Bevor ich mich intensiv mit Kuba und dabei auch Fidel
Castro befasste, fielen mir nebenbei zwei Meldungen
über ihn auf, die mich berührten und erstaunten.
In einer Studierendenzeitung der Universität in
Madison/Wisconsin las ich 1986, dass Fidel das Rauchen
aufgegeben und gesagt habe, dass die wertvollen
kubanischen Zigarren lieber exportiert werden und
Erlöse bringen sollten. Ich war verblüfft. Das zweite
Beispiel ist sein Kommentar, als das Ergebnis der
FAO-Welthungerkonferenz 1996 bekannt gegeben
wurde. Und Fidel fragte daraufhin: „Wenn das Ziel die
Halbierung der Zahl der hungernden Menschen ist, was
sollen wir der anderen Hälfte sagen?“
Selbst bei solch kurzen Meldungen wird deutlich,
welch eine radikale, tiefschürfende, ernsthafte und
höchst humane, auf Emanzipation gerichtete Persönlichkeit
und Haltung Fidel entwickelt hatte und verkörperte.
Und diese aufrechte, revolutionäre Haltung
war Ergebnis eines andauernden Lernprozesses, sie
entwickelte sich bei ihm durch alltägliche Auseinandersetzung,
im direkten Zusammenhang mit realen
Kämpfen, und flankiert durch umfassende Lektüre
von progressiver Literatur und einem breiten Spektrum
gesellschaftsanalytischer Werke. Das Studium
der Geschichte, also des Kolonialismus, der Ausbeutung
und Unterdrückung durch europäische Herrenmenschen
und gierige Eroberer hat ihn geprägt, und
darauf aufbauend auch das befreiende Denken und
Handeln von José Martí, Simón Bolivar und vielen
anderen. Und er schätzte „Kultur“ in allen ihren bunten
Facetten und Formen.
All das nutzte er, setzte es im Zuge des revolutionären
Prozesses in Kuba mit Anderen in die Praxis
um. Seine Anregungen und Impulse führten zu einer
überfälligen Transformation des kolonisierten und
gefesselten Kubas und seiner Bewohner in Richtung
einer sozialistischen, hochzivilisierten Gesellschaft,
und zwar gemäß der eigenen Traditionen, Erkenntnisse,
Sehnsüchte und Möglichkeiten. Es entfaltete
sich organisch.
Aber dieser ambitionierte und komplexe Entwicklungsprozess
wurde von Beginn an durch den US-Imperialismus
gestört: mit terroristischen Attacken, feigen
Attentaten, heimtückischer Subversion, sogar
Gifteinsätzen, einer immer weiter verschärften Wirtschafts-,
Handels- und Finanzblockade. Damit sollte
dieser historische Emanzipationsprozess vernichtet
werden. Sogar eine militärische Invasion 1961 wurde
durchgeführt. Die nekrophile Obsession der Yankees
dauert bis heute an, und wird derzeit durch Trump/
Rubio und die MAGA-Konsorten noch brutaler, willkürlicher,
alle zivilisierten Regeln verletzend, exekutiert.
Entsprechend des gesellschaftlichen Verfalls
der USA ist dieses Trump-Regime nun zu einem offen
faschistischen System degeneriert. Und daher ist
es kein Wunder, dass Kuba nun als der „gefährliche“
Gegenpol – Alternative! – zum untergehenden Imperium
unerbittlich bekämpft wird, tatsächlich vernichtet
werden soll. Wir müssen Kuba daher dringend
schützen und unterstützen!
Fidel hat immer wieder vor den US-Regierungen
und ihren Machtapparaten gewarnt. Er kannte seine
hochgerüsteten Nachbarn mit ihren „gespaltenen
Zungen“. Und er schuf gemeinsam mit den kubanischen
Menschen ein in vielen Hinsichten vorbildliches
Gesellschaftssystem, das trotz der imperialistischen
Attacken erstaunliche Leistungen erbrachte,
und eine reale Alternative und Utopie darstellt, und
daher vernichtet werden soll.
Und immer wieder agierte Fidel vorausschauend
und gab wichtige Impulse für die Weiterentwicklung
des kubanischen Systems. Er praktizierte im besten
Sinne des Wortes „Zukunftsfähigkeit“! So förderte er
wo immer möglich Bildung und Kultur, ganz im Sinne
von Martí, oder propagierte die Digitalisierung
bzw. Computerisierung der ganzen Gesellschaft, favorisierte
LED-Lampen und regenerative Energien,
und befürwortete nachhaltigen Tourismus. In seiner
wunderbaren, aufrüttelnden Rede auf der UNOKonferenz
über Umwelt und Entwicklung in Rio de
Janeiro am 12. Juni 1992 begann er mit den berühmten
Worten:
„Eine bedeutende biologische Gattung ist aufgrund
der schnellen und progressiven Beseitigung ihrer natürlichen
Lebensbedingungen vom Aussterben bedroht:
der Mensch.“ Und er beendete diese Ansprache mit
folgenden Sätzen, die noch heute aktuell sind:
„Jetzt ist die angebliche Bedrohung durch den Kommunismus
nicht mehr da, und es bleiben keine Vorwände
für kalten Krieg, Wettrüsten und Militärausgaben.
Was hindert daran, diese Mittel sofort einzusetzen,
um die Entwicklung der Dritten Welt zu fördern und
die Gefahr der ökologischen Zerstörung des Planeten
zu bekämpfen? Schluss mit dem Egoismus, Schluss mit
dem Vorherrschaftsbestreben, Schluss mit der Gefühllosigkeit,
der Unverantwortlichkeit und dem Betrug.
Morgen wird es zu spät sein für das, was wir schon lange
gemacht haben müssten. Danke.“ Das Protokoll vermerkt,
wie fast immer bei seinen Reden: „OVATION“.
Unter Fidels Führung wurde Kuba zu einem Vorbild
an internationalistischer Politik und Solidarität:
so beim Befreiungskampf in Angola, der das Ende
des Kolonialismus
und die Todesstunde
des
Apa r t hei d r e -
gimes in Südafrika
einläutete, sowie
in seiner Solidarität
mit dem
fortschrittlichen
Lateinamerika
und dem Aufbau
selbstbestimmter
Gesellschaften
und sozialer
Entwicklungen
dort.
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