Solidarität intensivieren
65 Jahre ICAP – Kubanisches Institut für Völkerfreundschaft
Von Angelika Becker
Treffen mit der Union der
jungen Kommunisten (UJC)
Foto: Netzwerk Cuba
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Alle paar Jahre fährt der Vorstand
des Netzwerk Cuba zu politischen
Gesprächen nach Kuba, diesmal
vom 13.12.2025 bis zum 4.1.2026
auf Einladung des Kubanischen
Instituts für Völkerfreundschaft
(ICAP). Das feierte um den Jahreswechsel
sein 65jähriges Bestehen.
Kurz zuvor hatte die kubanische
Fluggesellschaft erneut Direktflüge
von Frankfurt/Main
nach Kuba aufgenommen, aber
unser Flieger war bestenfalls zu
einem Drittel besetzt.
Wir hatten in der ersten Woche
ein intensives Programm. Außerdem
haben fast alle an der zweiwöchigen
internationalen Jubiläums-
Brigade des ICAP „65 Jahre
de Amor por Cuba“ teilgenommen,
ebenfalls mit zahlreichen Aktivitäten.
Dort waren es 120 Teilnehmer
von allen Kontinenten. Zeitweise
stießen auch andere Reisegruppen
hinzu, so von der hessischen
Partei „Die Linke“ und sogar
eine aus den USA.
Wir bereiten zur Zeit ein ausführliches
Protokoll über unsere Reise
vor, schließlich waren wir ja nicht
nur zu unserer persönlichen Qualifizierung
dort. Hier schon mal einige
Themen in verkürzter Form.
Unsere Reise fiel in den Zeitraum,
wo die zweitägig geplante Sitzung
des Zentralkomitees der Kommunistischen
Partei Kubas und die
mehrtägige Tagung der Nationalversammlung
Kubas auf jeweils einen
Tag und auf eine hybride Veranstaltung
(Präsenz und online-Zuschaltung)
reduziert wurden, um
Reisezeit, Sprit und Kosten zu sparen.
Wir waren privilegiert: in beiden
Unterkünften (Gästehaus in
Havanna, Campamento Julio Antonio
Mella, ca. 40 km außerhalb in
der Provinz Artemisa) gab es eine
Notstromversorgung während der
häufigen Stromausfälle. Die wichtigsten
Funktionen konnte gewährleistet
werden, allerdings mit Kosten
verbunden, auch unsere Verpflegung
war sichergestellt. Amistur,
die zum ICAP gehörende Reisegesellschaft,
stellte Fahrer bzw.
Busse und Dolmetscher zur Verfügung,
damit wir unser anspruchsvolles
Programm wahrnehmen
konnten. Unverkennbar war das
Alltagsleben der Kubanerinnen Kubaner
sehr kompliziert, nur wenige
Touristen waren unterwegs.
Centro de Investigaciones
Psicológicas y
Sociológicas – CIPS
Unser erster Besuch galt dem psychologischen
und soziologischen
Forschungszentrum CIPS (Centro
de Investigaciones Psicológicas
y Sociológicas). Das Zentrum
ist dem Ministerium für Wissenschaft,
Technologie und Umwelt angeschlossen
und gibt diesem Empfehlungen
aus wissenschaftlicher
Sicht, die auf eine nachhaltige Entwicklung
der kubanischen Gesellschaft
abzielen.
• Soziale Studien über die Arbeitswelt:
Bewertung der Arbeitsbeziehungen
und der Verantwortung
für deren soziale Ausrichtung. Erarbeitung
von Vorschlägen für die Politik:
Lohn, Einstellung, soziale Sicherung.
• Ausbildung für den Wandel: Umgehen
mit Veränderungen in der Gemeinde,
insbesondere das Erlernen
von Kompetenzen zur Konfliktlösung,
Mediation
• Studien über die Familie: Hier
geht es um soziopsychologische Beziehungen
und die Kommunikation
innerhalb von Familien, den
Einfluss der materiellen Bedingungen
und die in der Familie gelebten
Werte.
• Abteilung für sozio-religiöse
Studien: Ein multidisziplinäres
Team für theoretische und empirische
Studien. Es erstellte mehr als
60 Forschungsberichte über die Religiosität
der Bevölkerung
• Sozialstruktur und Ungleichheiten:
Systematische Untersuchungen
der soziostrukturellen Dynamiken
in Verbindung mit der ökonomischen
Realität im Lande und mit der
Sozialpolitik. Studien über die soziale
Mobilität und die Schichtenbildung,
die Reproduktion von bestehenden
sozialen Brüchen. Berücksichtigung
von regionalen und geschlechtsspezifischen
Unterschieden,
Hautfarbe und Umweltbedingungen.
In letzter Zeit Konzentration
auf die lokale Entwicklung und
die Schaffung gleicher sozialer Ausgangsbedingungen.
• Kreativität für die soziale Transformation:
Hier geht es um den Dialog
zwischen Gruppen von jungen
Menschen mit Älteren.
• Studien über die Jugend: Themen
sind die öffentliche auf die Jugend
ausgerichtete Politik, die Prozesse
der Sozialisation in Richtung
auf eine soziale effektive Integration,
insbesondere um die Vermittlung
von Werten, von Toleranz und
Ablehnung von Gewalt.
• Psychosoziale Studien im Gesundheitswesen:
Dabei geht es um
Prävention und Förderung sowie
psychosoziale Intervention in den
Bereichen Arbeit, Schule und Gemeinwesen
• Menschlicher Wandel: Theoretische,
konzeptionelle Forschung und
Beratung und die Entwicklung von
organisatorischen Prozessen, um
zur Verbesserung und zur menschlichen
Dynamik in den kubanischen
Organisationen beizutragen.
Zu Gast bei der Unión
Eléctrica – UNE.
Sie ist der staatliche Energieversorger
Kubas mit Sitz in Havanna
und dem Ministerium für Energie
und Bergbau untergeordnet. Unsere
Gesprächspartner stellen täglich
im Fernsehen die aktuelle Situation
dar. Die kubanische Regierung
hat inzwischen ein Notprogramm
bekannt gegeben.
Ziel ist generell eine unabhängige
Energieversorgung inklusive Montage
von ausreichend Speicherbatterien,
um das Netz zu stabilisieren
sowie die Modernisierung von
thermischer Stromerzeugung.
Internationale Konferenz
des Forschungszentrums für
internationale Politik (CIPI –
Centro de Investigaciones
de Política Internacional) im
Hotel Nacional, Havanna.
Wir erhielten die Möglichkeit, am
ersten Panel der Eröffnungsveranstaltung
„Die Rückkehr Trumps:
Aktuelle und zukünftige Auswirkungen
auf Kuba“ dieser hochrangig
besetzten dreitägigen Konferenz
teilzunehmen. Der Leiter der
US-Abteilung des kubanischen Außenministeriums
und Vizeaußenminister,
Carlos Fernández de Cossío,
gab einen Überblick über die
schwierige Lage der bilateralen
Beziehungen Kubas mit den USA
durch die Regierung Trump. Rücksichtslose
Aggressionen, die das
Klima auch in den USA selbst verändern.
Die Reaktion von Seiten
Kubas: keinerlei Aggression, keinen
Vorwand liefern. Rückkehrer
aus den USA, teilweise legal eingereist
und mit legalem Aufenthaltsstatus,
die bislang Überweisungen
tätigen und Verwandte in Kuba besuchen
konnten, verlieren Arbeitsplätze
unter Bruch der eigenen USGesetze
und werden ausgewiesen.
Das Podiumsgespräch bot ein
breites Spektrum an Perspektiven
zum aktuellen Stand der Beziehungen
und deren weiteren Verlauf.
Trump agiere nicht ideologiegeleitet,
sondern machtpolitisch.
Kuba ist weiterhin eine Herausforderung
im US-Einflussgebiet. Die
fundamentale Bedeutung der Militarisierung
der Ökonomie in den
USA wurde hervorgehoben.
Es wurde mit zahlreichen Fallbeispielen
und vielen Zahlen von
der desolaten sozialen Lage in den
USA und den extrem ungleichen
Verhältnissen berichtet. Vier Millionen
US-Bürgerinnen und -Bürger
haben nicht genug Essen für
ihre Familien. In Ohio gibt es sechs
Millionen Arbeitskräfte, aber nur
sechs Kontrolleure für die Arbeitsbedingungen.
Mit den jüngsten
Maßnahmen der Trump-Regierung
werden Ungleichheit und Inhumanität
noch weiter verstärkt,
wie z. B. durch Massenentlassungen
von Mitarbeitenden in staatlichen
Institutionen. Existenzängste
greifen um sich, und in einigen
Berufsgruppen gibt es viele Selbstmorde
(von Ärzten bis zu Farmern).
Demgegenüber werden gigantische
Geldmittel in Militär und Aufrüstung,
für Grenzschutz und ICEAgenten
ausgegeben.
Nachely Pérez Guedes (CIPI)
gab einen Rückblick über wichtige
Schritte und zerstörerische
Tendenzen der Gesetzgebung des
119. US-Kongresses in Bezug auf
Kuba. Die Rolle des Kongresses
hat sich mit dem Helms-Burton-
Gesetz 1996 entscheidend geändert.
Dem Präsidenten entzog es
die Befugnis, die Blockade einseitig
aufzuheben. Sie wurde institutionalisiert.
Seit der Rückkehr von
Trump an die Macht werden die
Maßnahmen der Exekutive und
Legislative, die auf eine Verschärfung
des maximalen Drucks gegen
Kuba abzielen, koordiniert. Im
letzten Jahr gab es zwischen Januar
und September 19 legislative
Anhörungen mit überwiegend
feindseliger Haltung gegen Kuba.
Treffen mit Aleida Guevara (links) im Centro Che Guevara
Foto: Netzwerk Cuba
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Wichtiges Treffen mit
der Unión de Jovenes
Comunistas – UJC – Union
der jungen Kommunisten
Die UJC besteht aus dem Centro
Juvenil Martiano und der Brigada
Técnica. Sie greift alle Probleme
der Gesellschaft auf, nicht nur
die politischen, die die Jugendlichen
betreffen. Die UJC versteht
sich auch als Basis-Nachwuchsorganisation
für die Partei, was wichtig für den Erhalt und die Fortsetzung
des revolutionären Prozesses
ist..Aber auch in allen Massenorganisationen
(Gewerkschaften, Frauenverband,
CDR), also in allen Bereichen
der Gesellschaft ist sie vertreten.
Mit der FEU (Studentenverband),
der FEEM (Mittelstufenschüler)
und der Pionierorganisation
(Grundschulen) gibt es enge
Verbindungen. Es besteht auch
eine enge Verbindung zu der Asociación
Hermanos Saíz, die sich als
Avantgarde in Kunst und Kultur
begreift und junge professionelle
Künstlerinnen und Künstler umfasst.
Die Bewegung Martiano beschäftigt
sich mit dem Studium
der kubanischen Geschichte, der
revolutionären Bewegungen, besonders
mit Martí.
2023 fand der 12. Kongress der
UJC statt. Er bestätigte die integrale
Strategie für eine gesamtheitliche
Sicht auf Kinder und Jugendliche.
Die Jugendlichen unterscheiden
sich heute erheblich, diese Pluralität
stellt eine neue Herausforderung
dar, neue – dialektische –
Strategien sind erforderlich, was
keine Aufgabe der Ziele bedeutet.
Es ist viel Bildung notwendig in
Bezug auf die Medien. Die Jugendlichen
sind viel in diesen Medien
unterwegs, der Gegner versucht
dies auszunutzen mit seiner Propaganda.
Hier haben die US-Geheimdienste
großen Einfluss.
Die produktive Ökonomie
Die Hauptlinie von Partei und Regierung,
die ökonomische Krise
zu überwinden, geht nur mit den
Jugendlichen, sie sind entscheidend
dafür. In allen Grundeinheiten
wird ab 2026 darüber diskutiert.
Was kann die Jugend einbringen?
Die UJC hat Erfahrung bei der
Nahrungsmittelproduktion, bei der
Energieverteilung und -sicherheit,
sie arbeitet mit im Nationalen Innovationsrat
z. B. zu biotechnologischen
Verfahren.
Die militärische Verteidigung:
Sie ermöglicht die Verteidigung
der Revolution, der Unabhängigkeit
und der Souveränität Kubas.
Ein freiwilliger Militärdienst für
Frauen ist auf Kuba seit der Revolution
selbstverständlich.
Austausch mit dem
Ministerium für Ökonomie
und Planung, Abteilung
Strategie und Planung
Es ist festzuhalten, dass es bei diesem
Gespräch keine Tabus gab, alle
Fragen offen angesprochen werden
konnten, z. B. die soziale Differenzierung
und das Auftauchen
von Phänomenen wie Obdachlosigkeit
und der Rückgang sozialer
Indikatoren wie die Kindersterblichkeit
u. ä. oder auch das Verhältnis
von aktiver und nicht aktiver
Bevölkerung.
Verleihung der Freundschaftsmedaille an Edgar Göll
Foto: Netzwerk Cuba
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Feierlichkeiten zum
65. Jahrestag des ICAP
Wir haben noch soviel gehört und
gesehen, vor allem haben wir natürlich
an den offiziellen Feierlichkeiten
zum 65. Jahrestag des ICAP
teilgenommen. Bei dieser Gelegenheit
wurde dem Vorsitzenden des
Netzwerks Cuba, Edgar Göll, vom
Präsidenten der Republik Miguel
Díaz-Canel eine Freundschaftsmedaille
„65 Jahre ICAP“ überreicht.
Im ICAP fand eine anrührende
Gedenkfeier zu Ehren von
Dr. Klaus Piel statt.
Wir waren im Centro Che Guevara
und haben ein sehr spannendes
Gespräch mit Aleida Guevara
geführt. Auch mit der nationalen
Leitung der Komitees zur Verteidigung
der Revolution – CDR –
haben wir gesprochen. Sehr spannend
war auch das Gespräch mit
Luis Morlote Rivas, Chefredakteur
der theoretischen Parteizeitung
Cuba Socialista. Nicht zuletzt haben wir einige Projekte „comunitario,
cultural y social“ erleben können
– wir waren sehr beeindruckt
von der Arbeit, die dort mit den
Menschen vor Ort geleistet wird.
Wir sind dem ICAP sehr dankbar
für die Gastfreundschaft und Organisation
so vieler Begegnungen
und fühlen uns verantwortlich, die
Solidarität mit Kuba in unserem
Land zu intensivieren und zu verbreitern.