„Es reicht! Unblock Cuba!“

Solidarität mit Kuba im Berliner Babylon – Rosa-Luxemburg-Preis an Aleida Guevara
Von Wolfgang Mix

Antiimperialistischen Tribüne im Kino Babylon: Übergabe des Rosa-Luxemburg-Preises an Aleida Guevara (kleines Bild)
Fotos: junge Welt
Die Tageszeitung junge Welt und der Verlag 8. Mai, in dem sie erscheint, veranstalteten am 11. April dieses Jahres eine Konferenz zur Solidarität mit Kuba – dem Land, das seit über 60 Jahren durch eine imperialistische Wirtschaftsblockade in die Knie gezwungen werden soll. Im Berliner Kino Babylon sprachen unter anderem Aleida Guevara, Enrique Ubieta und Liz Oliva Fernández aus Kuba. Herausragend waren ebenso die kämpferischen Beiträge des spanischen Journalisten Ignacio Ramonet und des Schweizer Arztes Franco Cavalli, des Begründer der medizinischen Hilfsorganisation mediCuba Europa.
Warum eine Solidaritätskonferenz jetzt so notwendig war, brachte dort Fanny-Michaela Reisin, seit 1967 an der Seite des palästinensischen Volkes, zum Ausdruck: „Was wir jetzt erleben, das überschreitet alles Vorstellbare, und auch das, was wir in Kuba erleben und in Venezuela erlebt haben, das hätte ich mir noch vor drei Jahren nicht vorstellen können, weil es der Gipfel an Unmenschlichkeit, an Verachtung, an Ächtung der Menschlichkeit ist, die uns da vorgeführt wird. Das Demütigende ist: Wir sind alle zum Zuschauen verdammt.“
Dass wir nur zum Zuschauen verdammt seien, sah Franco Cavalli von mediCuba anders. „Die Gefahr für Kuba ist jetzt und in den nächsten beiden Jahren groß“, sagte er. „Meine große Hoffnung, vor allem seitdem ich von der Flottille nach Kuba zurückgekommen bin, ist die Jugend in Europa und in den USA ... Ich glaube, unsere Aufgabe ist es, diese Jugend zu mobilisieren, damit sie auf die Straße geht.“
Liz Oliva Fernández beschrieb, wie kompliziert der Widerstand für die kubanische Jugend ist. „Man muss verstehen, dass Kuba nicht perfekt ist. Kuba ist ein Land im Aufbau. Wir haben ein System, das wir errichten, das aber nicht wirklich vollendet ist. Wir haben diese Gelegenheit nicht bekommen. ... Was uns von Fidels Gedankengut als Vermächtnis weiterhelfen kann, ist ein wichtiges Konzept der Revolution: dass wir ändern, was wir im Land ändern können. Und dass die Kubanische Revolution heute in der Verantwortung der Jugendlichen liegt, die weiter auf Kuba, auf eine Zukunft in Kuba setzen.“ Am meisten hätten sie die Menschen beeindruckt, die sich selbst an einem Ort, der weit von Kuba entfernt ist und eine andere Kultur hat,für Kuba einsetzten und Interesse daran hätten, es auf ihre Weise zu unterstützen. Für sie war die Erkenntnis wichtig, dass Menschen in allen Teilen der Welt glauben, dass eine bessere Zukunft möglich ist.
Höhepunkt war die Verleihung des Rosa-Luxemburg-Preises an Aleida Guevara. Als Tochter des Revolutionärs Ernesto Guevara denkt und lebt sie in Einklang mit dem Gedankengut ihres berühmten Vaters. Als Ärztin in Kuba praktiziert sie die Solidarität mit den Menschen auf ganz konkrete, eigene Weise. Ebenso wie ihre Landsleute, die in vielen medizinischen Missionen in zahlreichen Ländern freiwillig und solidarisch tätig sind. Während Fidel Castro in der medizinischen Hilfe ein wichtiges Element sah, die Herzen der Menschen für den Sozialismus zu gewinnen und praktische internationale Solidarität zu üben, ist diese Praxis den Imperialisten ein Dorn im Auge. Medizin hat im Kapitalismus vorrangig den Charakter einer Ware und dient der Profiterzielung, hauptsächlich und im großen Stil für Pharma- und Krankenhauskonzerne. So werden die medizinischen Internationalisten Kubas, die in armen Gegenden Hilfe leisten, als „Sklavenarbeiter“ diffamiert und zu Opfern stilisiert durch die Propagandisten der US-Regierung und ihre verkommenen Medien in Washington und Miami. Jedoch hat niemand diese Menschenfeinde und Lakaien des großen Geldes um ihre Meinung gebeten. Am allerwenigsten die kubanischen Ärzte selbst, bei denen es sich um hochgebildete Menschen handelt, die in einem humanistischen Geiste und mit einer besonderen ethischen Haltung tätig sind. Ebenfalls nicht danach gefragt haben die hunderttausende von Patienten, die ohne eigene medizinische Betreuung in ihren Ländern auf die Hilfe dieser kubanischen Ärzte angewiesen sind. In einer Reihe von Ländern der Karibik und Südamerikas haben inzwischen feige und prinzipienlose Regierungen den Erpressungen des Trump-Regimes nachgegeben und die Verträge mit Kuba über die Entsendung von medizinischem Personal aufgekündigt. Mexiko und seine Regierung unter Claudia Sheinbaum sind eine Ausnahme.
Die Preisverleihung der Tageszeitung „Junge Welt“ und der Zeitschrift „Melodie und Rhythmus“ erfolgte zum zweiten Mal, um – so Ulrike Eifler bei ihrer Laudatio auf den ersten Preisträger Rolf Becker im letzten Jahr – in einer Zeit wachsender Kriegsgefahr die Scheinwerfer auf diejenigen zu richten, die sich mutig in den Wind stellen und unbeugsam ihre Stimme gegen das neue Säbelrasseln erheben. Die Preisvergabe an Aleida Guevara war nicht nur eine Ehrung ihres Berufsstandes in Kuba, sondern sie erhielt den Preis stellvertretend für das widerständige kubanische Volk. Die Berliner Konferenz wurde so ein wichtiger Teil des Widerstandes gegen die Arroganz der Macht. Musikalisch unterstützt sie vom Auftritt des chilenischen Liedermachers Nicolás Miquea.
Kuba soll unterworfen werden, sein Beispiel der Vergessenheit anheimfallen. Das käufliche Gesindel, das diese Kampagnen gegen Kuba führt, versumpft in immer tieferen Abgründen des Zynismus. Jede auch noch so abstruse Lüge ist gerade recht, gewaltsamen Aggressionen gegen das Land eine scheinbare Berechtigung zu verschaffen. Tragisch ist, dass Kuba nicht das Ausmaß von Unterstützung erfährt, welches seine Menschen aufgrund ihres eigenen Internationalismus verdient hätten. Die Berliner Organisatoren haben ein Beispiel gesetzt. Verstärken wir gemeinsam den Widerstand, zeigen wir den Menschen Kubas, nicht alleine zu sein! Ihr Kampf ist auch unser Kampf.