Rede Fidel Gastros zum Jahrestag des Sturms auf die Moncada-Kaserne am 26. Juli 1981 in Las Tunas

in Auszügen:

Nun möchte ich ein neues und wichtiges Thema anschneiden.



In den letzten zwei Jahren sind über unser Land vier Schädlingsplagen hergezogen, die sowohl Tiere und Pflanzen wie auch letztlich Menschen angefallen haben: das afrikanische Schweinefieber, der Rostpilz am Zuckerrohr, der Blauschimmel an den Tabakpflanzen und gegenwärtig der Denguevirus Nr. 2.

Nicht wenige Bürger dieses Landes sind tief davon überzeugt, daß diese Krankheiten, speziell die Dengueviren von dem Yankeeimperialismus in unser Land eingeführt worden sind. Darüber will ich mit einiger Ausführlichkeit sprechen, damit wir es uns richtig vergegenwärtigen können und die Umstände verstehen, in welchen die Tatsachen ihren Platz finden.

Innerhalb der Entwicklung ihres militärischen Arsenals nach dem Zweiten Weltkrieg haben die Vereinigten Staaten mit wachsender Aufmerksamkeit die Entwicklung chemischer und biologischer Waffen vorangetrieben, indem sie Mittel, geschultes Personal und Institutionen dafür bereitstellten.

In einer Mitteilung an das Fachkomitee des Nationalen Arbeits- und Wohlfahrtsausschusses im Senat der USA, vom Mai 1969, in dem die Geschichte und das Wesen des biologischen Krieges, sowie die Vorteile eines biologischen Waffensystems analysiert werden, wird der Entwicklung eines solchen Waffentyps eine wachsende finanzielle Unterstützung zugestanden, die allein im Jahre 1969 mehr als 175 Millionen Dollar für deren Forschung erreichte.

Unter anderem heißt es in jener Mitteilung: "der biologische Krieg ist die willkürliche Einführung von Krankheitserregern für Bevölkerungen, Tiere und Pflanzen. Die Erreger sind den in der Natur vorkommenden gleich, "können aber ausgesucht und weitergezüchtet werden, damit sie ansteckender und widerstandsfähiger als jene in der Natur werden. Einige kann man gegen Arznei und Antibiotika resistent machen."

Dann heißt es weiter unten: "Es ist schwer unter gewissen Umständen, die Schuld eines Angriffes zu beweisen, da in der Natur die Erreger in allen Formen vorkommen und wenn jene heimlich eingeführt werden, könnte man behaupten, die Situation sei das Resultat einer plötzlichen Epidemie. Die Wirkungsfähigkeit biologischer Angriffe im großen Rahmen gegen ungeschützte Bevölkerung geführt, kann mit der Wirkung nuklearer Waffen verglichen werden. Besonders die Ernten sind für biologische Angriffe empfindlich."

"Die biologischen Waffen" - heißt es in der Mitteilung weiter - "sind hervorragend für den versteckten Gebrauch geeignet, wie bei Sabotage. Sie funktionieren mit aufgeschobener Wirkung, sind schwierig zu entdecken und man benötigt nur kleinste Mengen. Dadurch, daß die Erreger unsichtbar, geruchs- und geschmacklos sind und im allgemeinen keinen unmittelbaren, körperlichen Schaden verursachen, ist ihre frühe Entdeckung wahrscheinlich unmöglich."

Nach Robert Clarkes Buch ‘Die stillen Waffen’, wurde 1952 die Internationale Wissenschaftskommission (Comision Cientifica Internacional) von der chinesischen Akademie und dem Friedenskomitee angerufen, damit sie Anschuldigungen von chinesischer und nordkoreanischer Seite nachginge, daß die USA in ihren Gebieten einen biologischen Krieg entfacht hätten. Die Internationale Kommission sammelte Aussagen von Einheimischen, welche bezeugten, daß nachdem sie nordamerikanische Flugzeuge ihr Gebiet überfliegen gesehen hatten, ein Ausbruch unüblicher Krankheiten bemerkt wurde. Darüberhinaus gaben sie an, daß in diesen Gebieten eine außergewöhnlich hohe Konzentration von Insekten aufgetaucht wären, welche dort entweder unbekannt oder nur zu anderen Jahreszeiten vorkämen. Mehr noch fand die Kommission Insekten, welche in der Gegend zu einer Zeit aufgetaucht waren, die völlig außerhalb ihres natürlichen Erscheinungsablaufes lag.

Während des Vietnamkrieges wurde weitgehend verbreitet und international bekannt, daß die USA massiven Gebrauch von hochgiftigen, chemischen Mitteln gegen die Bevölkerung und Tiere machten, sowie mit pflanzenvernichtenden Mitteln Ernten, Anpflanzungen und Wälder vernichteten.

Am 29. August 1960 erschien in den USA eine Studie des Abrüstungskomitees der Außenabteilung des Senats, welche die Sorge um die zunehmende Ausarbeitung dieses Waffentyps und ihre notwendige Kontrolle zum Ausdruck brachte. Die Studie deutet - nach einer textlichen Vorlage daraufhin, daß "die Verbreitung des hier angebotenen Materials vielleicht zu einem schärferen Bewußtsein der Probleme anregt, welche der chemische, biologische und atomare Krieg schafft und die Kontrolle chemischer und biologischer Waffen."

Sie hebt weiterhin die Vorteile eines biologischen Krieges gegenüber dem chemischen hervor, da aufgrund einer tage- oder wochenlangen Inkubationszeit eine Verzögerung in der Wirkung eintritt, welche, im Gegensatz zur direkten Wirkung chemischer Waffen, die Aufdeckung erschwert.

An anderer Stelle. deutet sie an, welche Erreger gegen militärisches und ziviles Personal zu tödlichen Auswirkungen verwendet werden könnten; ihre Liste reicht von einer gewöhnlichen Grippe bis zur Beulenpest.



Weiterhin analysiert die Mitteilung die verschiedenen Arten der Ausstreuung oder Übertragung der Erreger in einem bakteriologischen Krieg. Sie stellt heraus, daß unter Verwendung von Sprays aus Flugzeugen, neben anderen diversen Methoden der Ausstreuung, große Flächen abgedeckt werden können. Sie gibt weiter an, wie das Wesen der Erreger in einem biologischen Krieg sie leicht für offene oder verbotene Operationen einsatzfähig machen läßt.

Zugleich führt die Mitteilung weiter aus, wie kompliziert die Verteidigung gegen einen biologischen Krieg sei infolge der Schwierigkeiten, die in der Aufdeckung ihrer Erreger bestehen: eine Situation, wie sie ausschließlich für diesen Waffentyp besteht.

In der Konferenz über den chemischen und biologischen Krieg, die 1968 im Hotel Bonnington, in London gehalten wurde, trat das Interesse und die Aufmerksamkeit jener Kreise hervor, die über die Dengue als einer wirkungsvollen und humanen Waffe arbeiteten.

Unter dem Titel ‘Chemischer und biologischer Krieg das verborgene Arsenal der USA’, beschreibt der nordamerikanische Autor Seymour Hersh einige der geheimen Basen, in denen in den USA chemische und biologische Waffen entwickelt werden: die Arsenale von Edgewood und Fort Detrick. Edgewood ist eine gigantische Einrichtung im Nordosten Baltimores mit 10.000 acres Fläche auf der ca. 4.000 Zivilisten und 1.000 Militärs arbeiten. Sein Budget stieg beständig an und erreichte seinen Höhepunkt während des Vietnamkrieges.

Das Fort Detrick mit 1.200 Hektar, liegt in Maryland und beschäftigt 2.500 Zivilisten und 500 Militärs. Ihre besondere Arbeit besteht in der Entwicklung verschiedener Mittel für den biologischen Krieg.

Während des Zweiten Weltkrieges wurden große Arbeiten vorgenommen, welche erst kürzlich erweitert wurden. Das Buch bezieht sich auf verschiedene vorgekommene Unfälle mit dem Personal des Zentrums, das sich dabei tödliche Krankheiten wie die Beulenpest, Meningitis und Pneumonitis zugezogen hatte. Die Rolle, welche der Stützpunkt in bezug auf den biologischen Krieg spielt, erfüllt Edgewood für den chemischen Krieg. Detrick kontrolliert die Gewinnung, Erprobung, Forschungen und die Entwicklung aller Mannschaften und Erzeugnisse grundlegend für den Angriff mit biologischen Waffen. "Das Resultat war unausweichlich" - deutete der Schriftsteller an - seit 1961 erreichte die Armee spektakuläre Fortschritte im gesamten Spektrum des biologischen und chemischen Krieges. Hinter einer Wand von Abteilungen, die während des Zweiten Weltkrieges errichtet wurde, haben Wissenschaftler der CBQ - welche in sechs Militärbasen und mehr als siebzig Korporationen arbeiten - Gase perfektioniert, sowie Entlaubungs- und Pflanzenvernichtungsmittel, ebenso den tödlichen Verband von Vernichtungsmitteln der farb- und geruchslosen Nervengase bis zu speziell gezüchteten Bakterien, welche durch die Genetikindustrie geleitet wurden, um Antibiotika zu widerstehen.

Der Einsatz von Insekten, um Krankheiten zu übertragen (die Insekten sind als Träger bekannt), war Gegenstand ausgedehnter Studienversuche in Fort Detrick. Ein Journalist schrieb, daß 1959 das Inventar an Insekten in Fort Detrick Stechmücken (Moskitos) einschloß, welche mit Gelbfieber, Malaria und Dengue infiziert waren, ebenso mit Seuchen infizierte Flöhe, Filzläuse mit Tularemia, Rezidiv- und Coloradofieber, sowie Hausmücken, welche mit Cholera, Beulenpest und roter Rur infiziert waren.



In einer Meldung von Prensa Latina, datiert vom Januar in Neu Dehli, die eine Anzeige der indischen Agentur ‘Press Asia International’ wiedergibt, werden die USA angeklagt, in der pakistanischen Stadt Lahore gefährliche Versuche im Hinblick auf einen bakteriologischen Krieg durchzuführen.

Nach der Information benutzten Wissenschaftler und Spezialisten der Universität Maryland, eingeführt von Funktionären des Medizinischen Zentrums Lahore, die Zivilbevölkerung der Stadt in großem Umfang bei Untersuchungen zu bakteriologischer Verseuchung.

Einige der durchgeführten Versuche hatten im Augenblick ' der Information bereits 30 Tote verursacht. Es handelte sich um Opfer des Gelbfiebers, welche von einer Mückenart zerstochen waren, die es vorher in der Gegend nicht gegeben hatte. Andere Opfer blieben unter Aufsicht in den Krankenhäusern von Lahore und Rawalpindi.

Im Durchschnitt lag die Todesrate bei den von Moskitos infizierten Kranken bei ungefähr 90%.



Wir teilen die Überzeugung des Volkes und hegen den tiefen Verdacht, daß die Plagen, welche unser Land überzogen haben und speziell die hämorrhagische Dengue von dem CIA nach Cuba eingeführt wurden. Die neue nordamerikanische Administration hat kein Wort darüber verlauten lassen, welche Methoden der CIA zukünftig anwenden wird. Wir fordern die Regierung der USA auf, ihre Politik in diesem Gebiet offen darzulegen und zu sagen, ob der CIA von neuem autorisiert ist oder es wird, Attentate gegen die Führer der Revolution zu organisieren und Plagen gegen unsere Pflanzen, unsere Tiere und unsere Bevölkerung einzusetzen. Sie können nicht derart zynisch und schamlos sein, zu einer so lebenswichtigen Frage zu schweigen.

Die Epidemie hat allein innerhalb von sieben Wochen, bis zum 24. Juli 273.404 Bürger angesteckt und uns 113 Menschenleben gekostet, darunter 81 Kinder. Dieser Virus wurde nie vorher in unserem Land wahrgenommen. Der Yankeeblock hat sich gegen unsere Anstrengungen gestellt, die nötigen Produkte zur Bekämpfung der Epidemie zu erwerben. Als wir zuerst versuchten, in Mexico (das Mittel) Malathion bei der Firma Lucaba zu kaufen, welche aus mexikanischen und nordamerikanischen Anteilen besteht, lehnte diese jede Verhandlung darüber ab, sobald bekannt wurde, in welchem Land das Mittel verwendet würde. Später dann, von der Bereitschaft der Firma Bayer ausgehend, uns das notwendige Produkt zu verkaufen, wurde mit ihnen über den Erwerb von 20 Tonnen verhandelt, welche mit dem im Hafen Tampico liegenden Motorboot ‘Clarita’ verschifft werden sollten. Die Klauseln dieses Kaufes sahen vor, daß Bayer jenes Produkt zur Ausfuhr verzollen sollte, da es eine aus den USA importierte Komponente enthielt, welche wiederum von der Firma Lucaba vertrieben wurde. Es war notwendig, die Erlaubnis der Lucaba einzuholen, um dieses Produkt ausführen zu können. Doch.diese Erlaubnis verweigerte sie, als das Ziel der Ladung bekannt wurde: Cuba. Dies geschah in den ersten schwierigen Momenten, als wir keine chemischen Erzeugnisse besaßen, der explosiv ausgebrochenen Epidemie entgegenzutreten.

In Anbetracht des negativen Bescheids der Firma Lucaba wurden Kontakte zu mexikanischen Funktionären und regierungsnahen Persönlichkeiten aufgenommen, mit der Zusicherung, die notwendigen Produkte über den mexikanischen Markt erhalten zu können. Als Ergebnis dieser Bemühungen und der aufrecht gehaltenen Bereitschaft Bayers nach Cuba zu verkaufen, wurden im folgenden 30 Tonnen Lucathion ausgehandelt (das Malathion Bayers), welche auf dem Luftweg in unser Land gebracht wurden. Wir mußten dieses Malathion auf dem Luftweg aus Europa heranziehen, zu einem: Preis von 5.000 Dollar Frachtkosten pro Tonne, d.h. dreieinhalb mal mehr, als der Wert des Produktes darstellt.

Es wurden Anstrengungen unternommen, bestimmte Mengen eines aus den USA stammenden Larvicides über das Panamerikanische Gesundheitsbüro zu erwerben und in Einklang mit den internationalen Normen, die in diesen Fällen angewendet werden, wurde, obwohl die Antwort nicht negativ war, bis heute keine einzige Tonne auf diesem Weg in Empfang genommen. Auch ergaben sich Schwierigkeiten, 90 Räucherapparate Leco zu erwerben, welche ein nordamerikanisches Patent sind. In zwei verschiedenen Ländern wurden merkwürdigerweise am gleichen Tag die Angebote gestrichen.

Die Epidemie tauchte in La Habana (Stadt) auf und verbreitete sich schnell in den restlichen Provinzen. Kinderärzte, Internisten und Epidemiologen aus dem ganzen Land wurden herangezogen, um sie in La Habana zu schulen und zu befähigen, der ausgebrochenen Epidemie entgegenzutreten. Das hohe wissenschaftliche Niveau unserer Kinderärzte erleichterte das frühe Erkennen der Symptome und der Behandlung.



Die gesamte Versorgung der Krankenbehandlung war und ist völlig gesichert. Nicht einen Augenblick fehlte es an Serum, Plasma, Eiweiß oder irgendeinem anderen Medikament.

Die höchste Anzahl neuer Fälle, die an einem Tag im Lande registriert wurde, belief sich auf 11.721 am Montag, dem 6. Juli, von da an verminderte sie sich. Am 24. Juli wurde von 3.466 Fällen berichtet und am nächsten Tag waren es laut Nachrichten noch weniger.

Fidel Castro Ruz
Las Tunas,. 26. Juli 1981

Quelle: Cuba Libre EXTRA 1981