Fidel – Eine ewige Inspiration für Revolution

Von Dr. Edgar Göll

Bevor ich mich intensiv mit Kuba und dabei auch Fidel Castro befasste, fielen mir nebenbei zwei Meldungen über ihn auf, die mich berührten und erstaunten.
In einer Studierendenzeitung der Universität in Madison/Wisconsin las ich 1986, dass Fidel das Rauchen aufgegeben und gesagt habe, dass die wertvollen kubanischen Zigarren lieber exportiert werden und Erlöse bringen sollten. Ich war verblüfft. Das zweite Beispiel ist sein Kommentar, als das Ergebnis der FAO-Welthungerkonferenz 1996 bekannt gegeben wurde. Und Fidel fragte daraufhin: „Wenn das Ziel die Halbierung der Zahl der hungernden Menschen ist, was sollen wir der anderen Hälfte sagen?“
Selbst bei solch kurzen Meldungen wird deutlich, welch eine radikale, tiefschürfende, ernsthafte und höchst humane, auf Emanzipation gerichtete Persönlichkeit und Haltung Fidel entwickelt hatte und verkörperte. Und diese aufrechte, revolutionäre Haltung war Ergebnis eines andauernden Lernprozesses, sie entwickelte sich bei ihm durch alltägliche Auseinandersetzung, im direkten Zusammenhang mit realen Kämpfen, und flankiert durch umfassende Lektüre von progressiver Literatur und einem breiten Spektrum gesellschaftsanalytischer Werke. Das Studium der Geschichte, also des Kolonialismus, der Ausbeutung und Unterdrückung durch europäische Herrenmenschen und gierige Eroberer hat ihn geprägt, und darauf aufbauend auch das befreiende Denken und Handeln von José Martí, Simón Bolivar und vielen anderen. Und er schätzte „Kultur“ in allen ihren bunten Facetten und Formen.
All das nutzte er, setzte es im Zuge des revolutionären Prozesses in Kuba mit Anderen in die Praxis um. Seine Anregungen und Impulse führten zu einer überfälligen Transformation des kolonisierten und gefesselten Kubas und seiner Bewohner in Richtung einer sozialistischen, hochzivilisierten Gesellschaft, und zwar gemäß der eigenen Traditionen, Erkenntnisse, Sehnsüchte und Möglichkeiten. Es entfaltete sich organisch.
Aber dieser ambitionierte und komplexe Entwicklungsprozess wurde von Beginn an durch den US-Imperialismus gestört: mit terroristischen Attacken, feigen Attentaten, heimtückischer Subversion, sogar Gifteinsätzen, einer immer weiter verschärften Wirtschafts-, Handels- und Finanzblockade. Damit sollte dieser historische Emanzipationsprozess vernichtet werden. Sogar eine militärische Invasion 1961 wurde durchgeführt. Die nekrophile Obsession der Yankees dauert bis heute an, und wird derzeit durch Trump/ Rubio und die MAGA-Konsorten noch brutaler, willkürlicher, alle zivilisierten Regeln verletzend, exekutiert. Entsprechend des gesellschaftlichen Verfalls der USA ist dieses Trump-Regime nun zu einem offen faschistischen System degeneriert. Und daher ist es kein Wunder, dass Kuba nun als der „gefährliche“ Gegenpol – Alternative! – zum untergehenden Imperium unerbittlich bekämpft wird, tatsächlich vernichtet werden soll. Wir müssen Kuba daher dringend schützen und unterstützen!
Fidel hat immer wieder vor den US-Regierungen und ihren Machtapparaten gewarnt. Er kannte seine hochgerüsteten Nachbarn mit ihren „gespaltenen Zungen“. Und er schuf gemeinsam mit den kubanischen Menschen ein in vielen Hinsichten vorbildliches Gesellschaftssystem, das trotz der imperialistischen Attacken erstaunliche Leistungen erbrachte, und eine reale Alternative und Utopie darstellt, und daher vernichtet werden soll.
Und immer wieder agierte Fidel vorausschauend und gab wichtige Impulse für die Weiterentwicklung des kubanischen Systems. Er praktizierte im besten Sinne des Wortes „Zukunftsfähigkeit“! So förderte er wo immer möglich Bildung und Kultur, ganz im Sinne von Martí, oder propagierte die Digitalisierung bzw. Computerisierung der ganzen Gesellschaft, favorisierte LED-Lampen und regenerative Energien, und befürwortete nachhaltigen Tourismus. In seiner wunderbaren, aufrüttelnden Rede auf der UNOKonferenz über Umwelt und Entwicklung in Rio de Janeiro am 12. Juni 1992 begann er mit den berühmten Worten:
„Eine bedeutende biologische Gattung ist aufgrund der schnellen und progressiven Beseitigung ihrer natürlichen Lebensbedingungen vom Aussterben bedroht: der Mensch.“ Und er beendete diese Ansprache mit folgenden Sätzen, die noch heute aktuell sind:
„Jetzt ist die angebliche Bedrohung durch den Kommunismus nicht mehr da, und es bleiben keine Vorwände für kalten Krieg, Wettrüsten und Militärausgaben. Was hindert daran, diese Mittel sofort einzusetzen, um die Entwicklung der Dritten Welt zu fördern und die Gefahr der ökologischen Zerstörung des Planeten zu bekämpfen? Schluss mit dem Egoismus, Schluss mit dem Vorherrschaftsbestreben, Schluss mit der Gefühllosigkeit, der Unverantwortlichkeit und dem Betrug. Morgen wird es zu spät sein für das, was wir schon lange gemacht haben müssten. Danke.“ Das Protokoll vermerkt, wie fast immer bei seinen Reden: „OVATION“.
Unter Fidels Führung wurde Kuba zu einem Vorbild an internationalistischer Politik und Solidarität: so beim Befreiungskampf in Angola, der das Ende des Kolonialismus und die Todesstunde des Apa r t hei d r e - gimes in Südafrika einläutete, sowie in seiner Solidarität mit dem fortschrittlichen Lateinamerika und dem Aufbau selbstbestimmter Gesellschaften und sozialer Entwicklungen dort.

Richtungsweisend und maßgeblich ist seine Definition, was Revolution ist. „Revolution bedeutet den Sinn des historischen Moments, bedeutet, all das zu verändern, was verändert werden soll,…!“ Und hierzu beschrieb ihn sein Weggefährte Ernesto Che Guevara im April 1961:
„Fidel besitzt die Züge eines großen Lenkers, die ihn, vereint mit seinen persönlichen Begabungen der Wachheit, der Stärke und des Mutes und mit seinem außerordentlichen Bestreben, immer den Willen des Volkes ergründen zu wollen, an den Platz der Ehre und der Aufopferung geführt haben, den er heute einnimmt. Er hat aber noch weitere bedeutende Qualitäten, so seine Fähigkeit, die Kenntnisse und Erfahrungen sich anzueignen, um eine gegebene Situation in all ihrer Gänze zu begreifen, ohne dabei die Einzelheiten aus dem Blick zu verlieren; sein unermesslicher Glaube an die Zukunft und seine Weitsicht, den Ereignissen vorzubeugen und die Tatsachen vorweg zu nehmen, wobei er stets weiter und besser sieht als seine Gefährten.”
Die Kubanische Revolution mit Fidel Castro war und wird immer ein Referenzpunkt dafür sein, dass es Alternativen zum Kapitalismus gibt. Fidel hat diese Zuversicht charismatisch verkörpert, hat die Revolution gelebt und vorangetrieben, und zwar gegen alle Widerstände, gegen Subversion und allen Terror (darunter über 600 Attentatsversuche!) der benachbarten militärischen Supermacht USA.
Im Kondolenzschreiben für Fidel formulierte unser Netzwerk Cuba: „Wir werden im Geiste Fidels weiterhin unermüdlich und immer wieder neu Cuba auf seinem Weg für die selbstbestimmte Entwicklung unterstützen und an der Seite des sozialistischen Cuba wirken. Denn – wie Fidel Castro immer wieder betonte und hier im Kontext begründete:
„Die Waffen, die in den Arsenalen der Mächtigen und Reichsten angehäuft und immer moderner werden, können zwar Analphabeten, Kranke, Arme und Hungernde töten, nicht aber Unwissenheit, Krankheit, Armut und Hunger beseitigen. Ein für alle Mal sollte gesagt werden: ‚Die Waffen nieder!‘ Es muss etwas getan werden, um die Menschheit zu retten! Eine bessere Welt ist möglich!“
Und unser Kondolenzschreiben haben wir mit diesem Absatz abgeschlossen, der auch heute noch gültig ist und bleiben wird:
„Wir danken dem „Comandante en Jefe“ Fidel Castro für seinen historischen, unermüdlichen und heroischen Kampf – auch für die wertvollen Analysen und Impulse, die er den fortschrittlichen Kräften in aller Welt und der Solidaritätsbewegung in Deutschland immer gegeben hat, und die er in ihren vielfältigen Kämpfen und Bemühungen für eine bessere Welt immer noch zu inspirieren vermag. In diesem Sinne lebt er weiter – unbegrenzt.
Hasta la victoria siempre, Comandante!“