Es ist der 07.08.2023, ein heißer, sonniger Sommertag
auf Kuba. Auf einer Terrasse eines kleinen, einfachen
Häuschens in Bayamo sitzen drei Männer. Sie
alle sind weit über 70 Jahre alt. Im Hintergrund hört
man Schweine und Hühner, die hinter dem Haus
leben. Dieses Bauernhäuschen könnte irgendein
Häuschen auf Kuba sein. Aber es ist nicht irgendein
Häuschen. Hier lebt Fidencio Gonzales Peraza, ein
kubanischer Nationalheld. Und es ist auch nicht irgendein
heißer, sonniger Tag. Es ist genau 40 Jahre
nach der Cangamba-Schlacht in Angola, in der die
drei Männer kämpften. Es ist genau 40 Jahre her,
dass ihnen Fidel Castro in einem Brief schrieb: „Nun
hängt alles davon ab, ob ihr es schafft, durchzuhalten.“
Die Cangamba-Schlacht ist ein Wendepunkt im
Krieg in Angola, in dem das angolanische Volk um
seine Befreiung kämpft. An seiner Seite insgesamt
mehr als 300.000 Kubanerinnen und Kubaner, vor
allem Jugendliche. Sie kämpfen nicht wie die imperialistischen
Länder für Öl, Kupfer, Diamanten. Sie
kämpfen, wie Fidencio, Ramon und Osmel, freiwillig
um die Freiheit und die Würde Angolas. Sie erwarten
keine Gegenleistung. Denn der Kampf, den sie in
Angola führen, ist auch ihr Kampf, ist der gemeinsame
Kampf der Arbeiterklasse und der unterdrückten
Völker der Welt. „Die kubanischen Kämpfer sind bereit,
ihr Leben für die Freiheit unserer Länder zu opfern,
und als Gegenleistung für diese Hilfe zugunsten
unserer Freiheit und des Fortschritts unserer
Bevölkerung werden sie nichts weiter mitnehmen
als ihre Männer, die im Kampf für die Freiheit unserer
Völker gefallen sind.“ – so der antikoloniale Befreiungskämpfer
Amílcar Cabral.
In der Cangamba-Schlacht stehen 72 Soldaten dem
Feind im Verhältnis von 3,5 zu 1 gegenüber. Sie sind
zweifach eingekreist, es gibt kein Entkommen. Acht
Tage lang, vom 2. bis zum 10. August 1983, widerstehen
sie dem übermächtigen Feind. Acht Tage lang widerstehen
sie, die letzten drei Tage ohne Essen, ohne
Wasser und mit nur noch einem Gewehr. Cangamba
wird zum Symbol für den unglaublichen Mut der Kubaner
und Angolaner. Cangamba wird zum Symbol
dafür, dass man auch gegen einen militärisch übermächtigen
Feind gewinnen kann, wenn man auf der
Seite der Unterdrückten entschlossen und gemeinsam
kämpft.
Cangamba ist außergewöhnlich. Doch das kubanische
Volk steht jeden Tag einem übermächtigen
Feind gegenüber. Es steht jeden Tag an der Seite
der Arbeiterklasse und der unterdrückten Völker
der Welt. Cangamba ist außergewöhnlich, aber
heute der Normalfall. Und Kuba widersteht jeden
Tag, Kuba siegt jeden Tag. Kuba zeigt uns, dass wir
den Imperialismus besiegen können. Kuba zeigt uns,
welche Kraft die Arbeiterklasse und die unterdrückten
Völker der Welt haben, wenn sie gemeinsam und
entschlossen kämpfen. Das ist es, was wir auch auf
unseren Solidaritätsbrigaden erfahren. Deshalb ist
jede Brigade, die wir als SDAJ durchführen, so lehrreich
für uns. Weil man – bei allen Problemen und
Schwierigkeiten – spürt, wie tief der Internationalismus
Fidel Castros, die Solidarität, der Kampf um
die Würde der Völker der Welt in Kuba verankert ist.
Weil in Kuba offen über die Fehler und Probleme diskutiert
wird. Weil das sozialistische Kuba den gleichen
Kampf führt, den wir auch führen – nur an einer
viel exponierteren, viel schwierigeren Stelle im
Klassenkampf.
Kuba siegt jeden Tag, weil sich Kuba, so Fidel Castro,
„jedes Mal mit mehr Energie den eigenen Fehlern
und Schwächen stellt“. Weil Kuba weiterkämpft,
weiter widersteht, weiterhin jeden imperialistischen
Angriff niederschlägt. In „Mein Leben“ sagt Fidel
Castro: „So wie die Imperialisten und ihre Handlanger
in Angola die Folgen eines vielfach multiplizierten
Girón erlitten, werden diejenigen, die unser
Land betreten, um Krieg zu führen, sich mit Tausenden
von Quifangondos, Cabindas, Ebos, Morros
de Medunda, Cangambas, Sumbes, Ruacanas, Tchipas,
Calueques und Cuito Cuanvales konfrontiert sehen
und mit Niederlagen, wie sie dem Kolonialismus
und der Apartheid von heroischen Völkern in Nationen
wie Angola, Namibia und Südafrika beigebracht
wurden. Niederlagen, von denen sie nie geglaubt hätten,
dass sie in Verbindung stehen könnten mit der
Geschichte dieser kleinen Nation in der Karibik.“ In
diesem Sinne lebt Fidel Castro in den internationalistischen
Taten, im Kampf um die Würde und im
unendlichen Mut des kubanischen Volkes. Dem hat
Fidencio Gonáalez Peraza wie so viele andere sein
Leben verschrieben. Zum Abschied ruft er uns die
letzten Worte aus Fidels Brief hinterher: „Wir werden
siegen!“
Foto: Osvaldo Salas |