Grußbotschaft von Präsident Fidel Castro Ruz an den Solidaritätskongreß mit Cuba am 23. Mai 1992 in Deutschland

Solidaritätskongreß mit Cuba
Einen Solidaritätskongreß mit der cubanischen Revolution unter den jetzigen schwierigen und komplizierten Bedingungen in der Welt zu veranstalten, ist ein Akt, den wir in all seiner Größe sehr hoch einschätzen. Dieser Kongreß reiht sich in die wachsende Unterstützung ein, die wir aus verschiedenen Teilen der Welt erhalten und ist für uns ein Ansporn, die legitimen Errungenschaften der Revolution aufrechtzuerhalten und die Unabhängigkeit unseres Landes um jeden Preis zu verteidigen.


Die Solidarität kennzeichnet den Geist unserer Revolution.

Das cubanische Volk, das mit anderen Völkern die Früchte seiner Arbeit, seine Intelligenz und sogar sein eigenes Blut geteilt hat, ist für diese Freundschaftsgeste, die Ihr uns entgegenbringt, dankbar und fühlt sich dadurch stimuliert.


Mit dem Zusammenbruch der sozialistischen Gemeinschaft in Osteuropa und dem Untergang der Sowjetunion, mit denen Cuba etwa 85% seines Außenhandels getrieben hat, steht unsere Heimat nun mehr denn je vor einer Herausforderung unberechenbarer Folgen, da die Hauptquellen für unsere Warenlieferungen schlagartig eingestellt wurden, was in der Tat zu einer zweiten Blockade gegen unser Land geworden ist.

Zu dieser ungünstigen wirtschaftlichen Konjunktur kommt die durch die USA seit über drei Jahrzehnten verhängte grausame und unmenschliche Wirtschafts-, Handels- und Finanzblockade, die in letzter Zeit zu einer krankhaften und zügellosen Besessenheit geworden ist. So denkt man in Washington, daß wir nicht standhalten werden, daß die Stunde der Abrechnung gekommen sei. Zu diesem Zweck verschärfen die USA ihren ideologischen Krieg, verstärken ihre Erpressungsversuche und ihre militärischen Drohungen sowie ihre Feindseligkeiten und ihren Druck in jeder Hinsicht. Sie unternehmen Anstrengungen zur Vorbereitung konterrevolutionärer Aktivitäten, setzen alle Mittel und ihren ganzen Einfluß ein, um diese Politik inmitten einer Verleumdungs- und Subversionskampagne ohnegleichen über ihre Grenzen hinauszuführen, und versuchen, die cubanische Revolution vor der internationalen Gemeinschaft als isoliert darzustellen. In diese Politik haben sich mehrere europäische Regierungen und Institutionen eingereiht, indem politische Bedingungen zur Entwicklung der Zusammenarbeit und der bilateralen Beziehungen gestellt werden.

Es ist paradox, dass, während die Blockade von Menschen aller Völker, weltbekannten Persönlichkeiten, Institutionen und nichtstaatlichen Organen, politischen Kräften verschiedenster Richtungen, Gewerkschaften, gesellschaftlichen Organisationen und Volksbewegungen, Christen und vielen anderen abgelehnt wird, die USA nun diese Blockade zu verschärfen versuchen, indem sie neue Bedingungen zu verschärfen versuchen, indem sie neue Bestimmungen einführen, die das Einlaufen von Frachtschiffen aus Drittländern, die Handel mit Cuba treiben, in US-Häfen verbieten. Damit wird nicht nur beabsichtigt, ein ganzes Volk zu ersticken und verhungern zu lassen, sondern auch eine neue Art von Beziehungen auf der Welt durchzusetzen, in denen die internationalen Gesetze und die nationale Souveränität und Unabhängigkeit widerlegt werden, um auf die Weise das Streben nach einer unipolaren Welt zu verstärken, in der die militärische und politische Macht der USA vorherrschen soll.

Mit Geduld und Entschlossenheit stellen wir uns dieser neuen, aufgrund äußerer Faktoren entstandenen Situation. Wir sind entschlossen, standzuhalten und vowärtszukommen. Wir fühlen uns weder demoralisiert noch besiegt. Zielbewußt stützen wir uns auf unseren Kampfgeist, unsere Intelligenz und das von uns entwickelte wissenschaftliche Potential. Unser Volk hält in fester Einheit zusammen. Die überwiegende Mehrheit der Cubaner verteidigt die Idee, daß nur mit der Freiheit Unabhängigkeit und sozialen Gerechtigkeit der Revolution die Lösungen für die gegenwärtigen Schwierigkeiten gefunden werden können. Auf dieser Grundlage werden wir unser sozialistisches Projekt weiter vervollkommnen können und die edelsten Ziele unseres Volkes erreichen.

Denjenigen, die meinen, daß Cuba zerschlagen, erniedrigt und zerstört werden muß, antworten wir, daß unsere Revolution eigenständig bleiben wird, was am vergangenen 1. Mai mit den beeindruckenden Massendemonstrationen bewiesen wurde. Wir haben niemanden um Erlaubnis gebeten, um die Revolution einzuleiten, wir warten auf niemanden, der sie verteidigt. Die Revolution existiert und wird durch den souveränen Willen unseres Volkes weiter existieren.

Die Cubaner sind in dieser einzigartigen Lage nicht allein. Es soll kein Mitleid für uns empfunden werden. Diejenigen, die keine Vergangenheit und keine Zukunft mehr haben, können Mitleid hervorrufen, aber nicht ein Volk, das eins der schönsten und heldenhaftesten Kapitel seiner Geschichte schreibt. Was Cuba jetzt braucht, ist Verständnis und Achtung, um unser Werk zu vervollkommnen, ohne die wesentlichen Werte des Sozialismus zu zerstören.

Liebe Genossen und Freunde!

Ihr gebt uns viel mehr. Ihr bietet uns in diesem entscheidenden Moment Eure uneingeschränkte politische und materielle Solidarität. In Cuba wird nicht nur über das Schicksal unseres Volkes, sondern auch über die Gerechtigkeitsprinzipien der ganzen Menschheit und über die Zukunft der Völker der Dritten Welt entschieden, die aufgrund der Unfähigkeit des Kapitalismus, die schweren sozialen, wirtschaftlichen, ökologischen und menschlichen Probleme der Welt zu lösen, völlig verarmt sind.

Aus diesem Grund erlaubt mir, Euch zu versichern, dass die Cubaner die Sache des Fortschritts und der Revolution niemals verraten werden. Wir werden standhalten. Wir werden den endgültigen Sieg erringen, den sowohl unser Volk als auch Eure Solidarität verdienen.

Vielen Dank, liebe Freunde!

Fidel Castro Ruz
Havanna, 23. Mai 1992


Foto: Heinz W. Hammer
Quelle: Freundschaftsgesellschaft BRD-Kuba