Es war kein Zufall. Es ist nie Zufall.
Wenn das Weiße Haus den
Kalender als Waffe wählt, verwandelt
sich das Symbolische in
Aggression. Am 1. Mai, als in ganz
Kuba das Volk die Plätze mit Fahnen
füllte und „Patria o Muerte!“
(Vaterland oder Tod!) rief, unterzeichnete
Donald Trump in Washington
eine neue Durchführungsverordnung,
um Kuba noch
stärker zu strangulieren. Zufall,
sagen einige Naive. Reaktion eines
Imperiums, dessen Hochmut
verletzt wurde, antworten wir,
die wir das Kleingedruckte der
Geschichte zu lesen wissen.
Die Verordnung, die unter dem
berüchtigten Vorwand einer „außergewöhnlichen
Bedrohung“
präsentiert wurde – eine Anschuldigung,
die an sich schon ein
Eingeständnis von Böswilligkeit
ist –, erfindet zwar nichts Neues,
macht aber das Bestehende noch
brutaler. Ab sofort kann jede Einrichtung,
jeder Beamte oder Mitarbeiter,
dem eine Verbindung
zum kubanischen Staat nachgewiesen
werden kann, sanktioniert
werden. Das heißt: praktisch
die gesamte Nation. Denn in
Kuba sind wir alle der Staat, und
das Projekt, das wir verteidigen,
ist nicht das einiger weniger Privilegierter,
sondern das einer Revolution,
die 67 Jahre der Schikanen
widerstanden hat.
Doch das Tückischste an der
Sache ist die extraterritoriale
Reichweite. Die Verordnung bestraft
auch ausländische Regierungen,
Banken und Unternehmen,
die es wagen, mit sanktionierten
kubanischen Einrichtungen
zu verhandeln. So funktioniert
die Blockade: ein Spinnennetz,
das Washington seit mehr
als sechs Jahrzehnten webt, um
ein Volk zu ersticken, das nicht
aufgibt. Und das tun sie gerade
jetzt, wo Kuba neue Maßnahmen
zur wirtschaftlichen Öffnung
verabschiedet hat. Zufall? Nein,
Sabotage.
Die Strategie ist offensichtlich,
jede Atempause, jeden Versuch
der Erholung zu verhindern.
Sie wollen die Insel in die Knie
zwingen, in die Verzweiflung treiben,
damit wir eines Tages, so sagen
sie, „um Kapitulation bitten“.
Trump selbst gab dies wenige
Stunden nach der Unterzeichnung
der Verordnung zu, mit jener
groben Arroganz, die ihn auszeichnet:
„Ein Ort namens Kuba,
über den wir fast sofort die Kontrolle
übernehmen werden.“ Er
ging sogar so weit, zu beschreiben,
wie er einen Flugzeugträger
hundert Meter vor unserer Küste
stationieren würde, in der Erwartung,
weiße Fahnen zu sehen.
Eine armselige Illusion. Wer
auf weiße Fahnen in Havanna
spekuliert, hat nichts verstanden.
Was bezweckt Washington
wirklich mit diesem neuen, feigen
Angriff ? Vier Dinge, und die sind
nicht unbedeutend. Erstens: die
massive Beteiligung der Bevölkerung
am 1. Mai symbolisch zu
bestrafen, damit die Welt sieht,
dass sie mit der Knute reagieren,
während wir mit unserer Würde
reagieren. Zweitens: den wirtschaftlichen
Zusammenbruch erzwingen,
um jede Öffnung zu verhindern,
die der Insel Luft zum
Atmen verschafft. Drittens: den
Prozess ausländischer Investitionen,
den Kuba gefördert hat, noch
weiter lahmlegen. Und viertens,
und das ist das Schlimmste: den
Boden für eine weitere Eskalation
bereiten.
Aber Kuba ist nicht allein. An
unserer Seite stehen die Brudervölker
Unseres Amerikas, die Solidaritätsbewegungen
der Welt
und das Bewusstsein derer, die
verstehen, dass die Blockade ein
Verbrechen gegen die Menschlichkeit
ist. Und vor allem begleitet
uns die Gewissheit, dass man
das Recht nicht erfleht, sondern
ausübt.
Trumps Exekutivverordnung
ist ein lumpiges Stück Papier angesichts
der Würde eines ganzes
Volkes. Das haben die Tausenden
von Stimmen am 1. Mai auf der
Tribüne zum Ausdruck gebracht:
Hier gibt niemand auf. Hier lernt
man, sich zu widersetzen. Und
wer zu widersetzen versteht, versteht
auch zu siegen.
Übersetzung: Tobias Kriele