Meine Begegnung mit Fidel

Von Samuel Wanitsch, Vorsitzender der Vereinigung Schweiz-Cuba

Hierzulande ist bekanntlich nur wenigen Menschen die Politik schon in die Wiege gelegt.
Auch noch als Zwölfjähriger wusste ich am 1. Januar 1959 weder wo Kuba lag, noch was eine Revolution ist. In Jugendgruppen sangen wir so grässliche Lieder wie „Negeraufstand ist in Kuba“ ohne auch nur die geringste Ahnung zu haben, was denn wirklich in Kuba vor sich ging. Und der Geschichtsunterricht in der Schule half da auch nicht weiter.

Foto: Samuel Wanitsch
Mir ging es jedenfalls so, so dass Kuba erst durch anderweitige Ereignisse ins Blickfeld rückte: Da waren Che Guevara und Vietnam, Fidel Castro in der Sowjetunion oder mit Salvador Allende in Chile oder später mit Nelson Mandela. Die gelebte internationale Solidarität von Kuba mit den Völkern rückte – trotz permanenter negativer Stimmungsmache in den Medien – immer mehr ins Bewusstsein.
Ein Glück, dass schon kurz nach der erfolgreichen Revolution politisch bewusste Menschen in der Schweiz Kontakt mit den Befreiern in Kuba aufnahmen. Und es hat sogar welche unter uns hier. Und so wuchs ein immer intensiverer Austausch zwischen dem revolutionären Kuba und wirklich fortschrittlichen Kräften in der Schweiz heran.
Als dann im Mai 1998 zwei wichtige Konferenzen der UNO in Genf bevorstanden und dabei die Teilnahme von Fidel Castro Ruz bekannt wurde, stiegen – nicht nur in der Solidaritätsbewegung – Erwartung und Hoffnung ins Unermessliche, einmal dem Comandante en jefe persönlich begegnen zu dürfen.
Und Fidel enttäuschte weder die Schweizer Regierung – zu fünft kamen sie, um ihn zu erleben! – noch die Presse – und erst recht nicht uns!
Nach einem Besuch im Olympischen Museum in Lausanne und einer Käserei im Greyerz wurde im Hotel Intercontinental in Genf speziell für die Solidarität ein Saal reserviert. Und das im selben Hotel, in dem die kubanische Delegation (16. Stock) und – und man stelle sich das vor – US-First Lady Hillary Clinton in anderer Mission (18. Stock) untergebracht waren (vielleicht war es mit den Stockwerken auch umgekehrt...).
Es gab drei Zugänge zu Bühne und Rednerpult: Wo wird er hereinkommen? Und plötzlich stand er direkt vor uns. Ein unvergesslicher Moment! Und ich weiss noch heute nicht, woher ich die Kaltblütigkeit nahm, um mein Fotos des Lebens zu schiessen!
Was Kubanerinnen und Kubaner bestens kannten, erlebten die Anwesenden wohl zum ersten Mal in ihrem Leben: Fidel sprach dreieinhalb Stunden (!) über die kubanische Realität, über die US-Blockade, über die neoliberale Globalisierung und über die Solidarität; am Schluss sich fast entschuldigend; er habe uns das alles einfach sagen müssen. Wer diese Rede hörte und das Charisma von Fidel erleben durfte, für die und den erwuchs aus der Faszination endgültig die schöne Verpflichtung zur Solidarität mit Kuba und den leidenden Völkern dieser Welt.
Die unzähligen Zitate von Fidel sind uns dabei ständige Stützen im Einsatz für die gerechte Sache. An dieser Stelle und in diesen schwierigen Zeiten ein einziges:
„Es ist leicht, in einfachen Zeiten Revolutionäre zu sein, aber es ist nicht leicht, in schwierigen Zeiten Revolutionäre zu sein. Wir, die wir hier versammelt sind, sind Revolutionäre in schwierigen Zeiten“. (1. Januar 1994)
„Fácil es ser revolucionarios en tiempos fáciles, lo que no resulta fácil es ser revolucionarios en tiempos difíciles. Los que aqui nos reunimos somos revolucionarios de tiempos difíciles.“ (1ro enero 1994)
Und so sind wir aufgefordert, die von Fidel immer wieder ausgedrückte Einheit und Geschlossenheit aktiv zu leben.
Es lebe das sozialistische Kuba – Fidel lebt!