Ende März brachten hunderte Aktivisten aus dutzenden
Länder mit der Solidaritätsflottille „Nuestra America“
Medikamente, Lebensmittel und Hilfsgüter nach
Kuba. Auch die Regierungen Mexikos, Kolumbiens,
Chinas, Vietnams, Russlands, Spaniens und anderer
Länder schickten Medizin, Nahrungsmittel und Solarpaneele
für Photovoltaikanlagen. Während Zeitungen,
Radio- und TV-Sender in Lateinamerika, in Afrika und
Asien aber auch in Spanien ausführlich darüber berichteten,
bekamen Leser und Zuschauer deutschsprachiger
„Leitmedien“ davon so gut wie nichts mit.
Contra-Träume in der NZZ
In ihrer Kuba-Berichterstattung versuchten die großen
Medien einen Spagat. Da die Vereinten Nationen,
der Papst und Hilfsorganisationen vor einer humanitären
Krise warnten, konnte einerseits nicht verschwiegen
werden, dass die von der US-Regierung verhängte totale
Ölblockade die Hauptursache dafür ist. Andererseits
sollte auch das Narrativ von einem durch die sozialistische
Planwirtschaft zugrunde gerichteten System bedient
werden, das Trump mit der Behauptung, Kuba sei
ein „gescheiterter Staat“ und „reif“ für eine Übernahme
durch die USA dankbar aufgriff.
Die taz, die seit Jahren US-finanzierte Systemgegner
unterstützt und auch militante Contras verharmlosend
zur „Zivilgesellschaft“ verklärt, trauert im Falle einer
„Übernahme“ offenbar weder dem weltweit gelobten Bildungs-,
noch dem Gesundheitssystem der Insel nach und
kritisiert die kubanische Regierung und Trump-Regime
gleichermaßen. Es sei ein Fehler, dass „Zivilgesellschaft
von beiden Seiten nicht mitgedacht“ wird „und vielleicht
auch nicht erwünscht ist“, bemängelt das Blatt und fährt
fort: „die kubanische Revolution hat zwar ökonomisch
wenig Positives für die Menschen gebracht, was allerdings
in mehr als sechzig Jahren Revolución gewachsen
ist, ist die Identität als Kubanerin oder Kubaner.“
Ein auch von der taz oft gern als Teil dieser „Zivilgesellschaft“
zitierte Vertreter ist der 2020 (ein Jahr nach Joachim
Gauck) mit der „Truman-Reagan Medal of Freedom“
für die „Opfer des Kommunismus“ ausgezeichnete
Systemgegner José Daniel Ferrer. In der Neuen Zürcher
Zeitung kam der mittlerweile in Miami lebende Contra
unter dem Motto „Trump lässt Exil-Kubaner von der
Freiheit träumen“ Mitte März mit einem Mordaufruf zu
Wort: „Wenn sie Raúl Castro wie Ali Khamenei eliminieren
müssen, sollen sie es tun.“ NZZ und taz bezeichnen
Ferrer als „Menschenrechtsaktivist“.
Für die Magdeburger Volksstimme ist Kuba ein Land
der „Entbehrungen und Unterdrückung“. Die Zeitung ist
aber skeptisch, dass eine Mehrheit dort den Traum von
Ferrer teilt: „Donald Trump hält die Zeit für gekommen,
die widerspenstigen Kubaner vom Kommunismus zu befreien.
Tausende Kubaner sind wegen der Entbehrungen
und der Unterdrückung geflüchtet“, schrieb das Blatt,
warnte jedoch: „Was aber nicht heißt, dass sich alle Kubaner
von Trump erretten lassen wollen. Knechte der Amerikaner
waren sie auf der Insel lange genug, das ist unvergessen.
Castros Widerstandsgeist lässt grüßen.“
Springers Welt teilt die Skepsis und schreibt angesichts
der seit 1959 vergeblichen Regime-Change-Versuche von
mittlerweile 14 US-Präsidenten: „Es bleibt abzuwarten, ob
das Fernziel Washingtons, die Revolutionsregierung in Havanna
zu stürzen, dieses Mal von Erfolg gekrönt sein wird.“
Solidarität ist kein Thema
Die Ankunft der Solidaritätsflottille war der Welt am Rande
eine Notiz wert, wurde jedoch erst am 27. März größer
gemeldet, als zwei daran beteiligte Segelboote vorübergehend
auf See verschollen waren. Zuvor hatte bereits die Taz
erwähnt, dass der „Ölmangel in dem Inselstaat“ sich zunehmend
verschärfe und Aktivisten „angesichts der katastrophalen
Versorgungslage … Schiffe mit Lebensmitteln
und Medikamenten losgeschickt haben“. Die Überschrift
des Artikels lautete: „Kuba in tiefster Krise – Regierung
stoppt Diesel-Lieferung für US-Botschaft in Havanna“.
Spiegel-Online berichtete dann, dass „Vermisste Boote
aus Hilfsflotte für Kuba wohl wieder aufgetaucht“ seien,
und fügte immerhin hinzu: „Kuba steht unter Druck
der USA, die Not der Menschen nimmt zu. Ein Bootskonvoi
sollte Lebensmittel und Medikamente bringen. Von
zwei Schiffen fehlte kurzzeitig jede Spur. Nun sind sie offenbar
auf Kuba angekommen.“ tagesschau.de hatte in der
Berichterstattung unter der Überschrift „Karibikinsel in
der Krise“ vor allem die wiederholten Stromausfälle in de
Mittelpunkt gestellt und betonte: „Die ständigen Blackouts
verschärfen die ohnehin schwierigen Lebensbedingungen
der knapp zehn Millionen Einwohner.“
Die Entscheidung zahlreicher Regierungen in anderen
Teilen der Welt, die knapp zehn Millionen Einwohnern
in ihrer Not materiell und politisch zu unterstützen,
fand in all diesen Medien – wenn überhaupt – jedoch
eher unter dem Strich statt. Könnte sonst ja auch
die Frage aufwerfen, warum die Bundesregierung zwar
Waffen an Mörderregime liefert, die unschuldigen Menschen
den Tod bringen, nicht aber Medizin und Lebensmittel,
um sie davor zu bewahren.