Seine Exzellenz, Dr. Narendra Modi, Premierminister der Republik Indien:

Ich danke Indien für die Einladung zu diesem wichtigen Gipfel und für die großzügige Gastfreundschaft.

Die BRICS-Staaten haben das Potenzial, ein Faktor für Frieden und Sicherheit für alle, für Entwicklung, Gerechtigkeit und Fortschritt des Globalen Südens zu sein – unverzichtbar für den Aufbau einer neuen multilateralen, gerechten und demokratischen Weltordnung, die auf der souveränen Gleichheit der Staaten und dem Völkerrecht basiert.

Es ist notwendig, gegen die „Philosophie der Ausbeutung“ anzukämpfen, damit die „Philosophie des Krieges“ ein Ende findet, die diese Epoche 66 Jahre nach der Anklage des Comandante en Jefe (Oberbefehlshaber) Fidel Castro Ruz im Jahr 1960 erschüttert und sich heute im sogenannten „Frieden durch Gewalt“ sowie in aggressiven und gewalttätigen imperialistischen Begleiterscheinungen manifestiert.

Im Jahr des hundertsten Geburtstags von Comandante en Jefe Fidel Castro Ruz berührt es uns, dass wir genau zum Zeitpunkt seines ersten Besuchs in Indien im Jahr 1973 in dieser Stadt angekommen sind.

Es ist unerlässlich, die ausbeuterische internationale Finanzarchitektur durch eine zu ersetzen, die ihre Institutionen und Lenkungssmechanismen demokratisiert; auf diesem Weg wird es notwendig sein, ein alternatives Finanzsystem zu etablieren, das den Weg für einen Prozess der Entdollarisierung der internationalen Wirtschaft ebnet. Die Verwendung nationaler Währungen ist ein äußerst wichtiger Vorschlag der BRICS-Staaten, um die Ungleichgewichte des derzeitigen Währungssystems zu mildern.

Die Neue BRICS-Entwicklungsbank muss sich zunehmend als Alternative etablieren, damit unsere Länder zu günstigeren Bedingungen Zugang zu Finanzmitteln erhalten.

Die strukturellen Probleme unserer Volkswirtschaften sind das Ergebnis von Kolonialismus, ungezügeltem und neoliberalen Kapitalismus sowie Imperialismus. Der Rückgang der Exporte, die Instabilität der Rohstoffpreise, der Rückgang ausländischer Direktinvestitionen, die bereits mehrfach getilgte Auslandsverschuldung sowie die Kapitalflucht behindern unsere Entwicklung erheblich. Das unaufhaltsame Voranschreiten des Klimawandels bedroht die Existenz aller.

Es ist dringend erforderlich, die Bemühungen im Bereich der Entwicklungsfinanzierung sowie die internationale Zusammenarbeit – einschließlich der Formen der Süd-Süd-Zusammenarbeit – und den Transfer von Ressourcen, Technologien und Wissen ohne Auflagen zu verstärken.

Es ist von zentraler Bedeutung, ein offenes, transparentes, inklusives und diskriminierungsfreies multilaterales Handelssystem aufzubauen, das eine besondere und differenzierte Behandlung aller Entwicklungsländer gewährleistet.

Auch die BRICS-Staaten können im Bereich der Demokratisierung und des Zugangs zu Wissenschaft, Technologie und Innovation zugunsten des Globalen Südens einen wichtigen Beitrag leisten, um die digitale und technologische Kluft zu schließen.

Niemand könnte so gut wie die BRICS-Staaten demokratische und partizipative Governance-Systeme für die Entwicklung und Anwendung neuer Technologien wie der künstlichen Intelligenz einfordern und zu deren Schaffung beitragen, um diese in den Dienst der Entwicklung und des Wohlergehens der Völker zu stellen und dabei ihre friedliche, verantwortungsvolle und ethische Nutzung zu gewährleisten. Wir begrüßen die Arbeit der BRICS-Staaten mit Schwerpunkt auf digitaler Technologie und KI.

Aufgrund ihres Wesens tragen die BRICS-Staaten die unabdingbare Verantwortung, der Ausbreitung einseitiger Zwangsmaßnahmen vorzubeugen und dagegen vorzugehen.

In den letzten Jahren wurde die kriminelle Wirtschafts-, Handels- und Finanzblockade der USA gegen Kuba in beispiellosem Ausmaß verschärft.

Mit den Durchführungsverordnungen vom 29. Januar und 1. Mai 2026 hat die US-Regierung eine Energieblockade gegen Kuba verhängt, die einer Seeblockade gleichkommt, die nach internationalem Recht eine Kriegshandlung darstellt; zudem droht sie der gesamten Welt mit „sekundären Sanktionen“.

Dies hat zu einer gewaltsamen Unterbrechung der Lieferketten des Landes geführt. Die Drohungen gegen in verschiedenen Ländern registrierte Reedereien haben dazu geführt, dass mehr als 7.000 Container, die hauptsächlich mit Lebensmitteln, Medikamenten und medizinischen Geräten beladen sind, in verschiedenen Häfen festsitzen, obwohl sie beauftragt und bezahlt wurden, die meisten von ihnen von privaten kubanischen Unternehmen.

Es ist ein stiller Völkermord, der Menschenleben fordert. Die Säuglingssterblichkeitsrate des Landes hat sich von 4 pro 1.000 Lebendgeburten auf 9,9 verdoppelt, und die Lebenserwartung krebskranker Kinder ist von 85 % auf 65 % gesunken. Menschliches Leid, Schmerz und Angst zu verursachen, ist das Ziel dieser grausamen Politik, die bewusst zu diesem Zweck konzipiert wurde.

Es handelt sich um eine kollektive Bestrafung gegen das gesamte kubanische Volk. Ihre wahllosen und humanitären Auswirkungen sind unkalkulierbar und verursachen großes Leid bei den kubanischen Familien. Es ist das ausgewählte Mittel, um einen „Regimewechsel“ zu erreichen.

Es ist dieselbe Logik, die hinter der ungerechtfertigten Beibehaltung Kubas auf der betrügerischen Liste der Länder steht, die angeblich den Terrorismus unterstützen.

Die US-Regierung versucht, ihre aggressiven Maßnahmen gegen Kuba zu rechtfertigen – wie aus dem Wortlaut beider Durchführungsverordnungen hervorgeht – mit dem plumpen Vorwand, die Insel stelle eine „ungewöhnliche und außergewöhnliche Bedrohung“ für die nationale Sicherheit und die Außenpolitik der militärischen, nuklearen, wirtschaftlichen und technologischen Supermacht dar.

Kuba ist keine Bedrohung; die Blockade hingegen schon!

All diese Maßnahmen verstoßen gegen die Charta der Vereinten Nationen und das Völkerrecht, einschließlich des humanitären Völkerrechts, der internationalen Menschenrechtsnormen sowie der internationalen Handels- und Schifffahrtsvorschriften.

Wenn man der US-Regierung gestatten würde, eine kleine Nation zu zerstören, um ihr politisches System zu ändern – oder aus irgendeinem anderen Grund –, würde die Welt noch gefährlicher werden, als sie ohnehin schon ist. Was käme als Nächstes, wer wäre der Nächste?

Wir danken den Mitglieds- und Partnerländern der Gruppe für ihre Stellungnahmen zugunsten der Aufhebung der Blockade und der Energieblockade gegen Kuba sowie für die unzähligen und aufrichtigen Bekundungen der Unterstützung und Solidarität mit unserem Land seitens der Völker der Welt.

Wir sind ein Land des Friedens. Wir stellen für niemanden eine Bedrohung dar. Das Recht und die Gerechtigkeit sind auf unserer Seite. Wir werden unser Recht auf Selbstbestimmung bis zum Äußersten verteidigen, und nichts wird uns von dem Weg der sozialistischen Entwicklung abbringen, den unser Volk in enger Einheit frei gewählt hat.

In breitem Konsens arbeiten unser Volk und unsere Regierung unermüdlich, und wir nehmen nun zügig tiefgreifende wirtschaftliche und soziale Veränderungen in Angriff, um strukturelle oder aus der Vergangenheit stammende Probleme zu lösen und auf den gegen uns geführten Wirtschaftskrieg zu reagieren. Es wird keine Schutzlosen geben, und wir werden in unserer Sozialpolitik nicht nachlassen.

Wir vertrauen in erster Linie auf unsere Fähigkeiten, unsere komparativen Vorteile, unsere Erfahrungen sowie auf das Bewusstsein und die gegenseitige Solidarität der Kubaner. Wir werden Produktionssektoren wiederbeleben, unsere Exporte steigern und unsere Ressourcen nutzen. Wir werden die Umstellung der Energiestruktur des Landes mit Nachdruck vorantreiben. Unter allen Umständen werden wir die Erholung unserer Wirtschaft und das Wohlergehen der kubanischen Familien vorantreiben.

Wir sind auch bereit, mit unseren bescheidenen Erfahrungen zur Stärkung dieser immer wichtiger werdenden BRICS-Gruppe beizutragen, in die wir als Vollmitglieder aufgenommen werden möchten.

Vielen Dank.

Embacuba Alemania – Cubaminrex

https://misiones.cubaminrex.cu/de/articulo/rede-des-kubanischen-aussenministers-bruno-rodriguez-parrilla-der-oeffentlichen-sitzung