„Wohin Fidel mich geführt hat“
Der Revolutionär glaubt an den Menschen, an die Menschheit.
Wer nicht an die Menschen glaubt, ist kein Revolutionär.
Von Fernando González Llort
Foto: Ralf Roletschek/CC BY 3.0 BR
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Als Fidel Castro diesen Satz aussprach, definierte er
nicht nur eine Ideologie, er entwarf den genetischen
Code einer ganzen Generation. Da komme ich her. Es
gab keinen Händedruck, kein direktes Gespräch mit
ihm in meinen prägenden Jahren. Aber in meinem
Herzen und in meinen Taten schlug sein Gedanke
stets mit der Kraft eines moralischen Gebots.
Ich wurde nach dem Sieg der Revolution geboren.
Meine Entwicklung und Ausbildung
war kein kühler akademischer
Vorgang, sondern das Aufnehmen
eines lebendigen Vorbilds. Ohne
persönliche Verbindungen zum Comandante
wuchs ich in einer Atmosphäre
auf, die Würde und Gerechtigkeit
ausstrahlte. In den Reihen
der Union der Kommunistischen
Jugend lernte ich, dass Solidarität
eine Pflicht ist. In den Hörsälen des
Instituts für Internationale Beziehungen
begriff ich, dass die Verteidigung
der Schwachen das Wesen
unserer Außenpolitik ist.
Doch erst in Angola offenbarte
sich mir diese Lehre als absolute
Wahrheit. Dort lernte ich, dass
der Revolutionär nicht derjenige
ist, der hasst, sondern derjenige, der sein Leben hingibt,
damit andere frei sein können. Es war auch in
Angola, wo ich dies mit den angolanischen und namibischen
Brüdern teilte, wo ich Zeuge war der verheerenden
Auswirkungen des Kolonialismus und ebenso
der Bemühungen eines ganzen Volkes, sich von diesen
Auswirkungen zu befreien. Die internationale Reaktion
Südafrikas und der USA, dies zu verhindern, war
der Rahmen, wo ich in der praktischen Realität mit
der Größe von Fidels Denken und seinem internationalistischen
Engagement, seiner humanistischen Vision,
dem altruistischen Geist unseres Volkes und unserer
Revolution konfrontiert wurde.
Diese Bestätigung der Überzeugung, die Fidel uns
eingeprägt hatte, die ich in der Praxis sah und an der
ich wie so viele Tausende Kubaner teilhatte, war es,
die mich dazu trieb, die riskanteste Mission meines
Lebens auf mich zu nehmen. In den 90er Jahren, als
im Norden terroristische Pläne gegen unser Volk geschmiedet
wurden, infiltrierte ich zusammen mit
meinen vier Brüdern konterrevolutionäre Organisationen
in den Vereinigten Staaten. Wir taten dies nicht
aus Hass, sondern aus der reinsten Überzeugung heraus,
Menschenleben zu retten.
Das Gefängnis wurde zum endgültigen Beweis für
diese Maxime. Während der fast sechzehn Jahren ungerechter
Haft begegneten wir der Isolation mit der
Würde und Standhaftigkeit, die nur aus einem tiefen
Glauben, aus einer tief verwurzelten Überzeugung
von der Gerechtigkeit und Menschlichkeit der Sache,
die wir verteidigen, entstehen
konnten. In jenen Jahren war die
Gestalt Fidels keine ferne Erinnerung,
sie war ein inniger und ständiger
Dialog. Sie war die beständige
und unerschütterliche Mahnung,
dass Würde nicht verhandelbar
ist.
Nach der Freilassung konnte ich
ihm endlich die Hand schütteln.
Ich erinnere mich an diese Begegnung
mit der Rührung eines Menschen,
der nach einer langen Reise
nach Hause kommt. Es bedurfte
nicht vieler Worte. Sein fester Blick
und jene Umarmung, die zu sagen
schien: „Hier ist dein Volk“, reichten
aus. Es war die Anerkennung
eines Kampfes, der niemals allein
geführt wurde.
Heute, an der Spitze des Kubanischen Instituts für
Völkerfreundschaft (ICAP), bin ich immer noch jener
Mann, der an die Menschen glaubt. In jeder Geste internationaler
Solidarität wiederholt sich die grundlegende
Lektion meines Lebens: Fidels Werk misst sich
nicht an Reden, sondern an der Fähigkeit, Männer und
Frauen mit unerschütterlichem Gewissen zu formen.
Ich sage dies mit der Einfachheit eines Menschen,
der die Wahrheit gelebt hat: Alles, was ich getan habe
und weiterhin tue, tue ich in Gedanken an Fidel. In aller
Bescheidenheit glaube ich, dass wir, die Fünf Helden,
der Beweis dafür sind: Wenn ein Führer an den
Menschen glaubt und diesen Glauben sät, erntet er
Menschen, die seinen Geist in jeder Tat des Widerstandes
in sich tragen. Das waren wir und das werden wir
sein. Wir sind lediglich ein Spiegelbild dessen, was das
kubanische Volk ausmacht, denn wie uns der Comandante
en Jefe gelehrt hat, ist dies das Wesen des Revolutionärs:
die Überzeugung in die Verteidigung des Lebens
und der Würde eines Volkes zu verwandeln.
Übersetzung: Brigitte Schiffler und Wolfgang Mix