Immer leitet uns die sieghafte Idee des Marxismus -Leninismus

Rede beim Kampfmeeting der Jugend in Dresden
16. Juni 1972

Fidel Castro, Rede in Dresden, 16. Juni 1972

Foto:
Screenshot, Fidel Castro en la Republica Democratica Alemana, 1972

Fidel Castro in Dresden, 16. Juni 1972

Foto:
Screenshot, Fidel castro visita la RDA en 1972

Fidel Castro, Kundgebung in Dresden, 16. Juni 1972

Foto:
Screenshot, Fidel castro visita la RDA en 1972

Fidel Castro, Rede in Dresden, 16. Juni 1972

Foto:
Screenshot, Fidel Castro en la Republica Democratica Alemana, 1972

Fidel Castro, Kundgebung in Dresden, 16. Juni 1972

Foto:
Screenshot, Fidel castro visita la RDA en 1972

Cuba Si - Yankee No!, Kundgebung in Dresden, 16. Juni 1972

Foto:
Screenshot, Fidel Castro en la Republica Democratica Alemana, 1972

Fidel Castro, Kundgebung in Dresden, 16. Juni 1972

Foto:
Screenshot, Fidel Castro en la Republica Democratica Alemana, 1972


Liebe Genossen, Studenten, Freunde!


Es wurde heute eine Begegnung zwischen unserer Delegation und der Jugend von Dresden improvisiert. Aber ihr habt eine solche Art zu improvisieren, daß man denkt, ganz Dresden ist hier versammelt. Für uns war es außerordentlich interessant, die Stadt Dresden zu besuchen. Bedauerlicherweise müssen wir in einigen Stunden schon wieder abfahren. Nicht, daß jemand dagegen wäre, daß wir länger hierblieben. Außer dem Programm ist niemand dagegen. Wir machen eine Reise durch zehn Länder. Die DDR ist das achte Land. Jeden Abend fühlen wir uns wie Marathonläufer; darum müssen wir den Besuch kurz machen. Wir verstehen sehr gut, daß man Dresden nicht an einem Tage kennenlernen kann, daß man sein Leben, seine Geschichte und seine Arbeit nicht an einem Tage erfassen kann.

Wir haben jedoch gesehen, was hier in diesen Jahren geleistet wurde. Wir können uns vorstellen, von welchem Ausgangspunkt das Leben in dieser Stadt wiederaufgebaut wurde. Wir haben die Bilder des zerstörten Dresden aus dem Februar des Jahres 1945 gesehen, und wir waren sehr erstaunt zu hören, daß damals hier keine Waffen hergestellt wurden und daß diese Stadt trotzdem am 13. und 14. Februar 1945 in einem Akt völlig unnötiger Grausamkeit und Terrors, der 35.000 Menschen das Leben kostete, zerstört wurde. Das heißt, hier in Dresden hatten wir eine Lage ähnlich der, wie sie in zwei anderen Städten war, nämlich in Hiroshima und Nagasaki. Jene Städte wurden mit Atombomben zerstört, diese Stadt durch Tausende von Bombenflugzeugen. 35.000 Tote, das ist kein großer Unterschied zu einem Atombombenabwurf. Das war ohne jeden Zweifel eine Tat, die niemals zu rechtfertigen sein wird: ein Akt des politischen Terrors, durch den eine der schönsten Städte dieses Landes zerstört wurde.

Heute weiß man aus der Geschichte, daß die amerikanischen Imperialisten das gleiche in verschiedenen Städten taten und nach welchen Gesichtspunkten sie ihre Ziele auswählten: Sie verschonten Orte von Bombenangriffen, mit denen ökonomische Interessen amerikanischer Monopole verbunden waren oder die in Verbindung standen mit ihren ökonomischen Zielen für die Nachkriegszeit, mit ihren Nachkriegsinteressen. Dagegen richteten sie ihre ganze zerstörerische Gewalt auf Städte wie Dresden.

Wenn von der ganzen Welt die Verbrechen gegen Hiroshima und Nagasaki angeklagt wurden, weil es sich nicht um militärische Ziele handelte, muß man auch international das gegen Dresden begangene Verbrechen anklagen.

Seit dieser Zeit sind mehr als 25 Jahre vergangen, und noch immer sind zum Teil die Kriegswunden zu sehen. Dieser Krieg lehrte uns zweierlei: das verantwortungslose Vorgehen und die Verbrechen der Faschisten, welchen Schaden der Faschismus der Welt und den Völkern zufügte, welche verhängnisvollen Folgen er für die Menschheit mit sich brachte, und außerdem konnte man auch sehen, nach welchen Gesichtspunkten die Monopole im Kriege handeln und von welchen Interessen sie sich leiten lassen. Noch immer seid ihr dabei, die Wunden zu heilen, und noch sind an verschiedenen Gebäuden, die ihr früher oder später restaurieren wollt, die Spuren zu sehen.

Heute morgen haben wir das Rathaus besucht. Wir haben die Pläne vom Aufbau der Stadt gesehen, und wir haben keinen Zweifel, daß diese Stadt wieder eine der schönsten der Welt werden wird. Das ist klar, das liegt offen auf der Hand, da hier wahre Talente gearbeitet haben, um das neue Dresden zu schaffen.

Aber gleichzeitig sahen wir auf unserer Fahrt durch andere Teile der Stadt einzelne, vom alten Dresden erhaltene Gebäude. Wir haben mit den Genossen der DDR darüber gesprochen: Wie außergewöhnlich, wie großartig muß diese Stadt vor dem Kriege gewesen sein. Heute kann man jedoch nicht mehr tun, als die Gebäude in ihrer alten Architektur zu restaurieren, bei denen das möglich ist, und die neue Stadt in neuer Architektur errichten.

Es gibt historische Dinge, die unwiederbringlich verloren sind. Sie müssen sich in unser Bewußtsein eingraben und unsere Ablehnung gegenüber reaktionären Ideen, den Ideen des Imperialismus, der Monopole und der Faschisten vertiefen.

Soweit, so gut; wir kommen aus einem anderen Teil der Welt, der nicht die Möglichkeit hatte, architektonische und künstlerische Werte zu schaffen. Unsere Völker lebten jahrhundertelang unter dem Kolonialismus und Imperialismus, sie wurden unaufhörlich und erbarmungslos ausgeplündert. Wir kennen keine derartigen Zerstörungen. Aber in unseren Ländern gab es auch sehr wenig zu zerstören.

Wir hatten einen vergleichbaren Ausgangspunkt. Sowohl für euch als auch für uns blieb noch alles zu tun: aber einen Unterschied gibt es: Ihr habt Gebäude restauriert, wo es Gebäude gab, ihr habt Fabriken rekonstruiert, wo es zuvor Fabriken gab, ihr habt Bildungs- und wissenschaftliche Einrichtungen geschaffen, wo zumindest eine Bildungsgrundlage vorhanden war.



Ihr habt Bildungseinrichtungen und wissenschaftliche Institute wieder errichtet, wo solche schon waren. Ihr habt Traditionen. Hier war schon die industrielle Grundlage vorhanden. Ihr hattet die Arbeiterklasse, die Schöpfer der Reichtümer ist, und im Laufe der Zeit hatten sich Erfahrungen angesammelt. Präzisionsarbeiten der Feinmechanik, der Optik, der Metallurgie, der Elektronik, die kann man nicht improvisieren.

In unseren Ländern gehen wir vom Nullpunkt aus und müssen das alles erst versuchen zu schaffen. Daher die Schwierigkeiten, denen wir gegenüberstehen; daher sind hier so viele Jugendliche, Jugendliche aus mehr als 50 Ländern, die in den Bildungszentren Dresdens studieren.

Aber wir hatten von historischen Dingen gesprochen, ihr seid ja keine historischen Dinge. Ihr seid Produkt der Geschichte, aber lebt in der Gegenwart, ihr seid jung. Ihr habt die Schrecken des Krieges nicht kennengelernt.

Die große Mehrheit von euch hat die Schrecken nicht erlebt, die unter dem Faschismus herrschten, die Schrecken jener, die unter der Unterdrückung litten, jener, die in der Illegalität lebten, die in den Konzentrationslagern waren. Ihr habt diese barbarischen Taten des Krieges nicht selbst kennengelernt, und ihr habt auch nicht am Wiederaufbau der ersten Jahre teilgenommen. Ihr seid eine neue Generation, die die schlimmen Erfahrungen nicht hat. Ihr habt den Vorzug, in einer Epoche des Friedens zu leben, in einer der längsten Friedensperioden, die Europa erlebte. Ihr habt schon eine Wirtschaft vorgefunden, die aufstrebt, die sich in voller Entwicklung befindet. Ihr habt einen wohlorganisierten Arbeiter-und-Bauern-Staat vorgefunden, der gefestigt ist und in dem sehr hart gearbeitet wurde und wird.

Dieser erste sozialistische deutsche Staat der Arbeiter und Bauern mußte sein Werk in einer sehr schwierigen Situation beginnen. Wenn man Dresden aus den Ruinen wiederaufbauen mußte, die die Bombenangriffe hinterließen, dann mußte der erste Arbeiter-und-Bauern-Staat auch auf den ideologischen Trümmern aufgebaut werden, die der Faschismus hinterließ. Wir können euch versichern, daß das eine wahrhaft revolutionäre politische Heldentat war.

Was wird die Rolle dieser Generation sein, was wird eure Rolle in der Welt von heute und morgen sein? Ist es vielleicht so, daß die Probleme in der Welt schon verschwunden sind? Ist es vielleicht so, daß die Jugend heute keine großen Aufgaben hätte? Wir wissen, daß ihr, die jungen Studenten, die Jugendlichen der DDR, ebenso wie die Jugend Kubas, große Aufgaben vor euch habt. Hier in diesem Land müßt ihr das Werk fortführen, das bisher vollbracht wurde. Ihr müßt den sozialistischen Staat auf allen Gebieten festigen und stärken. Auf ideologischem Gebiet müßt ihr einen harten Kampf mit der imperialistischen Welt führen, gegen ihre politischen Mittel, über die sie verfügt, gegen ihre ideologischen Instrumente, gegen ihre betrügerischen Manöver. Auf ideologischem Gebiet muß die neue Generation in der DDR, muß die Jugend der DDR, ebenso wie es die kubanische Jugend getan hat und tut, einen harten Kampf führen.

Wir leben sehr nahe den Vereinigten Staaten, in einem kleinen Land mit einer unterentwickelten Wirtschaft. Wir können mit aller Klarheit sagen, daß es ein kleines Land ist. Auf dieses Land hat der amerikanische Imperialismus ein halbes Jahrhundert lang einen großen politischen, einen großen kulturellen und einen großen ideologischen Einfluß ausgeübt. Er hat unsere Wirtschaft völlig beherrscht. Und bei den USA handelt es sich um das am weitesten entwickelte imperialistische Land, das gewaltige Reichtümer angehäuft hat, um ein Land, das Herr über die Naturschätze Lateinamerikas war, des Erdöls, des Kupfers, des Eisens und der Bodenschätze überhaupt.

Die USA waren außerdem Herren der Naturschätze vieler anderer Länder Asiens und Afrikas, ein Land, das den zweiten Weltkrieg mit einer vollständig erhaltenen Industrie überstand, ein Land, das Goldreserven in Höhe von 30 Milliarden anhäufte. Das ganze Gold der Welt befand sich nach Kriegsende praktisch in der Schatzkammer der USA.

Der ideologische Kampf des kubanischen Volkes war der Kampf eines armen Landes gegen die Oligarchie eines reichen Landes, der Ideologie eines armen Landes gegen die Ideologie eines reichen Landes, der Kampf eines armen Landes mit vielen Analphabeten, der Kampf eines Landes, in dem es keine Ingenieure, keine Techniker gab, der Kampf eines Landes, das keine qualifizierte Arbeiterklasse besaß, praktisch der Kampf eines Agrarlandes gegen ein Industrieland. Das Wesen dieses Kampfes bestand in der Klärung der Fragen, welche Ideen die richtigen waren und welche nicht, ob sie oder ob wir recht hätten; ob wir in einer Gesellschaft der Ausbeuter und Ausgebeuteten leben sollten - wie sie in den Vereinigten Staaten bestand - oder in einer Gesellschaft ohne Ausbeuter und ohne Ausgebeutete, wie wir sie in unserer Heimat errichten.

Wir wissen aus Erfahrungen, wie die Imperialisten ihre Reichtümer mißbrauchen, wie sie versuchen, die Massen zu verwirren, wie sie versuchen, Lügen zu verbreiten angesichts einer historischen Wahrheit, wie sie zu beweisen versuchen, daß ihr Gesellschaftssystem richtig sei, weil sie reich sind, und zu beweisen versuchen, daß unser Gesellschaftssystem nicht richtig sei, weil wir arm sind. Die einzige historische Wahrheit besteht darin, daß die Kapitalisten ihre Reichtümer durch die Ausbeutung der Arbeiter und die Ausbeutung der in diesen Jahren unter dem grausamsten Kolonialjoch lebenden Völker anhäuften. Unsere Völker sind arm, weil sie jahrhundertelang unter dem Kolonialismus und Imperialismus ausgebeutet wurden.

Die Imperialisten unternahmen alles mögliche, um uns außerdem noch die wenigen Techniker zu nehmen, die wir hatten, die Ingenieure, die Ärzte.

Der Beruf, der eine gewisse Entwicklung erfahren hatte, war der Beruf der Ärzte. Nach dem Sieg der Revolution in Kuba verfügten wir über 6.000 Ärzte. Natürlich lebten sie fast alle in der Hauptstadt der Republik; es gab ländliche Gebiete, in denen fast eine halbe Million Menschen ohne einen einzigen Arzt lebte.

Beim Sieg der Revolution haben die Imperialisten in den USA ihre Tore weit aufgemacht, damit alle diejenigen, die eine gewisse Ausbildung hatten, die Ingenieure, die Ärzte, nach den USA gingen. Sie haben sie mit ihren Reichtümern gelockt, sie haben ihnen ihren hohen Lebensstandard angepriesen. Bei einem beträchtlichen Teil dieser Leute gelang es ihnen auch. Von den 6.000 Ärzten, die es in Kuba beim Sieg der Revolution gab, haben die USA 3.000 zu sich geholt. Auf diese Art und Weise wurden viele der Ingenieure und Techniker, der Lehrer, der Professoren, die wir hatten, in die USA geholt. Die USA beschränkten sich nicht nur auf die völlige ökonomische Blockade Kubas. Und natürlich haben sich die Bourgeois und die Großgrundbesitzer auch ihre Verwalter mitgenommen, die Erfahrungen in der Leitung der landwirtschaftlichen Produktion hatten.

Aber das Volk blieb standhaft trotz seiner Armut, trotz des niedrigen Bildungsstandes. Wir meinen damit die technische Bildung, nicht die politische, denn unser Volk begann sofort ein großes politisches Bewußtsein zu entwickeln. Die Imperialisten mißbrauchten die Massenmedien, das Radio, das Fernsehen, alle Verbindungsmittel. Millionen Kubaner haben Briefe mit Fotos erhalten, auf denen ein Exilkubaner mit einem Auto gezeigt wurde oder auf einem Fest. So versuchte man, das Bewußtsein unseres Volkes zu schwächen, indem man Propaganda für das imperialistische System machte. Unter diesen Bedingungen wurde in Kuba der ideologische Kampf geführt, und unter diesen Bedingungen hat unser Volk die Schlacht gewonnen. Wir sind keine Chauvinisten. Wir züchten weder Chauvinismus noch engen Nationalismus. Wir kämpfen gegen diese Tendenzen an. Ganz im Gegensatz dazu haben wir immer darum gekämpft, in unserem Volk den internationalistischen Geist zu fördern. Wir führen das Beispiel unseres Landes an, weil wir glauben, daß die Geschichte festhalten wird, wie unser kleines Land bei dieser ideologischen Auseinandersetzung einen großen Teil der Welt vertritt, der unter ähnlichen Bedingungen lebt; wie unser Land den Kampf gegen das am höchsten entwickelte imperialistische Land geführt hat und wie diese Schlacht gewonnen wurde.

Die Imperialisten haben versucht, zu verhindern, daß sich die revolutionären Ideen Kubas in Lateinamerika verbreiten. Sie benutzten ihren Einfluß in den internationalen Organisationen, um fast alle Länder Lateinamerikas zu zwingen, ihre Beziehungen mit Kuba abzubrechen, die diplomatischen Beziehungen, die Handelsbeziehungen. Natürlich wurden auch sämtliche diplomatischen und Handelsbeziehungen zwischen den USA und Kuba abgebrochen. Sie versuchten, Kuba zu isolieren. Sie fühlten sich ihrer Ideologie schon nicht mehr so sicher. Wenn sie recht hätten, wenn ihre Sache und nicht die unsere gerecht wäre, hätte niemand unserem Volke, das die Waffen besitzt, sagen müssen, was es zu tun hat; unser Volk hätte die Dinge verändert. Aber dazu kam es nicht. Ganz im Gegenteil: Das Volk schloß sich immer enger um die Revolution zusammen, schärfte immer mehr sein revolutionäres Bewußtsein.

Was geschieht nun heute? Die revolutionären Ideen breiten sich auf dem ganzen Kontinent, unter den Brudervölkern Lateinamerikas aus. Mehr noch, die revolutionären Ideen breiten sich selbst in den Vereinigten Staaten aus.

Und wir haben keinen Zweifel daran, was das historische Ergebnis sein wird. Wir sind sicher, daß eines Tages diese revolutionären Ideen in ganz Lateinamerika siegen werden und daß eines Tages diese revolutionären Ideen auch in den USA siegen werden. Die historischen Realitäten stehen zugunsten dieser Ideen, und sie begünstigen den Weg zu ihrem Sieg.

Aber wie konnte sich dieses kleine Land diese große Aufgabe stellen? Indem es sich auf die revolutionären Ideen stützte, indem es sich auf die unbesiegbaren Ideen des Marxismus-Leninismus stützte. So hat sich nicht nur ein tiefes sozialistisches Bewußtsein, sondern auch ein tiefes internationalistisches Bewußtsein entwickelt.

Wir sind in unserem Land über alle Probleme der Welt vollkommen informiert. Wo immer die Imperialisten einen Piratenakt, eine Missetat oder ein Verbrechen begehen, wird unser Volk ausführlich und vollständig informiert: sei es über die Ereignisse in Kongo, in Algerien, im Nahen Osten, in Südafrika, in Santo Domingo, in Panama oder in Indochina. Das Beispiel Indochinas war eine der wirksamsten Schulen für unser Volk. Die Massen lernen immer besser die Ursachen und die Gesetze kennen, die das Verhalten des Imperialismus bestimmen, und sie lernen sie zu unterscheiden von den Prinzipien, die das Verhalten des Sozialismus bestimmen. Wir können sagen, daß die Masse der Jugendlichen in unserem Lande bereit ist, zu helfen, irgendeine Aufgabe zu übernehmen, im Falle eines Erdbebens nach Peru zu gehen, wenn es dort an Ärzten mangelt oder an Technikern; sie würden selbst im Kampf jedem Volk helfen. Wir glauben, daß die Jugendlichen der DDR und die Jugendlichen Kubas gemeinsam eine große Aufgabe vor sich haben.

Der Imperialismus unternimmt auch alles mögliche, um die DDR zu isolieren. Er unternahm alles, damit dieser deutsche Arbeiter-und-Bauern-Staat, die DDR, nicht anerkannt wird. Es wurde auch gegen dieses Land eine ökonomische Blockade verhängt, es wurde versucht, die Entwicklung der politischen und ökonomischen Beziehungen mit anderen Ländern der Erde zu verhindern. Ihr kennt und wißt wie wir, was Isolierung bedeuten kann. Ihr wißt, was eine diplomatische Blockade ist, eine ökonomische Blockade. Ihr und wir haben einen harten ideologischen Kampf dagegen führen müssen. Ihr wie wir sind vorangekommen. Der Geist des Volkes der DDR, der Jugend der DDR, das können wir wahrnehmen, ist ein kämpferischer Geist.

Ihr wie wir sind sehr nahe an den Grenzen des Imperialismus und des Kapitalismus. Ihr und wir stehen mit in der ersten Linie dieses Kampfes. Die Jugend der DDR, die Jugend Kubas, das Volk Kubas, das Volk der DDR sind aufgerufen, sich im Kampf immer mehr zu verbrüdern, sich zu vereinigen in diesem ideologischen Kampf, sich zu vereinigen in diesem politischen Kampf gegen den Imperialismus.

Ihr seid in Europa. Wir sind in Lateinamerika. Aber die Welt, in der wir leben, der lateinamerikanische Kontinent, ist ebenso wie Asien, ebenso wie Afrika eine sehr arme Welt. Die ganze Menschheit und auch unsere Völker stehen vor einem sehr großen Problem. Die Bevölkerung wächst an. Innerhalb von 25 Jahren wird es 5 Milliarden Menschen auf unserem Planeten geben. In 25 Jahren ist die große Mehrheit von euch noch jung oder relativ jung. Darum müssen euch die Probleme der Welt in 25 Jahren stark interessieren.

Wir versuchten, uns die Welt in 25 Jahren vorzustellen. Sich Dresden vorzustellen ist leicht: Dieser ganze Bebauungsplan und noch viel mehr wird beendet, alle Gebäude werden längst restauriert sein. Wer weiß, wie weit die Elektronik, der Maschinenbau und vor allem die Feinmechanik entwickelt sein werden; wer weiß, welche Wunderwerke ihr bis zu dieser Zeit vollbracht haben werdet, wer weiß, wie sich Pädagogik und Bildungswesen entwickelt haben werden; wer weiß, wie viele Hochschulstudenten es in dieser Zeit geben wird.

Wenn wir 20 Jahre zurückblicken, stellen wir fest, daß es heute zehnmal mehr Studenten gibt als damals. Wie wird das in 25 Jahren aussehen? Wie wird das sozialistische Berlin aussehen? Wie wird Halle aussehen?

Gestern besuchten wir Halle-Neustadt und sahen, was dort errichtet wird. Wir haben das sogar mit Informationen über kapitalistische Städte verglichen. Es wird wirklich keine kapitalistische Stadt geben, die solche Bedingungen für ihre Menschen schafft wie diese Stadt. Keine kapitalistische Stadt baut und läßt freien Raum für Grünflächen. Im Kapitalismus wird mit jedem Quadratmeter Boden gehandelt. Es gibt keine kapitalistische Stadt mit solchen Straßen; in keiner kapitalistischen Stadt werden zusammen mit den Wohnungen Erholungsplätze, Kindergärten, Grundschulen, technische Institute und Kulturzentren erbaut. In keiner kapitalistischen Stadt wächst eine solche Jugend, wachsen die Kinder so auf wie hier und wie wir sie überall in der DDR gesehen haben. Daher können wir uns natürlich vorstellen, wie die DDR in 25 Jahren aussehen wird. Aber wir haben auch die Pflicht, uns vorzustellen, wie Lateinamerika, Afrika und Asien aussehen werden. Was wird aus diesen Ländern, von denen viele ihre Unabhängigkeit noch nicht erreicht haben? Wie werden diese Länder aussehen, die in 25 Jahren eine doppelt so große Bevölkerung haben werden, in denen vielfach die durchschnittliche Lebenserwartung unter 35 Jahren liegt, in denen es mehr als 50 oder 60 Prozent Analphabeten gibt, in denen nicht einmal am Ringen um die Beherrschung von Wissenschaft und Technik teilgenommen wird. Vor welchen Problemen werden diese Länder stehen?

Das sind unsere Probleme, aber das werden auch eure Probleme sein, Probleme der ganzen Menschheit; das sind vor allem Probleme der revolutionären Jugend, der in sozialistischen Ländern heranwachsenden und sich entwickelnden Jugend. Es wird noch nicht alles getan sein.

Es wird noch viel zu tun geben, und ein Großteil dieser Aufgaben wird auch auf euch fallen; nächstes Jahr werden die Weltfestspiele im sozialistischen Berlin stattfinden, und ihr werdet Gelegenheit haben, eure Bande mit der Jugend der ganzen Welt zu verstärken. Es befriedigt uns sehr, daß dieses Festival in der DDR stattfindet, im sozialistischen Berlin, und unsere Jugendlichen werden alles tun, was sie können, damit das Festival ein großer Erfolg des Volkes der DDR wird.

Denn wir wissen, daß auch dieses Festival dazu beitragen wird, die Isolierung der DDR zu bekämpfen, dazu beitragen wird, die Kampagnen und die Lügen der Imperialisten zu vereiteln, und die Weltfestspiele werden der Jugend der DDR helfen, sich der Probleme der Welt bewußt zu werden, dieser Welt, die viel mit ihrer eigenen Zukunft zu tun hat.

Ihr seid auf dem Gebiet der Wissenschaft und Technik viel weiter entwickelt als irgendeines unserer Länder. In den kommenden Jahren werden Tausende und aber Tausende Ingenieure und Techniker, Spezialisten aus den Universitäten der DDR hervorgehen. Diese Techniker werden hier und auch bei unseren Völkern gebraucht.

So groß unsere Anstrengungen auf dem Bildungssektor auch sein mögen - und Kuba unternimmt auf diesem Gebiet eine gewaltige Anstrengung und ist auch schon weit vorangekommen -, benötigen wir jedoch noch lange Zeit technische Hilfe, und andere Völker benötigen sie noch mehr als wir.

Eine andere Frage ist noch wichtig: Wie werden wir die Wissenschaft und die Technik anwenden? Wir wissen, was die Imperialisten mit der Technik und der Wissenschaft machen. Wir wissen, daß sie sie vorrangig für den Krieg einsetzen. Wir können beobachten, was die amerikanischen Imperialisten in Vietnam machen, wie sie die Elektronik zum Töten einsetzen, wie sie Laserstrahlen für eine größere Präzision und eine Steigerung der Zerstörungskraft ihrer Bomben einsetzen. Wir wissen, wie sie den Krieg in Vietnam benutzen, um ihre Waffen zu erproben; wie die Metallurgie, die Chemie, das Ingenieurwesen, die Mathematik und die Elektronik im Dienste der Zerstörung und des Krieges stehen.

Über Vietnam haben die Imperialisten mehr als zwölf Millionen Tonnen Bomben abgeworfen. Das ist mehr als das Doppelte aller Bomben, die im zweiten Weltkrieg abgeworfen wurden. Über Vietnam werfen die Imperialisten jeden Tag 4.500 Tonnen Bomben ab. Über Vietnam werden tonnenweise Giftstoffe abgeworfen, um die Pflanzenwelt zu zerstören. Millionen von Männern, Frauen und Kindern sind dort durch die imperialistische Aggression umgekommen. Deshalb ist es eine Aufgabe, die sich die lernende Jugend der sozialistischen Länder stellen muß, daß wir im Gegensatz dazu Wissenschaft und Technik nicht anwenden um zu zerstören, sondern um Neues zu schaffen, um die Armut zu besiegen, um das Leben zu schützen und zu verlängern, um das Wohl der Menschen zu fördern.

Und hier habt ihr als zukünftige Spezialisten eine der edelsten Aufgaben, die es für einen Menschen geben kann.

Man darf sich nicht darüber beklagen, nicht in einer anderen Epoche geboren zu sein. Man soll sich nicht einbilden, daß die Revolution schon in der ganzen Welt stattgefunden hätte. Die Revolution ist in einigen Ländern weiter vorangekommen als in anderen, aber Milliarden Menschen warten noch auf die soziale Revolution, auf die technische und auf die wissenschaftliche Revolution. Wenn uns jemand fragte, worin die Hauptaufgabe der Jugend der sozialistischen Länder für die Zukunft besteht, würden wir sagen: Gerade das ist die Aufgabe!

Es ist möglich, daß einige von euch eines Tages als Techniker und Spezialisten Kuba besuchen und in Kuba arbeiten, oder einige von euch Vietnam besuchen und dort arbeiten, oder in anderen Ländern der Welt, wo eure Kenntnisse zweifellos gebraucht werden.

Gestern besuchten wir eine Schule in der DDR, genauer gesagt, in Halle. Wir sahen die audiovisuellen Lehrmittel, die Lehrmittel für Physik, Chemie, für den Sprachunterricht. Wir sahen die Sportanlagen, die Lehrmittel für den Sportunterricht und verglichen es mit dem, was unsere Länder kennen.

Allein auf dem Gebiet der Pädagogik würde man der Menschheit unschätzbare Dienste erweisen, wenn diese moderne Unterrichtstechnik in der Welt Verbreitung fände, wenn diese Bildungsmittel entwickelt würden.

Wir hatten Gelegenheit, das Bildungsniveau der Kinder kennenzulernen, ihre Fortschritte zu sehen. Die Qualität des Unterrichts, die Perspektiven, die diese Kinder aus der DDR haben, beeindruckten uns wirklich. Darum stellen wir uns euer Niveau vor. Ich weiß nicht, ob es stimmt, was ich sage; ihr könnt mir zustimmen oder mich korrigieren. Aber ich habe den Eindruck, daß ihr großartige Techniker, großartige Mathematiker, großartige Ingenieure und Ärzte sein werdet.

Wir freuen uns, daß schon 50 junge Kubaner aus den Bildungsstätten Dresdens hervorgegangen sind und daß eine Reihe Kubaner hier noch studiert. Ich weiß nicht, ob sie schlechte oder gute Studenten sind. Im allgemeinen widerspiegeln unsere Jugendlichen, wenn sie an die Universitäten der sozialistischen Länder kommen, noch die Mängel unserer Grund-, Mittel- und Oberschulen. Diese Tatsache haben wir überall beobachten können. Das zeigt den Niveauunterschied der Grund- und Oberschulbildung zwischen den sozialistischen Ländern und Kuba. Aber wir haben auch ihren großartigen revolutionären Geist feststellen können, den großartigen Geist der Kameradschaft der kubanischen Genossen in Dresden. Auf die kubanischen Studenten - wo auch immer, in welchem sozialistischen Land sie sich auch befinden - kann man stets zählen, für jede Anstrengung, für jede Arbeit, für jeden Beitrag, in jeglicher Hinsicht. Das ist Bestandteil der Erziehung, die unsere Jugend erhält.

Wir kennen ebenso das Verhalten der vietnamesischen Studenten überall. Tausende junge Vietnamesen studieren in allen sozialistischen Ländern, und überall sind sie - trotz der Sprachschwierigkeiten - unter den fleißigsten, selbstlosesten, unter den besten Studenten.

Darum sagen wir allgemein unseren jungen Kubanern: Tretet mit den jungen Vietnamesen in Wettstreit, eifert ihnen im Studium nach. Wir sagen ihnen auch, daß sie versuchen sollen, die Zeit zu nutzen und die Mängel ihrer Grund- und Oberschulbildung auszugleichen; daß sie versuchen sollen, ihre Kenntnisse auf den höchsten Stand zu bringen. Das ist die Losung, und das ist die Richtlinie für die jungen Kubaner.

Wir haben von den sozialistischen Ländern eine gewaltige Hilfe erhalten, insbesondere von der Sowjetunion, sowohl auf technischem wie auf ökonomischem Gebiet. Die Waffen, mit denen sich unser Volk gegen die Imperialisten verteidigt hat, hat es von den sozialistischen Ländern erhalten, hat es von der Sowjetunion erhalten.

Wir haben vom sozialistischen Lager, insbesondere von der Sowjetunion, große Hilfe erhalten, sowohl auf technischem als auch auf ökonomischem Gebiet. Die Waffen, mit denen sich unser Volk gegen die Imperialisten verteidigt hat, erhielt es vom sozialistischen Lager, von der Sowjetunion. Aber wir fühlen uns auch der übrigen Welt gegenüber verpflichtet. Laßt uns die Kräfte der sozialistischen Staatengemeinschaft vereinen. Unsere Techniker, die eines Tages auch aus unseren Universitäten in Massen hervorgehen, werden bereit sein, an jeden Ort der Welt zu gehen, wo immer ihre Anwesenheit erforderlich ist, wo ihre Kenntnisse gebraucht werden.

Genossen Studenten und Jugendliche! Vielen Dank für den heutigen Empfang. Ihr werdet entschuldigen, wenn ich etwas ausführlich geworden bin. Und Irrtümer schiebt bitte auf den Dolmetscher und nicht auf mich.

Nun, da wir abreisen, möchte ich sagen, welchen Eindruck ich von hier mitnehme: daß hier Optimismus herrscht über die Zukunft der DDR, über die Zukunft dieser Jugend. Und wir setzen großes Vertrauen auf die Jugend der DDR, auf euch.

Es lebe die Jugend der Deutschen Demokratischen Republik!
Es lebe die Freundschaft zwischen den Völkern Kubas und der DDR!
Es lebe der proletarische Internationalismus!

Quelle:
Fidel Castro. Unsere Stärke liegt in der Einheit Besuche in der DDR, der UdSSR und in Chile
Veröffentlichung mit freundlicher Genehmigung des Karl Dietz Verlages Berlin