Wir halten an unserer Reise nach Kuba fest

Gespräch mit Christoph Feick, Leiter für Bildungsreisen bei Arbeit und Leben Rheinland-Pfalz/Saarland

Cuba Libre: Zunächst einmal vorab, du leitest bei der Arbeit und Leben gGmbh Rheinland-Pfalz/Saarland die Abteilung Politische Bildung. Welche Ziele verfolgt die Organisation, und welche Bildungsangebote werden in deiner Abteilung gemacht?

Christoph Feick: Unsere Organisation verfolgt das Ziel, Menschen zu selbstbestimmter und gerechter Teilhabe an Gesellschaft, Beruf und im Betrieb zu befähigen. Dabei stehen demokratische Bildung, soziale Gerechtigkeit, Chancengleichheit, Solidarität und Respekt für Vielfalt im Mittelpunkt.
In unserer Abteilung Politische Bildung bieten wir vor allem Seminare, Bildungsreisen und weitere Formate der politischen Jugend- und Erwachsenenbildung an. Dazu gehören Themen wie Demokratiebildung, politische und gesellschaftliche Orientierung, die Stärkung von Mitbestimmung sowie die Auseinandersetzung mit aktuellen sozialen und politischen Entwicklungen; je nach Format auch Bildungsfreistellung, Wochenendseminare oder innovative Modellprojekte. Vieles davon setzen wir in Kooperation mit den DGB-Mitgliedsgewerkschaften, aber auch mit verschiedenen Jugendverbänden oder anderen (Weiter-)Bildungsträgern um.

Cuba Libre: Die Arbeit und Leben gGmbh Rheinland-Pfalz/Saarland bietet für Dezember 2026 zum zweiten Mal eine Reise nach Kuba an, für die es den sogenannten Bildungsurlaub gibt. Was bewegt euch dazu?

Christoph Feick: Die Motivation für eine abermalige Durchführung der Reise nach 2024 setzt sich aus mehreren Ebenen zusammen – bildungspolitisch, organisatorisch, aber auch ideell.
Erkundungen auf Kuba passen einerseits sehr gut zu unserem Selbstverständnis und unserem Auftrag der politischen Bildung. Unsere Bildungsreisen sollen auch dazu dienen, andere Gesellschafts-, Politik- oder Sozialmodelle kennenzulernen und Gespräche mit Akteuren vor Ort zu ermöglichen. In der Auseinandersetzung mit Alternativen liegt die große Chance, die eigenen Verhältnisse oder Strukturen besser zu verstehen, aber auch kritisieren oder eben unterstützen zu können. Die Erfahrung, dass die „eigene“ nicht die einzig mögliche Art ist, Zusammenleben zu gestalten, erweitert den eigenen Horizont und schafft Raum für neue Perspektiven und Handlungsmöglichkeiten. Kuba bietet als Land ein alternatives politisches und wirtschaftliches System außerhalb westlich-kapitalistischer Modelle. Und da ist es natürlich interessant zu schauen, wie es dazu kam, welche Ziele mit dieser Entwicklung verfolgt wurden bzw. werden und welche gesellschaftlichen Auswirkungen das hat. Gespräche vor Ort bieten da oftmals einen differenzierteren Blick als reine Medienberichte.
Organisatorisch war es einfach so, dass die erste Reise sehr gut gelaufen ist und wir viele positive Rückmeldungen erhalten haben. Bereits kurz nach der Ausschreibung gab es eine große Nachfrage von Interessent*innen, die wir gar nicht in Gänze bedienen konnten, entsprechend hatten wir eine lange Warteliste. Und dann haben wir das Glück, einen Kollegen bei Arbeit und Leben zu haben, der länger auf Kuba gelebt und entsprechend gute Kontakte hat. Dadurch haben die organisatorischen Abläufe vor Ort und die Kooperationen super funktioniert und wir hatten tolle Gespräch und interessante Begegnungen.
Und letztlich möchten wir mit unserer Reise auch ganz praktisch die Menschen vor Ort unterstützen, zunächst mal finanziell, und auch zeigen, dass ihre Situation – insbesondere angesichts der US-Sanktionen – nicht unbeachtet bleibt. Neben aller Wissensvermittlung ist nämlich auch das eines der Ziele unserer Bildungsreisen: Empathie und Verständnis für die jeweiligen Lebensverhältnisse und damit Solidarität zu ermöglichen.

Cuba Libre: Der Titel der Reise lautet „Kuba- Auf den Pfaden der Revolution“. Was ist das Konzept dieser Reise? diese schrecklichen Auswirkungen der US-amerikanischen Blockade im Freundes- oder Bekanntenkreis hinzuweisen, habe ich als Vorhaben ganz persönlich von der Reise mit nach Deutschland genommen.

Christoph Feick: Die Idee war, die Geschichte Kubas ausgehend von der Kolonialzeit bis zur Revolution von 1959 nachzuzeichnen. Das heißt, wir wollten die Ursprünge, den Verlauf und die Auswirkungen der kubanischen Revolution(en) verstehen und erfahren, wie sie die kubanische Gesellschaft geprägt hat. Das Besondere dabei ist, die Geschichte nicht nur zeitlich, sondern auch räumlich zu verfolgen – über die Stationen Bayamo, die Sierra Maestra bis nach Santiago de Cuba. Unser Seminarleiter hat das treffend als „Bewegung in Zeit und Raum“ dargestellt. Für die geplante Reise 2026 wollen wir dabei auch verstärkt die Perspektive der Frauen und die Dimensionen der Gleichstellung beleuchten.

Cuba Libre: Du hast an der ersten Ausgabe der Reise im Dezember 2024 selbst teilgenommen. Was hast du von der Reise persönlich mitgenommen?

Christoph Feick: Am einprägsamsten empfinde ich bis heute noch die Art und Weise, wie der Stellenwert von Bildung nicht nur proklamiert, sondern – in meiner Wahrnehmung – auch umgesetzt wurde und wird. Wandgemälde, die von Bildung als „Schlüssel zur Freiheit“ sprechen, sind das eine – aber zu sehen, wie gut ausgebildet selbst in den ländlichen Regionen viele Menschen sind, war dann doch für mich überraschend. Wir hatten an einem Abend in einem Dorf in der Sierra Maestra einen kleinen medizinischen Zwischenfall und innerhalb weniger Minuten hatte das Hotelpersonal eine Krankenschwester informiert, die sofort mit großer Kompetenz und Hilfsbereitschaft unterstützt hat. Das war für mich umso überraschender, da ich zunächst den Eindruck hatte, dass es vor Ort kaum Infrastruktur oder irgendeine Versorgung gibt.
Gleichzeitig ist aber leider auch der große Mangel, unter anderem an medizinischen Geräten, Medikamenten etc., allgegenwärtig. Auf diese schrecklichen Auswirkungen der US-amerikanischen Blockade im Freundes- oder Bekanntenkreis hinzuweisen, habe ich als Vorhaben ganz persönlich von der Reise mit nach Deutschland genommen.

Cuba Libre: Jetzt soll inmitten der zugespitzten wirtschaftlichen Krisenlage Kubas im Dezember 2026 die zweite Reise durchgeführt werden. Wie ist der Stand der Vorbereitungen?

Christoph Feick: Die Lage ist leider – Stand Ende Mai 2026 – immer noch komplett unsicher. Wie sich die nächsten Monate entwickeln und ob die US-amerikanische Regierung wieder Öltransporte auf die Insel zulässt, ist nicht absehbar. Wir haben allerdings die Reise für Dezember weiterhin geplant und sind in engem Austausch mit einer Reiseagentur vor Ort. Sollte eine Durchführung für die kubanischen Seite nicht machbar oder die Einschränkungen und Unsicherheiten für unsere Teilnehmerinnen und Teilnehmer nicht mehr vertretbar sein, müssen wir unseren Besuch leider verschieben.

Cuba Libre: Man könnte meinen, es wäre unanständig, in dieser Situation als Tourist nach Kuba zu reisen…

Christoph Feick: Diese Haltung kann ich ein bisschen nachvollziehen und momentan bin ich auch nicht ganz frei davon. Aber bei der Einschätzung verlassen wir uns letztlich auf unsere kubanischen Partner und solange wir signalisiert bekommen, dass die Reise machbar und sogar gewünscht ist, halten wir daran fest. Momentan ist es nämlich eher so, dass der Wunsch an uns kommuniziert wird, die Reise trotz aller Widrigkeiten doch stattfinden zu lassen; es ist zu spüren, dass sie uns weiterhin ihre Insel zeigen und auch nicht ganz vergessen werden wollen.

Das Gespräch führte Tobias Kriele