Am 13. August 2026 ist es ein Jahrhundert her, dass ein Mann geboren wurde, der für die Geschichte nicht nur der kubanischen Nation von entscheidender Bedeutung war: Fidel Castro Ruz war Erbe des ehrlichen revolutionären Gedankenguts, treibende Kraft für den Aufbau einer sozialistischen Gesellschaft und unbestreitbar verantwortlich dafür, dass es auf einer kleinen Insel - 90 Meilen von den USA entfernt - gelungen ist, eine Gesellschaft aufzubauen, die sich von den Stigmata der sogenannten Dritte-Welt-Länder befreite. Anlässlich dieses hundertjährigen Geburtstages von Fidel will die Cuba Libre in diesem Jahr in jeder Ausgabe eine Analyse der wichtigsten Grundsätze seines politischen, philosophischen, militärischen, sozialen und kulturellen Denkens bringen. Das Jubiläum sollte für uns eine Gelegenheit für eine gründliche Auseinandersetzung mit Fidels Werk sein.


Fidel und die Umweltfrage

Der 1926 geborene und vor 10 Jahren verstorbene kubanische Revolutionsführer Fidel Castro wuchs auf dem Lande auf und die Gefährdung der natürlichen Lebensbedingungen wurde für ihn ein immer wiederkehrendes Thema. Stets benannte er als Hauptursache den Zusammenhang zwischen der kapitalistischen Wirtschaftsordnung und der sozialen Ungleichheit.

Anfang der 1980er Jahre erschien in den USA die umfangreiche, doch vergleichsweise moderate Umweltstudie "Global 2000", welche durch die Entwicklungen schnell überholt wurde und heute weitgehend in Vergessenheit geraten ist. Daraufhin veröffentlichte Kuba 1983 unter dem Titel "Wenn wir überleben wollen" seine Sicht auf die Problematik, die erstmals den Teilnehmern am 7. Gipfel der Nichtpaktgebundenen Staaten vorgelegt wurde. "Wir sind in erster Linie Politiker, was in der Welt von heute an sich schon eine der schwierigsten Aufgaben ist, und wir müssen vor allem verantwortungsvolle Politiker sein", schrieb Fidel im Vorwort. Der Text geht auf die gesamte Bandbreite der Probleme aus der Perspektive der besonders benachteiligten Entwicklungsländer ein, darunter auch auf den kritischen Zustand der natürlichen Umwelt, der die Existenz der Menschheit insgesamt bedroht. "Mit ernster Besorgnis muss die Menschheit mit ansehen, wie diese negative Auswirkung auf die Natur sich Jahr für Jahr im Anwachsen der Verwüstung, der beschleunigten Erosion der Ackerflächen, in der wachsenden Verunreinigung der Gewässer und der Erschöpfung ihrer Quellen, im Rückgang der bewaldeten Flächen und in anderen ähnlichen Erscheinungen widerspiegelt. Die großen ökologischen Systeme, auf deren Gleichgewicht und organischer Stabilität sich das Leben des Planeten jahrtausendelang entwickelt hat, sind heute wie nie zuvor in ihrer Existenz bedroht." Und weiter: "Man muss sich jedoch fragen, welche Bedeutung die Erklärung von Begriffen wie Ökosysteme, biologische Stabilität, Verschmutzung, Verschlechterung der Umwelt und so weiter für die hungernden und unwissenden Massen der unterentwickelten Welt haben kann, die täglich um das bloße Überleben kämpfen. Kann man vielleicht einen Nomadenhirten aus der Sahel-Zone, der im ständigen Kampf ums Überleben mit seiner Herde auf ausgeglühtem Boden auf der Suche nach Wasser und Nahrung umherzieht, darüber aufklären, dass diese jahrtausendealte Praxis der wesentliche Faktor für die beschleunigte Verwüstung des Bodens ist und dass sie aufhören muss? Ohne eine vorherige sozioökonomische Lösung, die eine Veränderung und eine neue Perspektive für diese unmenschliche Lebensform bringt, kann wenig getan werden, um sein negatives Einwirken auf die Natur zu vermeiden.

Fidel Landwirtschaft

Foto: Archiv Granma


Ebenso wenig kann man Verständnis und viel weniger noch eine Lösung für die schwerwiegenden Folgen der nicht bodenständigen Landwirtschaft erwirken, die Millionen von landlosen Bauern betreiben, wenn nicht vorher die ungerechte Verteilung des Bodens, die archaischen Formen landwirtschaftlichen Produktion und ihre menschenunwürdigen Lebensbedingungen überwunden werden. Kann man andererseits heute die tropischen Länder mit großen Waldgebieten - generell sind es die ärmsten Länder der Erde - dazu auffordern, die Nutzung ihres Waldreichtums einzustellen, um die gefährlichen ökologischen und klimatischen Veränderungen, die daraus für die Welt erwachsen, zu vermeiden, ohne vorher die wesentlichen Ressourcen für ihre Entwicklung abzusichern und für ihre Völker gerechtere und günstigere ökonomische Verhältnisse zu schaffen?"

Vor Regierungsvertretern des globalen Südens fragte er: "Wem wollen sie die Geschichte weismachen, dass es der Markt sei, der über saubere Luft wachen kann, über gute Wasserqualität, ertragreiche Meere, wo ausreichend Fisch für die ansteigende Weltbevölkerung heranwachsen kann? (...) Was hat die Natur zerstört? Das System. Was hat die Aufheizung der Atmosphäre provoziert, die Möglichkeit des Abschmelzen der polaren Eiskappen, die Zunahme von Flutkatastrophen und von Wirbelstürmen, wenn selbst Dutzende von Inseln und Küstengewässer bei steigendem Meeresspiegel überflutet werden?" Zum Ablasshandel mit Verschmutzungsrechten, der von den Phantasten einer "grünen" kapitalistischen Umweltpolitik beständig als Lösung angedient wird, die in dem von ihnen vergötterten Markt das Allheilmittel für alle Probleme finden wollen, ohne der zerstörerischen kapitalistischen Wirtschaftsweise ernsthafte Einschränkungen abverlangen zu müssen, sagte er: "Das ist unwürdig für eine zivilisierte Gesellschaft, für eine gebildete Menschheit!"

Auf dem Umweltgipfel der Vereinten Nationen in Rio warnte er 1992 unter anderem: "Wenn man die Menschheit vor dieser Selbstzerstörung retten will, müssen die Reichtümer und die verfügbaren Technologien des Planeten besser verteilt werden. Weniger Luxus und weniger Verschwendung in einigen wenigen Ländern, damit weniger Armut und weniger Hunger in großen Teilen der Erde herrschen. Schluss mit dem Transfer von Umwelt zerstörenden Lebensstilen und Konsumgewohnheiten in die Dritte Welt. Das menschliche Leben muss rationaler werden. Es muss eine gerechte internationale Wirtschaftsordnung durchgesetzt werden. Alle notwendigen wissenschaftlichen Forschungen sollen für eine nachhaltige Entwicklung ohne Umweltverschmutzung eingesetzt werden."

Den seit 2007 einsetzenden Prozess der Umwandlung von Nahrungspflanzen in "Bio"-Treibstoff bezeichnete er als "monströsen Akt". Der Kapitalismus schicke sich an, "eine massive Euthanasie der Armen" zu betreiben. Die seither angestiegenen Lebensmittelpreise sind der Beleg dafür. Der Hunger ist weltweit auf dem Vormarsch.

In einer seiner späteren Reflexionen schrieb er über den unersättlichen Drang des Kapitalismus, absolut alles in seinen Verwertungsprozess hineinzuziehen und zu Geld zu machen:

"Wie Marx warnte, geschieht dies nicht infolge der Verderbtheit oder Herzlosigkeit dieses oder jenes Kapitalisten, sondern es ist die Folge der Logik des Akkumulationsprozesses, der zum unaufhörlichen "Merkantilismus" sämtlicher Bestandteile, materiellen Güter und Symbole des gesellschaftlichen Lebens neigt. (...) Der Boden und seine Produkte, die Berge, Seen und Wälder waren Gegenstand seines unaufhaltsamen Raubzuges. Natürlich entgingen auch die Nahrungsmittel dieser höllischen Dynamik nicht. Der Kapitalismus macht alles zur Ware, was er in Reichweite bekommt."

In einer Wirtschafts- und Gesellschaftsordnung, in der selbst auch der Mensch zur Ware degradiert wird, den man nach Bedarf auf einem globalisierten "Arbeitsmarkt" einkauft oder ihn seinem Schicksal überlässt, muss die schleichende Zerstörung der Umwelt fast zwangsläufig in der Wahrnehmung einer Mehrheit hinten anstehen oder sie bleibt ein zweitrangiges Problem. Solange, bis es zu spät ist.

"Eine andere Weltordnung, mit mehr Gerechtigkeit und Solidarität, welche die natürliche Umwelt und das Leben auf diesem Planeten bewahren, ist die einzig mögliche Alternative. Damit dies geschieht, muss unser Instinkt für Selbsterhaltung mit größerer Macht als jemals zuvor zum Tragen kommen."

Cuba Libre
Wolfgang Mix
Cuba Libre, 14. Januar 2026