Mehrere Polizisten verhafteten eine
junge US-Amerikanerin auf einer
Straße in Michigan und legten ihr
Handschellen an. Sie hatte vor einer
Kamera die Bombardierung Venezuelas
durch die USA angeprangert,
die mehr als hundert Tote forderte,
sowie die Entführung von Präsident
Nicolás Maduro. Hätte sich diese
Szene in Kuba oder Venezuela abgespielt,
hätten wir das Video in Fernsehsendern
auf der ganzen Welt gesehen.
Nichts dergleichen.
Was sehen wir stattdessen auf den
Fernsehsendern weltweit? Leute,
die auf die eine oder andere Weise
die Militäroperation gegen Caracas
legitimieren, darunter auch geständige
Terroristen, plötzlich verwandelt
in „friedliche, verfolgte venezolanische
Oppositionelle“.
Repression in Europa
zum Schutz Israels
Es gibt bereits 70.000 Opfer des
Völkermords an den Palästinensern.
Doch die Regierungen Europas
nehmen Israel weiterhin
in Schutz. Im Vereinigten Königreich
beendeten drei Aktivisten
der Organisation Palestine Action
nach 73 Tagen ihren Hungerstreik,
nachdem sie eine ihrer
Hauptforderungen an London
durchgesetzt hatten: den Kauf
von Waffen des israelischen Unternehmens
Elbit System auszusetzen.
Im Jahr 2024 wurde Palestine
Action als „terroristische
Organisation“ verboten, heute sitzen
24 Aktivisten im Gefängnis
und 1.600 Menschen wurden bei
friedlichen Aktionen zu ihrer Unterstützung
festgenommen.
In Berlin stürmte die Polizei im
November eine Solidaritätsveranstaltung
und beschlagnahmte Fotos
von inhaftierten palästinensischen
Frauen. Letzte Woche ordnete
die Staatsanwaltschaft Paris
die polizeiliche Durchsuchung
einer Buchhandlung an, um ein
Kinderbuch mit dem Titel „Vom
Fluss bis zum Meer: ein Malbuch“
zu beschlagnahmen, das „zum
Hass gegen die israelische Bevölkerung
aufstacheln“ und „die moralische
Entwicklung der französischen
Jugend beeinträchtigen“
könnte. Sie haben richtig gelesen.
Und diese Woche sagte die Aktivistin
Teresa Pantoja in Toledo
aus, die von der Informationsbrigade
der spanischen Nationalpolizei
wegen ihrer Verurteilung
des Zionismus während einer Demonstration
eines „Hassverbrechens“
beschuldigt wird.
Pressefreiheit und
neoliberale Subventionen
Pressefreiheit: Die von der neoliberalen
Rechten regierte Autonome
Gemeinschaft Madrid, die
Subventionen sonst ablehnend
gegenübersteht, hat in den letzten
vier Jahren durch institutionelle
Werbung fast acht Millionen Euro an acht Medien der
spanischen extremen Rechten
wie OK Diario oder El Mundo gezahlt.
Das ist Pressefreiheit, erkauft
mit öffentlichen und privaten
Geldern. Denn am 12. Januar bezahlte
der Energiekonzern Iberdrola
die Titelseiten von 40 spanischen
Tageszeitungen und Publikationen.
Können Sie sich vorstellen,
wie viele Nachrichten wir
lesen werden, die auch nur im
Entferntesten den Interessen von
Iberdrola entgegenlaufen?
Ach, die Rechte und die Pressefreiheit!
In Bolivien hat die neue
Regierung von Rodrigo Paz die
Sender teleSUR und Russia Today
aus dem Programmangebot
des staatlichen Unternehmens
Entel gestrichen.
Was wir jedoch in den großen
Nachrichtenagenturen lesen,
ist, dass Russland den deutschen
Sender Deutsche Welle als „unerwünschte
Organisation“ bezeichnet
hat. „Dies ist ein weiteres
Zeichen dafür, dass der Kreml
die Meinungsfreiheit abschaffen
will“, lesen wir. Die Erwähnung,
dass die gesamte Europäische
Union (einschließlich Deutschland)
vor drei Jahren alle russischen
Medien zensiert hat, ist in
dieser Nachricht nicht relevant,
oder?
Obwohl bereits angekündigt,
beschloss der US-Sender CBS, die
Ausstrahlung eines Berichts über
die unmenschlichen Bedingungen
der 250 venezolanischen Migranten,
die aus den USA in das
Mega-Gefängnis von El Salvador
deportiert wurden, abzusagen.
Erinnern wir uns daran, dass
CBS vor einigen Monaten von David
Ellison, einem persönlichen
Freund von Donald Trump, gekauft
wurde. Der Rest wird mit
einem Anruf geklärt.
Aber bleiben wir bei El Salvador,
wo allein im Jahr 2025 53
Journalisten, die nach Enthüllungen
gegen die Regierung von
Nayib Bukele Drohungen erhielten,
ins Exil gehen mussten. Seit
fast vier Jahren herrscht dort ein
„Ausnahmezustand“, und 470
Häftlinge sind bereits in den Gefängnissen
des Landes ums Leben
gekommen.
Die Tyrannei der USA
In den USA hat die Regierung 30
Milliarden Dollar für die Einstellung
und Ausbildung von 22.000
ICE-Beamten (Einwanderungsbehörde)
bereitgestellt. Diese Beamten
handeln mit „absoluter Immunität“:
Sie verfolgen, verhaften,
schlagen, versprühen Pfefferspray,
deportieren – und töten.
Am 7. Januar erschoss ein ICEBeamter
in Minneapolis die Aktivistin
Renée Good. Die Reaktion
des Weißen Hauses? Den Mord
rechtfertigen, 3.000 Polizisten
entsenden, 3.000 Menschen festnehmen
und die Anwendung des
Aufstandsgesetzes ankündigen,
mit der möglichen Entsendung
von 1.500 Soldaten. Im Jahr 2025
starben 32 Menschen in ICE-Gefängnissen,
die höchste Zahl seit
zwei Jahrzehnten, und im bisherigen
Verlauf des Jahres 2026
sind bereits vier Menschen ums
Leben gekommen.
Aber Sie werden in der Presse
nichts über „Unterdrückung“,
„Freiheitsentzug“, „Menschenrechtsverletzungen“
oder „Mangel
an Demokratie“ lesen. Sie werden
auch nichts über das „Regime“
oder die „Tyrannei“ hören,
die heute in den USA herrschen.
Stellen Sie sich nun vor, nur ein
Prozent davon würde in Kuba
passieren.
Übersetzung: Tobias Kriele