Seit den Tagen in den Bergen ist das Olivgrün das
sichtbarste Zeichen, der Schatten eines unermüdlichen
Kriegers. Der Stern des Comandante speist den
Widerstand dieses Volkes aufgrund seiner eigenen Geschichte.
Wie könnte man ihm also nicht glauben, wie
könnte man sich nicht sicher sein, dass er ewig ist?
Man erinnert sich an Fidel, wie er sich überall gegen
das Unrecht stellte, ohne Raum für Stillstand zu lassen.
Es ist an uns, ihn von den Plakaten herunterzuholen,
ihn aus den Geschichtsbüchern herauszulesen
und ihn zu unserem Fidel zu machen. Diejenigen von
uns, die so privilegiert waren, mit ihm in derselben
Zeit zu leben, haben die Aufgabe, ihn nicht versteinern
zu lassen und ihn weiterhin so zu sehen, wie wir ihn
bis heute gesehen haben: als Menschen, Großvater, Vater,
Bruder. Nur so können unsere Kinder, die ihn nur
aus Erzählungen kennen werden, die wahre Dimension
eines Mannes wie Fidel verstehen. Der Zeit zu trotzen
ist zweifellos die größte aller Herausforderungen.
Um dies zu erreichen, müssen wir ihn zu mehr machen
als nur dem Abglanz geschichtlicher Daten. Wir
können nicht nur am 13. August, am 25. November, am
26. Juli oder am 1. Januar über Fidel sprechen. Wenn
wir das tun, sind wir verloren, denn er muss uns immer
den Weg weisen, jeden Tag. Seine Persönlichkeit
beinhaltet eine ganz eigene Art, dem Leben zu begegnen,
Hindernisse zu überwinden und zu siegen. Nur
so werden wir am hundertsten Jahrestag seiner Geburt
dem Versprechen treu bleiben, die Idee von Revolution
zu verwirklichen, welche Millionen von Kubanern
in jenen traurigen Tagen des Jahres 2016 im
Sinne einer Selbstverpflichtung unterzeichneten.
Der Samen, den er gesät hat, ist inzwischen größer
als nur ein Land. Er konnte in unserem Insel-Universum
keimen, weil er den Seinen die Würde zurückgegeben
hat und weil seine Ideen immer noch den Weg
zu einer besseren Welt weisen. Viele verstehen nicht,
warum wir Kubaner in der Gegenwartsform von ihm
sprechen, aber das Geheimnis ewigen Lebens besteht
darin, ein Leben gelebt zu haben, das es wert ist, in
Erinnerung zu bleiben. Deshalb hat dir das Volk, das
du anführst, vor Jahren eine Gabe verliehen, von der
viele Menschen träumen, die aber nur wenige erreichen
können, und diese Gabe, mein teuerster Fidel,
unser teuerster Fidel, kann keine andere sein als: Unsterblichkeit.
Ich hatte als junger Kommunist das Privileg, Fidel
Castro live zu erleben. Anfang der achtziger Jahre des
vergangenen Jahrhunderts nahm ich für die SDAJ am
Kongress der UJC, des kommunistischen Jugendverbands
Kubas, teil. Fidel natürlich auch. Zwei Dinge
beeindruckten mich nachhaltig. Erstens: Wenn Delegierte
auf Probleme, Missstände aufmerksam machten
oder Fragen hatten, rief Fidel sofort den zuständigen
Minister zu einer Antwort oder antwortete selbst.
Hier erinnere ich mich, dass er zu einem Problem der
Rinderzucht Stellung nahm. Das Zweite: Von meinem
Platz aus konnte ich den Ausgang hinter der Bühne sehen,
dort wurde er abgeholt. Ich sah ihn auf der Beifahrerseite
einsteigen, eingelassen in die Beifahrertür
konnte man eine MP erkennen.
Das Auto war ein Mercedes – für mich interessant,
da ich bei Daimler-Benz einige Jahre zuvor meine Berufsausbildung
gemacht hatte.
Das Auto sah ich im letzten Jahr wieder. Es ist jetzt
Teil der Ausstellung im Fidel-Castro-Zentrum in Havanna.
Dort wird berichtet, dass Fidel den gepanzerten
Mercedes nicht mochte und nur aus Parteidisziplin
nutzte, weil er lieber im offenen Kübelwagen durch
die Lande fuhr.
Das macht einen Aspekt Fidels deutlich, der durch
die Stichworte der Überschrift, nicht benannt ist: Fidels
Massen- und Volksverbundenheit. Sie ist legendär
und präsent in Kuba. Sicher auch der Hintergrund
dafür, dass auch die heutige Staats- und Parteiführung
Kubas bei Demonstrationen und Kundgebungen
mit äußerst geringem Personenschutz agiert – im
sogenannten „Wertewesten“ undenkbar, vermutlich
trotzdem auch in Kuba keine reine Freude für die Sicherheitsorgane.
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Jeden Tag aufs Neue verkündet US-Präsident Donald
Trump, Kuba werde zusammenbrechen und
sich dem Diktat der USA beugen. „Kuba befindet sich
in den letzten Augenblicken seines Bestehens. Es
wird ein neues Leben beginnen“, lautet seine jüngste
Äußerung zum Thema. Doch was geschieht wirklich
vor Ort? Fest steht: Die USA blockieren Kuba
nicht mehr nur – sie belagern es regelrecht. Durch
ihre Strategie, kein Öl mehr nach Kuba durchzulassen,
strangulieren sie die gesamte Wirtschaft der Insel.
Es handelt sich um eine bewusste Aushungerung
der kubanischen Bevölkerung, eine Strategie, die gezielt
auf das Leiden und den Tod der Schwächsten
abzielt. Denn sie trifft sowohl das Gesundheitssystem
als auch die Nahrungsmittelversorgung. Ohne
Umschweife muss man es benennen: Die USA verfolgen
in Kuba – wie in Gaza und im Iran – eine Strategie
des Völkermords. Dieser Völkermord ist integraler
Bestandteil einer US-Kriegsführung, die auf
blitzartige Erfolge setzt. Am Ende soll die Kolonisierung Kubas stehen: ein System wie vor der Revolution,
in dem allein US-hörige Oligarchen das Schicksal
der Insel bestimmen und dabei helfen, Kuba für die
USA weiter auszubeuten.
Die kubanische Bevölkerung wehrt sich gegen diese
zynische und perfide Strategie, doch es ist ein biblischer
Kampf – David gegen Goliath. Der Aufbau
eigener Kapazitäten zur Energieerzeugung wird zu
einem Rennen gegen die Zeit. Die drängende Frage
bleibt: Wie kann der Tourismus nach Kuba zurückkehren,
wenn es kein Flugbenzin mehr gibt? Wie
entreißen wir den USA diese Waffe?
Wir müssen uns der neuen Qualität des US-Imperialismus
stellen. Es ist bei weitem nicht nur Trump,
der hier den Verrückten mimt. Nein, es ist eine gesamte
Elite, die weltweit mit Völkermorden ihre
Profite sichern will. Was wir beobachten, ist nichts
anderes als die Geisteshaltung, die in den Epstein-
Akten zum Vorschein kommt – eine Haltung, die
nur mit dem antiken Cäsarenwahn vergleichbar ist,
allerdings zweckrational eingesetzt zur Stabilisierung
der absteigenden US-Hegemonie. Um dem zu
begegnen, brauchen wir eine Geisteshaltung, die revolutionär
und konservativ zugleich ist: die Verteidigung
des Lebens. Es lebe das Leben! Lasst uns alles
dafür tun, dass die USA mit ihrer Mordstrategie
nicht durchkommen. Der Kampf Kubas ist auch unser
Kampf.
„Unbegreiflich ist, dass es Menschen gibt, die sich
hungrig schlafen legen, solange es noch eine Handvoll
unbebautes Land gibt; unbegreiflich ist, dass
Kinder ohne ärztliche Hilfe sterben, dass dreißig
Prozent unserer Landbevölkerung nicht ihren Namen
schreiben kann und neunundneunzig Prozent
nichts von kubanischer Geschichte weiß“.
Die tiefe soziale Überzeugung für gleiche Rechte
aller Menschen sprechen aus den Worten Fidel Castros.
In seiner Verteidigungsrede im Oktober 1953
klagte er die United Fruit Company und die West Indian
Companies an, die hunderte Hektar Land geraubt
hatten und durch die Batista Diktatur die Ungerechtigkeit,
die Zwei-Klassen Gesellschaft, absichern
ließen.
Als ich 1980, also fast 30 Jahre später, zum ersten
Mal nach Kuba reiste und die fröhlichen, selbstbewussten
Menschen erlebte, war ich fasziniert von ihrem
gleichberechtigten Miteinander. Menschen unterschiedlicher
Hautfarben oder Berufe zeigten Offenheit,
Gastfreundlichkeit, Herzlichkeit. Ihre humanistische
Gemeinschaft spiegelte Castros Initiative
für eine gleichberechtigte Gesellschaft wider.
Nicht nur in seinem Heimatland Kuba, auch durch
die internationale Unterstützung – besonders afrikanischer
Menschen und ihrer Befreiungsbewegungen
– bekräftigte Fidel Castro sein tatkräftiges Handeln
für soziale Gerechtigkeit. Schon 1961 brachte
ein Schiff bei seiner Rückkehr – es war zur Unterstützung
der Streitkräfte der Nationale Befreiungsarmee
(ALN) in Algerien gewesen – Hunderte von
verwundeten und verwaisten Kindern nach Havanna.
Sie wurden medizinisch versorgt und betreut.
Fidel war überzeugt, dass die völlige Unabhängigkeit
von der langen Kolonialisierung nicht nur einen
Sieg mit Waffen, sondern auch die Förderung sozialer
und wirtschaftlichen Entwicklung erforderte. Er
wurde zum Architekten der Zusammenarbeit Kubas
mit den afrikanischen Völkern.
Seinen Gerechtigkeits-, seinen Solidaritätsgedanke
praktizierte das kleine Land vor der Küste des USamerikanischen
Imperiums, in noch weit größerem
Maße. Ein Beispiel: 2004 konzipierte Fidel, gemeinsam
mit Hugo Chavez, die „Bolivarische Allianz für
die Völker unseres Amerikas“ (ALBA). Das Projekt
gründete auf dem Gedanken der sozialen Gleichheit,
der Solidarität der Völker. Mit der Revolution
in Kuba war sie in der Praxis umgesetzt worden. Ziel
war und ist es, das Selbstbestimmungsrecht der Nationen,
die Unabhängigkeit der Völker vom imperialistischen
Neokolonianismus durchzusetzen.
Den US Regierungen ist das mehr als ein Dorn im
Auge ihrer Macht: Sie bekämpfen dieses Ziel und
das immer noch unabhängige Cuba direkt vor ihrer
Haustür, als das Symbol dieses Gedankens. Die
mörderische Gewalt jahrzehntelanger Sanktionen
soll dessen Wirtschaft abschnüren, soll den Gedanken
der sozialen Gleichheit aus den Köpfen der Menschen
in Kuba und weltweit zerstören. Der amtierende
Präsident der USA nennt es eine „moderne Belagerung“.
Ich bewundere die Kubanerinnen und Kubaner,
die schon über 65 Jahre – drei Generationen – Stand
halten. Die internationale Solidarität, von Fidel Castro
ausgerufen, hilft ihnen jetzt. Und: „aufgeben ist
keine Option“.
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Fidel lebt im Herzen der Kubaner weiter
Von Rob Miller, Direktor der Cuba Solidarity Campaign, GB
„Supermann ist ein fiktiver Held, aber wir Kubaner
sind stolz darauf, einen echten Helden wie Fidel zu
haben. Dieser Held besitzt größere Kräfte als Superman,
denn er kann Millionen bewegen, ist unbesiegbar
und unsterblich, denn während Supermann im
Film stirbt, lebt Fidel in den Herzen der Kubaner weiter“.
Elian Gonzalez.
Elian Gonzalez war der damals siebenjährige Junge,
um den sich ein internationaler Sorgerechtsstreit
zwischen den Kubanern in Miami und dem kubanischen
Volk entzündete. Schließlich kehrte er zu seinem
Vater nach Kuba zurück, wo er seither lebt. Diese
Worte sprach er 2016 auf dem Revolutionsplatz in Havanna
bei der Trauerfeier für Fidel Castro, wo er dem
historischen Revolutionsführer die Ehre erwies.
Elians Geschichte und seine Worte zum Tode Fidels
veranschaulichen, wie Fidel durch seine Führung dem
kubanischen Volk die Kraft und Entschlossenheit gab,
der ungeheuren Blockade und Aggression des riesigen
Supermachtnachbarn, nur 90 Meilen über die Floridastraße
entfernt, Widerstand zu leisten.
Von den Anfängen der Revolution über den Sieg in
der Schweinebucht, das unglaubliche Überleben in
der schlimmsten Zeit der „Sonderperiode“ nach dem
Zusammenbruch der Sowjetunion und – am unglaublichsten
– das Überstehen der illegalen US-Blockade:
Kuba hat allen Widrigkeiten getrotzt.
Kubas Widerstand ist legendär. Reiseführer und
Reiseveranstalter haben Folgendes verkündet: „Reise
nach Kuba, bevor es sich ändert“ – eine „höfliche“ Umschreibung
für die Vorhersage des Scheiterns der Revolution.
Doch das kubanische Volk selbst hat standhaft
seine Souveränität und seine Errungenschaften
im Gesundheitswesen, im Bildungswesen und in der
Sozialfürsorge verteidigt. Es ist zu Recht stolz auf Kubas
weltweiten Status in Sport, Kunst und Kultur sowie
auf das beeindruckende Erbe seiner internationalen
Solidaritätsmissionen im Gesundheitswesen.
Heute braucht das kubanische Volk unsere Solidarität
mehr denn je.
Die US-Politik gegenüber Kuba war stets einseitig.
Es handelt sich um eine 65-jährige Politik der Blockade
und gewaltsamen Aggression, einschließlich Invasions-
und Attentatsversuchen, sowie um eine Politik
der Finanzierung und Orchestrierung von Terroranschlägen
gegen die kubanische Bevölkerung, bei denen
mehr als 3.500 Kubaner ums Leben kamen.
Man könnte Kuba vielleicht vorwerfen, eine Bedrohung
eines guten Beispiels zu sein. Tatsächlich waren
Fidel Castro und das kubanische Volk für Millionen
Menschen weltweit das beste Beispiel. Sie verkörpern
ein Leuchtfeuer der Hoffnung für eine bessere Welt,
in der niemand aufgrund seiner Hautfarbe, seines Geschlechts
oder seiner finanziellen Möglichkeiten zurückgelassen
wird.
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