Der 1926 geborene und vor 10 Jahren verstorbene kubanische Revolutionsführer Fidel Castro wuchs auf dem Lande auf und die Gefährdung der natürlichen Lebensbedingungen wurde für ihn ein immer wiederkehrendes Thema. Stets benannte er als Hauptursache den Zusammenhang zwischen der kapitalistischen Wirtschaftsordnung und der sozialen Ungleichheit.
Anfang der 1980er Jahre erschien in den USA die umfangreiche, doch vergleichsweise moderate Umweltstudie „Global 2000“, welche durch die Entwicklungen schnell überholt wurde und heute weitgehend in Vergessenheit geraten ist. Daraufhin veröffentlichte Kuba 1983 unter dem Titel „Wenn wir überleben wollen“ seine Sicht auf die Problematik, die erstmals den Teilnehmern am 7. Gipfel der Nichtpaktgebundenen Staaten vorgelegt wurde. „Wir sind in erster Linie Politiker, was in der Welt von heute an sich schon eine der schwierigsten Aufgaben ist, und wir müssen vor allem verantwortungsvolle Politiker sein“, schrieb Fidel im Vorwort. Der Text geht auf die gesamte Bandbreite der Probleme aus der Perspektive der besonders benachteiligten Entwicklungsländer ein, darCUBA unter auch auf den kritischen Zustand der natürlichen Umwelt, der die Existenz der Menschheit insgesamt bedroht. „Mit ernster Besorgnis muss die Menschheit mit ansehen, wie diese negative Auswirkung auf die Natur sich Jahr für Jahr im Anwachsen der Verwüstung, der beschleunigten Erosion der Ackerflächen, in der wachsenden Verunreinigung der Gewässer und der Erschöpfung ihrer Quellen, im Rückgang der bewaldeten Flächen und in anderen ähnlichen Erscheinungen widerspiegelt. Die großen ökologischen Systeme, auf deren Gleichgewicht und organischer Stabilität sich das Leben des Planeten jahrtausendelang entwickelt hat, sind heute wie nie zuvor in ihrer Existenz bedroht.“ Und weiter: „Man muss sich jedoch fragen, welche Bedeutung die Erklärung von Begriffen wie Ökosysteme, biologische Stabilität, Verschmutzung, Verschlechterung der Umwelt und so weiter für die hungernden und unwissenden Massen der unterentwickelten Welt haben kann, die täglich um das bloße Überleben kämpfen. Kann man vielleicht einen Nomadenhirten aus der SahelZone, der im ständigen Kampf ums Überleben mit seiner Herde auf ausgeglühtem Boden auf der Suche nach Wasser und Nahrung umherzieht, darüber aufklären, dass diese jahrtausendealte Praxis der wesentliche Faktor für die beschleunigte Verwüstung des Bodens ist und dass sie aufhören muss? Ohne eine vorherige sozioökonomische Lösung, die eine Veränderung und eine neue Perspektive für diese unmenschliche Lebensform bringt, kann wenig getan werden, um sein negatives Einwirken auf die Natur zu vermeiden.
Ebenso wenig kann man Verständnis und viel weniger noch eine Lösung für die schwerwiegenden Folgen der nicht bodenständigen Landwirtschaft erwirken, die Millionen von landlosen Bauern betreiben, wenn nicht vorher die ungerechte Verteilung des Bodens, die archaischen Formen landwirtschaftlichen Produktion und ihre menschenunwürdigen Lebensbedingungen überwunden werden. Kann man andererseits heute die tropischen Länder mit großen Waldgebieten – generell sind es die ärmsten Länder der Erde – dazu auffordern, die Nutzung ihres Waldreichtums einzustellen, um die gefährlichen ökologischen und klimatischen Veränderungen, die daraus für die Welt erwachsen, zu vermeiden, ohne vorher die wesentlichen Ressourcen für ihre Entwicklung abzusichern und für ihre Völker gerechtere und günstigere ökonomische Verhältnisse zu schaffen?“
Landwirtschaft und Umwelt waren für Fidel eine Einheit. Foto: Granma |