Tausende Cangambas

Das sozialistische Kuba siegt jeden einzelnen Tag gegen einen übermächtigen Gegner
Von Andrea Hornung, Bundesvorsitzende der Sozialistischen Deutschen Arbeiterjugend (SDAJ), die in diesem Sommer erneut Solidaritätsbrigaden nach Kuba schickt.

Es ist der 07.08.2023, ein heißer, sonniger Sommertag auf Kuba. Auf einer Terrasse eines kleinen, einfachen Häuschens in Bayamo sitzen drei Männer. Sie alle sind weit über 70 Jahre alt. Im Hintergrund hört man Schweine und Hühner, die hinter dem Haus leben. Dieses Bauernhäuschen könnte irgendein Häuschen auf Kuba sein. Aber es ist nicht irgendein Häuschen. Hier lebt Fidencio Gonzales Peraza, ein kubanischer Nationalheld. Und es ist auch nicht irgendein heißer, sonniger Tag. Es ist genau 40 Jahre nach der Cangamba-Schlacht in Angola, in der die drei Männer kämpften. Es ist genau 40 Jahre her, dass ihnen Fidel Castro in einem Brief schrieb: „Nun hängt alles davon ab, ob ihr es schafft, durchzuhalten.“
Die Cangamba-Schlacht ist ein Wendepunkt im Krieg in Angola, in dem das angolanische Volk um seine Befreiung kämpft. An seiner Seite insgesamt mehr als 300.000 Kubanerinnen und Kubaner, vor allem Jugendliche. Sie kämpfen nicht wie die imperialistischen Länder für Öl, Kupfer, Diamanten. Sie kämpfen, wie Fidencio, Ramon und Osmel, freiwillig um die Freiheit und die Würde Angolas. Sie erwarten keine Gegenleistung. Denn der Kampf, den sie in Angola führen, ist auch ihr Kampf, ist der gemeinsame Kampf der Arbeiterklasse und der unterdrückten Völker der Welt. „Die kubanischen Kämpfer sind bereit, ihr Leben für die Freiheit unserer Länder zu opfern, und als Gegenleistung für diese Hilfe zugunsten unserer Freiheit und des Fortschritts unserer Bevölkerung werden sie nichts weiter mitnehmen als ihre Männer, die im Kampf für die Freiheit unserer Völker gefallen sind.“ – so der antikoloniale Befreiungskämpfer Amílcar Cabral.
In der Cangamba-Schlacht stehen 72 Soldaten dem Feind im Verhältnis von 3,5 zu 1 gegenüber. Sie sind zweifach eingekreist, es gibt kein Entkommen. Acht Tage lang, vom 2. bis zum 10. August 1983, widerstehen sie dem übermächtigen Feind. Acht Tage lang widerstehen sie, die letzten drei Tage ohne Essen, ohne Wasser und mit nur noch einem Gewehr. Cangamba wird zum Symbol für den unglaublichen Mut der Kubaner und Angolaner. Cangamba wird zum Symbol dafür, dass man auch gegen einen militärisch übermächtigen Feind gewinnen kann, wenn man auf der Seite der Unterdrückten entschlossen und gemeinsam kämpft.
Cangamba ist außergewöhnlich. Doch das kubanische Volk steht jeden Tag einem übermächtigen Feind gegenüber. Es steht jeden Tag an der Seite der Arbeiterklasse und der unterdrückten Völker der Welt. Cangamba ist außergewöhnlich, aber heute der Normalfall. Und Kuba widersteht jeden Tag, Kuba siegt jeden Tag. Kuba zeigt uns, dass wir den Imperialismus besiegen können. Kuba zeigt uns, welche Kraft die Arbeiterklasse und die unterdrückten Völker der Welt haben, wenn sie gemeinsam und entschlossen kämpfen. Das ist es, was wir auch auf unseren Solidaritätsbrigaden erfahren. Deshalb ist jede Brigade, die wir als SDAJ durchführen, so lehrreich für uns. Weil man – bei allen Problemen und Schwierigkeiten – spürt, wie tief der Internationalismus Fidel Castros, die Solidarität, der Kampf um die Würde der Völker der Welt in Kuba verankert ist. Weil in Kuba offen über die Fehler und Probleme diskutiert wird. Weil das sozialistische Kuba den gleichen Kampf führt, den wir auch führen – nur an einer viel exponierteren, viel schwierigeren Stelle im Klassenkampf.
Kuba siegt jeden Tag, weil sich Kuba, so Fidel Castro, „jedes Mal mit mehr Energie den eigenen Fehlern und Schwächen stellt“. Weil Kuba weiterkämpft, weiter widersteht, weiterhin jeden imperialistischen Angriff niederschlägt. In „Mein Leben“ sagt Fidel Castro: „So wie die Imperialisten und ihre Handlanger in Angola die Folgen eines vielfach multiplizierten Girón erlitten, werden diejenigen, die unser Land betreten, um Krieg zu führen, sich mit Tausenden von Quifangondos, Cabindas, Ebos, Morros de Medunda, Cangambas, Sumbes, Ruacanas, Tchipas, Calueques und Cuito Cuanvales konfrontiert sehen und mit Niederlagen, wie sie dem Kolonialismus und der Apartheid von heroischen Völkern in Nationen wie Angola, Namibia und Südafrika beigebracht wurden. Niederlagen, von denen sie nie geglaubt hätten, dass sie in Verbindung stehen könnten mit der Geschichte dieser kleinen Nation in der Karibik.“ In diesem Sinne lebt Fidel Castro in den internationalistischen Taten, im Kampf um die Würde und im unendlichen Mut des kubanischen Volkes. Dem hat Fidencio Gonáalez Peraza wie so viele andere sein Leben verschrieben. Zum Abschied ruft er uns die letzten Worte aus Fidels Brief hinterher: „Wir werden siegen!“

Foto: Osvaldo Salas