der Sowjetunion geschlossenen Fischereiabkommens ergeben.

Dadurch werden wir die Versorgung auf dem Lande verbessern können, und das ist etwas sehr Wichtiges. Denn von jeher verbrauchte die Hauptstadt weit mehr als das Landesinnere, und wenn die Zuteilungen festgelegt wurden, dann berücksichtigte man den traditionsgemäßen Verbrauch der einzelnen Gebiete. Jetzt müssen wir dazu übergehen, die Versorgung hauptsächlich im Innern der Republik zu verbessern. Bereits im nächsten Jahr können wir zum Beispiel die Erzeugnisse des Meeres den Landgebieten zuführen. Wir werden beispielsweise Millionen und aber Millionen Pfund Stockfisch haben, die wir in die Gebirgsgegenden, aufs flache Land und überall ins Inland bringen, dorthin, wo kein Frischfisch gegessen wird.

Die Erzeugung von Geflügel wird von weniger als zwei Millionen Stück in diesem Jahr auf vier Millionen im kommenden Jahr gesteigert werden, und an Rindvieh werden wir hunderttausend Stück mehr als in diesem Jahr haben, und zwar tatsächlich deswegen, weil wir das Schlachten beschränkten und bei weiblichen Tieren überhaupt nicht zuließen. Dies führte natürlich zu einer Einschränkung des Fleischkonsums und bedeutete, daß im Augenblick Opfer gebracht werden mußten.

Hätten wir etwa die Genehmigung erteilen sollen, soviel Vieh, wie benötigt wurde, zu schlachten? Dann hätte sich unser Viehbestand weiter vermindert, und in ein paar Jahren hätten wir dann vor einem sehr ernsten Problem gestanden, ohne jede Hoffnung, es lösen zu können.

Und wie steht es mit der Herstellung von Schuhwerk, die ja von der Zahl des Viehs abhängt, das man schlachtet? Nun, wenn wir in diesen ersten Jahren eine Million oder anderthalb Millionen Stück geschlachtet hätten, dann würden wir heute zwar überreichlich Schuhe haben, doch in den kommenden Jahren hätten wir weder Fleisch noch Schuhe gehabt.

Was war nun besser? Sagt, was war besser? Hätten wir heute verantwortungslos sein und darauf verzichten sollen, in der Zukunft viel mehr als heute zu haben? Nein, so konnte man nicht handeln. Unser Viehbestand mußte erhalten bleiben. Das aber wird uns einen von Jahr zu Jahr höheren Verbrauch an Fleisch, an Milch, an Häuten, ja, auch an Häuten ermöglichen. Schon im nächsten Jahr werden wir von diesen hunderttausend Stück Rindvieh, die dann geschlachtet werden, mehr Häute haben und dazu über hunderttausend Schweinehäute, weil wir in diesem Jahr nicht darüber verfügten.

So werden uns von Jahr zu Jahr mehr Häute zur Verfügung stehen. In diesem Jahr wird die Schuhproduktion etwa elf Millionen Paar ausmachen, doch schon im Jahre 1963 werden wir ungefähr fünfzehn Millionen Paar herstellen können. In jedem Jahr werden wir mehr herstellen können, und 1965 werden es vielleicht schon zwanzig Millionen Paar sein. Doch am meisten interessiert euch ja heute, wie es morgen aussehen wird: Im nächsten Jahr wird es ungefähr drei Millionen Paar mehr geben.

Sodann geht es darum, diese Schuhe besser zu verteilen. Denn von dem Augenblick an, da ein jeder in der Lage ist, sich ein Paar Schuhe zu kaufen, wird es erforderlich, das, was insgesamt erzeugt wird, besser zu verteilen. Früher gab es mehr als genug Schuhe; zuweilen wurde Leder sogar exportiert, und trotzdem waren noch zuviel Schuhe da. Für wen? Für den, der sie kaufen konnte. Doch das war nur möglich, weil Hunderttausende und aber Hunderttausende von Menschen keine Schuhe trugen. Auf dem Lande gab es viele Kinder, die mit fünfzehn Jahren noch nie einen Schuh an den Füßen gehabt hatten. Heute werden keine Häute exportiert, und trotzdem reichen die Schuhe nicht aus.

Es erhebt sich dabei ferner die Frage der Qualität, auf die große Mühe verwandt wurde. Wir hoffen, daß die hierbei aufgebrachte Mühe nun auch zu Resultaten führt, so daß ein Schuh nicht bloß zwei Monate, sondern sechs Monate und länger hält und daß vor allem die Frauen nicht mehr ihre Absätze verlieren.

Wir haben eine beachtliche Produktionssteigerung an Geflügel, Fisch, Rind- und Schweinefleisch. Jetzt stehen wir vor dem Problem, daß wir die Versorgung in den Gebieten, die bisher sehr schlecht versorgt waren, verbessern müssen, das heißt, daß wir gerecht verteilen müssen.

Vor ein paar Tagen haben wir erklärt, daß wir jetzt bereits dabei sind, den größten Teil unserer schwersten Wirtschaftsprobleme zu bewältigen. Die schwierigste Etappe haben wir schon hinter uns. Wir hatten allerdings in dieser schwierigen Etappe einen überaus wichtigen Faktor auf unserer Seite, die Solidarität des sozialistischen Lagers und ganz besonders der Sowjetunion. Dadurch war es uns möglich, mit der härtesten Zeit in unserer Volkswirtschaft erfolgreich fertig zu werden, und hierdurch wird es uns auch ermöglicht, schon binnen weniger Jahre unsere eigenen Hilfsquellen so weit ausgebaut zu haben, daß wir danach bereits aus eigener Kraft weiter vorankommen können.

Heute kommen wir mit beträchtlicher Hilfe von außen weiter. Wir müssen es verstehen, diese Hilfe gut zu nutzen, sie nicht zu vergeuden, sondern sie für reproduktive Güter, für Produktionsinstrumente, anzulegen. Jedes beliebige Beispiel zeigt die Wichtigkeit einer Anlage in Form von Produktionsinstrumenten; nur eines davon will ich euch nennen:

Die ersten fünf sowjetischen Fischereifahrzeuge, die in unserer Hauptstadt eintrafen und von Kuba übernommen wurden, haben einen Wert von zwei Millionen Pesos. Was nun aber mit diesen fünf Schiffen an Produkten aus dem Meer gewonnen werden kann, hat für die Allgemeinheit einen Wert von achteinhalb Millionen Pesos im Jahr. Das heißt, eine Investition von zwei Millionen verwandelt sich in Gegenwerte, die in einem einzigen Jahr viermal so hoch sind.

Natürlich reproduzieren sich nicht alle Investitionen in gleichem Maße. Doch wir haben schon vor einigen Tagen gesagt, daß man bei uns keine Erhöhung der Zahl der Autos oder der von Luxusgegenständen erleben wird; aber man wird erleben, wie wir die Zahl der Produktionsinstrumente, der Fabriken, Landwirtschaftsmaschinen, Staudämme, der Landstraßen und Transportmittel erhöhen werden. Denn das ist es, was uns ermöglichen wird, das Lebenshaltungsniveau der Massen, also des ganzen Volkes zu heben.

Deshalb dürfen wir auch nicht einen einzigen Centavo vertun; und deshalb müssen wir die ganze Hilfe, die uns zuteil wird, vor allem in reproduktiven Gütern anzulegen verstehen, weil uns dies ermöglicht, unsere Produktion beträchtlich zu steigern und auf wirtschaftlichem Gebiet rasch voranzukommen.

Glücklicherweise begreift unser Volk diese Dinge immer besser und versteht von Tag zu Tag mehr von diesen Problemen, die ja auch äußerst verständlich sind. Es ist eben unsere Hauptaufgabe, daß wir uns den Produktionsproblemen mit größtmöglicher Aufmerksamkeit widmen.

Wir müssen also produzieren. Für wen aber produzieren wir? Für wen? Für uns! Das heißt, heute produziert das Volk für sich selbst. Niemand raubt ihm die Früchte seiner Arbeit und entführt sie ins Ausland; im Gegenteil, von draußen wird uns sogar noch Hilfe zuteil. Niemand nimmt uns etwas weg; statt dessen gibt man uns, hilft man uns. Und jetzt, da das Volk für sich selbst arbeitet, hat es auch die Möglichkeit, alles zu bekommen, was es braucht. Wie? Durch seine Arbeit, durch seine Produktion.

Unser Land ist ein deutliches Beispiel dafür, was die Menschheit im Frieden gewinnen könnte, wenn den Kräften der Kriegstreiber Einhalt geboten würde und wenn sie gezwungen würden, einer Friedenspolitik zuzustimmen. Was könnte die Menschheit gewinnen, wenn die Unsummen, die für Rüstungszwecke vergeudet werden, in reproduktiven Gütern und zur Entwicklung der ärmeren Völker investiert würden!...

Und um all dessentwillen, Genossinnen, dürfen die Frauen jetzt, da wir bald in unser fünftes Jahr eintreten werden, das heißt, da wir das vierte vollenden und das fünfte beginnen wollen, jetzt, da die Revolution nun schon eine höhere Reife erreicht hat und auf eine höhere Organisationsstufe kommt, dürfen die Frauen jetzt nicht im Hintertreffen bleiben! Jetzt müssen sich die Frauen in die erste Reihe dieser Revolution stellen, die für die kubanische Frau so viel bedeutet, dieser Revolution, die so viel für die Kinder der kubanischen Frauen bedeutet!

Ihr Frauen Kubas, deren Kinder die Schulen, die Institute für Technik, die Universitäten besuchen, deren Kinder heute in den Bergen gemeinsam mit ihren Brüdern auf dem Lande die Kaffee-Ernte hereinbringen; ihr Frauen Kubas, deren Söhne als Soldaten des Volkes, als Soldaten der Heimat in unseren Kampfeinheiten stehen, in unseren Infanteriedivisionen, unseren Artillerieeinheiten, bei unseren Luftstreitkräften; ihr Frauen Kubas, deren Kinder und Männer in den Betrieben durch ihre Arbeit die Revolution weiter voranbringen; ihr kubanischen Mütter: weil ihr im Herzen eines jeden Kubaners den ersten Platz einnehmt, müßt ihr auch an der vordersten Front, in der ersten Reihe, in der Vorhut der Revolution stehen!

Vaterland oder Tod!
Wir siegen!

Fidel Castro Ruz
Havanna, 1. Oktober 1962

Noticias de Hoy, 2. Oktober 1962

Quelle: Fanal Kuba, Dietz Verlag Berlin 1963
Veröffentlichung mit freundlicher Genehmigung des Karl Dietz Verlages Berlin