Falschmeldungen Unterschlagungen Manipulationen

Von Volker Hermsdorf

CUBA LIBRE will in dieser Rubrik aufzeigen, was die Konzernmedien verschweigen, Falschmeldungen enthüllen und Manipulationen aufdecken.
Die perfide Doppelmoral westlicher Medien nach dem verheerenden Erdbeben in Venezuela lässt ahnen, was zu erwarten ist, falls Kuba in der noch bis Ende November dauernden Hurrikansaison von einem zerstörerischen Wirbelsturm getroffen würde. In Venezuela wird die mehr als zehn Jahren lang von den USA mit Sanktionen belegte Regierung des verschleppten Präsidenten Nicolás Maduro, wie die seiner amtierenden Nachfolgerin nach der Methode „Victim Blaming“ vom Opfer zum Täter gemacht. „Für den Imperialismus ist eine Naturkatastrophe kein Notfall, der Hilfe und die Achtung der Souveränität des betroffenen Landes erfordert, sondern öffnet ein Zeitfenster für den angestrebten institutionellen Zusammenbruch“, erklärte der venezolanische Politologe Oscar Bravo die nicht überraschenden Berichte großer Medien. Für Kuba gilt das in besonderem Maße.

Täter-Opfer-Umkehr
Bereits Barack Obama verhängte die ersten Sanktionen gegen Venezuela. Mit dem Präsidialdekret 13692 erklärt der frühere US-Präsident das Land 2015 zur „außergewöhnlichen Bedrohung für die nationale Sicherheit der USA“. Sein Nachfolger Donald Trump verschärfte den Druck in seiner ersten Amtszeit mit zahlreichen weiteren Zwangsmaßnahmen. Im November 2017 verhängte auch die Europäische Union Sanktionen gegen Venezuela, die ein Jahr später verlängert werden und bis heute gelten. Joseph Biden setzte Trumps repressive Politik unverändert fort, bis der Machthaber im Weißen Haus – nach Beginn seiner zweiten Amtszeit – zum offenen Angriff überging. Am 3. Januar fiel Trumps mordende Soldateska In Venezuela ein, tötete Mitglieder der Revolutionären Streitkräfte, kubanische Sicherheitsexperten sowie unbeteiligte Zivilsten und verschleppte das Präsidentenpaar.
Der Angriff erfolgte, weil sich die Regierung in Caracas – trotz aller US-Zwangsmaßnahmen und einiger Zugeständnisse – nicht vom Trump-Regime auf die Knie zwingen ließ. Dabei hatte der seit zehn Jahren ständig verstärkte Würgegriff bereits gigantische ökonomische Verluste und Schäden im Gesundheitssystem angerichtet. Die mehr als 1.400 Sanktionen führten allein zwischen 2015 und 2020 zu einem Rückgang der Staatseinnahmen um 98 Prozent, wodurch das BruttoinlandsCUBA produkt auf ein Viertel seines vorherigen Wertes sank, prangerte der Minister für Anti-Blockade-Politik, William Castillo, Ende 2025 an.
„Wir sehen Jahre, wenn nicht Jahrzehnte zerstörter oder fragiler und nicht funktionierender Infrastruktur – etwa in Krankenhäusern und im Bausektor“, zitierte Spiegel-Online eine „Expertin“ nach dem von Bild als „Apokalypse von Caracas“ bezeichneten Erdbeben. Wie andere Medien machte der Spiegel dafür jedoch nicht die US-Sanktionen, sonder den Chavismus verantwortlich. Die TAZ – immer zur Stelle, wenn es gegen Regierungen geht, die sich nicht den grün-westlichen Werten unterwerfen – sekundierte unter der Überschrift „Der Staat liegt in Trümmern“, die von Delcy Rodríguez geführte Regierung „lässt die Bevölkerung genauso schutzlos, wie seit Jahren“.
Auch die Tagesschau, das deutschsprachige Medium mit der größten Reichweite, stimmte in die Täter-Opfer-Umkehr ein. „Venezuela litt seit Jahrzehnten unter Missmanagement und Korruption“, hieß es auf tagesschau.de, im Gegensatz zum TAZ-Artikel allerdings mit der banalisierenden Ergänzung: „Hinzu kamen USSanktionen“. Immerhin.

Kommunikative Perversion
Im Falle Kubas dürften solche in kommunikativer Perversion geübten Medien zur Höchstform auflaufen, falls eine Naturkatastrophe den Annexionsplänen von Donald Trump und Marco Rubio in die Hände spielen sollte. Kuba sei ein Land der „Entbehrungen und Unterdrückung“ so bereits jetzt die Magdeburger Volksstimme. Spiegel-Online ergänzt mit dem Hinweis: „Während der Amtszeit von Díaz-Canel geriet Kuba in eine der schwersten Wirtschaftskrisen seit dem Sieg der Revolution 1959 mit dauernden Stromausfällen und massiven Versorgungsproblemen.“
Die Berliner Morgenpost stimmte einen Abgesang an, gab ungebetene Ratschläge und fabulierte: „Im besten Fall erzwingt der Druck der Trump-Regierung nicht den sofortigen Sturz des Systems, sondern dessen pragmatische Entkrampfung. Havanna könnte sich aus der bankrotten Staatswirtschaft herausbewegen, ohne ins Chaos zu schliddern.“ Unter der Überschrift „Kubas Regime am Abgrund“ kommentierte dazu passend die FAZ – wer auch sonst?: „Die US-Blockade zeigt Wirkung. Lange kann sich Kubas Diktatur nicht mehr halten. Doch den Ruin des Landes haben die Sozialisten ganz allein bewerkstelligt.“
Dagegen wirkt die Berichterstattung von tagesschau.de gelegentlich fast schon ausgewogen. Zwar hieß es auch dort zunächst im Jargon von Trump und Rubio: „Marode Infrastruktur, Stromausfälle und Versorgungsmängel bestimmen den Alltag in Kuba“. Doch immerhin heißt in demselben Beitrag etwas später über die angekündigten wirtschafts- und Sozialreformen: „Solange die USSanktionen bestehen, bleibt Kubas Spielraum begrenzt“.