Medienkrieg gegen Kuba
Zum Verständnis der digitalen Subversion
Von Wolfgang Mix
Auch auf Kuba ein beliebtes
Kommunikationsmittel Foto: adelante.cu
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Das Internet, die „sozialen“ Netzwerke
und andere damit verbundenen
Konstrukte haben sich zu
einem Werkzeug der politischen
Propaganda, der Gehirnwäsche
und der Kriegsvorbereitung entwickelt.
Die Beherrscher der realen
Welt kontrollieren sie und haben
sie zu einer Waffe gemacht. Sie wollen
ihre wirtschaftliche Macht ausweiten
und jeden Widerstand gegen
ihre Herrschaft unterdrücken.
Der Masse der oft naiven Nutzer
fehlen weitgehend die Kriterien
und das Wissen für eine kritische
Analyse. Sie geraten zudem leicht
in eine mentale Abhängigkeit. Der
ständige Griff zum Mobiltelefon
hat oft schon Suchtcharakter.
Die sogenannten „orangenen Revolutionen“
oder besser, putschistischen
Machtübernahmen, wurden
durch digitale Beeinflussung
vorbereitet. Auch Kuba unterliegt
regelmäßig massiven Angriffen dieser
Art. Der kubanische Journalist
Jorge Enrique Jerez Belisario, der in
dieser Zeitschrift eine regelmäßige
Kolumne hat, sagte schon vor Jahren,
dass man eigentlich eine Art
Führerschein für die Nutzung dieser
Medien einführen müsse. Kuba
wird sich der Bedrohung mittlerweile
zunehmend bewusst und versucht,
entgegenzuarbeiten. Das kubanische
Nachrichtenportal „Cubadebate“
hat vor Monaten eine Arbeitsgruppe
von Medienspezialisten
zusammengestellt, die sich „Observatorio
de Medios
de Cubadebate“
(Medienbeobachtungsstelle
Cubadebate)
nennt.
Ihre Berichte
mit Schwerpunktthemen
zu unterschiedlichen
Aspekten der
Subversion bieten aufschlussreiche
und fundierte Analysen.
Ziel ist ein Klima
der Unsicherheit
In der ersten Hälfte des Februars
2026 schwappte über Kuba eine
neue Welle von Gewaltaufrufen im
Internet hinweg, deren Ursprung
im Ausland verortet wurde. Offenbar
lösten der Angriff auf Venezuela
und die Entführung von Präsident
Maduro einen Schub in jenen Kreisen
aus. In den USA mit reichlich
finanziellen Mitteln ausgestattet,
träumen sie seit Jahrzehnten von
einem Umsturz der sozialistischen
Ordnung auf Kuba. Sie erschaffen in
der virtuellen Parallelwelt, wie Cubadebate
schrieb, eine „Umgebung
hoher informativer Feindseligkeit,
getaktet durch die Verschärfung
der Sanktionen, Verleumdungskampagnen
im internationalen
Rahmen und kommunikative Operationen,
die auf eine Zersetzung
der Legitimität der Regierung hin
orientieren.“ Dies fiel zeitlich zusammen
mit einer Eskalation der
Drohungen durch die US-Regierung.
Die Analyse der Architektur dieser
Agitation bringt Details zutage,
die für den einzelnen Empfänger
dieser Botschaften meist verborgen
bleiben. Sie senden Signale einer
drohenden Nähe des Zusammenbruchs,
Behauptungen über
angebliche staatliche Gewalt, angebliche
Blockade des Internets
oder Alarmrufe aller Art. Es sind
gleichgeschaltete Gerüchte, Behauptungen
oder Lügen, die auf unterschiedlichen
Kanälen wiederholt
werden, oft an lokale Zielgruppen
gerichtet. Sie sollen durch Wiederholung
landesweite Wirkung
entfalten. Oft werden bestimmte
Sektoren der Bevölkerung – z. B.
nach Alter, Interessen oder Region
ausgewählt – gezielt beeinflusst.
Reale Probleme dieser Gruppen
sollen eine politische PolarisieMillirung
befördern. Trivialitäten werden
zu Besorgnis erregender Größe
aufgeblasen. Häufig werden visuelle
Bildmotive und textliche Elemente
in derselben Form wiederholt,
wie durch identische Farbgebung
oder plakative Ästhetik. Sie
sind geschaffen für eine Weiterverbreitung
als „Memes“ (Witz- oder
Spottvorlagen), Aufkleber oder
„Avatare“ (Tarnsymbole anstelle
einer Nutzung des Namens). Das
Ziel ist es, Panik und Unsicherheit
zu erzeugen, die Menschen zu desorientieren
und zu Protesten auf
die Straße zu bringen. Man kann
davon ausgehen, dass ganze Stäbe
von „Kommunikationsexperten“
sich über diese Strategien den Kopf
zerbrechen. Propaganda ist nicht
mehr nur das Wort eines besonders
demagogischen politischen Fanatikers.
Sie erlangt in ihren digitalen
Ausprägungen und Verbreitungsformen
ganz neue und andersartige
Dimensionen.
Soziale Mobilisierung bleibt aus
Die Untersuchungen der Arbeitsgruppe
ergaben, dass einzelne der
Veröffentlichungen durchaus eine
hohe Zahl an Kommentaren provozieren
– von hunderten bis knapp
über tausend. Doch die Weiterverbreitungsrate
bleibt im Verhältnis
dazu niedrig. Dies deutet auf einen
passiven Konsum hin, der
kaum konkrete Ergebnisse in der
realen Welt hervorbringt, so wie
es die Urheber wohl gerne hätten.
Auch die massivere Aggressivität
der Texte und eine gesteigerte
Grobschlächtigkeit der Bildsprache
ermüden irgendwann und laufen
weitgehend ins Leere.
Man kann auch zu dem Schluss
gelangen, dass die Kubanerinnen
und Kubaner durchweg über eine
gute bis hohe Bildung verfügen und
dieser Schwindel sie kalt lässt. Sie
erleben die Realität der verbrecherischen
Blockade jeden Tag und ziehen
ihre eigenen Schlussfolgerungen.
Das wäre auch hierzulande zu
wünschen, denn die Narrative über
Kuba als „gescheiterter Staat“, als
„Diktatur“ oder von „kommunistischer
Misswirtschaft“ wird man
auch uns zukünftig noch penetranter
glauben machen wollen.