Unsere Gemeinschaft stärken und jederzeit wachsam sein

Rede auf einer Kundgebung in Leuna
15. Juni 1972

Fidel Castro, Kundgebung in Leuna, 15. Juni 1972

Foto: Screenshot, Fidel Castro en la Republica Democratica Alemana, 1972

Fidel Castro, Kundgebung in Leuna

Foto: Estudios Revolución

Fidel Castro, Kundgebung in Leuna, 15. Juni 1972

Foto: Screenshot, Fidel Castro en la Republica Democratica Alemana, 1972

Fidel Castro, Kundgebung in Leuna, 15. Juni 1972

Foto: Screenshot, Fidel Castro en la Republica Democratica Alemana, 1972



Liebe Genossen und Brüder!
Lieber Genosse Honecker!
Lieber Genosse Felfe!
Liebe Genossen aus Leuna!


Ich bedaure zwei Dinge: Einmal, daß ich leider nicht alle Arbeiter auf diesem Platz, alle Teilnehmer an dieser Kundgebung sehen kann, und zweitens bedaure ich, daß ich nicht in eurer eigenen Sprache zu euch sprechen kann, sondern dazu einen Dolmetscher brauche.



Ich möchte zu Beginn einen Punkt hervorheben, der bei unserem Besuch in Leuna für uns von besonderem Interesse ist: Es ist die Bedeutung, die dieses Kombinat für die Wirtschaft der DDR und für viele Länder hat, die sich in einer ähnlichen Lage wie Kuba befinden.

Wir verstehen also voll und ganz das große Gewicht, das ein Werk wie die Leunawerke für die Entwicklung des Wohlstandes und die Entwicklung der Volkswirtschaft der DDR hat. Die Tatsache, daß hier 400 Ausgangsstoffe für die Chemie hergestellt werden, spricht für sich, und 80 Prozent dieser Grundstoffe werden hier in der DDR zu weiteren Produkten, zu Konsumgütern verarbeitet, 20 Prozent der Produkte werden in 50 verschiedene Länder exportiert.

So werden also die Produkte nicht nur von den 17 Millionen Bürgern der DDR gebraucht und benötigt, sondern auch von Millionen Menschen in der ganzen Welt.

Wir sehen mit Bewunderung, wie es euch gelungen ist, dieses Werk aufzubauen, vor allem, wenn man berücksichtigt, daß im Ergebnis des von den Faschisten angezettelten Krieges dieses Werk während des zweiten Weltkrieges schwer zerstört wurde. Deswegen verstehen wir, daß es in erster Linie notwendig war, dieses Werk wiederaufzubauen und es darüber hinaus zu erweitern, neue Anlagen zu bauen mit neuen Verfahren und wie wir hörten - zu erreichen, daß gegenüber 1949 die Produktion um das Zehnfache gesteigert werden konnte. Es besteht kein Zweifel, daß die Arbeiter von Leuna eine wahre Heldentat beim Aufbau des Sozialismus auf diesem Gebiet vollbracht haben.

Wir haben die neuen Produkte gesehen. Wir haben die Ingenieure und die Techniker gesehen, die hier die Forschung betreiben. Wir haben die Begeisterung gesehen, mit der man hier die neue Technik anwendet, und den Optimismus, den ihr für die Zukunft habt.

Die grundlegenden Rohstoffe sind garantiert. Jetzt arbeitet ihr nicht nur mit Braunkohle, ihr arbeitet jetzt auch mit Erdöl, und dieses Erdöl kommt durch die Pipeline aus der Sowjetunion, und das wird voll und ganz die Rohstoffbasis für die Entwicklung dieses Werkes sichern. Das bedeutet auch einen großen technischen und ökonomischen Fortschritt und eine große Sicherheit.

Früher haben imperialistische Länder Kriege geführt, um sich ihre Rohstoffe zu sichern. In der sozialistischen Staatengemeinschaft werden diese durch friedliche Zusammenarbeit gesichert. Das ist eine Schlußfolgerung von riesiger Bedeutung.

Es gibt noch einen zweiten Aspekt, und dieser hat seine Bedeutung für Länder wie Kuba.

Wir leben auf der anderen Seite des Atlantischen Ozeans, sehr nahe an den Vereinigten Staaten. Die USA betreiben eine ökonomische Blockade gegenüber Kuba.

Sie verbieten völlig den Verkauf von Produkten an Kuba, den Verkauf von jeglichen Waren und Ausrüstungen an Kuba überhaupt und nicht nur das. Die USA unternehmen auch Anstrengungen, um zu verhindern, daß Kuba von anderen kapitalistischen Ländern Anlagen und Rohstoffe kauft, die es benötigt.

Unser Land war kein industriell entwickeltes Land. Unser Land hat keine metallurgische Industrie, keinen Maschinenbau, keine chemische Industrie. Unser Land hängt in großem Maße noch von der Landwirtschaft ab, und diese Landwirtschaft hängt auch von der Gnade oder Ungnade der Natur ab. Deswegen muß unser Land fast alle Rohstoffe und Maschinen importieren.

Wer kann mit einem Land wie Kuba zusammenarbeiten? Nicht der amerikanische Imperialismus, nicht der westdeutsche Imperialismus, nicht die kapitalistischen Länder, denn diese haben jahrhundertelang unser Land ausgebeutet. Sie beuten Lateinamerika und Asien aus - sie beuten seit Jahrhunderten ihre eigenen Arbeiter aus. Sie häuften Schätze und Mittel an. Sie bemächtigten sich der Rohstoffe, um auf dieser Grundlage der Ausbeutung und Unterdrückung und mit dem Blut der Unterdrückten Werke aufzubauen. Sie häuften große Schätze an und konnten deshalb umfangreiche Forschungen betreiben. Aber als der Sozialismus im ersten Land auf der Erde siegte, nämlich in der Sowjetunion, war dieses Land auch industriell zurückgeblieben. Es war damals ein armes Land, ein durch Krieg und Intervention zerstörtes Land.

Das Gebiet des sozialistischen Lagers war nach dem Krieg verwüstet, während damals die Imperialisten noch den größeren Teil der Rohstoffe und der Schätze der Welt beherrschten. Sie waren damals die Herren der Rohstoffquellen in Lateinamerika, in Afrika und in Asien. Sie hatten während des Krieges fast das ganze Gold angehäuft. Ein großer Teil der Industrie dieser kapitalistischen Länder war intakt geblieben.

In den USA wurde während des Krieges nicht eine Schraube zerstört. Auch der Blutzoll, den die USA zahlen mußten, war relativ gering. Es waren einige 100.000 Soldaten, während beispielsweise die Sowjetunion allein über 20 Millionen Menschenopfer brachte. Hier muß man noch die große Zahl der Verletzten und Verwundeten hinzufügen.

Der Kampf des sozialistischen Lagers gegen das imperialistische Lager war damals ein ungleicher Kampf. Die Imperialisten entwickelten die Kernwaffen. Es war ein harter und schwieriger Kampf. Es war der Kampf von zerstörten und verarmten Ländern gegen Länder, die viel Reichtum angehäuft hatten. Die Imperialisten versuchten, sofort danach den Faschismus wieder zu beleben. Sie lösten den kalten Krieg aus, sie umzingelten das gesamte sozialistische Lager mit militärischen Stützpunkten und bedrohten es 25 Jahre lang unaufhörlich.

Aber auf seiten des sozialistischen Lagers stand vor allem die Vernunft, standen die revolutionären Ideen, die Macht der Arbeiter und die Möglichkeit, mit einem wahrhaft patriotischen, einem revolutionären und internationalistischen Geist zu kämpfen. Jede Fabrik, jedes Bauwerk, jeder Fortschritt hat viele Opfer, viele Anstrengungen, viel Schweiß gekostet, hat viele Leiden mit sich gebracht. Die Imperialisten drohten nicht nur mit dem Krieg, sie umzingelten nicht nur die sozialistischen Länder mit Militärstützpunkten, sondern auch mit Rundfunk- und Fernsehsendern, mit Zentren der Subversion und Propaganda, um den ideologischen Kampf gegen das sozialistische Lager zu führen. Sie nutzten ihr ökonomisches Potential, ihren Reichtum für diese Zwecke aus und versuchten, uns in unserem opferreichen und anstrengenden Kampf zu erniedrigen. Sie machten sich sogar über unsere Armut lustig, indem sie Lügen und Verleumdungen verbreiteten und versuchten, die Revolutionäre zu verwirren.

Aber im Laufe dieser 25 Jahre des Kampfes haben sich die Dinge grundlegend verändert. Es ist die sozialistische Wissenschaft entstanden, die sozialistische Technik, es hat sich unaufhörlich unsere Wirtschaft, es haben sich beträchtlich unsere Kampf- und Verteidigungsmittel entwickelt. Heute befindet sich der Imperialismus in einer anderen Lage. Vieles von dem Gold und den ökonomischen Mitteln, die er vor 25 Jahren noch besaß, hat er verschwendet für seine aggressive Politik. Die Imperialisten haben es unnütz ausgegeben in Kriegen, für die Rüstung und Waffen. Und jetzt haben sie ökonomische Probleme. Aus diesem Grunde mußten die Amis ihr Geld abwerten.

Jetzt hat sich das Kräfteverhältnis beträchtlich verändert. Aber zweifellos geht der Kampf weiter und wird weitergehen. Die Imperialisten werden bis zum Ende kämpfen; sie werden versuchen, den Sozialismus aufzuhalten; sie werden versuchen, die Sache des Kommunismus aufzuhalten. Aber sie haben es früher nicht erreicht, sie werden es auch jetzt nicht erreichen und in der Zukunft schon gar nicht.

Aber ein beträchtlicher Teil der Erde, die Länder Lateinamerikas, Asiens, Afrikas, müssen sehr hart arbeiten: einige, um ihre völlige Unabhängigkeit zu erreichen, andere, um ihre errungene Unabhängigkeit zu festigen, und alle zusammen werden wir hart arbeiten müssen, um unsere Länder zu entwickeln. Ihr werdet sicher sehr gut verstehen, was es für die DDR bedeuten würde, wenn sie keine chemische Industrie, wenn sie keine metallurgische Industrie, keinen Maschinenbau, keine elektronische Industrie hätte, wenn sie nicht Hunderttausende Ingenieure und Facharbeiter hätte.

Das ist aber die Lage der großen Mehrheit jener Länder. Unsere Länder sind der imperialistischen Blockade ausgesetzt. Und auch darum die große Bedeutung der sozialistischen Wissenschaft und Technik, denn nur mit den sozialistischen Ländern kann die notwendige technische und wissenschaftliche Zusammenarbeit erfolgen.

Es gibt ein Beispiel in Kuba: Die erste kleine Stickstofffabrik für Düngemittel, die hatten damals die Kapitalisten zu bauen begonnen. Beim Sieg der Revolution war der Aufbau noch nicht beendet, sie produzierte noch nicht, die kapitalistischen Techniker zogen ab, und niemand in Kuba verstand etwas von der Stickstoffherstellung, niemand verstand etwas von der chemischen Industrie.

Jahrelang haben bei uns die Arbeiter gekämpft, um diesen Betrieb in Funktion zu nehmen. Das war nur möglich nach vielen eigenen Anstrengungen und mit Unterstützung von Technikern aus der DDR. Hier von Leuna aus sind 26 Ingenieure nach Kuba gefahren. Nach dreijähriger Arbeit dieser Techniker haben wir schließlich dieses Werk in Betrieb genommen. So konnten wir die erste Stickstoffproduktion aufnehmen.

Jetzt haben wir eine viel größere Fabrik aufgebaut, eine Fabrik mit einer Kapazität von mehr als 400.000 Tonnen Düngemitteln. Wir haben schon 50 kubanische Ingenieure und 200 Techniker in dieser Fabrik. Jetzt kämpfen sie darum, diesen großen Betrieb voll in Funktion zu nehmen.

Und wenn es uns nicht gelingt, alle Schwierigkeiten zu überwinden, zählen wir auf euch.

Diese Fabrik haben wir in einem kapitalistischen Land gekauft. Warum? Weil zu jener Zeit die sozialistischen Länder noch nicht dieses spezifische Werk, diese Anlagen produzierten. Und immer, wenn ein Land wie das unsere eine Anlage nicht in einem sozialistischen Land erhalten kann und es in einem kapitalistischen Land kaufen muß, gibt es viele Schwierigkeiten.

Unsere Länder sind noch auf einem anderen Gebiet vom Kapitalismus abhängig.

Die tropischen Länder oder die subtropischen Länder sind feuchte und heiße Länder. Dort hat die Landwirtschaft mit vielen Schädlingen zu kämpfen. Sie muß gegen das Unkraut angehen, um zum Beispiel Zuckerrohr, Futtermittel und Gemüse anzubauen. Und es gibt Regenzeiten, und auch das ist ein harter Kampf. Deshalb brauchen wir Herbizide. Diese Schädlingsbekämpfungsmittel sind sehr wichtig.

Aber dieser Produktionszweig war im sozialistischen Lager noch nicht ausreichend entwickelt, und wir mußten einen großen Teil der Herbizide und der Schädlingsbekämpfungsmittel in kapitalistischen Ländern kaufen.

Ich führe diese Beispiele an, damit ihr seht, welche Bedeutung unserer Meinung nach die Entwicklung der chemischen Industrie der DDR hat, die Bedeutung, die das Leunawerk und die anderen Industriewerke für unser Land haben. Wir glauben, daß die DDR in der Lage ist, sich auf die Produktion vieler dieser Artikel zu spezialisieren, um mit Ländern zusammenzuarbeiten, die wie Kuba um ihre Entwicklung kämpfen - und das stellt einen großen Beitrag für die Menschheit dar.

Gegenwärtig hat die Erde ungefähr 3,5 Milliarden Bewohner. Viele Menschen davon leben in den Ländern Asiens, Afrikas und Lateinamerikas. In den nächsten 25 Jahren wird sich die Bevölkerung der Erde der 6-Milliarden-Grenze nähern, und die Menschheit wird vor der Frage stehen: Wie diese Menschen kleiden, wie sie ernähren, wie sie erziehen, wie ihnen die notwendigen Lebensbedingungen gewährleisten? Und deshalb die Bedeutung, die die chemischen Produkte, die synthetischen Fasern, die Düngemittel und die Herbizide sowie die Schädlingsbekämpfungsmittel haben.

Hier in der DDR leben 17 Millionen Menschen, und um diese 17 Millionen Menschen zu kleiden, sie zu ernähren, ihnen Schuhe zu geben, habt ihr Zehntausende Traktoren, ich glaube, allein im Bezirk Halle gibt es ungefähr 15.000, und ich weiß nicht, wie viele Tausende Kombines. In der ganzen DDR muß auf dem Gebiete der Landwirtschaft gut gearbeitet werden, um die Probleme der Ernährung zu lösen.

Stellt euch einmal vor, welche Anstrengungen es die anderen Völker der Erde kostet, die unter dem Kolonialismus, unter dem Imperialismus lebten, was es für sie bedeutet, Nahrung, Kleidung, Schuhe zu schaffen, die medizinische Betreuung, das Bildungsproblem, die Wohnungsfrage für Millionen und Milliarden Menschen zu lösen. Das gibt euch eine Vorstellung von der Bedeutung die die chemische Industrie, die Technik und Wissenschaft haben, von der Bedeutung, die die Anstrengungen, die Fortschritte und die Erfolge eurer Arbeit, der Arbeit der Techniker und der Leunawerker, für die DDR und für die übrige Welt haben.

Das war es, was die ökonomische Seite betrifft, oder wenn ihr wollt: die ökonomisch-politische.

Wenn ihr gestattet, möchte ich noch etwas anderes erwähnen.

Wir möchten uns auf die Geschichte der Stadt Halle beziehen und auch auf die Geschichte dieser Leunawerke. Das Treffen mit euch ist für uns, für die kubanische Delegation, eine große Ehre, wenn wir daran denken, daß diese Stadt und dieses Werk die Wiege der revolutionären Arbeiterbewegung waren, die einen großen Einfluß auf Europa und auf die ganze Welt ausübte.

Aus Büchern wissen wir, wie hier die ersten Arbeiterorganisationen entstanden. Wir wissen, wie hier die ersten Veranstaltungen und Kongresse stattfanden, wie hier die Kommunistische Partei entstand.

Wir gedenken der heroischen Kämpfe der Leunaarbeiter im Jahre 1918, im Jahre 1919, im Jahre 1921. Wir gedenken mit Respekt und Bewunderung des Heldentums dieser Arbeiter, derer, die fielen, der 80 Opfer des Massakers von 1921. Denken wir nur daran, wieviel Blut, wieviel Opfer dieser Kampf für die Gerechtigkeit forderte, der Kampf gegen die kapitalistische Ausbeutung, der Kampf gegen die imperialistischen Reaktionäre, der Kampf gegen die Unterdrückung.

Die Geschichte dieses Bezirkes der DDR ist eine große Geschichte, eine Geschichte mit vielen Opfern, deren Krönung die Errichtung der Arbeitermacht war, einer Macht, die es gilt zu wahren und für die es sich lohnt, für die Zukunft zu arbeiten.

Es bereitet uns große Genugtuung, diese Errungenschaften, die ihr erreicht habt, zu sehen und zu wissen, daß hier beträchtliche Produktionssteigerungen erreicht wurden, zu wissen, daß die Pläne erfüllt werden, zu wissen, daß ihr eine neue Stadt aufbaut, die zu den 15 größten Städten der DDR gehören wird.

Was sind das für unterschiedliche, für andere Zeiten, verglichen mit 1918 und mit 1921. Wie anders ist diese Zeit, verglichen mit der Zeit der faschistischen Unterdrückung, als noch Gewalt und die Waffen regierten, um die Unterdrückung, die Ausbeutung der Arbeiter aufrechtzuerhalten, um die Monopole und die Kapitalisten zu bereichern. Wieviel Blut wurde vergossen zum Nutzen dieser Interessen!

Heute arbeitet man hier nicht, um irgendeinen Besitzer zu bereichern, hier arbeitet man heute, um das Volk der DDR reicher zu machen. Hier wird nicht gearbeitet, um Nahrungsmittel oder Reichtümer für eine Minderheit zu schaffen, hier arbeitet man nicht, um Häuser für eine Minderheit zu bauen.

Aus der Geschichte wissen wir, daß die Bourgeois in großen Palästen wohnen, daß sie sich sehr gut anziehen, daß sie sehr gut essen; sie wissen nicht, was Hunger bedeutet. Aber wir wissen auch, wie sich der Kapitalismus entwickelte, welches Elend er hervorbrachte, wieviel Ausbeutung. Sogar die Kinder waren im Kapitalismus gezwungen zu arbeiten. Wie viele Krankheiten, wieviel Armut brachte er hervor. Die Arbeiter lebten in Baracken, in Hütten. Niemanden kümmerte es, ob sie 200 oder 2 Kilometer von der Fabrik entfernt wohnten. Niemanden kümmerten die Zeit für den Arbeitsweg, die Höhe des Fahrgeldes.

Die Kapitalisten kümmerten sich nur darum, wie sie ihren Reichtum mehren konnten, aber nicht darum, wie sie Wohnungen für die Arbeiter oder Schulen und Kindergärten für die Kinder der Arbeiter oder Sportplätze bauen konnten. Sie kümmerten sich nicht um den Aufbau von Bildungsstätten für die Jugend.

Darum kann sich nur die Arbeiter-und-Bauern-Macht kümmern! Und das ist es, was heute hier in der DDR geschieht. Heute werden große Mittel aufgewendet, um diese neue Stadt zu bauen. Es ist natürlich einfacher, 500 Häuser für die Bourgeois zu bauen als 30.000 Wohnungen für Arbeiter. Und es ist noch schwieriger, wenn man neben den Wohnungen Krankenhäuser, Schulen, Kindergärten bauen muß. Das braucht Zeit, das kostet Kraft.

Im Kapitalismus lebten wenige in Luxus und Reichtum. Die Massen lebten in Armut. Jetzt muß man die Lebensbedingungen der Massen verbessern. Man muß darüber hinaus Investitionen für die Entwicklung der Volkswirtschaft vornehmen. Außerdem muß man die Verteidigungskraft stärken angesichts der Bedrohungen durch den Imperialismus. Man muß die Zusammenarbeit unter den sozialistischen Ländern entwickeln und die Zusammenarbeit mit anderen Ländern.

Die Verpflichtungen, die Pflichten der Kommunisten sind andere als die der Kapitalisten. Das Ziel des Kampfes der Kommunisten ist ein anderes als das der Kapitalisten.

Die Kapitalisten wollen mit allen Mitteln die Ausbeutung aufrechterhalten, die Ausbeutung ihrer eigenen Arbeiter ung die Ausbeutung anderer Länder. Aber der Kampf der kommunistischen Bewegung ist die Verneinung, die Negation all dessen.

Schließlich möchten wir noch unsere Genugtuung, unsere Befriedigung und unsere tiefe Bewegung erwähnen, zu sehen, daß die ersten, die wir trafen, als wir hierher kamen, die Kampfgruppen der Arbeiter waren, gut bewaffnet, gut ausgerüstet.

Was ist das für ein Unterschied, verglichen mit 1918, mit 1921. Was ist das für ein Unterschied, verglichen mit dem Faschismus. Jetzt sind es Arbeiter, die die Waffen in ihren Händen haben.

Diese Tatsache allein beweist den außerordentlichen Unterschied zwischen der Vergangenheit und der Gegenwart. Wie der 1. Sekretär der Bezirksleitung schon sagte, dessen Worten wir völlig zustimmen, muß man ständig wachsam sein, weiter das sozialistische Lager stärken.

Die Imperialisten respektieren uns nicht etwa, weil unsere Sache gerecht ist - unsere Sache ist gerecht. Sie müssen uns respektieren, weil sich unsere Kraft, unsere Macht entwickelt haben. Wir müssen diese Macht, unsere Ideologie entwickeln, den internationalistischen Geist weiter stärken. Die Imperialisten sind Zyniker, sind kalte Rechner. Wo sie nicht zuschlagen können, da schlagen sie auch nicht zu. Aber wo sie sich noch stark fühlen, da tun sie es. Sie werden es sich sehr überlegen, gegen die DDR loszuschlagen. Wenn sie aber Gelegenheit haben, in einem Land Amerikas zuzuschlagen, tun sie das.

Wenn sie in Afrika zuschlagen können, dann tun sie das. Wenn sie in Asien zuschlagen können, dann tun sie das.

Im Fühlen, Denken und Handeln von uns allen ist die feige und verbrecherische imperialistische Aggression, ist der Krieg in Vietnam, sind die Schrecken und Verbrechen, die dort vollbracht werden. Dort wendet der Imperialismus seine modernste Technik, seine neuesten Waffen an, um Vietnam auszuradieren. Die Imperialisten haben Vietnam sogar in ein Experimentierfeld für ihre elektronischen Waffen, für ihre neuen Waffensysteme verwandelt. Über Vietnam wurden mehr als 12 Millionen Tonnen Bomben abgeworfen. Über Vietnam werden täglich über 4.000 Tonnen Bomben abgeworfen.

Wir befinden uns hier in einem großen Werk, in dem mehr als 30.000 Arbeiter arbeiten, die synthetische Produkte herstellen, die chemische Grundstoffe herstellen für die Lösung der materiellen Probleme des Volkes. Soweit, so gut.

Aber die Imperialisten haben gigantische Werke, die nur dazu dienen, Instrumente des Todes zu schaffen. Tausende von Werken mit Millionen von Arbeitern müssen arbeiten, damit sie diesen Krieg gegen Vietnam führen können. Sie müssen dort Bomben, Raketen und andere Ausrüstungen für die Aggression gegen Vietnam herstellen. Die Imperialisten machen heute sogar das, was hier einstmals die Faschisten machten, die Monopole, die dem Faschismus dienten.

Hier wurden vor dem Krieg und während des Krieges die Giftgase hergestellt, mit denen Millionen von Menschen umgebracht wurden. In den Vereinigten Staaten und in dem imperialistischen westdeutschen Staat gibt es heute Fabriken, die genauso der Herstellung solcher Gase dienen, der Herstellung von Giftgasen, um diese Stoffe über den Feldern und Wäldern von Vietnam und über den vietnamesischen Kämpfern abzuwerfen. Groß ist das Verbrechen, das gegen dieses Brudervolk begangen wird. Deswegen begrüßen und unterstützen wir die Worte des 1. Sekretärs der Bezirksleitung Halle, in denen der bedingungslose Abzug der amerikanischen Truppen aus Vietnam und der Schluß dieses Krieges gefordert wurde. Das ist ein weiteres Beispiel, das uns zeigt, daß wir wachsam sein und hart kämpfen müssen, um die sozialistische Gemeinschaft zu stärken, um die Bande unserer Beziehungen zu vertiefen, um uns immer stärker zu machen, um die Politik des Friedens zum Siege zu führen.

Ich danke euch zutiefst für dieses Gewehr, das mir überreicht wurde. Wir werden es in unser Land mitnehmen als ein Symbol unserer Freundschaft, als ein Symbol des Heldentums der Arbeiter von Leuna. Wir müssen weiter die Waffen bereithalten, solange es noch ein einziges imperialistisches Land gibt.

Ich kann euch versichern, wenn eines Tages die Imperialisten Kuba überfallen würden, dann wird sogar dieses Gewehr benutzt werden.

Wir möchten unseren tiefen Dank aussprechen für die Aufmerksamkeit, für den herzlichen und warmen Empfang, der uns heute hier bereitet wurde. Unseren Dank dem Genossen Honecker und der SED, unseren Dank den führenden Genossen dieses Bezirkes, den Einwohnern von Halle und von Leuna, den Werktätigen des neuen Halle. Die freundschaftlichen Bande zwischen unseren beiden Völkern entwickeln und verstärken sich immer mehr, Unsere Sache wird siegen.

Ich möchte schließen und euch zu den Erfolgen bei der Erfüllung des Planes beglückwünschen. Wir wünschen euch noch größere Erfolge für die Zukunft.

Es leben die Arbeiter von Leuna und ihre Erfolge!

Es lebe das Gedenken an die Arbeiter, die hier im Kampf gegen die Reaktion, gegen den Imperialismus, gegen den Faschismus fielen!

Es lebe die Freundschaft zwischen den Völkern der DDR und Kubas! Es lebe der proletarische Internationalismus! Vielen Dank.

Quelle:
Fidel Castro. Unsere Stärke liegt in der Einheit Besuche in der DDR, der UdSSR und in Chile
Veröffentlichung mit freundlicher Genehmigung des Karl Dietz Verlages Berlin